Dienstag, 19. September 2017

Cisco Systems (CSCO): Das ehemals teuerste Unternehmen der Welt

Cisco Systems (CSCO): Das ehemals teuerste Unternehmen der Welt

Da ich aus der IT-Branche komme, ist mir das Unternehmen Cisco Systems natürlich schön länger bekannt und ich habe es auch schon seit einiger Zeit auf meiner TODO-Liste stehen. Jetzt bin ich endlich einmal dazu gekommen, mir das Unternehmen näher anzuschauen und was ich gesehen habe, hat mir ganz gut gefallen. Allerdings nicht gut genug, um zum aktuellen Preis zu investieren. Doch dazu später mehr.

Zum Unternehmen:
Cisco ist ein amerikanisches Technologieunternehmen, welches 1984 von ehemaligen Wissenschaftlern der Stanford Universität gegründet wurde. Es ist im Bereich der Netzwerktechnik angesiedelt und dort eigentlich auch Weltmarktführer. Ein Großteil des "Backends des Internets" läuft über Cisco-Hardware. Dies betrifft v.a. Vorrichtungen zur Datenweiterleitung zwischen unterschiedlichen Netzwerken und innerhalb von Netzwerken (Router und Switches). Mehr oder weniger so was wie Fritzboxen, nur in groß und kompliziert :-) Zusätzlich bieten sie diverse Sachen zu den Themen Cyber Security (Firewalls, VPN-Lösungen) und Zusammenarbeit (WebEx) an.

Hier einmal eine Auflistung der Umsatzverteilung auf die einzelnen Bereiche (aus dem letzten 10K):

Hauptumsatzbringer ist solche Hardware:

Sie haben rund 72900 Mitarbeiter. Der aktuelle CEO Charles H. Robbins (51) ist seit 2015 in Amt und Würden. Interessant fand ich, dass Cisco am Höhepunkt der DotCom-Blase im März 2000 das wertvollste Unternehmen der Welt war mit einer Marktkapitalisierung von damals rund 550 Mrd. USD. Der Umsatz lag zu der Zeit übrigens bei rund 19 Mrd. und der Nettogewinn bei 2.6 Mrd. Das waren schon verrückte Zeiten um die Jahrtausendwende. Seit 2009 sind sie Mitglied des Dow Jones Index.

Chartverlauf:

Rakete bis ins Jahr 2000. Absturz bis 2002. Seit einigen Jahren in einer leichten Aufwärtsbewegung. Angst bekommt man da nicht.

Geschäftszahlen:

Ich denke, dass 'Stagnation auf sehr hohem Niveau' genau der richtige Ausdruck ist. Die Umsätze verweilen seit ein paar Jahren in etwa auf dem gleichen Niveau. Die Gewinne gehen mal hoch, mal runter. Am Goodwill kann man erkennen, dass immer wieder Übernahmen getätigt werden. Es gibt hohe Cashbestände, aber auch ständig steigende Schulden (analog Apple). Durchgängig werden sehr hohe Margen geliefert. Die Dividende wird stetig erhöht und man erreicht aktuell eine Rendite von 3,5 % bei einer Ausschüttungsquote von knapp 60 %. Der FCF ist meist größer als der Gewinn. Die Anzahl an Aktien sinkt kontinuierlich. Hierzu gibt es ein authorisiertes Aktienrückkaufprogramm über 112 Mrd. $. Seit Einführung des Programms wurden beeindruckende 4.7 Mrd. Aktien gekauft zu Gesamtwert von rund 100 Mrd. $. Man kann also durchaus von einem kleinen Kannibalen sprechen.

Was gefällt mir an Cisco?

  1. Weltmarktführer im Netzwerkbereich. Technologien bei Kunden teilweise meiner Meinung nach schwer ersetzbar, da man auch Leute benötigt, welche sich mit neuen Geräten auskennen.
  2. Konstant hohe Margen.
  3. Nur noch 12 Mio. Optionen ausstehend zu Ausübungspreis von 6,15 $ + 141 RSUs mit Ausübungspreis von 26,94 $. Daher überschaubare Belastung/Verwässerung zu erwarten.
  4. Gute Geschäfte auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten.
  5. Aktionärsorientiert: stetig steigende Dividende kombiniert mit kontinuierlichen Aktienrückkäufen.
  6. Arbeiten steueroptimiert. Wären durch hohe Cashbestände im Ausland Unternehmen, welches von Tax Holiday profitieren würde.
  7. Sehr gute Cashflows über all die Jahre. Immer einige Milliarden höher, als die ausgewiesenen Nettogewinne. KFCF von 12 immer noch als moderat anzusehen. Würden sie das komplett als Dividende ausschütten, hätte man eine Rendite von über 8 %.

Was gefällt mir nicht an Cisco?

  1. Umsätze stagnieren. Wachstum eigentlich nur über teure Unternehmenszukäufe.
  2. Historisch gesehen alles andere als preiswert - Zeit um Jahrtausendwende mal ausgenommen. Ein KGV von rund 17 für ein quasi Nullwachstum-Unternehmen ist jetzt alles andere, als ein No Brainer.
  3. Insider haben in letzter Zeit nur verkauft. Selbst CEO hat kürzlich knapp 1/4 seine Aktien zu rund 32 $ veräußert.
  4. Teilweise negative Presse (Vorwurf, dass in vielen Produkten Backdoors zu Spionagezwecken vorhanden sind).

Bewertung:
Die aktuell aufgerufene Bewertung (u.a. KGV 17, KFCF 13) ist historisch gesehen eher überdurchschnittlich, als unterdurchschnittlich. Bei Wachstumsprognosen tue ich mich hier schwer, da Cisco einfach in zu vielen Bereichen unterwegs ist. Das Problem ist, dass die Hauptumsatzbringer eher mit Kostendruck versehen sind und daher nach Alternativen Ausschau gehalten werden muss bzw. die bereits vorhandenen unternehmensinternen Alternativen weiter zu fördern wären. Gehe ich von einem Wachstum niedrigen einstelligen Prozentbereich aus, muss ich einfach sagen, dass Cisco in der Vergangenheit preiswerter zu haben war und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch zukünftig mal wieder preiswerter zu haben sein wird. Die aktuelle Bewertung ist für mich fair. Die verlockende Dividende fängt für mich die Wahrscheinlichkeit eines Kursrückgangs aufgrund weiter stagnierender Umsätze und Gewinne nicht auf.

Konkurrenz:
Da Cisco über all die Jahre durchgängig gute bis sehr gute Zahlen geliefert hat, macht es vielleicht Sinn, sich auch einmal die Bewertungen der Konkurrenzunternehmen anzusehen. Hierfür habe ich einfach mal diejenigen rausgepickt, die auch im 10-K genannt wurden. Amazon und Microsoft habe ich weggelassen, dafür aber mal den schwedischen Telekommunikationstechnikhersteller Ericsson mit reingenommen, dem ja doch ab und an ein Interesse Ciscos nachgesagt wird.

Cisco ist das mit Abstand größte Unternehmen der Branche. Es gibt viele 'kleine' Unternehmen, welche in den vergangenen Jahren ihre Umsätze gut entwickeln konnten. Ich würde hier einfach mal stellvertretend Arista Networks, Nutanix, New Relic oder Palo Alto Networks nennen. Es gibt da allerdings 2 Probleme: Einerseits machen sie - mit Ausnahme von Arista - immer noch Verluste und andererseits sind die Umsätze im Vergleich zu Cisco Peanuts. Die aufgerufenen Bewertungen sind teilweise schon so, wie zu den besten DotCom-Zeiten. Hier halte ich aus Prinzip Abstand. Ubiquiti Networks, deren Aktien ich in der Vergangenheit mal besaß, hat ein cooles Geschäftsmodell, einen charismatischen CEO (Robert Pera - Basketballfanatiker), aber zweifelhafte Finanzen. Die IT-Sicherheitsunternehmen (Check Point Software und Symantec Corp) reißen mich nicht vom Hocker. Nokia und Ericsson schwanken mir zu sehr. Mit HPE konnte ich mich im Gegensatz zu MMI von Value and Opportunity (siehe sein HPE-Artikel) noch nicht so richtig anfreunden. Lediglich F5 Networks (die hatte ich in der Vergangenheit auch mal und leider zu früh verkauft) und Juniper Networks finde ich von den Zahlen her interessant. Die werde ich dann irgendwann auch noch mal anschauen.

Fazit:
Ist Cisco ein tolles Unternehmen? Ja. Eindeutig. Werde ich Cisco kaufen? Mit der aktuell aufgerufenen Bewertung nicht, da ich denke, in Zukunft noch einmal bessere Einstiegsmöglichkeiten zu bekommen. Zusätzlich erscheinen mir F5 und Juniper Networks aktuell auf den ersten Blick etwas interessanter zu sein. Ohne mir diese beiden allerdings genauer angesehen zu haben, werden ich auch in der Richtigung nichts unternehmen.

Wie immer gilt: dies ist keine Empfehlung, sondern nur eine Beschreibung meines Verständnisses der Situation des Unternehmens inkl. eines Versuchs einer Bewertung. Ich habe im Moment keine Aktien des Unternehmens und bei meiner Analyse können durchaus Fehler passiert sein oder aber ich könnte wichtige Details übersehen oder fehlinterpretiert haben. Daher: immer selbst informieren, bevor du eine Entscheidung triffst.

Freitag, 8. September 2017

Zeitlose Ratschläge für die finanzielle Freiheit: "Der reichste Mann von Babylon"

Zeitlose Ratschläge für die finanzielle Freiheit: "Der reichste Mann von Babylon"

Im vergangenen Jahr hatte ich bereits das Buch 'Rich Dad, Poor Dad' gelesen und vorgestellt und dieses als Pflichtliteratur bezeichnet. Heute möchte ich einige Worte zu einem weiteren Pflichtliteratur-Buch verlieren, welches vor allem für Einsteiger in die Materie 'Finanzielle Freiheit' sehr gut geeignet ist: 'Der reichste Mann von Babylon' von George S. Clason. Es hat in der mir vorliegenden deutschen Ausgabe lediglich 206 Seiten und lässt sich sehr flüssig lesen. Das Buch selbst erschien erstmals im Jahre 1926 und allein durch den Fakt, dass es auch heute noch zahlreich empfohlen wird (4.5 Sterne bei mehr als 200 Rezensionen auf Amazon), kann man seinen zeitlosen Charakter erkennen.

In insgesamt 11 Kapiteln werden teilweise miteinander verwobene Geschichten von Bewohnern der antiken Stadt Babylon erzählt. Sinn und Zweck ist es, dem Leser anhand dieser Geschichten diverse Ratschläge mitzugeben, die sich mühelos auch auf die heutige Zeit übertragen lassen. Diese betreffen einerseits die Einstellung zu Geld und Konsum und andererseits die Einstellung zu Arbeit und dem Faktor Glück.

Doch zunächst einmal ein paar Worte zum titelgebenden Ort: Babylon war eine Stadt, welche vor etwa 4000 Jahren auf dem Gebiet des heutigen Irak existierte. Sie war bekannt für ihren Reichtum, aber auch für die zahllosen architektonischen Meisterleistungen wie die zu den 7 antiken Weltwundern zählenden 'Hängenden Gärten der Semiramis'. Alexander der Große war im Laufe der Zeit einer der Eroberer der Stadt und starb 323 v.Chr. auch dort. Heute existieren nur mehr Ruinen, die den ehemaligen Glanz nur noch erahnen lassen.

Nun zurück zum Buch: Einer der Hauptprotagonisten des Werkes ist Arkhad, der reichste Mann der Stadt. In den ersten Kapiteln wird aufgezeigt, wie er es zum Reichtum geschafft hat und zusätzlich gibt er seine Weisheiten an andere weiter. Kurz zusammengefasst wären diese:

  1. Fang an, eure Geldbörse zu füllen (Pay Yourself First: 10 % der Einnahmen - egal wie hoch diese sind - beiseite legen).
  2. Kontrolliert eure Ausgaben (10 % gehen immer, wenn man immer mal auf bestimmte Dinge wie Ausgehen, Rauchen, Trinken oder teure Kleidung verzichtet; Ausgaben nicht zwangsläufig dem steigenden Einkommen anpassen).
  3. Sorgt dafür, dass euer Geld sich mehrt (= sinnvolle Investitionen).
  4. Bewahrt eure Schätze vor Verlust (=Risikomanagement; vorher über Investments nachdenken).
  5. Macht euer Heim zu einer erträglichen Investition (=Kaufen statt Mieten - gilt in Deutschland aktuell nur bedingt).
  6. Sichert euch ein Einkommen für die Zukunft (= Vorsorge fürs Alter durch Aufbau von passivem Einkommen).
  7. Verbessert eure Verdienstmöglichkeiten (=Fortbildungen, um im regulären Job besser zu verdienen).

Die genannten Punkte werden auch in den folgenden Kapiteln immer wieder aufgegriffen. Das mit den 10 % findet eigentlich immer Erwähnung und deckt sich auch mit meinen eigenen Erfahrungen. Viele Leute, die ich kenne, geben Geld für sinnloses Zeug aus (wie z.B. Zigaretten, teure Autos oder das immer neueste Smartphone), jammern aber gleichzeitig, dass das Geld meist vor Ende des Monats ausgeht. Alternativ wird gejammert, dass man zu wenig verdient.

Hier kann man nur sagen:

  1. Schaut mal nach, wofür ihr Geld ausgebt und seid ehrlich zu euch, ob das wirklich notwendig ist.
  2. Tilgt eure Schulden und vermeidet sie gänzlich. Auto/Fernseher/Smartphone auf Pump kaufen, weil keine Zinsen zu zahlen sind, bringt auf Dauer nur Ärger. Und seid beim kreditfinanzierten Haus bitte auch ehrlich zu euch.
  3. Statt Abends Netflix zu schauen, lest bei Bedarf einfach mal ein Buch. Und damit meine ich keine Krimis, Elternratgeber oder Fantasyromane, sondern Bücher, aus denen man was lernen kann. Das erweitert den Horizont und wenn man die richtigen Bücher liest, bekommt man evtl. auch Ideen, was man mit seinem gesparten Geld sinnvollerweise anstellen kann. Alternativ erwirbt man dadurch Fähigkeiten, die einem im eigenen Beruf (oder einem neuen Beruf) weiterbringen.
  4. Nutzt eure Herkunft nicht als Ausrede. Auch ich komme aus einer Arbeiterfamilie und habe mir vieles selbst hart erarbeiten müssen. Meine Eltern sind geschieden und ich bin bei meinem Vater aufgewachsen. Viel Geld war nicht da, da mein Vater allein für meine Schwester und mich sorgen musste (Mutter hat keinen Unterhalt gezahlt). Meinen ersten richtigen Urlaub hatte ich mit 19 (Zeltplatztour durch England). Für Kino war nie viel Geld da. Und trotzdem habe ich es geschafft, immer mit relativ wenig auszukommen und dabei trotzdem eine glückliche Kindheit und Jugend zu haben. Vor allem als Student habe ich gelernt, mit wie wenig man auskommt und trotzdem Spaß haben kann.
  5. Viele Sachen gibt es umsonst oder für wenig Geld (z.B. Zugang zu Bibliotheken).
  6. Übertreibt es nicht mit dem Geiz.
  7. Nutzt nicht erfüllte Wünsche doch einfach als Motivation für die Zukunft. Ich habe mir z.B. mit 16 vorgenommen, irgendwann einmal auf jedem Kontinent gewesen zu sein. Jetzt mit 37 habe ich nur noch den Antarktischen Kontinent abzuhaken. Doch auch wenn ich es mir eigentlich jetzt schon leisten könnte, schiebe ich es als kleine Motivation immer noch vor mir her. Die Midlifecrisis kommt bestimmt :-)

Fazit:
Wer es noch nicht getan hat: kaufen, lesen und gelesene Sachen anwenden. Wer es schon getan hat: nochmal lesen und nachjustieren.

Mittwoch, 6. September 2017

Finanzblog-Award 2017 - EasyWISA ist einer der Nominierten

Finanzblog-Award 2017 - EasyWISA ist einer der Nominierten

Liebe Leser,

heute nur ein kurzer Beitrag: Ich bin für den Publikumspreis des Finanzblog-Award 2017 der comdirect nominiert. Bis zum 04.10.2017 können Stimmen für euren Lieblings-Finanzblog abgegeben werden. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr dabei für mich stimmt. Einfach dem Link folgen, EasyWISA suchen, auswählen und dann abschicken.

Vielen Dank

Sonntag, 27. August 2017

Rekapitulation bisheriger Unternehmensanalysen (u.a. Apple, Disney, Google, Tesla, Netflix)

Rekapitulation bisheriger Unternehmensanalysen (u.a. Apple, Disney, Google, Tesla, Netflix)

Schon längere Zeit hatte ich mir vorgenommen, mal wieder einen Blick auf die bisher von mir analysierten Unternehmen zu werfen und zu schauen, wie sie sich entwickelt haben. Den Blog führe ich seit etwas über einem Jahr und die Börsen haben sich in dieser Zeit recht gut entwickelt. In Deutschland hat sich der DAX seit Mitte letzen Jahres von knapp 10.500 auf aktuell knapp 12.000 erhöht (inkl. neuem Allzeithoch bei über 12.800 im Juni 2017). Und auch in Amerika haben sich sowohl der Dow Jones als auch der S&P500 mit jeweils über 10 % Zuwachs wacker geschlagen.

Ich kann bereits jetzt sagen, dass sich einige Unternehmen sehr gut entwickelt haben (vor allem kurstechnisch). Andere dagegen haben richtig abgekackt. Wieder andere haben sich kaum bewegt. Aus allen 3 Lagern gibt es Unternehmen, die ich im Portfolio hatte oder habe. Insgesamt gesehen muss ich allerdings zugeben, dass es aktuell mit meiner fundamentaldatenbasierten Herangehensweise schwierig ist, die Marktperformance zu erreichen, geschweige denn den Markt wirklich zu schlagen. Zusätzlich habe ich gelernt, dass es manchmal schlimmer kommen kann, als man denkt (siehe HIBB).

Doch nun genug zu den warmen Worten. Kommen wir nun einmal zu den entsprechenden Unternehmen.

Accenture (ACN)

initiale Analyse vom 03.08.2016 - Kurs damals ca. 112 $ - Kurs aktuell ca. 129 $ (+ 14 %)
Aus dem IT-Beratungsbereich hatte ich mir 3 Unternehmen angeschaut: Accenture, Infosys und Syntel. Accenture hat sich von diesen dreien am besten entwickelt - sowohl operativ, als auch kurstechnisch. Die Umsätze wachsen weiterhin im kleinen einstelligen Prozentbereich. Die Rendite sind immer noch sehr hoch (EK-Rendite von 47 %, GK-Rendite von 17 %). Die Free Cashflow-Marge ist mit 12.5 % auf Rekordniveau. Mit einem KGV von über 22 ist Accenture aktuell aber meiner Meinung nach kein Kauf. Wie auch Infosys und Syntel haben sie evtl. mit den verschärften Arbeitserlaubnisbedingungen in den USA zu kämpfen.

Alphabet/Google (GOOG)

initiale Analyse vom 06.12.2016 - Kurs damals ca. 760 $ - Kurs aktuell ca. 930 $ (+ 21 %)
Das Wachstum bei Google geht weiter. Mittlerweile habe ich mir auch ein paar Aktien ins Depot gelegt und wenn ich jetzt eine Aktie für meine Kinder kaufen müsste, wäre es wohl die von Google, da ich bei diesem Unternehmen einfach davon ausgehe, dass es seine Vorherrschaft behält und stellenweise noch weiter ausbaut. Zuletzt hat die EU mit ihrer Strafe gegen Google dafür gesorgt, dass die Quartalszahlen schlechter als erwartet ausfielen. Alles in allem ist das Unternehmen aber immer noch eine Cashcow vor dem Herren. Von 1 $ Umsatz bleiben knapp 25 cent an Free Cashflow übrig. Und ihr Cashberg liegt mittlerweile bei 94 Mrd. $ bei einer Gesamtverschuldung von 30 Mrd. Der KGV von 34 ist sehr hoch, aber ich denke ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass er - den aktuellen Kurs für die Berechnung nehmend - in 10 Jahren signifikant niedriger sein wird.

Apple (AAPL)

initiale Analyse vom 19.07.2016 - Kurs damals ca. 100 $ - Kurs aktuell ca. 160 $ (+ 60 %)
Ich bin zwischenzeitlich (leider zu früh) mit gutem Gewinn raus aus dem Unternehmen. Ich kann schlecht abschätzen, wie es mit ihnen weitergeht und die Kennzahlen sind aktuell bei weitem nicht mehr so gut, wie noch vor einem Jahr. Der Einstieg ins Automobilgeschäft ist bisher (zum Glück) ausgeblieben und im Smartphonebereich steht die Jubiläumsedition des iPhone auf dem Plan. Auf meinem aktuellen Projekt habe ich ein Macbook bekommen und muss zugeben, dass man sich an alles gewöhnt. Allerdings würde ich immer noch mein Windows-Notebook nehmen, wenn man mich vor die Wahl stellen würde. Einfach aus Kosten-Nutzen und Frustrationsgründen. Es nervt als Softwareentwickler total, die ganzen wichtigen Tasten (eckige Klammern, geschweifte Klammern, Backslash) suchen zu müssen. Außerdem fehlt mir Paint zur schnellen Bearbeitung von Screenshots :-)

Bed, Bath & Beyond (BBBY)

initiale Analyse vom 15.06.2017 - Kurs damals ca. 36 $ - Kurs aktuell ca. 28 $ (- 23 %)
Autsch - Teil 1. Verlockende Kennzahlen in Verbindung mit leicht verständlichem Geschäftsmodell machen in Zeiten von 'Amazon macht sie alle platt' noch lange kein gutes Investment. Bisher war es eher ein Paradebeispiel für 'Never catch a falling knife'. Die Renditen und Margen sinken aktuell weiterhin. Sie sind noch nicht so schlecht, wie bei Amazon, aber es fehlt bald nicht mehr viel :-) Nachdem Amazon ja jetzt auch andere Geschäfte mit Filialnetz übernimmt könnte ich Jeff Bezos, dem kurzzeitig reichsten Mann der Welt, einen recht preiswerten Einzelhändler empfehlen: BBBY.

Credit Acceptance Corp (CACC)

initiale Analyse vom 30.07.2016 - Kurs damals ca. 186 $ - Kurs aktuell ca. 267 $ (+ 43 %)
Die Geschäfte beim Subprime-Finanzierer (Kreditgeber für Kauf von oft recht alten Fahrzeugen durch Leute mit schlechter Bonität) laufen weiterhin gut. Die Netto-Kreditsumme (Loans receivable, net im 10-Q) betrug zuletzt 4,3 Mrd. Dollar. Der Umsatz konnte gesteigert werden (auf TTM-Basis jetzt über 1 Mrd. $). Der Nettogewinn konnte gesteigert werden (366 Mio. auf TTM-Basis) bei insgesamt weiterhin sehr hohen Renditen (operative Marge 55 %, Nettomarge 35 %, Eigenkapitalrendite 32 %). Die Anzahl an ausstehenden Aktien beträgt aktuell nur noch 19,3 Mio. D.h. es werden weiterhin immer weniger. Dafür hat der Kurs im Vergleich zum letzten Jahr auch um mehr als 40 % angezogen und das KGV beträgt aktuell rund 15. Es ist immer noch ein gutes Unternehmen, was ich auch weiterhin beobachten werden. Bei Seeking Alpha habe ich übrigens diesen recht lesenswerten Artikel zu CACC gefunden, in dem auch noch mal ganz gut erläutert wird, was die so machen. Wenn ich mir die Kommentare des Nutzers 'Credit4You.biz' anschaue, bin ich mir allerdings nicht so sicher, ob ein Einstieg bei CACC aktuell eine gute Idee ist. Die Geschäftszahlen sagen ja, seine Bewertung des angepassten Geschäftsmodells (immer mehr langfristige Finanzierung) sagen eher nein. Kernaussage des Kommentators: Long term financing on a depreciating asset is not good.

Cimpress N.V. (CMPR)

initiale Analyse vom 17.11.2016 - Kurs damals ca. 85 $ - Kurs aktuell ca. 90 $ (+ 6 %)
Zuletzt gab es weiterhin Verluste beim bekannten Werbemittel-Unternehmen (u.a. Vistaprint) auch wenn die zugehörigen Cashflows positiv sind. Wir persönlich haben immer wieder neue Flyer und Visitenkarten bei ihnen erstellen lassen, da sie in unseren Fällen einfach der günstigste Anbieter waren. Da die Geschäftszahlen seit der Analyse schlechter geworden sind und ich schon damals abgewunken habe, bleibe ich auch jetzt erstmal dabei, die Aktie von Cimpress zu meiden.

Diamond Hill Investment Group (DHIL)

initiale Analyse vom 28.06.2016 - Kurs damals ca. 180 $ - Kurs aktuell ca. 189 $ (+ 5 %)
Anzahl ausstehende Aktien: 3.45 Mio., Umsatz im ersten Halbjahr 2017: 70.5 Mio., Gewinn/Aktie im ersten Halbjahr 2017: 7.38 $, Assets under Management: 20.9 Mrd. $ Ende Juni 2017. Ich würde sagen, die Entwicklung schaut für eine Fondsgesellschaft mit aktiver Vermögensverwaltung nicht übel aus. Sie sind von der Bewertung her gesehen günstiger geworden, aber das Rückschlagrisiko für diese Art von Unternehmen bleibt. DHIL bleibt auf meiner Watchlist, da die von mir genannte Einkaufsbewertung (ab KGV 12) noch nicht da ist.

Dürkopp Adler AG

initiale Analyse vom 14.01.2017 - Kurs damals ca. 34,50 € - Kurs aktuell ca. 39,60 $ (+14 %)
Der Nähmaschinenhersteller hat seinen Umsatz in 2016 leicht steigern können auf 148 Mio. € (siehe Geschäftsbericht 2016). Unterm Strich ist mit 21,7 Mio. aufgrund höherer Steuern allerdings weniger als 2015 übrig geblieben. Da sie knapp 50 % der Umsätze außerhalb von Europa machen und der Euro-Dollarkurs in diesem Jahr für sie eher in die falsche Richtung geht (Dollarumsätze sind dieses Jahr knapp 10 % weniger Euro wert), gehe ich für dieses Jahr auch von einem eher soliden Ergebnis aus. Die Halbjahreszahlen 2017 wurden am 18.08. veröffentlicht. Die Umsätze sind im H1 knapp 6 % gestiegen (von 74,9 Mio auf 79,5 Mio). Unterm Strich ist etwas weniger übrig geblieben (von 12,3 Mio. auf 12,06 Mio). Der FCF war durch einen starken Anstieg an Forderungen wie im H1 des Vorjahres negativ (von -1,6 Mio. auf -12,6 Mio.).

EASY Software AG

initiale Analyse vom 28.10.2016 - Kurs damals ca. 4,80 € - Kurs aktuell ca. 7,25 € (+ 51 %)
Operativ gibt es bei dem Dokumentenmanagementspezialisten nicht viel neues. Nur, dass sich der Rechtsstreit mit dem ehemaligen Vorstand hinzieht und dass für das aktuelle Jahr ein EBITDA von 3.1-3.8 Mio. angedacht ist. Der Kursanstieg in den letzten Wochen kommt eher aus Richtung von Übernahmespekulationen (Allgeier?) und neu eingestiegenem > 5%-Aktionär. Ich war bisher nicht dabei und werde es zu den aktuellen Kursen auch nicht sein.

Female Health Company (FHCO) / jetzt Veru Healthcare (VERU)

initiale Analyse vom 05.10.2016 - Kurs damals ca. 1,16 $ - Kurs aktuell ca. 1,42 $ (+ 22 %)
Das Kondom für die Frau ist immer noch kein weltweiter Verkaufsschlager geworden. Dafür ist aber der Zusammenschluss mit dem anderen Unternehmen durchgegangen und es hat eine Umfirmierung in 'Veruf Healthcare' stattgefunden. Wer beim zwischenzeitlichen Absturz auf 0,82 $ eingestiegen ist, konnte bis heute einiges gut machen. Ich lasse von denen die Finger, da ich nicht so auf Risiko stehe. Kann aber evtl. auch gutgehen. Wer sich dafür interessiert, dem empfehle ich folgenden Seeking-Alpha-Artikel zu Veru Healthcare.

Gentherm Inc (THRM)

initiale Analyse vom 25.11.2016 - Kurs damals ca. 31,45 $ - Kurs aktuell ca. 30,20 $ (-4 % %)
Der Umsatz konnte in den letzten 12 Monaten gesteigert werden. Unterm Strich ist aber weniger übrig geblieben. Der freie Cashflow ist gerade so positiv. Von daher kommt der aktuelle Kursabsturz von knapp 40 $ auf knapp 30 $ für mich nicht so überraschend. Da ich nicht investiert war, ist es mir wurscht. Es bleibt ein überdurchschnittlich interessantes Unternehmen in einer schwierigen Branche (Automobilzulieferer).

Gilead Sciences (GILD)

initiale Analyse vom 08.11.2016 - Kurs damals ca. 74 $ - Kurs aktuell ca. 74 $ (+/-0 %)
Der HIV- und HCV-Medikamentenhersteller war bis auf knapp 64 $ abgestürzt. Aber manchmal hilft es anscheinend doch, wenn die Ergebnisse nicht ganz so scheiße ausfallen, wie erwartet. Auf Basis der Kennzahlen immer noch spottbillig (einstelliges KGV + KFCF). Die Risiken bleiben aber (Was ist, wenn HCV-Medikamentenpreise immer billiger werden? Was ist, wenn HIV-Heilung möglich wird?). Als Depotbeimischung meiner Meinung nach immer noch ganz gut geeignet. Findet übrigens auch WertArt vom lesenswerten WertArt-Investmentblog.

Halloren Schokoladenfabrik AG

initiale Analyse vom 19.02.2017 - Kurs damals ca. 6,50 $ - Kurs aktuell ca. 6,90 $ (+ 6 %)
Also mit den Williams-Christ-Halloren haben die ja echt meinen Geschmack getroffen. Die Eierlikör-Halloren sind auch nicht schlecht. Durchaus empfehlenswert. Bei unserer monatlichen Pokerrunde stelle ich eigentlich auch immer 1-2 Schachteln Hallorenkugeln hin. Mein Beitrag zu 'Aufbau Ost' sozusagen. Was die AG angeht gibt es nur 2 News: zunächst einmal wurden immer noch keine Geschäftszahlen 2016 veröffentlicht, was bei nicht mehr gelisteten Aktiengesellschaften (nur noch in Hamburg handelbar) keine Überraschung ist. Und zweitens haben die Charlies jetzt die Kontrolle über knapp 75 % der Anteile. Zumindest hier bleibt es spannend.

Hibbett Sports (HIBB)

initiale Analyse vom 11.08.2016 - Kurs damals ca. 35 $ - Kurs aktuell ca. 12 $ (-65 %)
Bisher mein Rohrkrepierer schlechthin. Hat zuletzt nach einer Gewinnwarnung knapp 30 % verloren, nachdem sie einen 10-prozentigen Einbruch bei den Comparable Store Sales im letzten Quartal inkl. eines Verlustes verkündet haben. Das entsprechende 10-Q ist noch nicht verfügbar, so dass ich schwer einschätzen kann, wie es Cashflowseitig aussieht. Sind aber mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 0,3-0,4 immer noch relativ preiswert und waren auch zuletzt noch mehr oder weniger schuldenfrei. Werden jetzt unter Buchwert gehandelt. Für 2018 haben sie ihre Guidance angepasst. Statt 2,35$-2,55$ Gewinn pro Aktie wird nun eher von 1,25$-1,35$ ausgegangen. Sie wollen ihre Onlineaktivitäten ausbauen, was Geld kostet (siehe auch BBBY). Ist allerdings lebensnotwendig, wenn man gegen Amazon bestehen möchte. Ein weiterer Stich in den Rücken ist die Direct-To-Consumer-Offensive der Sportartikelgrößen Adidas und Nike. Diese haben auch schon bei FootLocker zu einem starken Kursverfall geführt und das war wahrscheinlich erst der Anfang. Insgesamt muss ich mir eingestehen, dass ich die Risiken wohl falsch eingeschätzt habe. Ist auf jeden Fall ein Kandidat für die Mit-Verlust-Verkaufen-Aber-Was-Dabei-Gelernt-Strategie. Schauen wir mal...

Infosys (INFY)

initiale Analyse vom 26.07.2016 - Kurs damals ca. 16,50 $ - Kurs aktuell ca. 15,30 $ (-8 %)
Das Unternehmen selbst ist weiterhin gut, aber immer noch nicht in Kaufregionen. Allerdings wurden sie durch die Wahl von Trump getroffen, da dieser durch sein protektoristisches Verhalten die Geschäfte von IT-Outsourcingunternehmen mit vielen Mitarbeitern außerhalb der USA negativ beeinflusst (siehe Link bei den warmen Worten zu Accenture). An den Geschäftszahlen selbst lässt es sich aktuell noch nicht wirklich ablesen. Sind aber wohl gerade dabei, massiv Stellen abzubauen. Es bleibt spannend.

K+S (Kali & Salz AG)

initiale Analyse vom 11.11.2016 - Kurs damals ca. 20 € - Kurs aktuell ca. 20,35 $ (+ 7 %)
Der neue CEO ist im Amt. Das Werk in Kanada läuft und hat auch schon die erste Tonne produziert. Laut IR-Präsentation soll die Produktion bis 2034 auf 4 Mio. t/Jahr erhöht werden. In 2018 wird die Rückzahlung der ersten großen Anleihe fällig (500 Mio €). In 2019 folgt die zweite Anleihe (325 Mio. €). Bin gespannt, wie sie das im Endeffekt machen (1 Mrd. Dollar-Kreditlinie bis 2020 anzapfen?) und wie sich die Cashflows in den nächsten Monaten entwickeln. Die €/USD-Entwicklung ist ja aktuell nicht wirklich vorteilhaft für K+S. Die Halbjahreszahlen wurden vor ein paar Tagen veröffentlicht und vor allem die Einräumung, das '1.6 Mrd EBITDA in 2020'-Mittelfristziel wohl nicht erreichen zu können, kam am Markt recht schlecht an. Für das aktuelle Jahr wird ein Umsatzanstieg erwartet und eine Verbesserung des Gesamtergebnisses. Damit einher geht dann wohl eine Erhöhung der Dividende, da K+S ein Unternehmen ist, welches sich immer recht strikt an die Ausschüttungsquote von rund 40 % des Nettogewinns hält.

ManpowerGroup (MAN)

initiale Analyse vom 06.09.2016 - Kurs damals ca. 71 $ - Kurs aktuell ca. 109 $ (+ 53 %)
Der Umsatz des Zeitarbeitsspezialisten konnte im GJ 2017 leicht gesteigert werden. Auch im H1 haben sich der Umsatz und Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht erhöht. Der FCF ist allerdings zurückgegangen (von 230 Mio. $ auf ca. 120 Mio. $). Die Aktienanzahl liegt mittlerweile bei 66,7 Mio. An den restlichen Parametern hat sich nicht so viel geändert. Der Kursanstieg ist v.a. mit einer KGV-Expansion zu erklären. Dieser lag nämlich zum Zeitpunkt meiner Analyse bei ca. 13 und aktuell bei rund 18. Beides nicht sonderlich günstig. Ich bleibe hier weiterhin nur an der Seitenlinie.

Myriad Genetics (MYGN)

initiale Analyse vom 24.01.2017 - Kurs damals ca. 15,50 $ - Kurs aktuell ca. 29,30 $ (+ 89 %)
Der Kurs des Krebsfrüherkennungsspezialisten kennen seit dem Frühjahr nur eine Richtung: nach oben. Das Kursplus nützt mir allerdings nichts, da ich nicht eingestiegen bin. Die vergangenen 3 Quartale haben im Vergleich zum schwachen Q1 noch mal einiges rausgerissen. Der Umsatz hat sich im GJ 2017 leicht erhöht (von 753 Mio. auf 773 Mio.), das Nettoeinkommen ist allerdings stark gesunken (von 125 Mio. auf 22 Mio.). Der FCF war stark, wenn man die Kosten für den Erwerb von Assurex einmal herausnimmt (einmalige Kosten), aber insgesamt auch rückläufig. Da ich allerdings mein Prognose nicht zwangsläufig anpassen würde, sehe ich bei Myriad aktuell eher eine Über- statt einer Unterbewertung und steige daher auch jetzt nicht ein.

Netflix (NFLX)

initiale Analyse vom 25.09.2016 - Kurs damals ca. 95 $ - Kurs aktuell ca. 166 $ (+ 74 %)
Der Umsatz der vergangenen 12 Monate liegt laut den zuletzt gemeldeten Zahlen erstmals bei über 10 Mrd. $. Sowohl operativ, als auch unterm Strich ist mehr hängen geblieben. Die Cashflows sind weiterhin stark negativ und die Verschuldung ist weiter nach oben gegangen (long term debt mittlerweile 4,8 Mrd). Die Anzahl der Nutzer lag zuletzt bei knapp 104 Mio. weltweit und jeder Nutzer hat monatlich rund 9,21 $ Umsatz gebracht. Insgesamt gesehen würde ich bei meiner Bewertungsrechnung vom letzten Jahr lediglich den Umsatz/ Nutzer leicht erhöhen, da ich dort lediglich 120 $/Jahr im Idealfall angesetzt hatte. Trotzdem wäre ich dann noch weit vom aktuellen Kurs entfernt, so dass ich auch weiterhin nicht bei Netflix einsteige (dreistelliges KGV bei hohem negativen FCF). Das Netflix-Angebot selbst ist weiterhin super (ein paar Freunde haben einen Netflix-Zugang), aber mit meinem zahlenbesierten Investmentstil ist ein Kauf dieser Aktie aktuell nicht vereinbar. Ich würde als Netflix-Manager evtl. darüber nachdenken, über eine Kapitalerhöhung Geld einzusammeln, statt relativ teure Anleihen (3,75 % bis 5,75 % Zinsen) auszugeben. Da sie laut eigenen Aussagen auch in den kommenden Jahren negative Cashflows produzieren werden, wäre das auf jeden Fall ein alternatives Mittel der Wahl.

Nicholas Financial Inc (NICK)

initiale Analyse vom 30.07.2016 - Kurs damals ca. 10,62 $ - Kurs aktuell ca. 8,83 $ (- 17 %)
Beim Autokauffinanzierer, den ich mir zusammen mit CACC angeschaut hatte, laufen die Geschäfte aktuell gar nicht. Der Umsatz ist zurückgegangen und die Gewinne und die sich daraus ergebenden Margen sind eingebrochen. Sie sind zwar in einem riesigen Markt unterwegs, der aber auch extrem umkämpft ist. Sie werden aktuell zu 60 % des Buchwertes gehandelt, was ich für ein Unternehmen in dem Bereich als günstig ansehen würde. Es gibt hier allerdings einen weiterhin ungesunden Mix aus Für und Wider (siehe auch Short-Artikel zu NICK bei Seeking Alpha), so dass ich hier weiterhin aufgrund von 'Too hard for me' die Finger von lasse.

Novo Nordisk

initiale Analyse vom 08.08.2016 - Kurs damals ca. 318 DKK - Kurs aktuell ca. 290 $ (- 9 %)
Leichte Zuwächse bei Umsatz und EBIT meldete der dänischen Insulinhersteller. Die Aktienrückkäufe werden weiter stoisch durchgeführt (2,48 Mrd. Aktien ausstehend). Das Unternehmen produziert weiterhin recht viel Cash (29-33 Mrd. DKK wird erwartet). Vom starken Wachstum der vergangenen Jahre haben sie sich aber weiter entfernt. Und wenn ich die Einschätzungen zu den aktuellen Preisverhandlungen mit den US-Abnehmern richtig interpretiere, gehen sie eher von leichten Preissenkungen im kommenden Jahr aus. Bilanzseitig stehen sie immer noch recht sauber da. Sie haben Cash von 21 Mrd. DKK und Finanzschulden von nur rund 1,7 Mrd. DKK. Novo bleibt ein interessantes Unternehmen, welches aktuell meiner Einschätzung nach weder über- noch unterbewertet ist.

Pandora A/S

initiale Analyse vom 11.10.2016 - Kurs damals ca. 790 DKK - Kurs aktuell ca. 650 DKK (- 18 %)
Der Schmuckhersteller hat sich operativ gut entwickelt. Für das aktuelle Geschäftsjahr wird ein Umsatz von 23-24 Mrd. DKK erwartet. Vor allem in Asien wachsen die Umsätze aktuell relativ stark, wobei sie in den USA leicht rückläufig sind. In China, dem weltweit größtem Markt für Schmuck, konnten sie ihre Umsätze fast verdoppeln. Negativ zu sehen ist aktuell die Entwicklung der Margen (EBITDA-Marge soll z.B. leicht von 39 % auf 38 % sinken) und der Wechselkurseinflüsse. Positiv ist, dass sie die Dividende quasi vervierfacht haben, da die 9 DKK jetzt nicht mehr jährlich, sondern quartalsweise gezahlt wird. Bei 36 DKK/Jahr und einem aktuellen Kurs von 615 DKK ergibt sich damit eine recht nette Dividendenrendite von rund 6 %. Ich habe mir kürzlich mal ein paar ins Depot gelegt.

Randstad

initiale Analyse vom 14.09.2016 - Kurs damals ca. 40 € - Kurs aktuell ca. 49 € (+ 22 %)
Auch beim europäischen Zeitarbeitsvertreter Randstad haben sich die Geschäfte im vergangenen Jahr gut entwickelt. Es gab Zuwächse an allen Fronten. Nur der Cashflow war leicht rückläufig. Mit einem KGV von rund 16 sind sie nicht wirklich preiswerter geworden. Ich bleibe hier ähnlich wie bei Manpower an der Seitenlinie. Aber sollte die Konjunktur mal einbrechen, wäre Randstad ein Unternehmen, bei dem man sicher nicht so viel falsch machen kann, wenn man dann ein paar Anteilsscheine erwirbt.

Rayonier Advanced Materials (RYAM)

initiale Analyse vom 16.09.2016 - Kurs damals ca. 11,80 $ - Kurs aktuell ca. 13,60 $ (+ 15 %)
Der amerikanische Zellulose-Spezialist hat im vergangenen Jahr eine kleine Achterbahnfahrt hingelegt. Sowohl vom Kursverlauf her (Tiefskurs 10,72 $, Höchstkurs 17,39 $), als auch vom Geschäftsverlauf. In 2016 gab es einen FCF/Aktie von 3,04 $. In den ersten 2 Monaten hat sich das allerdings schon wieder relativiert. Die Umsätze sind weiter rückläufig. Das Eigenkapital ist mittlerweile auf 221 Mio. $ angewachsen. Sie haben inzwischen etwa 368 Mio. an Cash angesammelt und nur noch 781 Mio. Schulden. Bevor hier allerdings Freude ausbricht, wird es schon wieder komplizierter, denn RYAM wird wohl zum Jahresende das kanadische Unternehmen Tembec übernehmen. Tembec-Aktionäre erhalten wohl 4.75 kanadische Dollar pro Aktie oder aber 0.2542 RYAM-Aktien. Der aktuelle Tembec-Kurs in Toronto liegt bei 4,58 CAD, so dass rein theoretisch ein Arbitrage-Geschäft mit 17 cent Gewinn möglich wäre (3,7 % in knapp 4 Monaten). Alle Leute, die letztes Jahr Tembec-Aktien für 0,90 CAD gekauft haben, dürften sich freuen. Finanziert wird das Ganze (870 Mio. wurden als Preis genannt) über vorhandenes Cash, neue Kredite und Ausgabe neuer Aktien (8.4 Mio). Tembec selbst hatte in 2016 1,5 Mrd. CAD an Umsatz und einen Nettogewinn von 20 Mio. Auf Basis dieser Zahlen ist der Übernahmepreis schon deftig. Diese ganze Transaktion inkl. Schätzzahlen des Gesamtunternehmens + Betrachtung der neuen Aktiengattung (WKN: A2AP94) wäre auf jeden Fall mal einen eigenen Artikel wert. Bis dahin bleibe ich der Aktie erstmal fern.

RPX-Corp (RPXC)

initiale Analyse vom 21.09.2016 - Kurs damals ca. 10,27 $ - Kurs aktuell ca. 12,55 $ (+ 22 %)
Das im Patent-Bereich tätige Unternehmen hat sich im vergangenen Jahr solide entwickelt. Für das GJ 2016 konnten sie ihren Umsatz auf 333 Mio. $ steigern. Der Nettogewinn ging im Vergleich zu 2015 allerdings von 39 Mio. auf 18 Mio. zurück. Der bei RPXC wichtigere FCF wurde allerdings von 38 Mio. auf 66 Mio. gesteigert. Mittlerweile sind auch schon wieder 244 Mio. $ an Cash und Cash Equivalents vorhanden, so dass sich ein Enterprise Value von lediglich rund 470 Mio. ergibt. Das Inventus-Geschäft entwickelt sich gut. In den ersten 6 Monaten 2017 konnten durch den neuen Geschäftsbereich 36 Mio. Umsatz und ein EBIT von 3,6 Mio. erwirtschaftet werden. Hier wird sich langfristig zeigen, ob sie mit dem 228-Mio.-Investment richtig lagen oder nicht. Das zwischenzeitliche Hoch hatte ich zum Ausstieg genutzt. Mal schauen, ob sich mal wieder die Gelegenheit bietet, ein paar Anteilsscheine zu erwerben.

Support.com (SPRT)

initiale Analyse vom 02.07.2016 - Kurs damals ca. 2,60 $ (splitbereinigt) - Kurs aktuell ca. 2,46 $ (- 5 %)
Bei support.com ist ein wenig was passiert. Es gibt einen neuen CEO (hatte ich erwartet), es wurde ein Reverse Split von 1:3 durchgeführt, damit man wieder auf einen Kurs über 1 $ kommt (hatte ich auch erwartet) und in 2017 gab es schon einmal ein paar Fortschritte auf operativer Ebene. Der Umsatz hat sich zwar negativ entwickelt. Allerdings konnte der Nettoverlust in H1 von 10,3 auf 1,4 Mio. verringert werden. Auf der Abfluss von Cash wurde von -7,5 auf -1,8 verringert. Effektiv haben sie jetzt knapp 51,6 Mio. an verfügbaren Mitteln, Total Liabilities von 8,3 Mio., was bei 18.7 Mio. ausstehenden Aktien einen Nettocashbestand von 2,31 $ ausmacht, was in etwa dem aktuellen Kurs entspricht. Das operative Geschäft bekommt man also quasi geschenkt inkl. knapp 204 Mio. an Verlustvorträgen. Das Unternehmen bleibt interessant, aber auch riskant. Sie sind weiterhin extrem abhängig von Comcast, welche für 64 % der Umsätze verantwortlich sind. Wären die clever, würden die SPRT kaufen (quasi für umsonst), könnten deren Dienstleistung integrieren und hätten zusätzlich jede Menge Verlustvorträge, welche sie evtl. zur Reduktion ihrer Steuerzahlungen nutzen könnten. Bei diesem Microcap gilt: Wenn, dann sollte man nur mit kleinen Beträgen hantieren. Ich bin aktuell nicht mehr mit von der Partie.

Syntel (SYNT)

initiale Analyse vom 21.12.2016 - Kurs damals ca. 19,80 $ - Kurs aktuell ca. 18 $ (- 9 %)
IT-Beratung - da war doch schon was: richtig. Syntel ist nach Accenture und Infosys das 3. Unternehmen der Branche, welches ich mir angeschaut hatte. Die Zahlen werden weiterhin durch ihre 'lass uns Cash aus Indien zurückholen und viele Steuern drauf zahlen'-Aktion verzerrt. Die letzten 3 Quartale sahen allerdings schon wieder ganz in Ordnung aus. Dort waren sie sowohl gewinnseitig als auch cashflowseitig wieder im positiven Bereich. Die Umsätze gingen insgesamt gesehen etwas zurück. Ich habe Syntel weiterhin im Depot liegen, da sich an meiner Investmentthese nicht so viel geändert hat.

Tesla (TSLA)

initiale Analyse vom 05.08.2016 - Kurs damals ca. 230 $ - Kurs aktuell ca. 348 $ (+ 51 %)
Starkes Umsatzwachstum (wie Netflix 10 Mrd. $-Grenze auf TTM-Basis überschritten), starkes Wachstum bei der Anzahl ausstehender Aktien und noch stärkeres Wachstum bei der Ausweitung des negativen Free Cashflow (mittlerweile -3 Mrd.). Haben die Solar City-Übernahme tatsächlich durchgezogen und damit ihre fanatischen Aktionäre glücklich gemacht. Bleiben weiterhin den Beweis schuldig, das Geld wert zu sein, was man investieren muss, um Teilhaber des Unternehmens zu werden. Für mich positiv: ich mache keine Leerverkäufe, sonst hätte ich mir hier wohl eine blutige Nase geholt.

The Walt Disney Company (DIS)

initiale Analyse vom 13.10.2016 - Kurs damals ca. 91,40 $ - Kurs aktuell ca. 102 $ (+ 11 %)
Weiterhin mein Lieblingsunternehmen - produktseitig gesehen. Ich konnte meine Sammlung erweitern. Die im Artikel angesprochene Schneewittchen-Limited-Edition steht aktuell genau so im Schrank, wie fast die komplette Marvel-Reihe, die Abenteuer des Jungen Indiana Jones und diverse Animationsfilme:

Filmseitig haben sie wie erwartet geliefert:

2016er-Charts weltweit (rote Markierung = Disney):

2017er-Charts (Stand August) weltweit:

Für dieses Jahr stehen auch noch der neue Marvel-Film 'Thor: Ragnarok' und der neue Star Wars-Film 'Die letzten Jedi' an, welche sicherlich auch wieder die Milliardengrenze bei den Einnahmen überschreiten werden. ESPN schwächelt weiterhin. Hier trifft Nutzerschwund (v.a wahrscheinlich durch andere Streamingangebote) auf steigende Ausgaben (NBA wurde teurer, Fussball wurde teurer). Interessant finde ich, dass sie ab 2019 ihre Angebote bei Netflix abziehen um ihr eigenes Streaming-Angebot zu stärken. Schauen wir mal, was das bringt. Ingesamt bleibe ich optimistisch.

Wichtiger Hinweis: Alle Aussagen stellen persönliche Meinungsäußerungen dar. Für die Richtigkeit dieser Aussagen und der hier dargestellten Zahlen wird keine Gewähr übernommen. Fehler und Fehlinterpretationen können enthalten sein. Von daher sind hier weder Kauf- noch Verkaufsempfehlungen enthalten. Bevor jemand in eines der hier besprochenen Unternehmen investiert, muss er sich selbst damit befassen und seinen eigenen Analysen anstellen.

Sonntag, 25. Juni 2017

Happy Birthday to Me - 1 Jahr EasyWISA-Blog

Happy Birthday to Me - 1 Jahr EasyWISA-Blog

Mittlerweile ist es ein Jahr her, dass ich meinen ersten Artikel im EasyWISA-Blog veröffentlicht habe. Dieser hatte den Titel 'Alles hat einen Anfang' und ist mit Abstand der am wenigsten gelesene Beitrag meines Blogs. Ich kann mich noch ganz gut daran erinnern, dass ich zu der Zeit Abends immer in Hannover im Hotel saß und überlegte, wie ich meinen bis dahin eher semierfolgreichen Investmentprozess verbessern könnte. Ergebnis des Ganzen war dann, dass ich beschloss, die zahlreichen Gedanken zu den einzelnen Investments strukturiert zu Tastatur zu bringen und dann der Öffentlichkeit zu präsentieren. So war der Plan und 49 Artikel später kann ich sagen, dass es mir persönlich bisher schon etwas gebracht hat. Meine Investments sind seither weniger hektisch geworden und ich sage auch öfter mal 'Nein danke' - auch wenn dies teilweise im Nachhinein schmerzen kann (siehe auch Artikel zu Myriad Genetics - Kurs im Januar knapp 16 € - Kurs aktuell knapp 23,50 €).

Insgesamt gesehen habe ich mich mit mehr Unternehmen und auch sonstigen Themen befasst, als in den Jahren zuvor. Unter anderem wusste ich vorher nicht so viel über Immobilieninvestments oder das Thema 'effektives Arbeiten'. Zusätzlich war mir nicht bewusst, dass es im deutschsprachigen Raum so viele interessante und lesenswerte Blogs gibt, die sich mit Finanzen beschäftigen (siehe auch Linkliste rechts, die immer länger wird). Hervorzuheben sind hier meiner Meinung nach der Finanzrocker, dessen Podcast ich regelmäßig auf dem Weg von/nach München höre, FYouMoney, dessen amüsanter Schreibstil ihn von anderen Finanzblogs abhebt und Value and Opportunity, dessen Autor es einfach drauf hat.

Die TOP7 der meistgelesenen Artikel des letzten Jahres waren übrigens:

  1. EASY Software AG: Ein deutscher SmallCap-Namensvetter aus der Software-Branche
  2. Alphabet Inc (GOOG): Der tiefste und breiteste Burggraben unserer Zeit?
  3. Alexander Goldwein - Geld verdienen mit Wohnimmobilien
  4. K+S AG: Blick auf einen gefallenen Engel aus der Chemiebranche
  5. Gebrauchtwagenverkauf an Hassan - Ein Erfahrungsbericht
  6. The Walt Disney Company (DIS): Meine Aktie für die Ewigkeit
  7. Pandora A/S: Von Möpsen zu Investmentideen

Ich denke mal, dass ich demnächst auch mal einen Beitrag schreiben werden über alle Unternehmen, die ich bisher analysiert habe und wie sie sich seither entwickelt haben. Aber das wird dann Bestandteil des 2. Jahres von EasyWISA.

Abschließend möchte ich noch einmal die Chance nutzen, mich bei allen Lesern und Kommentatoren zu bedanken. Vielen vielen Dank... Den Blog wird es zwar in Zukunft auch ohne euch geben, aber mit und durch euch macht es einfach mehr Spaß :-) Bis dann.

Donnerstag, 15. Juni 2017

Bed, Bath & Beyond (BBBY): Cashflow-starker Heimausstatter mit einstelligem KGV

Bed, Bath & Beyond (BBBY): Cashflow-starker Heimausstatter mit einstelligem KGV

Jasper, der Betreiber des Blogs 'Jasper Quast – Aktien/Politik/Wirtschaft' hatte mich Anfang des Jahres gefragt, ob ich bei seinem Kollaborationsversuch von Finanzbloggern dabei sein möchte. Ich hatte spontan zugesagt, da mir die Idee gefiel und ich seinen Blog mag. Thema des Ganzen sollte sein, eine konkrete Investmentidee zu präsentieren. Das mache ich ja in meinem Blog bereits ab und an und meine TODO-List war (ist) ja auch noch relativ lang. Im Endeffekt entschied ich mich dazu, einen Beitrag zu Bed, Bath and Beyond (BBBY) zu verfassen. Jasper selbst hatte ein paar Worte (OK - das ist leicht untertrieben) zu American Outdoor Brands (ehemals Smith & Wesson Holding Corporation) verloren und der Autor des Blogs Seeking Value hatte die Education Development Corporation vorgestellt. In dem Beitrag, der unter der Rubrik Investors Club läuft, hatte ich in meinem Abschnitt abschließend eine etwas ausführlichere Präsentation versprochen, die ich jetzt hiermit nachreichen möchte. Besser spät, als nie, würde ich sagen. Vorteil des Ganzen: die Jahreszahlen 2016 sind mittlerweile auch raus und die Aktie selbst ist auch noch etwas günstiger geworden. Doch dazu später mehr...

Zum Unternehmen:
Bed, Bath and Beyond (BBBY) ist - wie der Name schon vermuten lässt - im Bereich der Heimausstattung angesiedelt. Sie wurden 1971 gegründet, wobei die beiden Gründer Warren Eisenberg und Leonard Feinstein immer noch im Aufsichtsrat aktiv sind. Das Unternehmen besitzt mittlerweile etwa 1550 Filialen in Nordamerika. Eine genaue Verteilung der Anzahl der Filialen über die einzelnen Bundesstaaten der USA ist im Geschäftsbericht aufgelistet. In den Geschäften und auch Online werden zahlreiche Artikel des Heimbedarfs angeboten, so wie wir es aus Ikea, Segmüller oder aber dem Dänischen Bettenlager kennen. Das Hauptaugenmerkt liegt dabei auf Accessoires, Möbeln und auch Haushaltsgeräten aller möglichen Preisklassen und Einrichtungsstile. Neben 'normalen' Artikeln sind sie in den letzten Jahren auch vermehrt im Bereich der personalisierten Gegenstände vertreten (u.a. durch Unternehmenszukäufe). D.h. möchte man zu Geburtstagen, Hochzeiten oder Geburten Artikel wie Kissen, Handtücher oder Geschirr z.B. mit dem Namen der/des Liebsten erstehen, so ist man bei BBBY an der richtigen Adresse. Um sich einen Überblick über das Gesamtangebot zu verschaffen, reicht ein einfacher Besuch auf deren recht schicker Webseite. Wie ich gesehen habe, würden sie sogar nach Deutschland liefern...

Im Beitrag bei Jasper hatte ich bereits erwähnt, dass ich während meiner Zeit in den USA bei ihnen einkaufen war und mir das damalige Kauferlebnis durchaus in positiver Erinnerung geblieben ist. Doch was nützen einem mehr als 10 Jahre alte Erinnerungen, wenn am Ende die Zahlen nicht stimmen. Also 'butter by the fishes': ab zu den Geschäftszahlen.

Die Geschäftszahlen:

Von 2006-2016 haben sie v.a. durch eine massive Ausweitung ihres Filialnetzes eine Umsatzsteigerung von etwa 6.6 Mrd. USD auf 12.2 Mrd. USD geschafft. Sie waren dabei durchgehend profitabel und auch die zugehörigen Cashflows sehen recht gut aus. Das Hoch ihrer Profitabilität liegt allerdings bereits mehr als 5 Jahre zurück. Seitdem ist u.a. die wichtige operative Marge von 16,5 % auf 9,3 % gesunken. Hauptgrund dafür sind die stark gestiegenen Investitionen in den Ausbau des eigenen Onlineangebotes um z.B. mit dem Online-Platzhirsch aller Platzhirsche Amazon mithalten zu können. Seit 2011 wurden zusätzlich kleinere Unternehmen übernommen (siehe Goodwill-Anstieg) und in 2014 wurde die Verschuldung massiv nach oben gefahren v.a. um Aktienrückkäufe tätigen zu können (rund 1,5 Mrd., die 2024, 2034 und 2044 fällig sind). Im Nachhinein nicht die cleverste Entscheidung, wenn man sich den Kursverlauf anschaut. Seit letztem Jahr wird eine Dividende gezahlt. Diese wurde nach 4 Quartalszahlungen von jeweils 0,125 $ auf jetzt 0,15 $ (sprich 0,60 $ pro Jahr) angehoben. Daraus ergibt sich eine Rendite von rund 1,6 %, wobei aufgrund der geringen Auszahlungsquote hier noch viel Platz nach oben wäre. Zu aktuellen Kursen sind mir persönlich die Aktienrückkäufe lieber.

Der Chartverlauf:

Vom Tiefpunkt in 1992 bei 0,875 $ kurz nach dem Börsengang bis zum Höchststand von über 80 $ in 2014 haben sicherlich einige Leute gutes Geld mit BBBY verdient. Das war dann quasi ein 90-bagger in der Sprache von Peter Lynch. Seitdem ist es allerdings mehr ein fallendes Messer, in das ich einfach mal reingegriffen habe.

Pro und Kontra:
Gut gefällt mir an BBBY, dass sie durchgehend profitabel waren und ein gutes Wachstum hinlegen konnten. Dass die Gründer noch mit an Bord sind (wenn auch 'nur' als Aufsichtsräte), ist auch nicht unbedingt ein Nachteil. Sowohl die Aufsichtsräte als auch der CEO haben zuletzt ihre Anteile aufgestockt - wenn auch durch Ausübung von Optionen. Der CEO hat mittlerweile rund 766' Aktien, wenn ich es richtig ausgerechnet habe (siehe hier), Eisenberg etwa 1.424' (siehe hier) und Feinstein etwa 1.437' (siehe hier). Ein gewisses Interesse am Geschäftserfolg sollte bei den verantwortlichen Insidern also durchaus vorhanden sein.

Die Renditen sind für Brick&Mortar-Einzelhändler mit einer EK-Rendite von rund 25 %, einer GK-Rendite von rund 10 % und einer operativen Marge von 9,3 % recht gut und mit denen des Wettbewerbers Williams-Sonoma Inc. vergleichbar. Ein Newcomer (erst seit 2016 gelistet) im gleichen Segment wäre die At Home Group Inc.. Diese sind noch kleiner, können aber auch ein gutes Wachstum vorweisen, wobei ihre Renditen noch wesentlich niedriger sind. Wal-Mart (18/7/5), Target (24/7/7) und Amazon (14/3/3) als weitere Vertreter aus dem Handelsbereich sind auf jeden Fall von diesen Renditekennzahlen her gesehen auch schlechter.

Dass sie in Punkto Preisgestaltung bei ihren Produkten durchaus mit Amazon mithalten können, hat ein Mitinvestor in seinem Artikel 'Bed Bath & Beyond Products Are Still Cheaper Than Amazon' bei SeekingAlpha beschrieben.

Mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 0,4 und einem KGV von rund 8 sind sie von der eigenen Historie her gesehen aber auch im Marktumfeld insgesamt recht preiswert unterwegs. Williams-Sonoma hat ein KUV von 0,8 und ein KGV von 15. Vom Cashflow her gesehen sind sie beide in etwa gleich gut (KFCF von jeweils 12 je nach Betrachtungsweise).

Ein eher positives Thema wären aktuell Aktienoptionen: Es sind zwar 3.9 Mio. Optionen, 3.5 Mio. Restricted Stock Units und 1 Mio. Performance Stock Units ausstehend. Da deren Ausübungskurse aber jenseits der 50 USD-Marke liegen, würden die Optionsbesitzer wohl auf eine Ausübung verzichten und für BBBY würden daraus erst einmal keine Kosten entstehen.

Die gesunkenen Margen und die im Nachhinein gesehen zu teuren Aktienrückkäufe in 2015 und 2016 sind auf jeden Fall als Negativpunkt anzusehen. Genau so der Vorwurf einiger Analysten, dass sich BBBY Kundschaft v.a. durch teure Rabattaktionen erkauft (20 % auf ausgewählte Artikel und über ihr Loyalty Programm sogar dauerhaft 20 % auf alles). Bei Praktiker haben wir hier in Deutschland gesehen, dass man durchaus Probleme bekommen kann, wenn man seinen Kunden quasi ständig auf alles außer Tiernahrung Rabatt anbietet.

Bewertung:
Nachdem seit dem Beitrag bei Jasper die Geschäftszahlen für 2016 veröffentlicht wurden und teilweise etwas niedriger ausgefallen sind, als ich erwartet hatte, habe ich für meine Bewertung einmal in paar Faktoren etwas konservativer angenommen, als bisher. Für diese habe ich diesmal 4 Szenarien entworfen. Beim Bär-Szenario (d.h. also eher negative Erwartungen) gehe ich davon aus, dass in den nächsten 4 Jahren lediglich ein Umsatzwachstum von 1 % pro Jahr stattfindet und die Nettomarge (Nettogewinn/Umsatz) auf 4 % sinkt. Zuletzt lag sie bei 5,6 %. Es werden weiterhin Aktienrückkäufe durchgeführt. Allerdings mit 7 Mio. Aktien pro Jahr nicht mehr so aggressiv, wie bisher. Bei meinem Normal-Szenario habe ich 3 % Umsatzwachstum, eine Nettomarge von 5 % und Aktienrückkäufe von 9 Mio. pro Jahr angenommen. Beim Bull-Szenario 5 % Wachstum, eine Nettomarge von 6 % und Aktienrückkäufe von 11 Mio. pro Jahr. Darüber hinaus habe ich noch einmal ein sogenanntes 'Donnie goes wild'-Szenario mit einer Wahrscheinlichkeit von 5 % einfließen lassen. Bei diesem gehe ich davon aus, dass Mr. President die Wirtschaft tatsächlich ankurbeln kann und die Amerikaner für ein Umsatzwachstum von 6 % p.a. sorgen. Darüber hinaus senkt er die Steuern auf 15 %, so dass sich die Nettomarge von BBBY auf 7,5 % erhöht, da sie derzeit rund 35 % Steuern zahlen.

Mit entsprechend zugeordneten KGVs (8, 10 und 12) und passenden Wahrscheinlichkeiten komme ich auf einen gewichteten Kurs von etwas über 60 USD in 2021. Zum aktuellen Kurs von rund 36 $ wäre die Aktie damit also durchaus als interessant anzusehen.

Fazit:
Ich sehe BBBY als gutes Unternehmen in einem schwierigen Marktumfeld an, dessen Bewertung aktuell relativ günstig scheint. Daher habe ich seit Anfang des Jahres einen kleinen Teil meines Portfolios in BBBY investiert. Die zuletzt eingeführte Dividende macht es für mich etwas leichter, eine 'schauen wir einmal, was passiert'-Haltung einzunehmen. Die Aktienrückkäufe wurden scheinbar etwas zur falschen Zeit intensiviert. Allerdings war ich da noch nicht investiert und kann somit evtl. die aktuelle Schwäche für einen Einstieg nutzen.

Wichtiger Hinweis: Ich bin kein Anlageberater. Diese ist keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Fehler können enthalten sein. Daher keine Gewähr. Informiert euch selbst, wenn ihr investieren möchtet!

Donnerstag, 18. Mai 2017

Die wichtigste Eigenschaft eines Investors: Geduld

Die wichtigste Eigenschaft eines Investors: Geduld

Bevor ich demnächst einmal wieder etwas über Einzelaktien schreibe, wollte ich heute ein paar Worte (oder eher Bildchen) zum Thema 'Die wichtigste Eigenschaft eines Investors' verlieren. Meiner Meinung nach ist die wichtigste Eigenschaft die Geduld. Bei mir ist es zum Beispiel so, dass ich durch meine Ungeduld immer wieder einiges an Geld eingebüßt habe. Das Gute daran ist: wenn man es sich die Verkaufszeitpunkte mal vor Augen hält, vertraut man auch eher seinen anderen Eigenschaften wie z.B. denen, die vorher zur Kaufentscheidung geführt haben.

Seit ein paar Wochen höre ich mir im Auto auf der Fahrt von/nach München immer die Podcast des Finanzrockers und des Finanzwesirs an. Auch wenn ich nicht wirklich viel Neues dazu gelernt habe, sind sie doch recht interessant anzuhören. Zumindest habe ich mehr davon, als im Radio 2-3 mal täglich 'It beats me black and blue but it fucks me so good' hören zu müssen (siehe auch Songtext von Rihanna - Love on the Brain). In einer der Podcastfolgen haben die beiden Autoren/Finanzblogger/-podcaster z.B. über die 4 G's von Andre Kostolany geredet, von denen eines die Geduld ist. Auf diesen Punkt war ich ja auch schon einmal in meinem Beitrag zum Kostolany-Buch 'Die Kunst über Geld nachzudenken' eingegangen.

Um zu verstehen, warum ich für mich die Geduld als wichtigste Eigenschaft eines Investors ansehe, reicht die Auflistung der Hitlist meiner dämlichsten Verkaufsentscheidungen:

1. Verkauf von Apple am 30.09.2013 (war vor dem 1:7-Split - splitbereinigter Kurs ca. 50 €):

2. Verkauf von F5 Networks am 30.09.2013:

3. Verkauf von Orbis am 30.09.2013 und 02.10.2013:

Zugegeben: Orbis selbst zeigte bis Ende 2013 eher, was eine sogenannte Seitwärtsbewegung ist. Aber da ich aus der Beratungsbranche komme, musste ich das einfach mit aufnehmen. Insgesamt könnt ihr an 1. bis 3. sehr gut erkennen, dass der 30.09.2013 im Nachhinein nicht mein Glückstag war. V.a. wenn man dabei zusätzlich bedenkt, dass ich an dem Tag Geld für ein Haus freigesetzt habe, was wir im Endeffekt nicht bekommen haben. Zur Info: Dax am 30.09.2013 bei rund 8600 Punkten, aktuell bei rund 12.600 (+ 46 %).

4. Verkauf von Sturm Ruger am 02.10.2014:

Zur Info: Dax am 02.10.2014 bei rund 9200 Punkten, aktuell bei rund 12.600 (+ 37 %).

5. The emotional Winner der Shitlist: Verkauf von Nokia am 16.07.2012:

Gekauft hatte ich Sie ein paar Monate davor mit der Idee, dass Nokias Patente für bestimmte Unternehmen wie z.B. Microsoft, die in den Smartphonemarkt einsteigen wollten, interessant sein könnten. Im September 2013 gab Microsoft dann die Übernahme der Nokia-Handysparte bekannt.

Zur Info: Dax am 16.07.2012 bei rund 6600 Punkten, aktuell bei rund 12.600 (+ 91 %).

6. Verkauf der Deutschen Post am 27.10.2011:

Zur Info: Dax am 27.10.2011 bei rund 6400 Punkten, aktuell bei rund 12.600 (+ 97 %).

7. And the Winner is: Verkauf von KPS AG am 02.03.2015:

Zur Info: Dax am 02.03.2015 bei rund 11400 Punkten, aktuell bei rund 12.600 (+ 11 %).

Fazit:

Ich habe einiges an Lehrgeld zahlen müssen. Die Hauptsache ist allerdings, dass ich mein Problem erkannt habe und versuche, daraus zu lernen. Und das sollte im Endeffekt jeder von uns tun. Einfach mal auf die Vergangenheit schauen und die Sachen identifizieren, die man zukünftig besser machen sollte. Mein Motto ist aktuell Geduld baby, Geduld :-) Frage in die Runde: Was ist für euch die wichtigste Eigenschaft eines Investors?

Sonntag, 7. Mai 2017

Udemy-Kurs 'Private Finanzplanung' von Mathias Mell

Udemy-Kurs 'Private Finanzplanung' von Mathias Mell

Zum Schreiben inhaltlich wertvoller Beiträge braucht man vor allem Zeit und Muße. Beides fehlte mir in den letzten Monaten ein wenig aus verschiedenen Gründen. Einerseits bin ich für ein neues Projekt im Webdesign-Umfeld tätig geworden (TODO für Blog: Omnicom analysieren) und musste mich da in ein neues System einarbeiten (openCMS). Und andererseits ist die Physiotherapie-Praxis meiner Frau (Valico Physio in Puchheim bei München) in neue Räumlichkeiten umgezogen, was natürlich auch ein wenig Mithilfe bedurfte. Falls jemand aus der Gegend kommt und in einer stylischen Praxis von einer sehr guten und attraktiven Therapeutin behandelt werden möchte, dann ist er dazu herzlich eingeladen. Einfach einen Termin vereinbaren unter 089/80908595 :-) Das Gleiche gilt übrigens auch dafür, wenn jemand eine fähige Therapeutin bzw. einen fähigen Therapeuten kennt, die eine neue Herausforderung sucht. Der/die soll sich doch bitte bei meiner Frau bewerben.

Private Finanzplanung:
Nach so viel Werbung in eigener Sache nun der eigentlich Grund für diesen Beitrag: Werbung für einen langjährigen Arbeitskollegen und Freund von mir. Er hat nämlich bei Udemy vor kurzem den Kurs 'Private Finanzplanung' online gestellt, der mir persönlich sehr gut gefallen hat. Ich kenne Mathias schon seit vielen Jahren und finde es bewundernswert, welchen Weg er im Bezug auf Finanzen gegangen ist. Früher hat er sich überhaupt keine Gedanken darüber gemacht und hatte im Zuge dessen auch einiges an Schulden angehäuft. Irgendwann kam er dann an einen Punkt, an dem er dachte 'So kann es nicht weitergehen'. Mittlerweile hat er 3 Kinder, ein eigenes Haus und Ordnung in seine Finanzen gebracht.

In dem vor allem auch von der Präsentationstechnik her sehr guten Kurs stellt er nun seine Sicht auf diverse Dinge dar und zeigt Mittel und Wege auf, wie man bestimmten Situationen begegnen soll. Unter anderem sollte man sich Gedanken über die Lebensziele machen und dann seine Taten danach ausrichten - auch im Bezug auf die Verwendung seiner Einnahmen. Sehr interessant fand ich seinen Abschnitt mit Begriffserklärungen. Unter anderem erklärt er die Begriffe Geld, Einkommen, Investitionen, ROI (Return on Investment), Schulden oder Spenden (=investieren mit der bewussten Entscheidungen, keinen ROI zu erwarten) mal auf eigene und sehr unterhaltsame Weise. Ausgehend von einer Analyse der eigenen finanziellen Situation kann man dann daran gehen, diese -wo möglich und notwendig - zu optimieren. Wie heißt es so schön: Einsicht ist der erste Weg zur Besserung. Er hat sich z.B. im Bezug auf Ausgaben ab einem bestimmten Betrag eine Checkliste erstellt, die dann abgearbeitet werden muss. Nur, wenn diese bestanden wird, wird die Ausgabe auch getätigt. Damit konnte er z.B. viele Spontankäufe, die er in der Vergangenheit durchgeführt hat, vermeiden und hatte dadurch mehr Geld zur Schuldentilgung übrig (für ihn größte Priorität beim Investieren).

Der Kurs ist sehr empfehlenswert für alle Leute, die sich am Ende des Monats fragen, wo das ganze Geld hin ist bzw. die Ordnung in ihre Finanzen bringen möchten. Weniger geeignet ist er für Leute mit Interesse an 'Get rich quick'. Da ich persönlich schon lange Zeit nach dem Prinzip 'Schuldenvermeidung' lebe, seit vielen Jahren ein Haushaltsbuch führe (MyMicrobalance - kostenlos und sehr empfehlenswert) und bei Investitionen doch fast immer überlege, ob sie notwendig sind oder nicht, war der Kurs für mich mehr eine Bestätigung dafür, dass ich mich auf dem richtigen Weg befinde. Für das Ansehen des Kurses und die Bearbeitung der darin enthaltenen Aufgaben (z.B. eigene Bedürfnispyramide zusammenstellen) sollte man etwa 2-3 Stunden mitbringen.

Hinweis: Für diese 'Werbung' bekomme ich kein Geld oder sonstiges. Ich finde nur, dass der Aufwand, den Mathias betrieben hat, eine entsprechende Aufmerksamkeit verdient. Also: statt viel Geld für Investment- oder Motivationsseminare auszugeben, schreibt euch lieber bei 'Private Finanzplanung' ein.

Dienstag, 21. Februar 2017

Jose Ignacio Lopez de Arriortua - 'Du kannst es - Memoiren eines Arbeiters'

Jose Ignacio Lopez de Arriortua - 'Du kannst es - Memoiren eines Arbeiters'

Bei der Suche nach einer CD auf dem Dachboden fand ich vergangene Woche ein Buch, welches ich zum 18. Geburtstag von meinem Vater geschenkt bekam und von dem ich eigentlich angenommen hatte, dass es bei einem meiner vielen Umzüge verschollen gegangen wäre: 'Du kannst es - Memoiren eines Arbeiters'.

Das Buch handelt vom spanischen Automobilmanager Jose Ignacio Lopez de Arriortua, der Anfang der 90er Jahre in einem der größten internationalen Wirtschaftsskandale verwickelt war. Es ging dabei um den Vorwurf der Industriespionage, nachdem er als ranghoher General Motors-Manager zum VW-Konzern gewechselt war. Der Autor Javier de Juan y Penalosa beschreibt auf knapp 230 Seiten den Werdegang Lopez' ausgehend von dessen Geburt am 18. Januar 1941 im Baskenland nach dem spanischen Bürgerkrieg, über seine Schul- und Studienzeit, Arbeit bei Westinghouse, Firestone und Opel hin zum bereits genannten Wirtschaftsskandal nach seinem Wechsel zu VW.

Anfangs werden einige Anekdoten aus seiner Kindheit und Jugend erzählt, die seine Heimat- und Familienverbundenheit aufzeigen. Unter anderem erzählt er, dass er schon relativ früh lesen konnte und in den Anfängen seiner Schulzeit (er kam bereits mit 4 in die örtliche Schule) mit der 'Fehlerquote null' in Berührung kam. Machte er bei einem Diktat einen Fehler, musste er das Diktat nochmal schreiben. Bei 10 Fehlern musste er es 10 mal schreiben usw. Das führte dazu, dass er mit 9 Jahren kaum noch Rechtschreibfehler machte. Während seiner Studienzeit entschied er sich für Fußball, wenn die Wahl zwischen Sport und 'Dates' mit jungen Frauen anstand. Laut eigener Aussage war er der erste in seinem Ort, der einen Ingenieursabschlus vorweisen konnte. Nach seinem Abschluss folgten Stationen bei Idom, Westinghouse und Firestone. Bei Firestone war er u.a. bei der Entwicklung des ersten Reifens beteiligt, der den Fliehkraftquotienten 0 vorweisen konnte. Das war gleichzeitig der erste in Spanien entwickelte Reifen, auf den ein Patent ausgestellt wurde.

1980 wechselte er dann zu GM Zaragoza, wo er für die Optimierung der Produktionsprozesse verantwortlich wurde. Grundlage seiner Optimierungsmethode war, nicht mehr mit Stoppuhr neben den Arbeitern zu stehen und Zeiten messen, sondern Arbeitsabläufe in Gänze zu analysieren und zu optimieren. Eine japanische Studie hatte gezeigt, dass bei guten Unternehmen auf jede Bewegung, die den Wert des Endproduktes steigerte 200 unnötige kamen. Bei mittelmäßig erfolgreichen war das Verhältnis bereits etwa 1 zu 1000. Das Ziel musste daher laut ihm sein, unnötige Bewegungen aus dem Arbeitsablauf zu eliminieren. Dies war in vielen Fällen verbunden mit Änderung der Anordnung von Maschinen. Er entwickelte das System PROMIG, was später bei GM zu PICOS (Purchased Input Concept with Suppliers) wurde. Die innerbetrieblichen Abläufe konnte er so optimieren. Allerdings war es so, dass 70-80 % der Kosten durch Material und Zubehör anfielen. So kam er dazu, den Einkauf auf Vordermann zu bringen, was ja dann später sein Steckenpferd wurde. Die besten Ingenieure der jeweiligen Abteilungen wurden daraufhin zu den Zulieferern beordert, um dort die Produktionsprozesse zu verbessern. Dadurch konnten diese - zumindest laut Darstellung im Buch - mehr in besserer Qualität herstellen und damit GM bessere Konditionen anbieten.

Ein wichtiger Punkt für ihn war immer, den 'einfachen Arbeiter' auch mit einzubeziehen. In einer der Fabrikhallen wurden einmal Fahrzeuge verschiedener Fabrikate (Renault 5, Ford Fiesta, Citroen, Fiat, VW, Toyota, Seat und 2 Corsa) auseinandergenommen. Die entsprechenden Teile wurden dann nebeneinander gelegt (Motorhaube zu Motorhaube, Sitz zu Sitz etc.). Die Belegschaft sollte dann Vorschläge machen, wo man beim Material sparen konnte. So kamen rund 25' Vorschläge zusammen, welche dann an die Entwicklungsabteilung nach Deutschland geschickt wurden. Alle 25' wurden abgelehnt. Daraufhin suchte er sich 50 Vorschläge heraus und schrieb dann auf kleine Kärtchen, dass sich durch Anpassung X Summe Y einsparen lässt, was den Kosten von Z Arbeitern entspricht. Für die 50 Vorschläge kam er so in Summe auf Einsparungen im Gegenwert der Kosten von 2500 Mitarbeitern. Dies präsentierte er Jack Smith, der damals Vizepräsident von GM Europa war. Dieser veranlasste später die Genehmigung durch Fritz Löhr, Chefingenieur bei Opel. Ein konkretes Beispiel: Fußmatten sollten grau sein. Das Grau wurde durch Färbung erreicht. Durch den Mix aus schwarzen und weißen Fasern wurde auch ein grau erreicht und Färbung wurde unnötig. Dies entsprach dann einer Kosteneinsparung im Gegenwert von 80 Mitarbeitern. Die Materialkosten wurden in Folge um 6,5 % gesenkt. Jack Smith bat Lopez daraufhin, diesen Erfolg bei Opel in Deutschland zu wiederholen. Wenn man von seinen Anfängen dort liest, kann man sich vorstellen, dass er sich nicht nur Freunde gemacht hat. Im Buch selbst folgen dann einige Beispiele seiner Verhandlungstaktiken, die eigentlich immer aus 2 Schritten bestanden: erstens die Preisvorschläge nicht akzeptieren und zweitens stattdessen vorschlagen, die Prozesse beim Zulieferer selbst zu optimieren. Insgesamt war für ihn der Endpreis des Autos der Ausgangspunkt seiner Betrachtungen. Von dem wurde eine Marge abgezogen, welche der Automobilhersteller als Gewinn erwirtschaften wollte. Das was übrig blieb, war die Vorgabe für die Kosten, welche die Zulieferer verursachen durften.

Sein Vorgehen war auf jeden Fall aus wirtschaftlicher Sicht erfolgreich und konnte nach Opel auch nach seinem Wechsel nach Detroit bei ganz GM wiederholt werden. Jack Smith, der mittlerweile Präsident bei GM geworden war, hatte ihn dorthin beordert und er war ihm bereitwillig gefolgt. 1991 begann er einen Plan zu entwickeln, wie er seine Heimatregion (das Baskenland) fördern konnte. Ihm schwebte der Bau einer hochmodernen Automobilfabrik durch ein baskisches Konsortium vor, von der anschließend 60 % an GM gehen sollte (kostenlos). Das Risiko für GM wäre nach Lopez' Aussagen gering gewesen, da keine Kosten anfielen und GM anschließend die modernste Fabrik der Welt gehabt hätte. Bob Eaton (vor Smith CEO von GM - später zu Chrysler gewechselt) gab noch sein OK, aber später wurde das Projekt auf Eis gelegt. Am 08.03.1993 gab es dann eine Strategiesitzung bei Opel, auf der sich herausstellte, dass die Fabrik stattdessen in Polen oder Ungarn gebaut werden sollte. Dies war Grund für seinen Rücktritt bei GM und Wechsel zu VW, von denen er ein sehr gutes Angebot bekommen hatte. VW war damals selbst in wirtschaftlichen Schwierigkeiten und in Zusammenarbeit mit Ferdinand Piech sollte es gelingen, das Ruder herumzureißen. Durch seinen Abgang bei GM und den Wechsel zur direkten Konkurrenz war Lopez nun zur Zielscheibe geworden. Über einige Jahre gab es dann Ermittlungen mit Vorwürfen der Industriespionage. Lopez selbst schreibt dazu, dass sich die entsprechenden Informationen, die sich v.a. um die Baskenlandfabrik drehten, sowieso in seinem Kopf waren und auf keinen Fall geheim waren. Am Ende trat er zurück (siehe auch passendes Youtube-Video zum Lopez-Rücktritt) und gründete seine eigene Beratungsfirma. Da er 1998 einen schweren Unfall hatte, nach dem er knapp 40 Tage im Koma lag, war er in Folge nie wieder der Alte.

Das letzten beiden Kapitel befassen sich mit der dritten industriellen Revolution. Die erste war ja mit der Erfindung der Dampfmaschine verbunden und die zweite mit der Einführung der Fließbandarbeit bei Ford. Die dritte hat nach Ansicht von Lopez den Kunden als Mittelpunkt, um den sich alles dreht. In den Abschlusskapiteln versucht er, alles unterzubringen, was ihm so einfällt. Das geht über die Wirtschaft selbst, die Umwelt, Indien+Brasilien als Staaten der Zukunft hin zu seinem neuen Paradigma: dem Kundenwert.

Insgesamt werden im Buch viele Informationen nur aus Sicht von Lopez präsentiert, was verständlich ist, da es ja seine Memoiren sind. Die Darstellung ist in Summe ähnlich parteiisch, wie die im Wikipedia-Artikel zu Lopez - nur eben aus entgegengesetzter Richtung. Lopez selbst wird im Buch ein wenig als missverstandener Held dargestellt und im Wikipedia-Artikel eher als skrupelloser Manager, der am Ende einfach viel verbrannte Erde hinterlassen hat. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich genau in der Mitte. Im Buch konnte ich - entgegen den Darstellungen in verschiedenen Artikeln bekannter Zeitschriften (z.B. bei Independent, Tagesspiegel, Spiegel oder Welt) z.B. nichts darüber finden, dass er die Preise massiv gedrückt hätte. Dort hatte man bei seinen Beispielen eher immer den Eindruck, dass die aktuellen Preise beibehalten wurden und lediglich eine Preiserhöhung durch Anwendung der Optimierung beim Zulieferer vermieden wurde. Lopez selbst war meiner Meinung nach ein Meister der Psychologie, der viele Leute einfach in seinen Bann ziehen konnte. Was auffällt, ist, dass er von vielen seiner Mitstreiter sehr hochachtungsvoll sprach (z.B. Juan Luis Bergareche - ein exzellenter Ingenieur, wunderbarer Mensch und Kollege, den man sich nur wünschen kann; meine Sekretärin, die ausgezeichnete Frau Schneider; Ferdinand Piech - ein Genie des Automobilbaus). Das habe ich so selten in Büchern gelesen. In Summe würde ich das Buch als sehr interessant und empfehlenswert ansehen - vor allem für Leute, die in der Automobilindustrie arbeiten und sich für diese interessieren. Bei Amazon ist es gebraucht für billig Geld zu bekommen.