Donnerstag, 18. Mai 2017

Die wichtigste Eigenschaft eines Investors: Geduld

Die wichtigste Eigenschaft eines Investors: Geduld

Bevor ich demnächst einmal wieder etwas über Einzelaktien schreibe, wollte ich heute ein paar Worte (oder eher Bildchen) zum Thema 'Die wichtigste Eigenschaft eines Investors' verlieren. Meiner Meinung nach ist die wichtigste Eigenschaft die Geduld. Bei mir ist es zum Beispiel so, dass ich durch meine Ungeduld immer wieder einiges an Geld eingebüßt habe. Das Gute daran ist: wenn man es sich die Verkaufszeitpunkte mal vor Augen hält, vertraut man auch eher seinen anderen Eigenschaften wie z.B. denen, die vorher zur Kaufentscheidung geführt haben.

Seit ein paar Wochen höre ich mir im Auto auf der Fahrt von/nach München immer die Podcast des Finanzrockers und des Finanzwesirs an. Auch wenn ich nicht wirklich viel Neues dazu gelernt habe, sind sie doch recht interessant anzuhören. Zumindest habe ich mehr davon, als im Radio 2-3 mal täglich 'It beats me black and blue but it fucks me so good' hören zu müssen (siehe auch Songtext von Rihanna - Love on the Brain). In einer der Podcastfolgen haben die beiden Autoren/Finanzblogger/-podcaster z.B. über die 4 G's von Andre Kostolany geredet, von denen eines die Geduld ist. Auf diesen Punkt war ich ja auch schon einmal in meinem Beitrag zum Kostolany-Buch 'Die Kunst über Geld nachzudenken' eingegangen.

Um zu verstehen, warum ich für mich die Geduld als wichtigste Eigenschaft eines Investors ansehe, reicht die Auflistung der Hitlist meiner dämlichsten Verkaufsentscheidungen:

1. Verkauf von Apple am 30.09.2013 (war vor dem 1:7-Split - splitbereinigter Kurs ca. 50 €):

2. Verkauf von F5 Networks am 30.09.2013:

3. Verkauf von Orbis am 30.09.2013 und 02.10.2013:

Zugegeben: Orbis selbst zeigte bis Ende 2013 eher, was eine sogenannte Seitwärtsbewegung ist. Aber da ich aus der Beratungsbranche komme, musste ich das einfach mit aufnehmen. Insgesamt könnt ihr an 1. bis 3. sehr gut erkennen, dass der 30.09.2013 im Nachhinein nicht mein Glückstag war. V.a. wenn man dabei zusätzlich bedenkt, dass ich an dem Tag Geld für ein Haus freigesetzt habe, was wir im Endeffekt nicht bekommen haben. Zur Info: Dax am 30.09.2013 bei rund 8600 Punkten, aktuell bei rund 12.600 (+ 46 %).

4. Verkauf von Sturm Ruger am 02.10.2014:

Zur Info: Dax am 02.10.2014 bei rund 9200 Punkten, aktuell bei rund 12.600 (+ 37 %).

5. The emotional Winner der Shitlist: Verkauf von Nokia am 16.07.2012:

Gekauft hatte ich Sie ein paar Monate davor mit der Idee, dass Nokias Patente für bestimmte Unternehmen wie z.B. Microsoft, die in den Smartphonemarkt einsteigen wollten, interessant sein könnten. Im September 2013 gab Microsoft dann die Übernahme der Nokia-Handysparte bekannt.

Zur Info: Dax am 16.07.2012 bei rund 6600 Punkten, aktuell bei rund 12.600 (+ 91 %).

6. Verkauf der Deutschen Post am 27.10.2011:

Zur Info: Dax am 27.10.2011 bei rund 6400 Punkten, aktuell bei rund 12.600 (+ 97 %).

7. And the Winner is: Verkauf von KPS AG am 02.03.2015:

Zur Info: Dax am 02.03.2015 bei rund 11400 Punkten, aktuell bei rund 12.600 (+ 11 %).

Fazit:

Ich habe einiges an Lehrgeld zahlen müssen. Die Hauptsache ist allerdings, dass ich mein Problem erkannt habe und versuche, daraus zu lernen. Und das sollte im Endeffekt jeder von uns tun. Einfach mal auf die Vergangenheit schauen und die Sachen identifizieren, die man zukünftig besser machen sollte. Mein Motto ist aktuell Geduld baby, Geduld :-) Frage in die Runde: Was ist für euch die wichtigste Eigenschaft eines Investors?

Kommentare:

  1. Schöne, aber auch schmerzhaft Aufarbeitung. Das erinnert mich etwas an dieses Video von Monish Pabrai: https://www.youtube.com/watch?v=Jo1XgDJCkh4 - ich glaube das müsste es sein.
    Ich glaube eine wichtige Eigenschaft ist es flexibel mit seinem Denken zu sein und vor allem täglich dazu zu lernen. Neugier ist hier glaube ich das passende Wort.

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    1. Ja, der Pabrai hat sich in den letzten Jahren auch nicht mit Ruhm bekleckert. Sein Buch ist allerdings immer noch Klasse.

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  2. Geduld ist unglaublich wichtig. Ich habe einen ähnlichen Fehler mit einem DAX-ETF, wie du 2013, gemacht.
    Deine Aufzählung finde ich sehr schöne, auch wenn sie eigentlich hässlich ist :) Ich glaube die meisten Investoren (mich eingeschlossen) beobachten nicht konsequent die Performance ihrer Verkaufsentscheidung. Während die Kaufentscheidung jeder im Portfolio sieht, sollte man eigentlich auch seine Verkäufe, wie du es gemacht hast, tracken.

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    1. Ich hatte mir einfach mal die Mühe gemacht, alle Transaktionen (inkl. Käufen, Verkäufen und Dividenden) in einer Excel-Tabelle zusammen zu fassen. Ist schon erstaunlich, was da im Laufe der Zeit so für Umsätze zusammen kommen. Hoffe nur, dass die irgend wann mal auch in ein wenig mehr Gewinn enden :-)

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  3. Sehr gut so eine Aufarbeitung - ich kann da voll mitfühlen. Ich denke ich habe gelernt, dass ich Aktien nicht mehr einfach so verkaufe, so lange ich keine bessere Alternative gefunden habe. Das KPS-Beispiel kann ich sogar toppen: Ich habe die Aktien ein halbes Jahr gehabt und dann bei 1,18 € verkauft. Und das schlimmste - der Grund war dass sie in einer Korrektur am wenigsten gefallen waren unter meinen Aktien und ich gerade Geld brauchte. Hätte ich sie noch hätte ich meinen Einsatz ver15facht. ;( Oder Isra, Vision, unter meinen allerersten Aktien direkt als ich mein Depot eöffnet habe - verkauft bei etwa 16 €. Paragon auch bei 16. Und gerade ärgere ich mich, dass ich meine ganzen Hypoport-Aktien zu 82 € verkauft hatte weil ich dachte eine verdreifachung wirds so schnell nicht nochmal geben...

    Aber so ist das halt - Aus Fehlern lernt man und beim nächsten mal wird man geduldiger. Ich glaube deshalb ist vielen auch die Buy-and-Hold-Strategie so sympathisch, da kann man solche Fehler nicht machen. (Auch wenn ich denke, dass man den richtigen Gelegenheiten schon umschichten sollte)

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  4. Oha, da bist du wirklich ärmer dran, als ich, was die entgangenen Gewinne angeht, wenn ich das so lese :-)

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  5. Naja, ich habe zugegebenermaßen auch einige Verkäufe getan die sehr richtig waren - zum Beispiel bei eon oder der Deutschen bank noch über zwanzig Euro den Fehler bemerkt... Und man darf nicht vergessen, dass man ja ab anderer Stelle investiert, wo man oft auch ganz schöne Renditen einfährt. Nur muss man immer aufpassen, dass man nicht zu früh verkauft...

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    1. Das ist wohl wahr. Bei EON und Deutscher Bank war ich auch dabei. Genau wie früher bei ein paar Deutsch-Chinesen, die vom Börsenbrief 'Der Spekulant' empfohlen wurden (so vor rund 10 Jahren war das). Da war es im Nachhinein besser, dass ich ausgestiegen bin.

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  6. Hallo EasyWISA,

    super Artikel, danke dafür. Den gleichen Fehler (des viel zu frühen Verkaufens) hatte ich schon bei Symrise, Geberit, Shimano und Sixt gemacht und damit bis heute im Schnitt ca. 300 % Kurssteigerung verpasst.

    Die wenigen Aktien, bei denen sich die Verkaufsentscheidung gelohnt hat, weil größere Verluste vermieden werden konnten, hätte ich niemals überhaupt kaufen sollen. Einfach weil die Qualität von Anfang an nicht gestimmt hat (z.B. E.ON, Praktiker).

    Heute achte ich noch stärker auf die Qualität als auf den Preis einer Aktie. Und konzentriere mich auf 40 anfänglich gleichgewichtete Aktien, die ich nicht mehr verkaufen möchte. Dann wird es mit den Jahren vielleicht auch die ein oder andere Niete geben. Aber ich behalte auch die Chance, langfristig von dem ein oder anderen eventuellen Vervielfacher stark zu profitieren. Deshalb mache ich auch kein Rebalancing. Ob sich diese Strategie auszahlen wird, muss sich zeigen. Im Moment ist es meine Antwort auf die Verkaufsfehler der Vergangenheit.

    Wie gehst Du vor, um schlechte Verkaufsentscheidungen in der Zukunft zu vermeiden?

    Planst Du auch, auf Verkäufe komplett zu verzichten?

    VG

    Colibri

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    1. Hallo Colibri,

      ich versuche das jetzt ähnlich zu handhaben. D.h. nach und nach kaufe ich ein paar neue Werte hinzu, die ich auf meiner Watchlist habe bzw. in der Vergangenheit schon einmal analysiert habe. Verkauft habe ich zuletzt weniger. Und wenn, dann nur, wenn ich denke, dass die aktuelle Bewertung nicht mehr gerechtfertigt ist bzw. ich mir eingestehen musste, dass meine initialen Annahmen (vom Kaufzeitpunkt) nicht eingetreten sind und wohl auch nicht werden.

      Ein kompletter Verzicht auf Verkäufe wäre natürlich auch eine Möglichkeit, solange man genug Geld für neue Investments hat. Denn bei Aktien kann man im Allgemeinen nur 100 % verlieren, aber nach oben hin sind keine Grenzen gesetzt :-)

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