Mittwoch, 9. Mai 2018

John Kenneth Galbraith - 'The Great Crash 1929'

John Kenneth Galbraith - 'The Great Crash 1929'

Im Januar hatte ich John Kenneth Galbraith's 'A Short History of Financial Euphoria' besprochen und empfohlen. Im Zuge dessen hatte ich auch sein bekannteres Werk 'The Great Crash 1929' bestellt, dessen Vorstellung mit meinem heutigen Artikel erfolgt.

Zum Buch 'The Great Crash 1929':

Zum Autor hatte ich bereits im Artikel zu 'A Short History of Financial Euphoria' etwas geschrieben, so dass ich mir gerne sparen würde, mich zu wiederholen. D.h. wer mehr über diesen interessanten Zeitgenossen wissen möchte, sollte meinen Artikel oder aber direkt den Galbraith Wikipedia-Eintrag lesen. Das Buch 'The Great Crash 1929' wurde Mitte der 50er Jahr erstmals veröffentlicht und beschreibt - wie man dem Namen schon entnehmen kann - die Situation vor, während und nach der Mutter aller Börsencrashes Ende Oktober 1929. Ich selbst las eine Auflage aus dem Jahr 1988, welche im Vorwort noch ein paar Vergleiche zwischen 1929 und dem kurz vorher stattgefundenen 1987er-Crash beinhaltete. Aktuellere Auflagen nehmen wohl sogar Bezug auf die dem Großteil der Anleger noch vertrauteren Crashes 2000 und 2009. Meine Ausgabe hat 194 Seiten und unterteilt sich in 9 Kapitel zzgl. der erweiterten Einführung.

Über die Beschreibung des Immobilienbooms Anfang der 20er Jahre in Florida, die Flutung der Märkte mit Liquidität (nach Zinssenkungen der FED), der ständig steigenden Handelsvolumen (gehandelte Aktien/Tag), die Entstehung von neuen Finanzvehikeln (in dem Falle Investment Trusts/Holding Companies) und einer gewissen Euphorie (Jeder Amerikaner hat das Recht, reich zu werden) gelangt er zum eigentlichen Crash ab dem Schwarzen Freitag (24.10.1929 - eigentlich ein Donnerstag). Danach zeigt Galbraith die kurzfristigen Auswirkungen (d.h. Tage, Wochen danach) und die längerfristigen Auswirkungen auf (d.h. Monate und Jahre danach). Wenn man es sich nämlich einmal genauer anschaut, war der Crash an sich aus meiner Sicht gar nicht so schlimm. Schlimmer war die darauf folgende Weltwirtschaftskrise, die dann in Deutschland im Endeffekt den Aufstieg des Nationalisozialismus begünstigte. Darauf geht er allerdings eher weniger ein. Stattdessen schreibt er mehr über die Massenarbeitslosigkeit in den USA und die suboptimale Behandlung der Gesamtsituation durch den damals amtierenden Präsidenten Hoover, welcher folgerichtig 1933 in seinem Amt abgelöst wurde.

Als Anleger in der heutigen Zeit können wir uns dahingehend an dem damaligen Crash erfreuen, dass in Folge dessen der Wertpapierhandel reguliert wurde (Stichworte Börsenaufsicht SEC). Darüber hinaus war der Crash sicherlich auch ein Grund für Benjamin Graham zusammen mit David Dodd 1934 das Buch 'Security Analysis' zu veröffentlichten als eine Art 'Lessons learned'. Und das kann man wiederum als Geburtsstunde des Value Investing ansehen.

Fazit:

Die wohl Galbraith-typische blumige und teils humoristische Darstellung von Gegebenheiten, welche ich in der bereits genannten Galbraith-Buch-Besprechung angemerkt hatte, setzt sich auch in 'The Great Crash 1929' fort und ist hier meiner Meinung nach noch extremer. Von daher ertappte ich mich sehr oft dabei, dass ich Textabschnitte erneut lesen musste, da ich nicht verstand, was er eigentlich ausdrücken wollte. Darüber hinaus sind in dem Werk so viele Namen von Personen, Organisationen und Unternehmen enthalten, dass man relativ schnell den Überblick verlieren kann, über wen man da eigentlich gerade liest (Wer war XYZ nochmal?).

Mein Fazit zu 'The Great Crash 1929' ist daher eher, dass es ein durchaus interessantes Buch ist, aber dass ich es nicht wirklich als Buch empfehlen kann, welches man gelesen haben muss. Wer mehr über das Thema des Börsencrashs erfahren möchte, den bringen die Wikipedia-Artikel zum Schwarzen Freitag und der Weltwirtschaftskrise sehr wahrscheinlich eher ans Ziel. Die sich aus dem Buch ergebenden Muster zum Entstehen von Überbewertungen/Blasen (z.B. lockere Geldpolitik, neue Finanzprodukte, Spekulieren auf Kredit, Kauf von Wertpapieren durch uninformierte Anleger...) sind in 'A Short History of Financial Euphoria' meiner Ansicht nach besser beschrieben.

Zum Abschluss hier noch der interessante deutsche Fernsehfilm 'Der Schwarze Freitag' aus dem Jahr 1966 mit Curd Jürgens als Richard Whitney (damals Vizepräsident der New Yorker Börse):

Samstag, 28. April 2018

Wie kommt man kostenlos an Geschäftszahlen von Unternehmen?

Wie kommt man kostenlos an Geschäftszahlen von Unternehmen?

Neulich fragte mich ein Leser, wie ich an die Geschäftszahlen komme, die ich in meinen Beiträgen immer verwende. Da wurde mir erstmal wieder bewusst, dass nicht jedem klar ist, dass man in der heutigen Zeit glücklicherweise auch an die Zahlen kommt, wenn man (noch) kein Aktionär ist und/oder Zugang zu kostenpflichtigen Finanzdiensten wie Bloomberg oder Reuters hat. Ich besorge sie mir immer folgendermaßen:

  1. Einen ersten groben Überblick kann man sich meistens über bekannte Finanzseiten, wie Gurufocus.com, Ariva.de, Onvista.de oder aber Finanzen.net verschaffen. Vor allem Gurufocus bietet dem Anwender einen guten ersten Eindruck mit zahlreichen Kennzahlen zu an amerikanischen Börsen gehandelten Unternehmen. Mein Ende 2016 verfasster Artikel 'Gurufocus - Das Paradies für preisbewusste Kennzahlenfetischisten' ist glaube ich nicht ohne Grund einer der meistgelesenen Artikel dieses Blogs.
  2. Handelt es sich um ein an amerikanischen Börsen gehandeltes Unternehmen, nutze ich immer die Meldungen der Unternehmen an die amerikanische Börsenaufsicht SEC. Konkret kommt man relativ zeitnah an 10-K (Jahresberichte) und 10-Q (Quartalsberichte)-Dokumente. Hier nutze ich meistens die NASDAQ-Webseite, da man dort schnell an die relevanten Dokumente der Unternehmen kommt (siehe Screenshot).

    Innerhalb der Dokumente steht auf der ersten Seite meist die aktuelle Zahl an Aktien (durch Aktienrückkäufe häufig anderer Wert, als in den Finanzdaten-Abschnitten). Bei den 10-K's gibt es dann in vielen Fällen irgendwo einen Abschnitt mit quartalsweisen Hoch-/Tiefpreisen. Zusätzlich kommt man über die Suche nach 'CONSOLIDATED BALANCE SHEET' relativ schnell zu den Geschäftszahlen für die dargestellten Zeiträume. Die Geschäftszahlen unterteilen sich in CONSOLIDATED BALANCE SHEET (Bilanz), CONSOLIDATED STATEMENTS OF OPERATIONS (Gewinn- und Verlustrechnung) und CONSOLIDATED STATEMENTS OF CASH FLOWS (Kapitalflussrechnung). Darüber hinaus gibt es teilweise auch noch CONSOLIDATED STATEMENTS OF COMPREHENSIVE INCOME (Gesamterfolgsrechnung) und CONSOLIDATED STATEMENTS OF EQUITY (Eigenkapitalveränderungsrechung).

    Ich habe mir ein Programm geschrieben, bei dem ich per Copy&Paste den gesamten Text mit den Geschäftszahlen reinkopiere und bei dem die einzelnen Werte entsprechend interpretiert werden. Zusätzlich werden auch noch Werte berechnet (also z.B. Enterprise Value oder die ganzen Renditekennzahlen). So bringe ich relativ zügig die Zahlen von 10 Jahren in eine Excel-Übersicht.
  3. Bei nicht-amerikanischen Unternehmen besorge ich mir die Zahlen in den meisten Fällen direkt von den Investor Relations-Seiten oder bei deutschen Unternehmen alternativ aus dem Bundesanzeiger. D.h. interessieren mich z.B. die Zahlen von K+S, so gebe ich bei Google 'K+S Investor Relations' ein, wechsle auf die Seite und suche dort nach Finanzberichten. Nachteil dieser Dokumente ist, dass sie oft nur als PDF vorliegen und man dort die Daten nicht einfach rauskopieren kann. Hier hilft dann - wenn man es machen muss/will - ein Umweg über Google Drive bzw. Google Docs. D.h. PDF runterladen, bei Google Drive hochladen, PDF markieren, 3 Punkte in der Toolbar oben betätigen, 'Öffnen mit' auswählen und dann 'Google Docs' auswählen.

    Und voila - schon hat man den PDF-Inhalt auch in Textform. Auch diesen Text kann ich jetzt in mein Programm kopieren, so dass er sie auf elektronischem Weg verarbeiten kann.

Das war es dann eigentlich auch schon. Wie man sieht, ist es kein Hexenwerk. Mit diesem Vorgehen kann man sich relativ schnell die Zahlen zusammen sammeln. Der schwierige Teil ist dann nur die Interpretation. Insgesamt gesehen muss ich sagen, dass ich vor allem den Bundesanzeiger in letzter Zeit immer mal wieder als Datenquelle herangezogen habe, da man dort auch Informationen zu nicht börsennotierten Unternehmen finden kann. Also wenn jemanden einmal interessiert, was denn die Frisörkette oder das Sägewerk nebenan (allesamt GmbHs) so in der Bilanz stehen haben, wird man dort oft fündig. So fand ich z.B. bei der Suche nach interessanten deutschen IT-Unternehmen bemerkenswert, dass die TeamViewer GmbH (Fernwartungssoftware-Hersteller) im Jahr 2016 168.5 Mio. € Umsatz gemacht hat und dabei einen Nettogewinn von 91.5 Mio. Und das bei einer mehr als sauberen Bilanz. Aber so Unternehmen ist dann in Deutschland leider eben nicht börsennotiert.

An dieser Stelle würde mich interessieren, wie ihr euch eure Zahlen immer besorgt und verarbeitet. D.h. welche Webseiten und Tools nutzt ihr bzw. stehen euch zur Verfügung? Ich lerne ja auch immer gerne dazu.

Samstag, 21. April 2018

Till Schwalm - 'Einfach Investieren - Grundlagen des Value Investing'

Till Schwalm - 'Einfach Investieren - Grundlagen des Value Investing'

Immer wieder liest man im Internet Meldungen a la 'Ich würde gerne mit dem Investieren anfangen. Was sollte ich beachten?' Meine Pauschalantwort darauf lautet eigentlich immer: 'Nicht direkt loslegen, sondern erstmal lesen, lesen, lesen.' Bisher hatte ich dann auch ein paar Buchtipps parat, wie Kostolany's 'Die Kunst über Geld nachzudenken', Grahams 'The Intelligent Investor' oder aber Lynch's 'One up on Wall Street'. Seit neuestem kann ich dieser Empfehlungsliste ein weiteres sehr gutes Buch hinzufügen, nämlich das kürzlich erschienene 'Einfach investieren - Grundlagen des Value Investing' von Till Schwalm. Till war so nett und hat mir ein Exemplar zur Durchsicht zukommen lassen.

Zum Autor Till Schwalm:

Till Schwalm (Jahrgang 1986) ist ein Investor, Buchautor, Blogger und Familienvater aus Oldenburg. Er studierte an der schweizerischen Universität St. Gallen erfolgreich BWL und Buchwissenschaften und kann in Folge dessen einen M.A. HSG in Banking & Finance vorweisen. Beruflich war er in den vergangenen Jahren bei einigen Finanzunternehmen tätig (u.a. Warburg Invest Kapitalanlagegesellschaft mbH, EFG Financial Products AG und LOYS AG). Darüber hinaus veröffentlicht er des öfteren Artikel im Finanzblog 'Gewinnbringend investieren', wodurch wir im Endeffekt auch in Kontakt gekommen sind.

Zum Buch 'Einfach Investieren - Grundlagen des Value Investing':

'Einfach investieren - Grundlagen des Value Investing' ist - wie man dem Namen schon entnehmen kann - vor allem für Anfänger im Bereich des Investierens in Wertpapiere gedacht. Allerdings ist es durchaus auch für Leute wie mich, die schon ein wenig Zeit mit Aktienauswahl verbracht und den ein oder anderen Börsenzyklus durchlebt haben, zum Auffrischen des bisher Gelernten geeignet. Grob ist das Buch in die Abschnitte 'Grundlagen des Investierens', 'Vorgehen beim Investieren' und 'Analyse zum Investieren' unterteilt.

Auf etwas mehr als 200 Seiten erfährt der Leser dabei viele interessante Dinge zu Themen wie 'Was ist die Börse (=ein Handelsplatz für Wertpapiere)', 'Was ist eine Aktie (=ein Anteil an einem konkreten Unternehmen)', 'Was versteht man unter wertorientiertem Investieren (=Value Investing)', 'Welche Eigenschaften sollte ich mitbringen bzw. im Laufe der Zeit entwickeln (=v.a. Geduld)' oder aber 'Worauf sollte ich bei Unternehmensbewertungen achten'. Den meisten Fragestellungen ist dabei jeweils ein 3-4-Seiten-Abschnitt gewidmet inkl. kurzer Zusammenfassung der getätigten Aussagen. Dadurch lässt sich das Buch sehr flüssig lesen, was allerdings auch an der schnörkellosen und für jedermann verständlichen Schreibweise liegt. Dies hebe ich deswegen hervor, da ich mich vorher mehr oder weniger durch ein anderes Buch kämpfen musste, bei dem eben genau das nicht der Fall war.

Das Hauptaugenmerk des Autors liegt darin, dem Leser das Vokabular eines Investors nahe zu bringen und ihm dabei auch die Vorzüge des 'richtigen Weges' schmackhaft zu machen. Mit 'dem richtigen Weg' meine ich hierbei das langfristig angelegte wertorientierte Investieren, was auch unter dem Namen 'Value Investing' bekannt ist. Till lässt relativ viele Zitate bekannter Investoren wie Andre Kostolany oder Warren Buffett einfließen und bringt an geeigneten Stellen auch Beispiele aus seiner eigenen Investorenlaufbahn ein. Dabei beschränkt er sich nicht nur auf Heldengeschichten, sondern zeigt auch auf, dass man trotz größter Sorgfalt (d.h. Hausaufgaben erledigt + Sicherheitsmarge eingehalten) auch mal danebenliegen kann.

Fazit:

Mit 'Einfach investieren - Grundlagen des Value Investing' ist Till ein sehr gutes Buch gelungen, welches man uneingeschränkt als Einstiegs- und Auffrischungslektüre empfehlen kann. Durch meine eigenen Erfahrungen mit und Sichtweisen zum Value Investing finde ich mich an vielen Stellen wieder. Besonders gut fand ich den Abschnitt über die Easy-Buffett-Bewertungsmethode (aus dem Buch Buffettology), welche ich auch ab und an einsetze. Durch das Buch bekommt man das notwendige Rüstzeug an die Hand, um mit dem Investieren seine ersten Erfahrungen zu sammeln. Darüber hinaus werden zahlreiche Bücher empfohlen, welche zur Erweiterung der gewonnenen Erkenntnisse genutzt werden können (und auch genutzt werden sollten). Einziger Kritikpunkt aus meiner Warte ist, dass Till es teilweise mit dem Eindeutschen englischer Fachbegriffe übertrieben hat (Stichwort Schnäppchenfalle für Value Trap). Aber das ist dann am Ende doch Geschmackssache. Kurzer Hinweis noch am Ende: Ich bekomme keinerlei Geld oder sonstiges für diesen Artikel. Ich finde es wirklich sehr gut und wäre froh gewesen, wenn mir vor 20 Jahren jemand so ein Buch in die Hand gedrückt hätte.