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Samstag, 23. Januar 2021

Rekapitulation bisheriger Analysen - Die Zweite

Rekapitulation bisheriger Unternehmensanalysen (u.a. Apple, Disney, Google, Tesla, Netflix)

Aktives Investieren ist ein fortlaufender Prozess. Man analysiert Unternehmen, trifft Annahmen und Entscheidungen und sollte von Zeit zu Zeit überprüfen, in wieweit diese Annahmen und Entscheidungen gut oder schlecht waren. Aus diesen Erkenntnissen sollte man dann 'Lessons learned' ableiten, um in Zukunft evtl. bessere Annahmen und Entscheidungen treffen zu können. Da ich mittlerweile 40 umfangreichere Analysen in diesem Blog durchgeführt habe und die letzte Rekapitulation bereits ein paar Jahre zurück liegt, dachte ich, dass es mal wieder Zeit für eine solche ist.

Allgemein betrachtet sind in den vergangenen Jahren ein paar interessante Dinge passiert. Unter anderem fällt mir da die von Donald Trump durchgezogene Steuerreform ein, welche einerseits dafür gesorgt hat, dass die Steuerbelastung sehr vieler Unternehmen signifikant gesunken ist (z.B. bei BBBY, HIBB oder auch RHI auf knapp 25 %) und andererseits, dass viele Unternehmen ihre Cashbestände aus dem Ausland in die USA holen konnten (z.B. bei AAPL, GOOG, UI (ehemals UBNT)). Dann wäre da natürlich auch die Corona-Pandemie zu nennen, welche das Leben der meisten Menschen signifikant verändert hat und vielen Unternehmen zu ungeahnten Geschäftserfolgen. Ich persönlich habe z.B. den Großteil des letzten Jahres von zu Hause aus arbeitend zugebracht inkl. der Bespaßung eines Kindergartenkindes und der meist semi-erfolgreichen Versuche, eine Grundschülerin zum eigenständigen Lernen zu bewegen. Ich 'freue' mich bereits auf die kommenden Monate...

Hier kurz eine Liste der größten Gewinner unter den analysierten Unternehmen bisher:

  1. Tesla mit 1739 % seit Analyse
  2. Veru (vormals Female Health Group) mit 677 % seit Analyse
  3. Netflix mit 494 % seit Analyse
  4. Apple mit 456 % seit Analyse
  5. Perion Network mit 337 % seit Analyse

Die Shitlist sieht so aus:

  1. Organigram mit -58 % seit Analyse
  2. K+S mit - 50 % seit Analyse
  3. Halloren Schokoladenfabrik mit - 40 % seit Analyse
  4. Rayonier Advanced Materials mit - 37 % seit Analyse
  5. Dignity PLC mit - 30 % seit Analyse

Nun aber zu den eigentlichen Kurzbetrachtungen der Unternehmen...

Accenture (ACN)

initiale Analyse vom 03.08.2016 - Kurs damals ca. 112 $ - Kurs aktuell ca. 254,77 $ (+ 127 %)

Der IT-Beratungsmarkt ist weiterhin heiß. Die vorhandenen Fachkräfte werden vom Markt weiterhin aufgesogen und bei hoher Nachfrage in Verbindung mit einem eingeschränkten Angebot lassen sich natürlich die Preise auch entsprechend leicht erhöhen. Auf TTM-Basis wurde beim Umsatz die 44 Mrd. Dollar-Marke durchbrochen. Die Margen sind immer noch sehr hoch (TTM-Operative Marge 14,8 %, Free Cashflow/Aktie immer noch höher als Gewinn/Aktie). Die Dividende wurde leicht erhöht (Rendite rund 1,5 %). Ich bin immer noch nicht bei meinem ehemaligen Brötchengeber investiert. Die Bewertung mit einem EV/FCF von rund 20 allerdings schon recht hoch geworden.

Alphabet/Google (GOOG)

initiale Analyse vom 06.12.2016 - Kurs damals ca. 760 $ - Kurs aktuell ca. 1892,56 $ (+ 149 %)

Ich bin von diesem Unternehmen weiterhin begeistert, bin allerdings gespannt, welche Auswirkungen u.a. die DSGVO (und eventuelle Äquivalente auf anderen Kontinenten) langfristig auf sie haben werden. Der Umsatz steigt auf hohem Niveau (Ende 2016 90 Mrd. $, auf TTM-Basis über 161 Mrd. $). Der Nettogewinn liegt auf TTM-Basis bei 34 Mrd. $. Der Cashberg liegt bei knapp 120 Mrd. bei einer Gesamtverschuldung von 'nur' etwa 75 Mrd. Interessante Themen sind hier das autonome Fahren (Waymo), Youtube Plus als Konkurrenz zu Netflix + Amazon Prime und gewisse Bestrebungen, in China einen neuen Anlauf zu wagen. Allerdings muss man auch im Auge behalten, wie die Wettbewerbsbehörden weltweit in den nächsten Jahren bei den bekannten Internetriesen agieren werden. Ich bin aktuell nicht investiert, da mir die Bewertung mit einem EV/FCF von über 40 zu hoch ist.

Arista Networks (ANET)

initiale Analyse vom 03.12.2017 - Kurs damals ca. 228,65 $ - Kurs aktuell ca. 311,21 $ (+ 36 %)

Bei Arista lief es in 2020 für ihre Verhältnisse operativ so lala. In den vergangenen Jahren wurden Rechtsstreitigkeiten mit Cisco wegen Patentverletzungen gegen eine Zahlung von 400 Mio. Dollar beendet, was als positiv einzuschätzen ist. Zusätzlich erfolgte die Aufnahme in den S&P 500, was dann zu einem relativ starken Anstieg führte, da sich diverse ETFs wohl eindecken mussten. Das zu sehen, war auch mal interessant. Operativ gesehen läuft es immer noch sehr gut. D.h. die Produkte kommen am Markt immer noch gut an. Ich bin gespannt, wie es bei denen in ein paar Jahren aussieht, wenn mal normal Steuern bezahlt wird. Die Bilanz ist immer noch blitzsauber (CCE 2.8 Mrd. bei Gesamtverschuldung von 1.3 Mrd.). Der EV/FCF liegt mit 17 in einem annehmbaren Bereich. Ich bin über den Digital Leaders Fund indirekt investiert und plane aktuell nicht, eine eigene Position aufzubauen. Ich verweise zu einer aktuelleren Einschätzung auch auf den letzten DLF-Artikel zum Unternehmen.

Apple (AAPL)

initiale Analyse vom 19.07.2016 - Kurs damals ca. 25 $ (splitbereinigt) - Kurs aktuell ca. 139,07 $ (+ 456 % )

Die IPhones werden immer größer und teurer und Apple hat die 2 Billionen Dollar-Marke bei der Bewertung geknackt. Das Umsatzwachstum hat sich mittlerweile abgeflacht. Schauen wir mal, ob ein Apple-Auto was in der Richtung bringt. Mein ehemaliger Arbeitskollege, der seit jeher ein großer Apple-Fan war, hat sich aus deren Ökosystem verabschiedet, was mich ein wenig nachdenklich macht. Berkshires Anteil an Apple ist weiterhin sehr hoch. Habe das Gefühl, dass Buffett (oder einer seiner Mitarbeiter) meinen Artikel von damals gelesen :-) Nur dumm, dass er zwischenzeitlich eingestiegen und ich ausgestiegen bin. Im Nachhinein nicht meine cleverste Entscheidung. Mit einem EV/FCF von rund 30 mittlerweile sehr hoch bewertet. Ein FCF von fast 73 Mrd. $ ist phänomenal.

Bed, Bath & Beyond (BBBY)

initiale Analyse vom 15.06.2017 - Kurs damals ca. 36 $ - Kurs aktuell ca. 30,21 $ (- 16 %)

Die Umsätze sind auf knapp 10 Mrd. Dollar gesunken. Kein Wunder, wenn diese im Normalfall zu einem großen Teil über stationäre Geschäfte erwirtschaftet werden. Die operative Marge sinkt und sinkt und ist mittlerweile negativ. Die Steuerreform hätte hier eigentlich helfen sollen. Wenn man Verluste macht, nützt es allerdings nicht so viel, wenn sich die Steuerlast halbiert. Die Cashflows sind auch auf dem absteigenden Ast, aber immer noch im positiven Bereich, was wohl der einzige Grund ist, dass BBBY nicht noch mehr abgestürzt ist. Vom Lehrbuch her kann man BBBY wahrscheinlich irgendwann mal anführen als warnendes Beispiel für supotimal durchgeführte Aktienrückkäufe. Der EV/FCF-Wert liegt bei 20, was die Situation auch nicht besser macht. Schon mehr als 50 % Plus in 2021 (Stichwort Short Squeeze). Verrückte Zeiten...

Cimpress PLC (CMPR)

initiale Analyse vom 17.11.2016 - Kurs damals ca. 85 $ - Kurs aktuell ca. 96,18 $ (+ 13 %)

Wir nutzen Vistaprint weiterhin zur Erstellung von Werbematerialien für die Praxis meiner Frau. An der Webseite und der Qualität der Produkte gibt es nichts auszusetzen. Das Problem dürfte hier sein, dass aktuell und auch in naher Zukunft die Nachfrage eher gleichbleibend sein dürfte, da viele Unternehmen, welche die Dienstleistungen von Cimpress in Anspruch nehmen, gewisse operative Probleme haben dürften (z.B. die aus Gastronomie und der Eventbranche). Die Umsätze stagnieren im Bereich um die 2.4 Mrd. $ und die Gewinne und Cashflows schwanken. Durch Aufnahme von Schulden, die v.a. für Aktienrückkäufe verwendet wurden, ist das Eigenkapital mittlerweile negativ. Der FCF schaut zwar aktuell gut aus, was auch in einem EV/FCF von 13 erkennbar ist. Die Frage ist allerdings, wie nachhaltig das ganze ist. Ich halte mich da aktuell mal eher raus.

Cisco (CSCO)

initiale Analyse vom 19.09.2017 - Kurs damals ca. 32,52 $ - Kurs aktuell ca. 44,77 $ (+ 37 %)

Cisco darf als Netzwerktechnik-Unternehmen sicherlich zu den Unternehmen gezählt werden, welche von der Krise eher weniger betroffen waren, da sie einen Teil der notwendigen Infrastruktur für Dinge liefern, die im vergangenen Jahr so nachgefragt waren, wie nie zuvor (Netzwerkinfrastruktur, Hard- und Software für Konferenzen). Die Umsätze sind konstant hoch um die 50 Mrd. $. Der FCF liegt bei etwa 15 Mrd. $. Die Anzahl der Aktien sinkt kontinuierlich, was auch am zurück in die USA geholten Cash liegen dürfte. Mit der aktuellen Bewertung mit einem EV/FCF von etwa 12 und einer Dividendenrendite von rund 3 % ist Cisco weiterhin als Beimischung zu einem langweiligen Ertragsportfolio geeignet.

Credit Acceptance Corp (CACC)

initiale Analyse vom 30.07.2016 - Kurs damals ca. 186 $ - Kurs aktuell ca. 325,19 $ (+ 74 %)

Einer der Profiteure der Steuerreform. Tax Rate vorher um die 38 %. Tax Rate zuletzt bei ca. 24 % eingependelt. Das operative Geschäft läuft meiner Meinung nach weiterhin gut. Es gilt zu beobachten, wie es in den kommenden Monaten aussieht, wenn die neue Regierung die Allgemeinheit ggf. anders unterstützt, als es bei Trump der Fall war, als viele mit den staatlichen Hilfen plötzlich mehr zur Verfügung hatten, als mit normalem Einkommen. Das eingenommene Geld wird über Aktienrückkäufe an die Anteilseigner zurückgegeben, wenn man so will. Schauen wir mal, wie lange das gut geht. Von zwischenzeitlich über 500 $ pro Aktie ist der Kurs wieder ganz schön zurückgekommen.

Datagroup SE

initiale Analyse vom 21.08.2018 - Kurs damals ca. 33,80 € - Kurs aktuell ca. 58,90 € (+ 74 %)

Der deutsche IT-Outsourcing-Dienstleister bleibt seiner Linie treu und unterstützt mittelständische Unternehmen weiterhin bei der effizienten Auslagerung von IT-Prozessen. Ich denke, dass die Corona-Krise Unternehmen zukünftig mehr denn je ihre Prozesse auslagern lässt, da sie ja sowieso immer mehr von extern (Homeoffice) durchführbar gemacht werden muss. Und warum sollte man da nicht auf Lösungen zurückgreifen, die sich bewährt haben und zusätzlich noch den Stempel 'Made in Germany' haben? Die Datagroup wächst weiterhin organisch, als auch anorganisch. Die Zahlen für GJ 19/20 enthalten einige Einmaleffekte, welche das Gesamtbild leicht verzerren bzw. eine Vergleichbarkeit mit dem VOrjahr erschweren. Aber alles in Allem sieht es meiner Meinung nach gut aus mit der Entwicklung. Was mir weiterhin (v.a. jetzt nach dem letzten Kursanstieg) nicht so gut gefällt, ist die Bewertung. Eine Marktkapitalisierung von an die 500 Mio. € ist mir zu viel für ein solides deutsches Unternehmen mit einem Wachstum um die 10 %.

Diamond Hill Investment Group (DHIL)

initiale Analyse vom 28.06.2016 - Kurs damals ca. 180 $ - Kurs aktuell ca. 153,54 $ (- 14 %)

Der Erfolg eines Asset-Management-Unternehmens steht und fällt mit der Höhe der Assets under Management (AUM). Diese liegt mit laut letztem 10Q vom September '20 mit 22.8 Mrd. $ nicht so viel höher, als vor 4.5 Jahren, als ich sie analysiert hatte. Da sind allerdings die letzten Anstiege um knapp 10 % noch nicht mit eingerechnet. Zum aktuellen Kurs bekommt man ein Unternehmen, welches Gesamtschulden von 55 Mio. hat bei einem Cashbestand von 118 Mio. und Investments von 116 Mio. Der Enterprise Value liegt bei etwa 380 Mio, was in etwa dem 7-fachen dem FCF entspricht. Mit dieser Bewertung, welche auf Geschäftszahlen basiert, die nach dem starken Schlussquartal wahrscheinlich noch besser geworden sind, stellt DHIL auf jeden Fall eines der interessanteren Unternehmen dieser Liste dar.

Dignity PLC

initiale Analyse vom 02.03.2018 - Kurs damals ca. 825 GBp - Kurs aktuell ca. 570 GBp (- 30 %)

Der Absturz im Frühjahr war schon sehr krass (bis auf 216 GBp), wenn man bedenkt, dass ein Bestattungsdienstleister ja eigentlich ein großer Gewinner einer Pandemie sein dürfte. Wer damals mutig war (ich nicht), konnte bis jetzt auch abseits von Tesla & Co. einen guten Profit machen. Was ich interessant fand an den 9-Monats-Zahlen war der Anstieg bei der Anzahl der Toten. In 2019 hatten sie in dem Zeitraum 432' und im Vergleichszeitraum 498'. Im Sommerquartal waren die Zahlen zurück auf dem Niveau des Vorjahres. Zuletzt stiegen sie wieder an. Die Umsätze pro Beerdigung waren mit durchschnittlich 2350 Pfund über 10 % niedriger, als im Vorjahresdurchschnitt (2699 Pfund), wobei das vor allem daran lag, dass durch die Behördenmaßnahmen wesentlich weniger 'full service'-Beerdigungen mit Trauerfeier etc. durchgeführt wurden. Die Zahlen waren zuletzt unter denen des eher schwachen Vorjahres. Ich werde einmal die Zahlen des Gesamtjahres abwarten, um zu schauen, ob ich hier wieder einsteigen werde oder aber nicht.

Dürkopp Adler AG

initiale Analyse vom 14.01.2017 - Kurs damals ca. 34,50 €

Squeeze-Out in 2018 für 35,81 € (siehe hier) - +4 %. Von daher nicht weiter interessant. Höchstens als Beispiel für Nachteile des Börsenstandortes Deutschland.

EASY Software AG

initiale Analyse vom 28.10.2016 - Kurs damals ca. 4,80 € - Kurs aktuell ca. 13,80 € (+ 187 %)

Das Geschäft hat sich nicht sonderlich spektakulär entwickelt. Dafür gab es Anfang 2019 eine Übernahmeofferte von Deutsche Balaton AG für 4,90 €, welche vom Markt nicht sonderlich enthusiastisch aufgenommen wurde. Mitte 2020 gab es dann eine zweite Offerte einer anderen Gesellschaft (deltus) für 11,50 €, welche besser ankam. Da wurde am Preis noch ein wenig nachgebessert auf zuletzt 11,81 €. Aber scheinbar hoffen ein paar Anleger auf noch mehr. Anders ist mir der aktuelle Kurs nicht zu erklären. Aber egal. Ich war nicht bei der Party dabei... Hier kann man auf jeden Fall sehen, dass man auch mit meiner Meinung nach mittelmäßigen Zahlen aktuell in diesem Investmentumfeld für irgendwen interessant sein kann.

F5 Networks (FFIV)

initiale Analyse vom 18.02.2018 - Kurs damals ca. 145,03 $ - Kurs aktuell ca. 204,32 $ (+ 40 %)

Stagnierende Umsätze bei steigenden Ausgaben (v.a. für anorganisches Wachstum) sind selten vorteilhaft, da sie in sinkenden Margen enden. Hier ganz gut zu sehen bei F5. Ihr traditionelles Geschäft bringt zwar weiter ganz gut Geld in die Kasse. Wachstum wird aktuell effektiv nur noch über relativ teure Übernahmen generiert. Die Bilanz schaut daher nicht mehr ganz so gut aus, wie zum Analysezeitpunkt. Hier gilt es zu beobachten, wie die Integration der Angebote der übernommenen Unternehmen am Ende funktioniert und ob diese dann auch wieder bei den Einnahmen wiederzufinden ist. Es gibt aktuell sicherlich schlechtere Unternehmen, an denen man beteiligt sein kann, aber auch bessere.

Female Health Company (FHCO) / jetzt Veru Healthcare (VERU)

initiale Analyse vom 05.10.2016 - Kurs damals ca. 1,16 $ - Kurs aktuell ca. 9,02 $ (+ 677 %)

Ganz gute Kursentwicklung des immer noch defizitären Healthcare-Unternehmens, dessen Geschäftsschwerpunkt mittlerweile nicht mehr unbedingt in der Herstellung des Frauenkondoms liegt (wie zum Zeitpunkt der Analyse), sondern in der Herstellung von Medikamenten zur Brustkrebsbekämpfung. Die überaus positve Kursentwicklung ist meiner Meinung nach auf ihr Medikament VERU-111 zurückzuführen, welches u.a. auch getestet wird zur Behandlung spezieller COVID-19-Patienten. Und alles im Healthcare-Bereich, wo aktuell COVID-19 draufsteht, ist halt 'Hot Shit'. Laut des letzten 10K sehen sie ein Potential von 2500 Patienten pro Woche für einen Jahresumsatz von 600 Mio. $. Die aktuelle Marktkapitalisierung des mehr oder weniger schuldenfreien Unternehmens liegt bei 700 Mio. Da hab ich schon Schlimmeres gesehen in dem Sektor. Sie sollten die aktuelle Bewertung per Kapitalerhöhung zum Geldeinsammeln nutzen... Leider hat meine Glaskugel vor 4 Jahren nicht funktioniert, sonst hätte ich mir wahrscheinlich ein paar Aktien ins Depot gelegt. So kann ich aber zumindest mal selbst ein Bienchen für 'interessante Unternehmensanalysen' ins Heft eintragen lassen.

Gentherm Inc (THRM)

initiale Analyse vom 25.11.2016 - Kurs damals ca. 31,45 $ - Kurs aktuell ca. 68,36 $ (+ 117 %)

Ein Automobilzulieferer, dessen TTM-Umsätze niedriger sind, als zum Analysezeitpunkt, mit mehr als einer Kursverdopplung. Damit hätte ich nicht unbedingt gerechnet. Die Bilanz sieht in Ordnung aus. Aber weder Umsätze noch der Ausblick rechtfertigen die aktuelle Bewertung. Hier ist meiner Meinung nach schon relativ viel Erholungsphantasie im Automobilsektor eingepreist.

Gilead Sciences (GILD)

initiale Analyse vom 08.11.2016 - Kurs damals ca. 74 $ - Kurs aktuell ca. 66,94 $ (- 9 %)

Für mich eine der großen Enttäuschungen. Ich hätte hier mit einer positiveren Entwicklung gerechnet bzw. auch damit, dass sie im Zusammenhang mit der Behandlung von Corona-Patienten oder aber der Entwicklung eines Impfstoffes gewisse Erfolge feiern konnten. So aber weiterhin nur zur Depotbeimischung als Dividendenzahler geeignet.

Halloren Schokoladenfabrik AG

initiale Analyse vom 19.02.2017 - Kurs damals ca. 6,50 € - Kurs aktuell ca. 3,90 € (- 40 %)

Die Hallorenkugeln schmecken immer noch und zwischenzeitlich wurden die sogar mal im Lidl angeboten. Die Aktie wird aktuell nur noch in Hamburg gehandelt mit sehr dünnen Umsätzen. Von daher nicht mehr wirklich als Investment relevant.

Hibbett Sports (HIBB)

initiale Analyse vom 11.08.2016 - Kurs damals ca. 35 $ - Kurs aktuell ca. 54,28 $ (+ 55 %)

Waren im März '20 für unter 10 $ zu haben, da man davon ausgegangen ist, dass sich die bescheidene Geschäftsentwicklung für diesen vorher größtenteils stationären Sportartikelhändler durch die Corona-Krise fortsetzt. Stattdessen haben wir hier 2 Dinge gesehen. Erstens konnten die Verkäufe in Geschäften erhöht werden (um knapp 12 %) und zweitens konnten die Online-Verkäufe mehr als verdoppelt werden. Durch volle Lager waren sie wohl nicht so sehr von Lieferengpässen aus China betroffen und konnten so sehr gute Cashflows generieren. Wahrscheinlich konnten Sie auch ihre Preise erhöhen, da sie einer der wenigen Anbieter von Sportgeräten waren. Durch die Schließung von Fitnessstudios sind viele Menschen auf die Idee gekommen, ihren eigenen Fitnessraum zu Hause zu bestücken (so wie wir z.B. auch) und aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es dadurch eine Verknappung des Angebots bei gleichzeitiger Erhöhung der Preise gab und noch gibt. Durch Aktienrückkäufe konnte die Zahl an ausstehenden Aktien mittlerweile auf unter 17 Mio. gebracht werden. Mit den aktuellen Geschäftszahlen sieht HIBB nicht sonderlich teuer aus. Wenn man sich allerdings für ein Investment entscheidet, sollte man im Hinterkopf behalten, dass die aktuelle Situation auch irgendwann einmal ein Ende haben wird und dann eine Rückkehr in die alte Entwicklung mehr als wahrscheinlich ist.

Infosys (INFY)

initiale Analyse vom 26.07.2016 - Kurs damals ca. 16,50 $ - Kurs aktuell ca. 18,18 $ (+ 10 %)

Weiterhin sehr margenstarkes IT-Beratungsunternehmen. Auch hier wäre der März mit Kursen um die 7 Dollar ein guter Einstiegspunkt gewesen. Den Zeitpunkt habe ich leider verpasst. Von daher weiterhin auf meiner als Unternehmen, was man im Auge behalten kann. Die nächste Krise kommt bestimmt. Wobei - ich tu gerade so, als sei die aktuelle vorbei :-)

Juniper Networks (JNPR)

initiale Analyse vom 18.11.2017 - Kurs damals ca. 26,30 $ - Kurs aktuell ca. 25,04 $ (- 4 %)

Umsatzrückgang und weiterer Rückgang bei den Margen. Ich sehe hier technologisch nichts, was die Situation verbessern könnte. Mit eine EV/FCF von um die 16 auch kein wirkliches Schnäppchen. Ich lass die Finger weg.

K+S (Kali & Salz AG)

initiale Analyse vom 11.11.2016 - Kurs damals ca. 20 € - Kurs aktuell ca. 9,90 € (- 50 %)

Hier hatte ich rechtzeitig die Reißleine gezogen, auch wenn sich der Kurs seit Mitte letzten Jahres signifikant erholt hat. Im Endeffekt haben sich die Preise für Düngemittel über Jahre nicht wirklich erholt und K+S hat, wie ich es auch damals erwartet hatte, weiterhin mit ihrer starken Verschuldung zu kämpfen. Diese wurde zwar durch den Verkauf des US-Salzgeschäfts reduziert, aber damit ging auch ein zuverlässiger Geschäftszweig von Bord. Ich ärgere mich bei K+S eigentlich immer noch darüber, dass sie damals gegen einen Verkauf ein Potash (mittlerweile Nutrien Ltd.) waren. Das wäre einer meiner besseren Deals gewesen. So aber ist und bleibt K+S als Investment für mich eine Enttäuschung.

ManpowerGroup (MAN)

initiale Analyse vom 06.09.2016 - Kurs damals ca. 71 $ - Kurs aktuell ca. 95,29 $ (+ 34 %)

Zeitarbeitsunternehmen schneiden in Krisenzeiten meist nicht so gut ab, da ihre Mitarbeiter im Normalfall die ersten sind, welche von Kunden freigestellt werden. Das kann man auch bei Manpower ganz gut an den Geschäftszahlen erkennen. Die Cashgenerierung funktioniert aber weiterhin ganz gut. Sie sind mir allerdings trotzdem im Vergleich zu Mitbewerbern zu teuer geworden. Wenn ich mich für ein Unternehmen der Branche entscheiden müsste, würde ich aktuell wahrscheinlich eher Robert Half nehmen.

Myriad Genetics (MYGN)

initiale Analyse vom 24.01.2017 - Kurs damals ca. 15,50 $ - Kurs aktuell ca. 26,63 $ (+ 71 %)

Waren zwischenzeitlich mal Richtung 50 $ unterwegs, aber stark sinkende Umsätze bei negativen Ergebnissen und mittlerweile auch Cashflows haben ihre Tribut gefordert. Sie befinden sich gerade in einem Transformationsprozess, bei dem am Ende - wie immer in solchen Situationen - alles besser werden soll - allem voran die Produkte und Geschäftszahlen. Durch die Corona-Pandemie sind ihre Angebote (Krebserkennung) ein wenig in den Hintergrund geraten. Die letzten Quartalszahlen haben allerdings gezeigt, dass es wieder bergauf geht. Da ich mich allerdings schwer tue mit der Einschätzung ihres Geschäftsfeldes (und den Entwicklungsmöglichkeiten), lasse ich auch weiterhin eher die Finger davon weg.

Netflix (NFLX)

initiale Analyse vom 25.09.2016 - Kurs damals ca. 95 $ - Kurs aktuell ca. 565,17 $ (+ 494 %)

Bei Netflix lag ich wohl ein wenig daneben, da sich die eigentlichen Zahlen etwas über den Zahlen des optimistischen Szenarios eingependelt haben. Persönlich haben wir weiterhin kein Abo von ihnen, da uns einfach die Zeit fehlen würde, das alles zu schauen. Amazon Prime, Youtube, die diversen Mediatheken unserer deutschen Sender und Disney+ reichen uns aktuell aus. Bewertungstechnisch sind sie immer noch abenteuerlich unterwegs, was nicht heißt, dass es nicht noch weiter nach oben gehen kann. Sie sind weiterhin als Unternehmen interessant, aber einfach kein Investment für mich.

Nicholas Financial Inc (NICK)

initiale Analyse vom 30.07.2016 - Kurs damals ca. 10,62 $ - Kurs aktuell ca. 8,79 $ (- 17 %)

Die Kurs- und Geschäftsentwicklung beim Subprime-Autokreditvermittler ist nicht so gut verlaufen. Ich hatte ja damals geschrieben, dass ich in dem Bereich CACC bevorzugt hätte und damit wäre man im Endeffekt auch besser gefahren. Die Höhe der vergebenen Kredite liegt mittlerweile nur noch etwa halb so hoch, wie zum Analysezeitpunkt. Daher kann man sich fragen, wo dann das Wachstum und die zukünftigen Gewinne kommen sollen. Ich halte mich einmal weiterhin fern von ihnen.

Novo Nordisk

initiale Analyse vom 08.08.2016 - Kurs damals ca. 318 DKK - Kurs aktuell ca. 444 DKK (+ 39 %)

Der Weltmarktführer für Diabetesmedikamente ist nach Jahren der Stagnation zurück im Wachstumsmodus. Die Bilanz und die Free Cashflow-Zahlen sehen weiterhin ordentlich aus. Die Wachstumsaussichten würde ich durch die steigende Weltbevölkerung und immer fetter werdende Gesellschaft als positiv einschätzen. Sie sind für mich auf jeden Fall ein interessanter Kandidat zur Neubestückung meines Portfolios, nachdem ich sie zwischenzeitlich verkauft habe.

OrganiGram (OGRMF)

initiale Analyse vom 09.01.2018 - Kurs damals ca. 5,20 CAD - Kurs aktuell ca. 2,18 CAD (- 58 %)

Kürzlich sind die Q1-Zahlen '21 rausgekommen für das Cannabis-Unternehmen. Umsatz 25m CAD. Nettoverlust 34m CAD. Anzahl ausgegebene Aktien waren Ende November 232m (zum Analysezeitpunkt waren es 103m). 68 % weniger geerntet im Vergleich zum Vorjahresquartal. Da alles, was bei Organigram stark wächst, die Verluste, die Länge der Geschäftsberichte und die Anzahl der Aktien sind und die Geschäfte weiterhin so unvorhersagbar sind, halte ich mich weiterhin ohne schlechtes Gewissen fern. Reines Gezocke... Das einzig wirklich interessante Unternehmen in dem Bereich ist für mich Innovative Industrial Properties (IIPR), wobei mir bei denen die Bewertung nicht gefällt.

Pandora A/S

initiale Analyse vom 11.10.2016 - Kurs damals ca. 790 DKK - Kurs aktuell ca. 624 DKK (- 21 %)

Meine Wachstumsannahmen für Pandora waren viel zu optimistisch. Auch bedingt durch die Covid-19-Maßnahmen inkl. geschlossenen Geschäften sind die Umsätze sogar zurückgegangen. Nach einem Mega-Absturz bis auf unter 200 DKK hat sich der dänische Schmuckhersteller kurstechnisch wieder ganz gut berappelt. Kürzlich wurde berichtet, dass die tatsächlichen 2020er Zahlen nicht ganz so schlecht ausfallen werden, wie noch bei den Q3-Zahlen angenommen. Allerdings gehen sie für das Gesamtjahr trotzdem von einem 11-prozentigen Umsatzeinbruch aus und einer EBIT-Marge von 17.5-19 %. Zusätzlich hat sich der Preis von Silber, einem ihrer wichtigsten Rohstoffe, in 2020 stark erhöht, so dass ggf. in den kommenden Jahren - wenn ihre Hedges nicht mehr so sehr helfen, die Margen unter Druck bleiben. Sie bleiben auf jeden Fall mal auf meiner Watchlist. Zum aktuellen Kurs sind sie mir ohne vollständige Geschäftszahlen auf den ersten Blick zu teuer.

Perion Network (PERI)

initiale Analyse vom 07.11.2017 - Kurs damals ca. 3,18 (splitbereinigt) - Kurs aktuell ca. 13,90 $ (+ 337 %)

Der Turnaround beim israelischen Ad-Tech-Spezialisten scheint geschafft zu sein. Im Schlussquartal wurde einerseits die Partnerschaft mit Microsoft um 4 Jahre verlängert und andererseits konnte die Guidance dahingehend angepasst werden, dass man für das Gesamtjahr von Umsätzen von 310-315m $ ausgeht. Die Cashgenerierung sieht immer noch gut aus. Allerdings sind sie zum jetzigen Zeitpunkt meiner Meinung nach mit einerm EV/FCF von mehr als 15 kein Schnäppchen mehr. Schade, dass ich hier aufgrund von Tabula-Rasa im Depot nicht mit dabei war.

Randstad

initiale Analyse vom 14.09.2016 - Kurs damals ca. 40 € - Kurs aktuell ca. 53,62 € (+ 34 %)

Für Randstad gilt eigentlich das gleiche, wie für Manpower. D.h. viele ihrer platzierten Mitarbeiter dürften zuletzt von den Kunden freigestellt worden sein und in nächster Zeit sehe ich hier eher weniger Platz für Wachstum. Zumindest sehe ich zum jetzigen Zeitpunkt keine Unterbewertung.

Rayonier Advanced Materials (RYAM)

initiale Analyse vom 16.09.2016 - Kurs damals ca. 11,80 $ - Kurs aktuell ca. 7,42 $ (-37 %)

RYAM ist nur noch bedingt mit dem von mir analysierten Unternehmen vergleichbar, da sie in 2017 das kanadische Unternehmen Tembec übernommen hat. Dies führte einerseits zu einer starken Verwässerung (mittlerweile stehen mehr als 63 Mio. Aktien aus - damals waren es 43 Mio.), zu einer starken Änderung des Income Statements (Umsätze etwa doppelt so hoch, Gewinne und Cashflows signifikant gesunken) und zu einer Verschlechterung der Bilanz. Ich halte mich mal lieber fern von denen.

RIB Software

initiale Analyse vom 30.03.2018 - Kurs damals ca. 17,29 € - Kurs aktuell ca. 28,08 € (+ 62 %)

Nachdem der Kurs nach meiner Kurzbesprechung nochmal stark nachgegeben hatte und bis unter 10 € gefallen war, hat er sich doch wieder sehr gut erholt. Das liegt auch an den relativ guten Geschäftszahlen, die geliefert wurden. Auf 9-Monats-Basis haben sich ihre Umsätze in 2020 trotz Corona um 25 % erhöht (auf 190 Mio.), der Gewinn hat sich verdreifacht (auf 33 Mio.), die Cashflows haben eine ähnlich gute Entwicklung durchlaufen, was auch an der wesentlich besseren Bilanz erkennbar ist. Die Bewertung ist aber meiner Meinung nach aktuell eher am oberen Ende der Skala angelangt für meinen Geschmack. Ich muss zugeben, dass mich RIB positiv überrascht hat, einsteigen werde ich mit der aktuellen Bewertung allerdings nicht.

Robert Half (RHI)

initiale Analyse vom 20.01.2018 - Kurs damals ca. 57,02 $ - Kurs aktuell ca. 68,31 $ (+ 19 %)

Robert Half haben sich als Zeitarbeitsunternehmen eigentlich ganz gut geschlagen. Sie sind erwartungsgemäß Anfang '20 unter die Räder gekommen, haben sich aber kurstechnisch schon wieder ganz gut erholt. Die Geschäfte sind ganz schön eingebrochn (knapp 30 % Umsatzverlust inkl. ähnlicher Rückgänge beim Gewinn). Die Bilanz ist aber immer noch blitzsauber und auch von der Bewertung her sind sie noch recht moderat unterwegs mit EV/FCF von knapp 13. Zusätzlich habe ich von ihnen persönlich bereits Anfragen zur Vermittlung erhalten. Daran ist einerseits erkennbar, dass ihr internationales Geschäft mittlerweile auch gut funktioniert und andererseits, dass sie tatsächlich gerne mit fähigen Spezialisten zusammenarbeiten :-) Sie sind für mich auf jeden Fall eines der interessanteren Unternehmen der Liste hier.

RPX-Corp (RPXC)

initiale Analyse vom 21.09.2016 - Kurs damals ca. 10,27 $

Die Patent-Spezialisten wurden in 2018 von der private equity Firma HGGC übernommen zu einem Preis von 10,50 $ pro Aktie. Schade eigentlich, da ihre Geschäftszahlen immer noch recht gut waren. FÜr HGGC sicher kein schlechter Deal.

Support.com (SPRT)

initiale Analyse vom 02.07.2016 - Kurs damals ca. 2,60 $ (splitbereinigt) - Kurs aktuell ca. 2,14 $ (- 17 %)

Support.com haben aktuell eine Marktkapitalisierung von 41m $ und einen Enterprise Value von knapp 12m $. Sie haben TTM-Umsätze von 46m gemacht und keine Verluste. Vor nem knappen Jahr waren sie sogar mal für unter einen Dollar zu haben. D.h. sie hatten damals einen negativen Enterprise Value. Sagen wir mal so: Hier könnte sich ein IT-Unternehmen neben einer interessanten Internet-Domain auch noch mehr als 40 Mio. Dollar Umsatz für effektiv 12 Mio. Dollar kaufen. Ich hab da schon schlechtere Deals gesehen (siehe auch EASY Software AG-Übernahme).

Syntel (SYNT)

initiale Analyse vom 21.12.2016 - Kurs damals ca. 19,80 $

Syntel sind in 2018 für 41 $ pro Aktie vom französichen IT-Dienstleister Atos übernommen. Das hat mich damals gefreut :-) Atos selbst ist auch recht interessant, vor allem mit dem jetzt integrierten Syntel. Wäre auf jeden Fall auch mal eine Analyse wert. Sagen wir es mal so: ein profitabler IT-Dienstleister mit konstanten Umsätzen, einer Bilanz, die in Ordnung ist und einer Bewertung um die 10 (bei KGV bzw. auch bei EV/FCF) ist auf jeden Fall mal einen zweiten Blick wert.

Tesla (TSLA)

initiale Analyse vom 05.08.2016 - Kurs damals ca. 46 $ (splitbereinigt) - Kurs aktuell ca. 846 $ (+ 1.739 %)

Kaum ein Unternehmen spaltet die Investmentwelt so, wie Tesla. Ich hatte mich damals von ihnen fern gehalten, war zwischenzeitlich mal kurz davor, doch einzusteigen (nach dem Konsum von Folge 136 des Aktien mit Kopf-Podcasts), hab mich dann aber doch für ein Haus in Bayern entschieden. Die Umsätze gehen in die richtige Richtung, die Cashflows sind positiv, die Bilanz schaut für mich als Laien ganz gut aus, aber die Bewertung gefällt mir einfach nicht. Bei denen darf aktuell gar nichts schief laufen. Stellt sich nur mal einer vor, Elon steckt sich schwer mit Covid an oder er steht zu nah an einer explodierenden Rakete...

The Walt Disney Company (DIS)

initiale Analyse vom 13.10.2016 - Kurs damals ca. 91,40 $ - Kurs aktuell ca. 172 $ (+ 88 %)

Bis Ausbruch von Corona lief es eigentlich ganz gut. Sie hatten mit Ach und Krach 'Avengers: Endgame' auf Platz 1 der Alltime-Charts gehievt, Disney+ wurde an den Start gebracht, die 21st Century-Übernahme war durch... Seither lief es nur so Semi mit den geschlossenen Freizeitparks und Kinos und dem Rutschen in die Verlustzone. Das mittlerweile hoch verschuldete Unternehmen hat auf jeden Fall schon mal bessere Zeiten gesehen. Aktuell habe ich sie nicht im Portfolio, aber wenn irgendwann der Preis mal wieder passt (was er meiner Meinung nach aktuell überhaupt nicht tut), wandern sie bestimmt mal wieder rein. Meine Kinder und ich mögen Disney+ auf jeden Fall sehr. Allerdings muss ich auch sagen, dass sie dadurch mit uns wesentlich weniger Umsatz machen werden, als in der Vergangenheit. Sonst haben wir pro Jahr bestimmt für mehr als 300 € BluRays von ihnen gekauft und mehr als 300 € im Kino ausgegeben. Vieles davon wird in Zukunft sicherlich wegfallen.

Ubiquiti Networks (UBNT)

initiale Analyse vom 24.03.2018 - Kurs damals ca. 68,14 $ - Kurs aktuell ca. 264,95 $ (+ 288 %)

Firmieren jetzt als Ubiquiti Inc (UI). Haben eine passable Umsatz- und Gewinnentwicklung hingelegt und haben ganz gut von Trumps Steuerreform profitiert, indem sie recht viel vom Geld aus dem Ausland in die USA geholt haben. Das wurde v.a. für Aktienrückkäufe verwendet (nur noch 63.7m ausstehend, wobei der 42-jährige CEO Robert Pera davon - neben dem NBA-Team der Memphis Grizzlies - 56.2m besitzt). Ihr Eigenkapital ist v.a. durch die Aufnahme von Schulden ins negative gerutscht, so dass man diverse Kennzahlen, wie die EK-Rendite gar nicht mehr berechnen kann. Von den Kennzahlen her sind sie jetzt noch weniger ein Kauf, als zum Analysezeitpunkt.

Fazit:

Investieren fetzt. Seit dem ersten Blogartikel am 22.06.2016 ist viel passiert. Der MSCI World Index ist inkl. auf und ab von knapp 1700 Punkten auf knapp 2800 gestiegen. Ich konnte einige interessante Unternehmen finden, habe aber nicht zwangsläufig in alle investiert. Was ich in Zukunft auf jeden Fall machen muss, ist positiver zu denken und an der ein oder anderen Stelle etwas mehr Mut zu beweisen. Alles in Allem schaue ich aber positiv in meine Investmentzukunft. Einen Teil werde ich weiterhin regelmäßig passiv investieren (u.a. per Sparplan in MSCI World ETF und den Digital Leaders Fund). Einiges an Geld wird aber in Zukunft wieder in Einzelaktien landen. Es gibt immer noch genug interessante. Man muss nur suchen (und finden :-)). Danke fürs Lesen.

Wichtiger Hinweis: Alle Aussagen stellen persönliche Meinungsäußerungen dar. Für die Richtigkeit dieser Aussagen und der hier dargestellten Zahlen wird keine Gewähr übernommen. Fehler und Fehlinterpretationen können enthalten sein. Von daher sind hier weder Kauf- noch Verkaufsempfehlungen enthalten. Bevor jemand in eines der hier besprochenen Unternehmen investiert, muss er sich selbst damit befassen und seinen eigenen Analysen anstellen.

Sonntag, 12. Mai 2019

Vorstellung des 'Digital Leaders Fund' (ISIN DE000A2H7N24)

Vorstellung des 'Digital Leaders Fund' (ISIN DE000A2H7N24)

Es gibt so Dinge, für die man sich in den Arsch beißen könnte. Eines dieser Dinge in Bezug auf meine Investments ist (Stand heute), dass ich mir nicht Ende letzten Jahres Anteile am 'Digital Leaders Fund' gekauft habe. Diesen hatte ich zwar auf dem Einkaufszettel stehen für den Fall einer Korrektur, aber irgendwie habe ich es versäumt und erst heute mal wieder einen Blick drauf geworfen. Seit Weihnachten hat er nämlich knapp 25 % gemacht, was für einen aktiv gemanagten Fonds mit verhältnismäßig hoher Cashquote überaus bemerkenswert ist.

Der 'Digital Leaders Fund' ist seit knapp einem Jahr auf dem Markt. Er wurde von Baki Irmak und Stefan Waldhauser ins Leben gerufen, wobei mir Stefan vor allem daher bekannt ist, dass er auf meinem Blog doch ab und an umfang- und hilfreiche Kommentare hinterlassen hat. Wer mehr über ihn erfahren möchte, dem kann ich nur sein Interview mit dem Finanzrocker Daniel Korth vom März diesen Jahren wärmstens empfehlen. Auch sein eigener Blog 'High-Tech-Investing' und die Webseite vom DLF sind sehr lesenswert.

Der Fonds ist auf Investments in Unternehmen spezialisiert, bei denen die Digitalisierung eine zentrale Rolle spielt. Zugegeben: das mit der Digitalisierung machen fast alle Unternehmen irgendwie, aber dabei gibt es eben auch welche, die es erfolgreicher machen, als andere. Und da diese damit eine bessere Zukunftsfähigkeit haben, ist die Wahrscheinlichkeit einer damit oft einher gehenden positiven Aktienkursentwicklung natürlich auch höher. Bei den investierten Unternehmen handelt es sich nicht nur - wie man vielleicht denken könnte - nur um Technologieunternehmen, sondern es sind auch Unternehmen aus traditionellen Branchen wie Banken enthalten.

MMI von valueandopportunity hat Anno 2015 in einem Blogartikel mal aufgelistet, welche Kriterien ein aktiv gemanagter Fonds erfüllen muss, damit er darin investieren würde. Für mich (wichtig: jeder muss sich da selbst ein Urteil erlauben) wären beim Digital Leaders Fund alle 6 Kriterien mehr oder weniger erfüllt.

In Bezug auf Punkt 1 der MMI-Auflistung (The manager has to be trust worthy) ist dies schon daher gegeben, da ich viele Gemeinsamkeiten mit einem der Hauptakteure (sprich Stefan) habe. Diese wären:

  • langfristige Denkweise beim Investieren und Vermeidung von Trading
  • eines der Investment-Lieblingsbücher 'One up on Wall Street' von Peter Lynch
  • wirtschaftslastiges Studium (Wirtschaftsinformatik bei mir, Wirtschaftsmathematik bei Stefan)
  • Fan des FC Bayern
  • viele Jahre Arbeit in der Softwarebranche als Softwareentwickler
  • Familienmensch mit 2 Kindern; da er in Herzogenaurach lebt, stellt sich nur die Frage: Adidas (ich) oder Puma? :-)

Spaß beiseite: Der DLF bleibt aktuell auf meinem 'Einkaufszettel für gewisse Momente' und irgendwann wird es auch mal wieder eine gute Einstiegsgelegenheit geben. Er dürfte für alle was sein, die langfristig denken, auf eine gewisse Transparenz stehen (im Rahmen des regulatorisch zulässigen), die sich (wie ich) mit der Bewertung von High-Growth-Unternehmen schwer tun, bei denen das Fondvolumen Wurst ist und die ihre Investmententscheidungen nicht von TER-Prozentpunkten abhängig machen. Einige Leser werden sich jetzt evtl. fragen "Warum macht der hier eigentlich Werbung für einen aktiv gemanagten Fonds", obwohl ich doch eher ein Freund des Stockpickings bzw. alternativ von breit gestreuten ETFs bin? Einfache Antwort: weil ich finde, dass der angesprochene Fonds ein interessantes Konzept hat und in Zukunft so viel Erfolg, wie möglich haben sollte.

Disclaimer: Ich bekomme kein Geld für diesen Artikel, besitze aktuell keine Fondsanteile und kenne niemanden persönlich, der mit dem Fonds zu tun hat und von diesem profitiert. Dieser Artikel ist aus freien Stücken entstanden und stellt weder eine Kauf-, Halte- noch eine Verkaufsempfehlung dar.

Samstag, 25. August 2018

EV/FCF-Verhältnis als Alternative zum KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis)

EV/FCF-Verhältnis als Alternative zum KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis)

Eine der bekanntesten und beliebtesten Kennzahlen ist ja das KGV bzw. Kurs-Gewinn-Verhältnis. Das findet man auf den meisten Finanzseiten auch immer an prominenter Position gleich neben dem Kurs und es wird von vielen Leuten als die Bewertungskennzahl schlechthin angesehen. Ich bin hier der Meinung, dass die Kennzahl besser ist, als nichts, aber dass sie durchaus auch kritisch gesehen werden kann. Das KGV errechnet sich aus dem Preis der Aktie geteilt durch den Gewinn der Aktie. Grob ausgedrückt kann man daran erkennen, wie viele Jahre es dauern würde, den Preis, welcher aktuell zu zahlen ist, bei Vollausschüttung konstanter Gewinne wieder herauszubekommen. Kostet eine Aktie beispielsweise 10 Euro und der Gewinn pro Aktie liegt bei 2 Euro, erhält man ein KGV von 5. D.h. umgekehrt, dass ich meine 10 Euro wieder heraushätte, wenn mir das Unternehmen den Gewinn in den nächsten 5 Jahren 1:1 auszahlt (5 Jahre * 2 €/Jahr = 10 €).

Das Problem an der Sache: das KGV ist nur eine Momentaufnahme und es werden viele wichtige Fakten (sprich die Realität) nicht mit berücksichtigt. Diese wären z.B. dass die Bilanzstruktur (Guthaben, Schulden) nicht mit einfließt, dass ausgewiesener Gewinn nicht gleich Geld auf dem Konto ist, dass Gewinne schwanken können, dass zum Wachstum (oder manchmal auch einfach zum Erhalt des Status Quo) investiert werden muss etc. In Amazon oder Netflix investiert ja z.B. aktuell niemand, weil er/sie anhand der aktuell vorliegenden Zahlen ernsthaft erwartet, erst in 150 Jahren seinen Einsatz wieder zu bekommen (+ bei Tesla evtl. nie :-)).

Ich würde erfahrenen Investoren, welche ihre Investmententscheidungen u.a. anhand von Kennzahlen treffen, immer erst einmal 2 Fragen stellen:

  1. Was ist für dich wichtiger: die Marktkapitalisierung (Anzahl ausstehender Aktien * aktueller Kurs) oder aber der Enterprise Value (grob gesagt Marktkapitalisierung - Zahlungsmittel + Finanzschulden + Minderheitenanteile)? Meine Antwort wäre hier eindeutig der EV, da hier auch die Bilanz mit betrachtet wird. Mir ist nämlich ein schuldenfreies Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 100 Mio. und 50 Mio. auf dem Konto lieber, als ein Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 140 Mio., 20 Mio. Cash und 80 Mio. ausstehenden Krediten - vergleichbare Einkünfte vorausgesetzt.
  2. Was ist für dich wichtiger: der ausgewiesene Nettogewinn oder aber der Free Cash Flow (also der Betrag, der auch tatsächlich nach Abzug von Investitionen auf dem Konto verblieben ist)? Meine Antwort wäre hier auch in den meisten Fällen der Free Cash Flow, da einem damit bewusster wird, dass eine geschriebene Rechnung (wird in GuV berücksichtigt, genau wie nicht-cashwirksame Punkte wie Abschreibungen oder aber Aktienoptionen) noch lange keine bezahlte Rechnung ist. Man sollte also auch immer einen Blick in die Kapitalflussrechnung werfen.

Schlussfolgerung aus Antworten: Nutze EV/FCF statt KGV

Was liegt also näher, statt des KGV das EV/FCF-Verhältnis für die Bewertung zu benutzen? Komischerweise habe ich noch keine Finanzseite gefunden, welche diese Kennzahl ausweist. Nicht mal das Kennzahlenparadies Gurufocus. Ich persönlich benutze diese Kennzahl immer wieder gerne für Vergleiche innerhalb einer Branche bzw. auch zur Riskikominimierung. Bei der Berechnung des EV muss man sich nämlich zwangsläufig mit der Bilanz auseinandersetzen und findet so oft auch Unternehmen, welche sich in einer exzellenten Position befinden, weil sie z.B. viel Cash auf der hohen Kante haben und keine Schulden zurückzuzahlen sind. Für die gilt dann meistens: ohne Schulden sind Unternehmen bisher selten pleite gegangen. Und auch ein Blick in die Kapitalflussrechnung ist Pflicht, da man dort gut erkennen kann, was an Cash reinkommt, was so an Optionen bezahlt wird, was so abgeschrieben wird und wie das Unternehmen investiert (wird z.B. nur eher organisch gewachsen oder anorganisch durch Unternehmensübernahmen).

In jüngerer Vergangenheit habe ich durch die Nutzung dieser Kennzahl durchaus ein paar positive Investmententscheidungen getroffen (z.B. dass ich Hibbett Sports im August letzten Jahren nicht verkauft habe, dass ich kurzzeitig Perion Network in mein Portfolio aufgenommen hatte oder aber dass ich bei F5 Networks und Robert Half International aktuell investiert bin). Retrospektiv gesehen hat mich die Nutzung der Kennzahl auch vor falschen Investments bewahrt (ich denke da nur mal Mox Telecom, die damals einen niedrigen einstelligen KGV hatten, aber stark negative Cash Flows - die sind dann pleite gegangen). Gleichzeitig hätte ich sie auch nutzen sollen, um voreilige Verkäufe zu unterlassen (wie z.B. bei Apple vor ein paar Jahren oder aber Hibbett Sports Anfang diesen Jahres). Aber man lernt ja nie aus und es ist auch unmöglich, immer richtig zu liegen. Bei richtiger Diversifikation reicht es im Normalfall aus, wenn man in etwas mehr als 50 % der Fälle richtig liegt. Wir müssen uns einfach bewusst sein, dass nicht jeder wie Warren Buffett oder Charlie Munger sein kann.

Kritik:

Die EV/FCF-Kennzahl ist natürlich kein Allheilmittel und auch eher für etablierte Unternehmen geeignet (bei schnell wachsenden Unternehmen ist der FCF meist negativ). Bei Wachstumsunternehmen mit negativem FCF hilft es dann meistens, nicht die Momentaufnahme zu betrachten, sondern das, was evtl. sein könnte, wenn denn mal tatsächlich nachhaltig Cash generiert wird. Stefan Waldhauser vom High-Tech-Investing-Blog bzw. The-Digital-Leaders-Fund wird mir da sicher zustimmen. Bei mir persönlich ist das z.B. ein Punkt, welcher mich aktuell von einem Einstieg bei der Datagroup abhält. Wenn dort alles gut läuft, generieren sie irgendwann gute Cash Flows. Was ist aber, wenn es weiter so schwankend läuft, wie in den vergangenen 12 Jahren und ständig neue Unternehmen zugekauft werden (müssen)? Zusätzlich fehlte in den 9-Monats-Zahlen die Kapitalflussrechnung...

Insgesamt gesehen sollte man die EV/FCF-Kennzahl auch immer noch mit dem Wachstum ins Verhältnis setzen (so wie es beim PEG auch gemacht wird, bei dem das KGV durch die Wachstumsrate beim Gewinn/Aktie zu teilen ist -> d.h. ein KGV von 40 bei einem Wachstum von 40 % ist besser, als ein KGV von 15 und einem Wachstum von 2 % - hier verweise ich gerne auf die Bücher von Peter Lynch bzw. auf das Buch The Zulu Principle von Jim Slater). Aber das wäre dann schon wieder mal als Thema für einen Folgeartikel denkbar.

Fazit:

Es gibt Alternativen zum KGV und ich persönlich habe sie auch in mein Bewertungsexcel aufgenommen. Wenn ihr bei Stammtischgesprächen oder aber langweiligen Parties glänzen wollt, so gebt einfach einige der dargestellten Argumente zum Besten. Kauft nicht alles mit einem niedrigen KGV und kauft nicht alles mit einem niedrigen EV/FCF (wobei eure Erfolgswahrscheinlichkeit damit etwas höher liegen dürfte). Wenn ihr Gefallen an Erläuterungen zu weiteren Kennzahlen haben solltet, sei euch die Seite DIY-Investor empfohlen.

Disclaimer:

In diesem Artikel wurden einige Unternehmen genannt. Die getroffenen Aussagen sind nicht als Empfehlung jeglicher Art zu werten. D.h. ich habe nicht gesagt, dass ein Leser Aktien eines der Unternehmen kaufen, halten oder verkaufen sollte. Ich wollte nur zum Ausdruck bringen, dass es neben dem KGV auch noch andere hilfreiche Kennzahlen gibt, welche teilweise aussagekräftiger sein können.

Samstag, 28. April 2018

Wie kommt man kostenlos an Geschäftszahlen von Unternehmen?

Wie kommt man kostenlos an Geschäftszahlen von Unternehmen?

Neulich fragte mich ein Leser, wie ich an die Geschäftszahlen komme, die ich in meinen Beiträgen immer verwende. Da wurde mir erstmal wieder bewusst, dass nicht jedem klar ist, dass man in der heutigen Zeit glücklicherweise auch an die Zahlen kommt, wenn man (noch) kein Aktionär ist und/oder Zugang zu kostenpflichtigen Finanzdiensten wie Bloomberg oder Reuters hat. Ich besorge sie mir immer folgendermaßen:

  1. Einen ersten groben Überblick kann man sich meistens über bekannte Finanzseiten, wie Gurufocus.com, Ariva.de, Onvista.de oder aber Finanzen.net verschaffen. Vor allem Gurufocus bietet dem Anwender einen guten ersten Eindruck mit zahlreichen Kennzahlen zu an amerikanischen Börsen gehandelten Unternehmen. Mein Ende 2016 verfasster Artikel 'Gurufocus - Das Paradies für preisbewusste Kennzahlenfetischisten' ist glaube ich nicht ohne Grund einer der meistgelesenen Artikel dieses Blogs.
  2. Handelt es sich um ein an amerikanischen Börsen gehandeltes Unternehmen, nutze ich immer die Meldungen der Unternehmen an die amerikanische Börsenaufsicht SEC. Konkret kommt man relativ zeitnah an 10-K (Jahresberichte) und 10-Q (Quartalsberichte)-Dokumente. Hier nutze ich meistens die NASDAQ-Webseite, da man dort schnell an die relevanten Dokumente der Unternehmen kommt (siehe Screenshot).

    Innerhalb der Dokumente steht auf der ersten Seite meist die aktuelle Zahl an Aktien (durch Aktienrückkäufe häufig anderer Wert, als in den Finanzdaten-Abschnitten). Bei den 10-K's gibt es dann in vielen Fällen irgendwo einen Abschnitt mit quartalsweisen Hoch-/Tiefpreisen. Zusätzlich kommt man über die Suche nach 'CONSOLIDATED BALANCE SHEET' relativ schnell zu den Geschäftszahlen für die dargestellten Zeiträume. Die Geschäftszahlen unterteilen sich in CONSOLIDATED BALANCE SHEET (Bilanz), CONSOLIDATED STATEMENTS OF OPERATIONS (Gewinn- und Verlustrechnung) und CONSOLIDATED STATEMENTS OF CASH FLOWS (Kapitalflussrechnung). Darüber hinaus gibt es teilweise auch noch CONSOLIDATED STATEMENTS OF COMPREHENSIVE INCOME (Gesamterfolgsrechnung) und CONSOLIDATED STATEMENTS OF EQUITY (Eigenkapitalveränderungsrechung).

    Ich habe mir ein Programm geschrieben, bei dem ich per Copy&Paste den gesamten Text mit den Geschäftszahlen reinkopiere und bei dem die einzelnen Werte entsprechend interpretiert werden. Zusätzlich werden auch noch Werte berechnet (also z.B. Enterprise Value oder die ganzen Renditekennzahlen). So bringe ich relativ zügig die Zahlen von 10 Jahren in eine Excel-Übersicht.
  3. Bei nicht-amerikanischen Unternehmen besorge ich mir die Zahlen in den meisten Fällen direkt von den Investor Relations-Seiten oder bei deutschen Unternehmen alternativ aus dem Bundesanzeiger. D.h. interessieren mich z.B. die Zahlen von K+S, so gebe ich bei Google 'K+S Investor Relations' ein, wechsle auf die Seite und suche dort nach Finanzberichten. Nachteil dieser Dokumente ist, dass sie oft nur als PDF vorliegen und man dort die Daten nicht einfach rauskopieren kann. Hier hilft dann - wenn man es machen muss/will - ein Umweg über Google Drive bzw. Google Docs. D.h. PDF runterladen, bei Google Drive hochladen, PDF markieren, 3 Punkte in der Toolbar oben betätigen, 'Öffnen mit' auswählen und dann 'Google Docs' auswählen.

    Und voila - schon hat man den PDF-Inhalt auch in Textform. Auch diesen Text kann ich jetzt in mein Programm kopieren, so dass er sie auf elektronischem Weg verarbeiten kann.

Das war es dann eigentlich auch schon. Wie man sieht, ist es kein Hexenwerk. Mit diesem Vorgehen kann man sich relativ schnell die Zahlen zusammen sammeln. Der schwierige Teil ist dann nur die Interpretation. Insgesamt gesehen muss ich sagen, dass ich vor allem den Bundesanzeiger in letzter Zeit immer mal wieder als Datenquelle herangezogen habe, da man dort auch Informationen zu nicht börsennotierten Unternehmen finden kann. Also wenn jemanden einmal interessiert, was denn die Frisörkette oder das Sägewerk nebenan (allesamt GmbHs) so in der Bilanz stehen haben, wird man dort oft fündig. So fand ich z.B. bei der Suche nach interessanten deutschen IT-Unternehmen bemerkenswert, dass die TeamViewer GmbH (Fernwartungssoftware-Hersteller) im Jahr 2016 168.5 Mio. € Umsatz gemacht hat und dabei einen Nettogewinn von 91.5 Mio. Und das bei einer mehr als sauberen Bilanz. Aber so Unternehmen ist dann in Deutschland leider eben nicht börsennotiert.

An dieser Stelle würde mich interessieren, wie ihr euch eure Zahlen immer besorgt und verarbeitet. D.h. welche Webseiten und Tools nutzt ihr bzw. stehen euch zur Verfügung? Ich lerne ja auch immer gerne dazu.

Sonntag, 25. Juni 2017

Happy Birthday to Me - 1 Jahr EasyWISA-Blog

Happy Birthday to Me - 1 Jahr EasyWISA-Blog

Mittlerweile ist es ein Jahr her, dass ich meinen ersten Artikel im EasyWISA-Blog veröffentlicht habe. Dieser hatte den Titel 'Alles hat einen Anfang' und ist mit Abstand der am wenigsten gelesene Beitrag meines Blogs. Ich kann mich noch ganz gut daran erinnern, dass ich zu der Zeit Abends immer in Hannover im Hotel saß und überlegte, wie ich meinen bis dahin eher semierfolgreichen Investmentprozess verbessern könnte. Ergebnis des Ganzen war dann, dass ich beschloss, die zahlreichen Gedanken zu den einzelnen Investments strukturiert zu Tastatur zu bringen und dann der Öffentlichkeit zu präsentieren. So war der Plan und 49 Artikel später kann ich sagen, dass es mir persönlich bisher schon etwas gebracht hat. Meine Investments sind seither weniger hektisch geworden und ich sage auch öfter mal 'Nein danke' - auch wenn dies teilweise im Nachhinein schmerzen kann (siehe auch Artikel zu Myriad Genetics - Kurs im Januar knapp 16 € - Kurs aktuell knapp 23,50 €).

Insgesamt gesehen habe ich mich mit mehr Unternehmen und auch sonstigen Themen befasst, als in den Jahren zuvor. Unter anderem wusste ich vorher nicht so viel über Immobilieninvestments oder das Thema 'effektives Arbeiten'. Zusätzlich war mir nicht bewusst, dass es im deutschsprachigen Raum so viele interessante und lesenswerte Blogs gibt, die sich mit Finanzen beschäftigen (siehe auch Linkliste rechts, die immer länger wird). Hervorzuheben sind hier meiner Meinung nach der Finanzrocker, dessen Podcast ich regelmäßig auf dem Weg von/nach München höre, FYouMoney, dessen amüsanter Schreibstil ihn von anderen Finanzblogs abhebt und Value and Opportunity, dessen Autor es einfach drauf hat.

Die TOP7 der meistgelesenen Artikel des letzten Jahres waren übrigens:

  1. EASY Software AG: Ein deutscher SmallCap-Namensvetter aus der Software-Branche
  2. Alphabet Inc (GOOG): Der tiefste und breiteste Burggraben unserer Zeit?
  3. Alexander Goldwein - Geld verdienen mit Wohnimmobilien
  4. K+S AG: Blick auf einen gefallenen Engel aus der Chemiebranche
  5. Gebrauchtwagenverkauf an Hassan - Ein Erfahrungsbericht
  6. The Walt Disney Company (DIS): Meine Aktie für die Ewigkeit
  7. Pandora A/S: Von Möpsen zu Investmentideen

Ich denke mal, dass ich demnächst auch mal einen Beitrag schreiben werden über alle Unternehmen, die ich bisher analysiert habe und wie sie sich seither entwickelt haben. Aber das wird dann Bestandteil des 2. Jahres von EasyWISA.

Abschließend möchte ich noch einmal die Chance nutzen, mich bei allen Lesern und Kommentatoren zu bedanken. Vielen vielen Dank... Den Blog wird es zwar in Zukunft auch ohne euch geben, aber mit und durch euch macht es einfach mehr Spaß :-) Bis dann.

Donnerstag, 18. Mai 2017

Die wichtigste Eigenschaft eines Investors: Geduld

Die wichtigste Eigenschaft eines Investors: Geduld

Bevor ich demnächst einmal wieder etwas über Einzelaktien schreibe, wollte ich heute ein paar Worte (oder eher Bildchen) zum Thema 'Die wichtigste Eigenschaft eines Investors' verlieren. Meiner Meinung nach ist die wichtigste Eigenschaft die Geduld. Bei mir ist es zum Beispiel so, dass ich durch meine Ungeduld immer wieder einiges an Geld eingebüßt habe. Das Gute daran ist: wenn man es sich die Verkaufszeitpunkte mal vor Augen hält, vertraut man auch eher seinen anderen Eigenschaften wie z.B. denen, die vorher zur Kaufentscheidung geführt haben.

Seit ein paar Wochen höre ich mir im Auto auf der Fahrt von/nach München immer die Podcast des Finanzrockers und des Finanzwesirs an. Auch wenn ich nicht wirklich viel Neues dazu gelernt habe, sind sie doch recht interessant anzuhören. Zumindest habe ich mehr davon, als im Radio 2-3 mal täglich 'It beats me black and blue but it fucks me so good' hören zu müssen (siehe auch Songtext von Rihanna - Love on the Brain). In einer der Podcastfolgen haben die beiden Autoren/Finanzblogger/-podcaster z.B. über die 4 G's von Andre Kostolany geredet, von denen eines die Geduld ist. Auf diesen Punkt war ich ja auch schon einmal in meinem Beitrag zum Kostolany-Buch 'Die Kunst über Geld nachzudenken' eingegangen.

Um zu verstehen, warum ich für mich die Geduld als wichtigste Eigenschaft eines Investors ansehe, reicht die Auflistung der Hitlist meiner dämlichsten Verkaufsentscheidungen:

1. Verkauf von Apple am 30.09.2013 (war vor dem 1:7-Split - splitbereinigter Kurs ca. 50 €):

2. Verkauf von F5 Networks am 30.09.2013:

3. Verkauf von Orbis am 30.09.2013 und 02.10.2013:

Zugegeben: Orbis selbst zeigte bis Ende 2013 eher, was eine sogenannte Seitwärtsbewegung ist. Aber da ich aus der Beratungsbranche komme, musste ich das einfach mit aufnehmen. Insgesamt könnt ihr an 1. bis 3. sehr gut erkennen, dass der 30.09.2013 im Nachhinein nicht mein Glückstag war. V.a. wenn man dabei zusätzlich bedenkt, dass ich an dem Tag Geld für ein Haus freigesetzt habe, was wir im Endeffekt nicht bekommen haben. Zur Info: Dax am 30.09.2013 bei rund 8600 Punkten, aktuell bei rund 12.600 (+ 46 %).

4. Verkauf von Sturm Ruger am 02.10.2014:

Zur Info: Dax am 02.10.2014 bei rund 9200 Punkten, aktuell bei rund 12.600 (+ 37 %).

5. The emotional Winner der Shitlist: Verkauf von Nokia am 16.07.2012:

Gekauft hatte ich Sie ein paar Monate davor mit der Idee, dass Nokias Patente für bestimmte Unternehmen wie z.B. Microsoft, die in den Smartphonemarkt einsteigen wollten, interessant sein könnten. Im September 2013 gab Microsoft dann die Übernahme der Nokia-Handysparte bekannt.

Zur Info: Dax am 16.07.2012 bei rund 6600 Punkten, aktuell bei rund 12.600 (+ 91 %).

6. Verkauf der Deutschen Post am 27.10.2011:

Zur Info: Dax am 27.10.2011 bei rund 6400 Punkten, aktuell bei rund 12.600 (+ 97 %).

7. And the Winner is: Verkauf von KPS AG am 02.03.2015:

Zur Info: Dax am 02.03.2015 bei rund 11400 Punkten, aktuell bei rund 12.600 (+ 11 %).

Fazit:

Ich habe einiges an Lehrgeld zahlen müssen. Die Hauptsache ist allerdings, dass ich mein Problem erkannt habe und versuche, daraus zu lernen. Und das sollte im Endeffekt jeder von uns tun. Einfach mal auf die Vergangenheit schauen und die Sachen identifizieren, die man zukünftig besser machen sollte. Mein Motto ist aktuell Geduld baby, Geduld :-) Frage in die Runde: Was ist für euch die wichtigste Eigenschaft eines Investors?

Sonntag, 7. Mai 2017

Udemy-Kurs 'Private Finanzplanung' von Mathias Mell

Udemy-Kurs 'Private Finanzplanung' von Mathias Mell

Zum Schreiben inhaltlich wertvoller Beiträge braucht man vor allem Zeit und Muße. Beides fehlte mir in den letzten Monaten ein wenig aus verschiedenen Gründen. Einerseits bin ich für ein neues Projekt im Webdesign-Umfeld tätig geworden (TODO für Blog: Omnicom analysieren) und musste mich da in ein neues System einarbeiten (openCMS). Und andererseits ist die Physiotherapie-Praxis meiner Frau (Valico Physio in Puchheim bei München) in neue Räumlichkeiten umgezogen, was natürlich auch ein wenig Mithilfe bedurfte. Falls jemand aus der Gegend kommt und in einer stylischen Praxis von einer sehr guten und attraktiven Therapeutin behandelt werden möchte, dann ist er dazu herzlich eingeladen. Einfach einen Termin vereinbaren unter 089/80908595 :-) Das Gleiche gilt übrigens auch dafür, wenn jemand eine fähige Therapeutin bzw. einen fähigen Therapeuten kennt, die eine neue Herausforderung sucht. Der/die soll sich doch bitte bei meiner Frau bewerben.

Private Finanzplanung:
Nach so viel Werbung in eigener Sache nun der eigentlich Grund für diesen Beitrag: Werbung für einen langjährigen Arbeitskollegen und Freund von mir. Er hat nämlich bei Udemy vor kurzem den Kurs 'Private Finanzplanung' online gestellt, der mir persönlich sehr gut gefallen hat. Ich kenne Mathias schon seit vielen Jahren und finde es bewundernswert, welchen Weg er im Bezug auf Finanzen gegangen ist. Früher hat er sich überhaupt keine Gedanken darüber gemacht und hatte im Zuge dessen auch einiges an Schulden angehäuft. Irgendwann kam er dann an einen Punkt, an dem er dachte 'So kann es nicht weitergehen'. Mittlerweile hat er 3 Kinder, ein eigenes Haus und Ordnung in seine Finanzen gebracht.

In dem vor allem auch von der Präsentationstechnik her sehr guten Kurs stellt er nun seine Sicht auf diverse Dinge dar und zeigt Mittel und Wege auf, wie man bestimmten Situationen begegnen soll. Unter anderem sollte man sich Gedanken über die Lebensziele machen und dann seine Taten danach ausrichten - auch im Bezug auf die Verwendung seiner Einnahmen. Sehr interessant fand ich seinen Abschnitt mit Begriffserklärungen. Unter anderem erklärt er die Begriffe Geld, Einkommen, Investitionen, ROI (Return on Investment), Schulden oder Spenden (=investieren mit der bewussten Entscheidungen, keinen ROI zu erwarten) mal auf eigene und sehr unterhaltsame Weise. Ausgehend von einer Analyse der eigenen finanziellen Situation kann man dann daran gehen, diese -wo möglich und notwendig - zu optimieren. Wie heißt es so schön: Einsicht ist der erste Weg zur Besserung. Er hat sich z.B. im Bezug auf Ausgaben ab einem bestimmten Betrag eine Checkliste erstellt, die dann abgearbeitet werden muss. Nur, wenn diese bestanden wird, wird die Ausgabe auch getätigt. Damit konnte er z.B. viele Spontankäufe, die er in der Vergangenheit durchgeführt hat, vermeiden und hatte dadurch mehr Geld zur Schuldentilgung übrig (für ihn größte Priorität beim Investieren).

Der Kurs ist sehr empfehlenswert für alle Leute, die sich am Ende des Monats fragen, wo das ganze Geld hin ist bzw. die Ordnung in ihre Finanzen bringen möchten. Weniger geeignet ist er für Leute mit Interesse an 'Get rich quick'. Da ich persönlich schon lange Zeit nach dem Prinzip 'Schuldenvermeidung' lebe, seit vielen Jahren ein Haushaltsbuch führe (MyMicrobalance - kostenlos und sehr empfehlenswert) und bei Investitionen doch fast immer überlege, ob sie notwendig sind oder nicht, war der Kurs für mich mehr eine Bestätigung dafür, dass ich mich auf dem richtigen Weg befinde. Für das Ansehen des Kurses und die Bearbeitung der darin enthaltenen Aufgaben (z.B. eigene Bedürfnispyramide zusammenstellen) sollte man etwa 2-3 Stunden mitbringen.

Hinweis: Für diese 'Werbung' bekomme ich kein Geld oder sonstiges. Ich finde nur, dass der Aufwand, den Mathias betrieben hat, eine entsprechende Aufmerksamkeit verdient. Also: statt viel Geld für Investment- oder Motivationsseminare auszugeben, schreibt euch lieber bei 'Private Finanzplanung' ein.

Montag, 26. Dezember 2016

Gurufocus - Das Paradies für preisbewusste Kennzahlenfetischisten

Gurufocus - Das Paradies für preisbewusste Kennzahlenfetischisten

Ein Leser hatte mich gefragt, woher ich meine Finanzdaten bekomme. Im Blogbeitrag 'Mein Investmentprozess' war ich auf dieses Thema schon einmal eingegangen. Im Allgemeinen lese ich in Blogbeiträgen oder aber auf Finanzwebseiten zum ersten Mal über interessante Unternehmen. Dann nutze ich die Webseite Gurufocus, um mir einen schnellen Überblick über die Finanzkennzahlen des Unternehmens zu verschaffen. Nur, wenn diese diesen Schritt erfolgreich überstehen, beschäftige ich mich näher mit ihnen, trage aus den veröffentlichten Geschäftsberichten selbst die für mich interessanten Zahlen zusammen, nehme eine Bewertung vor und schreibe ggf. einen Blogbeitrag.

In diesem Artikel wollte ich einmal die Möglichkeit ergreifen, euch die Webseite Gurufocus genauer vorzustellen. Eins vorweg: Die Links zu Gurufocus sind Affiliate-Links. Es gibt zwar einen sehr umfangreichen kostenpflichtigen Zugang (All-Inclusive-Zugang würde aktuell wohl um die 2700 $ kosten), aber auch der kostenfreie Basiszugang bietet viele extrem hilfreiche Funktionen, welche diese Webseite für mich zum perfekten Ausgangspunkt für Unternehmensanalysen macht. Ich wollte selbst einmal eine Webseite für Finanzdaten erstellen, habe aber wegen Gurufocus davon Abstand genommen, da diese bereits ein meiner Meinung nach perfektes Angebot haben und 'meine' Webseite nur ein billiger Abklatsch wäre. Seit ich auf sie aufmerksam geworden bin, weiß ich, dass man als Amateurinvestor keinen teuren Bloomberg-Zugang benötigt.

Was ist Gurufocus?
Gurufocus ist eine englischsprachige Webseite, die in 2004 von Dr. Charlie Tian gestartet wurde. Dieser hatte sich im Zuge der DotCom-Blase bei Aktieninvestments ein wenig verbrannt. Wie viele andere (mich eingeschlossen) kam er dann über Bücher mit dem Value Investing in Berührung und anschließend auf die Idee, professionellen Investoren wie z.B. Warren Buffett nachzueifern. So wurde Gurufocus geboren. Im Laufe der Zeit verfeinerte er sein Angebot und neben vielen Artikeln zu Unternehmen oder allgemeinen Finanzthemen findet man auf Gurufocus auch hilfreiche Funktionen wie Kennzahlenübersichten, DCF-Rechner, Branchenlisten, Chart-Tools, einen mächtigen Screener, Datenexport, Übersichten zu Insideraktivitäten, eine super Watchlistenfunktionalität und eben vor allem auch eine Übersicht darüber, was welche 'Gurus' zuletzt ge- und verkauft haben.

Registrierung
Als erstes sollte man sich bei Gurufocus registrieren, da sonst relativ oft entsprechende 'Sie sind noch nicht eingeloggt'-Popups kommen. Die Registrierung kann man im rechten oberen Bereich vornehmen. Testweise kann man auch einen kostenlosen 7-Tages-Vollzugang beantragen. Mit diesem bekommt man für 7 Tage uneingeschränkten Zugriff auf deren Daten und Screener. Mit dem eingeschränkten Zugang sieht man nur die Daten der letzten 4 Jahre (statt der letzten 15 Jahre), nur von in Amerika gehandelten Unternehmen und auch die Screenerergebnisse sind 'anonymisiert'. Ich persönlich finde den Basiszugang aber dafür, dass er kostenlos ist, trotzdem extrem gut. Als Screening-Alternative bietet sich übrigens der Google Finance Screener an.

Unternehmenssuche
Links oben kann man den Unternehmensnamen (z.B. Volkswagen) oder aber das passende Symbol (z.B. AAPL für Apple Inc.) eingeben. Bereits während der Eingabe wird ein passendes Ergebnis vorgeblendet und man kann entscheiden, welche Seite man angezeigt bekommen möchte. Kleiner Tipp: für viele ausländische Unternehmen bekommt man im Basiszugang keine Daten angezeigt, da dafür eine passende Global-Mitgliedschaft benötigt wird. Hier muss man nach dem Unternehmen suchen und dann aus der Ergebnisanzeige den OTCPK-Eintrag wählen (siehe rote Umrahmung in Screenshot). Dann landet man auf der OTC (over the counter)-Seite des entsprechenden Unternehmens. Die Zahlen sind dann zwar in US-Dollar, aber das macht im Allgemeinen nichts, da das KGV oder die Renditen ja unabhängig von der Währung sind.

Unternehmensübersichtseite
Wählt man im Ergebnis 'Summary' bzw. wechselt auf den entsprechenden Reiter Summary, so kommt man zur passenden Übersichtsseite für das Unternehmen. Hier kann man rechts oben den Kursverlauf sehen und auch aktuelle Werte wie Marktkapitalisierung, KGV, Enterprise Value, KBV, Eigenkapitalrendite, Gesamtkapitalrendite, Dividendenrendite, Schätzungen, Peter Lynch-Chart... Im unteren Bereich wird eine kurze Unternehmenszusammenfassung angezeigt (Business Description) und zusätzlich gibt es dort auch einen Link zur entsprechenden Branche (Industry). Klickt man diesen an, so bekommt man weitere Unternehmen aus der gleichen Branche, was für Konkurrenzanalysen ganz hilfreich ist.

Guru Trades
Auf dem Reiter Guru Trades bekommt man angezeigt, welche 'Gurus' zuletzt Aktien des Unternehmens gehandelt haben. Die Daten dazu sind in vielen Fällen den entsprechenden SEC-Filings entnommen. Gurufocus arbeitet aber teilweise auch mit 'Gurus' zusammen, so dass diese ihre Trades zeitnäher kommunizieren. Da ich persönlich weniger anderen Investoren oder aber Gurus nacheifere, bin ich auf diesen Seiten nicht so oft unterwegs. Interessant sind die entsprechenden Informationen aber allemal. Beim Klick auf einen der Gurus bekommt man übrigens auch angezeigt, welche Trades dieser zuletzt durchgeführt hat. Nennswerte 'Gurus' wären z.B. Warren Buffett, Joel Greenblatt, Seth Klarman oder David Einhorn.

15-Y Financials
Die Seite, auf der ich pro Unternehmen am meisten unterwegs bin, ist die '15-Y Financials'-Seite. Hier bekommt man normalerweise die Kennzahlen der letzten 15 Jahre zu sehen. Im Basiszugang ist die Anzeige hier auf die letzten 4 Jahre + 5 Quartale beschränkt, was für einen ersten Überblick aber meist vollkommen ausreicht. Die Daten sind sehr übersichtlich gehalten und bieten für Finanzkennzahlenfetischisten, wie ich einer bin, alles was das Herz begehrt. Die Daten werden bezogen auf 'Pro-Aktie' angezeigt, es gibt eine Renditentabelle (mit Operativer Marge, FCF-Marge, ROIC, EK-Rendite, GK-Rendite etc.), die Gewinn- und Verlustrechnung (Income Statement), eine umfangreiche Bilanz (Balance Sheet) und die Kapitalflussrechnung (Cashflow Statement). Die Datenqualität und -aktualität finde ich sehr gut. Quartalszahlen werden v.a. bei großen Unternehmen zeitnah eingepflegt. Mit dem erweiterten Zugang kann man die Daten auch exportieren.

Klickt man übrigens auf eine konkrete Kennzahl, so landet man auf einer entsprechenden Unterseite, auf der erläutert wird, wie sich die entsprechende Kennzahl ergeben hat. Sehr informativ...

Weitere Seiten
Pro Unternehmen kann finde ich zusätzlich noch sehr hilfreich, zu sehen, welche Dividenden gezahlt wurden (Reiter Dividend), ob Insider zuletzt ge- oder verkauft haben (Reiter Insider) oder aber welche Eigentumsverhältnisse bekannt sind (Reiter Ownership).

Watchlistenfunktionalität
Einer der besten Services von Gurufocus ist die Watchlistenfunktionalität. Hier kann man verschiedene Watchlisten konfigurieren, einzelne Unternehmen hinzufügen und mit Notizen versehen. Für jede Watchlist kann man konfigurieren, welche Daten angezeigt werden. Hier kann man z.B. den aktuellen Kurs, die Kursdifferenz zum Vortag, das KGV, das Gewinnwachstum etc. anzeigen lassen und die Datensätze auch entsprechend sortieren. Man bekommt auch täglich per Mail eine Übersicht zugeschickt für die Unternehmen, deren Kurs sich am letzten Handelstag am meisten erhöht hat. Auch hier gilt wieder: auch im Basiszugang ist die Funktionalität sehr gut und hilfreich.

Artikel
Auf der Startseite von Gurufocus werden zahlreiche Artikel angezeigt. Natürlich gibt es auch viele Artikel mit überschaubarer Qualität, aber es gibt auf der Webseite eben auch einige Autoren, die qualitativ hochwertigen Input bereitstellen. Meine Lieblingsautoren sind Grahamites, Thomas Macpherson, The Science of Hitting oder aber auch der bekannte Blogautor Geoff Gannon. Man kann Autoren folgen und bekommt per Mail auch eine passende Nachricht, wenn sie auf der Webseite neue Artikel veröffentlicht haben.

Fazit
Gurufocus ist meine Lieblingswebseite zum Thema Finanzen. Alles in allem entspricht die Seite dem, wie ich als Entwickler eine solche Seite aufgezogen hätte. Die bereitgestellten Daten sind qualitativ hochwertig, werden übersichtlich dargestellt und die Performance ist auch sehr gut. Einziger Wehrmutstropfen: natürlich sollte man des Englischen mächtig sein, wenn man die Seite effektiv nutzen möchte.