Freitag, 10. November 2017

Warren Buffett-Biographie "Das Leben ist wie ein Schneeball" von Alice Schröder

Warren Buffett-Biographie "Das Leben ist wie ein Schneeball" von Alice Schröder

Ich habs geschafft, mich zum zweiten Mal durch die 1000+-Seiten-Biographie von Warren Buffett zu arbeiten und muss sagen, dass es eine der besten Biographien ist, die ich bisher gelesen habe. Eins vorweg: wer lernen möchte, besser zu investieren, dem seien eher Warren Buffetts kostenlos verfügbare 'Briefe an die Aktionäre' ans Herz gelegt bzw. Lawrence A. Cunningham's Kurzzusammenfassung derer namens 'Die Essays von Warren Buffett: Die wichtigsten Lektionen für Investoren und Unternehmer'. Wer aber herausfinden möchte, warum Warren so ist, wie er ist (er ist schon irgendwie ein wenig freaky - siehe hier), der kann dies ansatzweise durch 'Das Leben ist wie ein Schneeball' tun.

Zur Autorin:

Die Autorin Alice Schröder veröffentlichte das Buch erstmals Ende September/Anfang Oktober 2008. Ich las die 3. Auflage aus dem Jahr 2010, welche noch ein weiteres Kapitel zur Finanzkrise enthält, die ja Ende 2008 noch in vollem Gange war. Schröder selbst war nach ihrem MBA-Abschluss einige Zeit in der Finanzindustrie tätig und ab 1993 als Finanzanalystin für Versicherungsunternehmen. So kam sie dann in Kontakt mit Buffett. Mit diesem arbeitete sie dann ab 2003 an der genannten Biographie. Dabei verbrachte sie knapp 2000 Stunden mit ihm und führte zusätzlich Interviews mit über 250 beteiligten Personen. Dieser Aufwand lässt sich im Buch selbst wiederfinden, welches über 1000 Seite stark ist und dessen Fußnoten allein mehr als 100 (!) Seiten ausmachen.

Zum Inhalt:

Das Buch beginnt mit einem Kapitel über die Sun Valley-Konferenz in 1999. Zu dieser Zeit kritisierten viele Leute Buffetts Investmentstil als altmodisch und führten seine leicht hinter dem Markt zurückgebliebenen Resultate der vorangegangenen Jahre/Monate darauf zurück, nicht bei der großen Party namens 'Das Internet ist die Zukunft' mitzumachen. Diesen sagte er sinngemäß, dass die Realität auch sie einholen wird und dass es unmöglich ist, dass die Aktienkurse dauerhaft losgelöst von den harten Fakten (sprich Umsätzen, Gewinnen und Cashflows) agieren können. Der Höhepunkt dieser 'Losgelöstheit' folgte zwar erst noch im März 2000, aber im Nachhinein hatte er mit seinen Aussagen, die er damals getroffen hatte, Recht, wie wir jetzt wissen.

Es gab vorher und nachher immer wieder Leute, die sich über Buffett lustig gemacht haben (hier z.B. einmal ein Buffett-Bashing-Video von Jim Cramer aus 2009), aber bisher hatte er doch meist das bessere Ende auf seiner Seite. Von daher bin ich z.B. auch voll bei ihm, wenn er zur aktuellen Bewertung an den Märkten sagt, dass sie mit den aktuellen Gegebenheiten nicht zu hoch sind. Aber das nur am Rande.

Ab Kapitel 6 beginnt die eigentliche Biographie. D.h. hier wird beschrieben, wie Buffett seine Kindheit verbrachte (in Omaha, Nebraska - wo er auch jetzt noch/wieder lebt) und aus welchen Verhältnissen er stammt. Sein Vater war Aktienbroker und wurde hart von der Weltwirtschaftskrise ab 1929 getroffen. Später war er republikanischer Kongressabgeordneter und damit verantwortlich dafür, dass Buffett sein geliebtes Omaha zeitweise verlassen musste. Buffett selbst hat noch 2 Schwestern, die mit ihm gemeinsam die nicht wirklich leichte Kindheit mit einer - sagen wir mal eher gefühlskalten - Mutter verbrachten. Es werden diverse Anekdoten aus seiner Kindheit erzählt, die erkennen lassen, dass er wohl schon immer Zahlenmensch und Geschäftsmann war. So kaufte er beispielsweise Sixpacks Cola und verkaufte sie dann einzeln, um einen Gewinn zu erzielen. Oder aber er trug Zeitungen aus, was auch seine Leidenschaft für das Verlagswesen erklärt. Oder aber er machte bereits mit 14 seine erste Steuererklärung, bei der er Uhr-Reparaturkosten und Aufwände für ein Fahrrad geltend machte.

Auch enthalten sind Abschnitte über sein Wirtschaftsstudium an der Columbia University in New York. Dieses absolvierte er z.B. teilweise bei dem von ihm hoch angesehenen Benjamin Graham, dem 'Paten des Value Investing' und (Mit-)Autor der klassischen Investmentbücher 'Security Analysis' und 'The Intelligent Investor'. Für diesen arbeitete er später auch, obwohl dieser ihn initial abgelehnt hatte. Die von Graham favorisierte Art des Investierens (nennen wir es Net-Net-Strategie oder auch CigarButt-Investing) prägte seinen Weg auch lange Jahre und sie war ein Grund dafür, dass er sich irgendwann das Textilunternehmen Berkshire Hathaway aus Neuengland ans Bein band. Nun ja - der Rest ist wie immer Geschichte. Die Class A-Aktie von Berkshire ist mit aktuell über 270.000 $ pro Aktie (!) die mit Abstand teuerste der Welt.

Der Mittelteil des Buches beschreibt Buffetts weiteren Werdegang mit seiner nach ihm benannten Investmentgesellschaft und später nach deren Auflösung mit Berkshire als Haupt-Investmentvehikel. Unter anderem enthalten sind Abschnitte zu Blue Chip, Geico (KFZ-Versicherer), Washington Post, Mrs. B's Nebraska Furniture Mart, American Express, Coca Cola oder den Salomon Brothers. Aus diesen wird ersichtlich, dass auch bei Buffett nicht immer alles glatt lief. U.a. fungierte er bei dem Finanzinstitut Salomon Brothers als Interim-CEO, um sie vor dem Untergang zu bewahren. Das war im Endeffekt schon mal so was wie ein Vorgeschmack auf den 'Lehman Brothers-Untergang', der einige Jahre später folgen sollte. Der 1991 am Salomon Brothers-Skandal beteiligte John Meriwether sollte u.a. in 1997 beim Zusammenbruch des Hedge-Funds Long Term Capital Management auch wieder Buffetts Weg kreuzen.

Zum Ende des Buches hin zeigt sich, dass Buffett auch im hohen Alter noch daran gelegen ist, sein Lebenswerk Berkshire zu vervollständigen und anderen Investoren Wissen zu vermitteln. Den Abschluss des Buches bildet eine Darstellung der Finanzkrise - soweit das zu der Zeit schon möglich war.

Fun Facts zum Abschluss:

  1. Er verdiente als junger Mann u.a. Geld damit, dass er Pinball-Automaten kaufte und in Frisörläden der Stadt aufstellte.
  2. Er gab Abendkurse zum Thema Investing. Einige der Teilnehmer wurden auch Anleger bei ihm und später auch Berkshire-Aktionäre. Die Teilnahme war eindeutig der Lottogewinn der anderen Art.
  3. Seine Liebe zum Verlagswesen war u.a. durch seine enge Freundschaft zur langjährigen Washington Post-Matriarchin Katharine Graham ersichtlich. Unter seinem Management gewann die Zeitung 'The Omaha Sun' in den 70er Jahren einen angesehenen Pulitzer-Preis.
  4. Seit vielen Jahren pflegt er eine enge Freundschaft mit Bill Gates, dem Microsoft-Gründer auch langjährigen reichsten Mann der Welt. Mit diesem spielt er viel Bridge und Gates hat von Buffett viel über Investments lernen können. Den Großteil seines Vermögens hat er an die Bill und Melinda Gates-Stiftung vermacht.
  5. Nach dem Tod seiner ersten Frau Susie heiratete er 2006 seine langjährige Haushälterin Astrid Menks (geboren in Lettland). Diese wurde ihm von seiner Frau Susie vermittelt (Kümmer dich bitte um ihn). Siehe auch hier.
  6. Er hatte früher Probleme vor Anderen zu reden und machte daraufhin Dale Carnegie-Kurse. Ein Zertifikat eines solchen Kurses hängt auch in seinem Büro. Das Carnegie-Buch "Wie man Freunde gewinnt: Die Kunst, beliebt und einflussreich zu werden" - von einem Bekannten von mir auch das Marienkäferbuch genannt - gehört eigentlich auch zur Pflichtliteratur eines jeden. Aus dem von ihm belegten Kurs resultiert wohl auch Buffetts Einstellung zum Thema Gerechtigkeit. Ich hatte beispielsweise in der Vergangenheit einmal einen Brief mit einem Autogrammwunsch an die Berkshire-Zentrale in Omaha geschickt. Die Autogramme wollte ich für meine Mädels haben, um diese später einmal entsprechend motivieren zu können (schaut mal - Autogramme vom größten Investor aller Zeiten). Dem Brief legte ich sogar 2 Dollar bei für das Rückporto. Irgendwann nach knapp 2 Monaten kam ein Schreiben von Berkshire zurück. An diesem waren die 2 Dollar angeheftet und im Text stand mehr oder weniger, dass Herr Buffett meinem Anliegen leider nicht nachkommen kann, da er sonst alle Anderen auf dieser Welt benachteiligen würde, denen er auch schon einen Autogrammwunsch verwehrt hatte. Warren Buffett wie er leibt und lebt sage ich mal... Leider habe ich das Schreiben nicht mehr.
  7. Für viele ist Warren Buffett der lebende Beweis dafür, dass man auch mit relativ ungesunder Lebensweise alt werden kann. Er macht kaum Sport, trinkt viel (ausschließlich?) Cola und liebt Fast Food + Steaks.
  8. Warren Buffett ist für den Namen dieses Blogs verantwortlich. Nachdem ich Buffettology gelesen hatte, programmierte ich mir ein kleines Werkzeug, welches anhand der darin beschriebenen Bewertungsmethode das Potential von Aktien bemisst. Als Namen wählte ich damals EasyWISA, was für 'Easy Warren Inspired Stock Analyser' steht.
  9. Er ist eine Lernmaschine. Er liest extrem viel (siehe auch hier). Was das angeht, habe ich mich z.B. auch zum Kauf des Buches 'Break Through Rapid Reading' und dem Bau folgender Vorrichtung inspirieren lassen:
    Damit stimmt der Winkel, die Beleuchtung und man kann ein Buch in aufrechter Haltung lesen. Alles wichtige Faktoren, um schnell vorwärts zu kommen. Aber ich schweife ab :-)

Fazit:

Wie schon eingangs geschrieben ist das Buch nicht wirklich dazu geeignet, aus dem Leser einen besseren Investor zu machen, sondern lediglich, ihn Buffett besser verstehen zu lassen. Für Leute, die daran Interesse haben, kenne ich kein besseres, als 'Das Leben ist wie ein Schneeball'. Im Buch sind neben den wirtschaftlichen Vorgängen durchgängig auch viele Informationen privater Natur enthalten. Diese zeigen mir allerdings auch an Buffetts Beispiel, dass man zwar in einem Gebiet richtig gut sein kann (in seinem Falle dem Investieren), aber dass dabei viele andere Sachen auf der Strecke bleiben. Diese zahlreichen Informationen haben bei mir auf jeden Fall zu dem Schluss geführt, dass ich nie wirklich so werden möchte, wie Buffett. Das was er im Geschäft an Genie mitbringt, fehlte ihm viele Jahre auf privater Ebene in hohem Maße. So verließ ihn seine geliebte Frau Susie mehr oder weniger aufgrund seiner emotionalen Beschränktheit und seiner oft sehr kindischen Art. Und auch zu seinen drei Kindern baute er - so zumindest der Eindruck beim Lesen des Buches - erst ein echtes Verhältnis auf, als diese erwachsen waren und eigentlich bereits ihren eigenen Weg gegangen waren. Auch sein ständiges Streben nach Anerkennung von Außen ist nicht so meins. Was diesen Bereich angeht, bin ich eher bei seinem Berkshire-Zwilling Charlie Munger, zu dem ich in Zukunft sicher auch noch mal was schreiben werde.

Für Leute, die lieber kompakte Zusammenfassungen mögen, oder Leute, die gerne mehr über Buffett erfahren möchten, kann ich folgende knapp 1,5 h lange extrem sehenswerte HBO-Dokumentation zu Buffett auf Youtube empfehlen:

Dienstag, 7. November 2017

Perion Network - Israelisches 'Ad Tech Solutions'-Unternehmen als Turnaround-Kandidat

Perion Network - Israelisches 'Ad Tech Solutions'-Unternehmen als Turnaround-Kandidat

Schon längere Zeit (genauer seit 2015) habe ich das israelische Technologieunternehmen Perion Network (PERI) auf meiner Watchlist stehen und wollte einmal kurz einen Blick darauf werfen. Es war mir jüngst wieder ins Auge gesprungen, da ich mir einerseits zuletzt Unternehmen aus der Netzwerkbranche angeschaut hatte und andererseits, da es extrem viele Minus-Zeichen in der Kennzahlen-Tabelle hatte in Verbindung mit einem positiven niedrigen einstelligen Kurs-Free-Casfhlow-Verhältnis. Und niedrige Kurs-Free-Cashflow-Verhältnisse haben im Allgemeinen immer meine Aufmerksamkeit.

Zum Unternehmen:
Das Unternehmen ist - anders als sein Name vermuten lässt - nicht wirklich in der gleichen Branche wie z.B. Cisco oder Juniper Networks unterwegs, sondern im Bereich Internet-Such- und Werbelösungen (Ad Tech Solutions). Perion war früher als IncrediMail bekannt und unter diesem Namen auch seit 2006 börsennotiert. Ab 1999 boten sie Email-Lösungen an und erweiterten ihr Geschäft durch zahlreiche Firmenzukäufe hin zu dem, was sie jetzt tun: Online-Werbung möglichst effektiv an den Mann oder die Frau zu bringen. Seit Ende 2011 sind sie als Perion Network unterwegs, wobei Perion das hebäische Wort für Produktivität ist.

Aktuell haben sie hauptsächlich folgende Sachen im Angebot:

  • Undertone: Erstellung hochwertiger Werbeanzeigen für verschiedenste Bildschirmformate (Smartphone, Tablet, PC)
  • CodeFuel: V.a. geht es hier um die Integration von Suchlösungen in eigene Applikationen. D.h. im Endeffekt integriert man hier eine Suche in seine eigene Applikation und wenn jemand diese Suche nutzt, wird er zu Bing (die Microsoft-Suchmaschine) weitergeleitet. Dort werden dann - wie bei Google auch - Werbeanzeigen eingeblendet, die zu den Suchbegriffen passen. Klickt dann ein Anwender auf eine solche Suche, wird für Bing Umsatz generiert (Kosten/Click) und man selbst als Applikationsentwickler bekommt dann von Bing genau so eine Provision, wie CodeFuel/Perion.
  • MakeMeReach: Lösung zur Kampagnenerstellung und -optimierung für diverse Social Media Kanäle wie Facebook, Twitter oder Snapchat.
  • Smilebox: Ermöglicht u.a. einfache Erstellung von Grußkarten, Einladungen, Mini-Präsentationen etc.
  • IncrediMail: Ermöglicht die Erstellung schicker Mails. Sie bieten hier diverse Hintergründe, Emoticons und sonstige animierte Grafiken.

Smilebox und IncrediMail sind ganz nett, reißen mich aber nicht wirklich vom Hocker. Diese beiden Angebote wirken ein wenig wie Überbleibsel aus der 'alten' Internetwelt, als man Leute noch mit bunten EMails hinter dem Ofen hervorlocken konnte. Die anderen 3 Angebote sind da schon interessanter, wobei es hier zahlreiche Wettbewerber gibt und die Werbebranche ja notorisch unterbudgetiert ist. Ich würde da vom Angebot her erst mal nix sehen, was andere nicht auch könnten. HTML5, CSS3 und JavaScript können heute viele Leute und Unternehmen und ich kenne da persönlich auch einige, die extrem was drauf haben, sich aber gleichzeitig leider unter Wert verkaufen.

Das Wachstum wurde seit geraumer Zeit anorganisch durchgeführt - sprich über Unternehmenskäufe. 2011 wurde Smilebox für 32 Mio. Dollar gekauft, 2012 SweetPacks für 41 Mio., 2014 Conduit’s ClientConnect-Geschäft für 600 Mio., 2014 GrowMobile für $42 Mio., 2015 MakeMeReach (Betrag konnte ich nicht herausfinden) und auch in 2015 Undertone für 180 Mio. Die momentane Marktkapitalisierung liegt bei rund 82 Mio. und der Enterprise Value bei etwa 124 Mio. Da scheint wohl einiges schief gelaufen zu sein.

Chartverlauf:

Jupp. Da ist wohl tatsächlich einiges schief gelaufen. Bei diesem Kursverlauf und den genannten Kaufpreisen für die erworbenen Unternehmungen kann man eindeutig erkennen, dass das Geld nicht weg ist. Es hat nur jemand Anderer, als die Perion-Aktionäre.

Zugehörige Geschäftszahlen:

Die Geschäftszahlen passen zum Chartverlauf. Besonders ins Auge springt hierbei die Anzahl an Aktien, die jetzt knapp 8 mal so hoch liegt, wie vor 10 Jahren. Ein Großteil der Unternehmensübernahmen wurde also über Kapitalerhöhungen/Ausgabe neuer Aktien finanziert. Zusätzlich ist der Goodwill-Anteil aufgrund der Unternehmensübernahmen im Vergleich zur Marktkapitalisierung auch relativ hoch. Im ersten Halbjahr 2017 wurde eine Abschreibung für den Untertone-Goodwill vorgenommen, wodurch auch der hohe Verlust in 2017 erklärbar ist. Der Cashflow ist durchgängig positiv und rechnet man den Free Cashflow aus dem ersten Halbjahr einmal aufs Gesamtjahr hoch, hätte man ein Kurs-FreeCashflow-Verhältnis von lediglich rund 4 bzw. ein EV-FreeCashflow-Verhältnis von etwa 6. Das wäre auf dieser Basis also durchaus günstig. Auch bezogen auf den Umsatz bzw. den Buchwert ist das Unternehmen aktuell historisch gesehen eher als unterbewertet anzusehen.

Was gefällt mir nicht an Perion:

  1. Umsatzseitig schwanken die Zahlen doch relativ stark. Die Umsätze im Such-Bereich sind leicht rückläufig. Im Undertone-Bereich sollen sie demnächst wieder wachsen.
  2. Es gibt eine relativ starke Abhängigkeit von einem Kunden, der für 50 % der Umsätze zuständig ist. Dieser ist Microsoft Bing. Die Zusammenarbeit mit Bing wurde kürzlich allerdings um 3 Jahre verlängert.
  3. Ein weiterhin sehr hoher Goodwill-Anteil könnte zu weiteren Abschreibungen in Zukunft führen.
  4. Die Kapitalallokation war in der Vergangenheit nicht wirklich von Erfolg gekrönt. Aufwand (v.a. finanziell) und Nutzen (sprich zählbare Erträge) stehen in keinem guten Verhältnis. Hier wurden allerdings schon Konsequenzen gezogen, da seit Anfang des Jahres Doron Gerstel als neuer CEO das Sagen hat.
  5. Die Fremdkapitalfinanzierung ist doch schon relativ teuer: bei Kredite LIBOR zzgl. 3,5-5 % bzw. 5-6 % auf die Wandelanleihe.

Was gefällt mir an Perion:

  1. Auch wenn in Sachen Umsatz und Gewinne die Zahlen stark schwanken, waren zumindest die Cashflows immer positiv.
  2. Der neue CEO Doron Gerstel hat mit der Abschreibung - welche sicherlich nicht die letzte war - gleich mal dafür gesorgt, dass er in den kommenden Jahren besser dastehen kann. Das Gute an hohen Verlusten ist, dass selbst kleine Gewinne dagegen in den Folgejahren gut aussehen.
  3. Gerstel hat eine gewisse Branchenerfahrung vorzuweisen. U.a. wurde das von ihm als CEO geleitete Unternehmen Nolio 2013 an CA Technologies verkauft und Panaya, bei denen er auch CEO war, wurde 2015 von Infosys geschluckt. Mit Turnarounds und Übernahmen scheint er also durchaus bewandert zu sein. Die von ihm bisher kommunizierten Schritte (engere Verzahnung der Teilbereiche um Kunden auch Komplettangebote bieten zu können) lesen sich auf jeden Fall schon mal ganz gut.
  4. Die Verschuldung ist rückläufig. Es sind aktuell rund 64 Mio. an fremden Mitteln ausstehend. Ein Großteil steht 'erst' 2019 zur Rückzahlung/Ablösung an und sollte eigentlich aus verfügbaren Mitteln und generierten Cashflows bedienbar sein, wenn nichts dazwischen kommt.
  5. Es gibt zwar 13,4 Mio. ausstehende Optionen. Diese sind allerdings aus aktueller Sicht als eher wertlos anzusehen, da sie einen durchschnittlichen Ausübungspreis von 2,38 $ haben. Hier fällt allerdings auf, dass in 2017 9,2 Mio. neue Optionen zu 1,75 $ ausgegeben wurden. Dieser Ausübungspreis liegt zwar knapp 60 % über dem aktuellen Kurs, stellt aber auch eine gewisse Motivation für das aktuelle Führungsteam dar, das Ruder erfolgreich rumzureißen.
  6. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis ist mit 0,3 als relativ niedrig anzusehen - auch mit Branchenmaßstäben. Das hochgerechnete Kurs-FreeCashflow-Verhältnis von 4 ist sehr niedrig und das Kurs-Buchwert-Verhältnis von 0,5 würde zumindest dafür sorgen, dass ein übernehmendes Unternehmen keinen weiteren Goodwill anhäuft, sondern nur den aus der Perion-Bilanz übernimmt. Andere Unternehmen aus der Werbebranche wie z.B. Omnicom könnten an Perion interessiert sein. Es gibt echt schlimmeres, als 300 Mio. Umsatz mit positiven Cashflows und überschaubarer Verschuldung für lediglich rund 82 Mio. am Markt angeboten zu bekommen.
  7. Aus den Unternehmensteilbereichen gab es zuletzt einige positive Meldungen. U.a. wurden sowohl MakeMeReach als auch Undertone offizielle Snapchat-Partnerunternehmen und MakeMeReach hat 2017 einen Preis gewonnen für eine Disney-Instagram-Kampagne.
  8. Durch die hohen Verluste im aktuellen Jahr und in 2015 haben sich einige Verlustvorträge angehäuft, die in Zukunft steueroptimierend eingesetzt werden könnten.

Bewertung:
Für Perion sehe ich 3 Möglichkeiten der Bewertung: entweder es läuft richtig schlecht weiter (z.B. mit 10 % Umsatzverlust p.a. und sehr niedriger FCF-Marge von 2 %), es läuft so bescheiden weiter, wie bisher (u.a. 0 % Umsatzwachstum und FCF-Marge von 8 %) oder aber der Turnaround gelingt (u.a. 5 % Umsatzwachstum und 10 % FCF-Marge). Für die 3 Szenarien habe ich jetzt einmal eine Wahrscheinlichkeit von 50/30/20 % angenommen. Auf Basis der erwirtschafteten Cashflows würde ich zu folgendem Bewertungsergebnis kommen:

Der aktuelle Kurs liegt bei etwas über einem Dollar. Mit dem Bewertungsergebnis hätte man trotz relativ pessimistischer Annahmen ein Potential von etwa 30-40 %. Eine Sicherheitsmarge wäre also vorhanden.

Fazit:
Perion hat einige Argumente, die dafür sprechen und einige, die dagegen sprechen. Ein Investment in dieses Unternehmen ist mit hohen Risiken verbunden, auch dadurch, dass es eine so kleine Marktkapitalisierung besitzt und nur überschaubare Handelsaktivitäten stattfinden (v.a. in Deutschland). Trotzdem habe ich mir einmal eine kleine Position ins Depot gelegt, v.a. um das Unternehmen nicht aus den Augen zu verlieren. Je nach Gelingen der Turnaroundaktivitäten oder aber einer höheren Insiderbeteiligung, die nicht als Optionsausübung stammt, würde ich dann auch noch aufstocken. Investoren, die aus Risikogesichtspunkten dankend abwinken, machen hier aktuell wahrscheinlich auch nichts falsch.

Wichtiger Hinweis:
Die Zahlen wurden von mir selbst zusammengetragen und können Fehler enthalten (Interpretationsfehler, Übersetzungsfehler, Berechnungsfehler etc.). Für die Richtigkeit wird daher keine Gewähr übernommen. Ich bin kein professioneller Investor oder Anlageberater! Dieser Artikel stellt nur eine Meinungsäußerung dar, aber keine Aufforderung zum Handeln in irgendeiner Art und Weise. Sollte sich jemand entschließen, in das genannte Wertpapier zu investieren, so sollte derjenige bzw. diejenige selbst entsprechende Nachforschungen und Überlegungen anstellen. PLEASE DO YOUR OWN RESEARCH!