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Sonntag, 27. August 2017

Rekapitulation bisheriger Unternehmensanalysen (u.a. Apple, Disney, Google, Tesla, Netflix)

Rekapitulation bisheriger Unternehmensanalysen (u.a. Apple, Disney, Google, Tesla, Netflix)

Schon längere Zeit hatte ich mir vorgenommen, mal wieder einen Blick auf die bisher von mir analysierten Unternehmen zu werfen und zu schauen, wie sie sich entwickelt haben. Den Blog führe ich seit etwas über einem Jahr und die Börsen haben sich in dieser Zeit recht gut entwickelt. In Deutschland hat sich der DAX seit Mitte letzen Jahres von knapp 10.500 auf aktuell knapp 12.000 erhöht (inkl. neuem Allzeithoch bei über 12.800 im Juni 2017). Und auch in Amerika haben sich sowohl der Dow Jones als auch der S&P500 mit jeweils über 10 % Zuwachs wacker geschlagen.

Ich kann bereits jetzt sagen, dass sich einige Unternehmen sehr gut entwickelt haben (vor allem kurstechnisch). Andere dagegen haben richtig abgekackt. Wieder andere haben sich kaum bewegt. Aus allen 3 Lagern gibt es Unternehmen, die ich im Portfolio hatte oder habe. Insgesamt gesehen muss ich allerdings zugeben, dass es aktuell mit meiner fundamentaldatenbasierten Herangehensweise schwierig ist, die Marktperformance zu erreichen, geschweige denn den Markt wirklich zu schlagen. Zusätzlich habe ich gelernt, dass es manchmal schlimmer kommen kann, als man denkt (siehe HIBB).

Doch nun genug zu den warmen Worten. Kommen wir nun einmal zu den entsprechenden Unternehmen.

Accenture (ACN)

initiale Analyse vom 03.08.2016 - Kurs damals ca. 112 $ - Kurs aktuell ca. 129 $ (+ 14 %)
Aus dem IT-Beratungsbereich hatte ich mir 3 Unternehmen angeschaut: Accenture, Infosys und Syntel. Accenture hat sich von diesen dreien am besten entwickelt - sowohl operativ, als auch kurstechnisch. Die Umsätze wachsen weiterhin im kleinen einstelligen Prozentbereich. Die Rendite sind immer noch sehr hoch (EK-Rendite von 47 %, GK-Rendite von 17 %). Die Free Cashflow-Marge ist mit 12.5 % auf Rekordniveau. Mit einem KGV von über 22 ist Accenture aktuell aber meiner Meinung nach kein Kauf. Wie auch Infosys und Syntel haben sie evtl. mit den verschärften Arbeitserlaubnisbedingungen in den USA zu kämpfen.

Alphabet/Google (GOOG)

initiale Analyse vom 06.12.2016 - Kurs damals ca. 760 $ - Kurs aktuell ca. 930 $ (+ 21 %)
Das Wachstum bei Google geht weiter. Mittlerweile habe ich mir auch ein paar Aktien ins Depot gelegt und wenn ich jetzt eine Aktie für meine Kinder kaufen müsste, wäre es wohl die von Google, da ich bei diesem Unternehmen einfach davon ausgehe, dass es seine Vorherrschaft behält und stellenweise noch weiter ausbaut. Zuletzt hat die EU mit ihrer Strafe gegen Google dafür gesorgt, dass die Quartalszahlen schlechter als erwartet ausfielen. Alles in allem ist das Unternehmen aber immer noch eine Cashcow vor dem Herren. Von 1 $ Umsatz bleiben knapp 25 cent an Free Cashflow übrig. Und ihr Cashberg liegt mittlerweile bei 94 Mrd. $ bei einer Gesamtverschuldung von 30 Mrd. Der KGV von 34 ist sehr hoch, aber ich denke ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass er - den aktuellen Kurs für die Berechnung nehmend - in 10 Jahren signifikant niedriger sein wird.

Apple (AAPL)

initiale Analyse vom 19.07.2016 - Kurs damals ca. 100 $ - Kurs aktuell ca. 160 $ (+ 60 %)
Ich bin zwischenzeitlich (leider zu früh) mit gutem Gewinn raus aus dem Unternehmen. Ich kann schlecht abschätzen, wie es mit ihnen weitergeht und die Kennzahlen sind aktuell bei weitem nicht mehr so gut, wie noch vor einem Jahr. Der Einstieg ins Automobilgeschäft ist bisher (zum Glück) ausgeblieben und im Smartphonebereich steht die Jubiläumsedition des iPhone auf dem Plan. Auf meinem aktuellen Projekt habe ich ein Macbook bekommen und muss zugeben, dass man sich an alles gewöhnt. Allerdings würde ich immer noch mein Windows-Notebook nehmen, wenn man mich vor die Wahl stellen würde. Einfach aus Kosten-Nutzen und Frustrationsgründen. Es nervt als Softwareentwickler total, die ganzen wichtigen Tasten (eckige Klammern, geschweifte Klammern, Backslash) suchen zu müssen. Außerdem fehlt mir Paint zur schnellen Bearbeitung von Screenshots :-)

Bed, Bath & Beyond (BBBY)

initiale Analyse vom 15.06.2017 - Kurs damals ca. 36 $ - Kurs aktuell ca. 28 $ (- 23 %)
Autsch - Teil 1. Verlockende Kennzahlen in Verbindung mit leicht verständlichem Geschäftsmodell machen in Zeiten von 'Amazon macht sie alle platt' noch lange kein gutes Investment. Bisher war es eher ein Paradebeispiel für 'Never catch a falling knife'. Die Renditen und Margen sinken aktuell weiterhin. Sie sind noch nicht so schlecht, wie bei Amazon, aber es fehlt bald nicht mehr viel :-) Nachdem Amazon ja jetzt auch andere Geschäfte mit Filialnetz übernimmt könnte ich Jeff Bezos, dem kurzzeitig reichsten Mann der Welt, einen recht preiswerten Einzelhändler empfehlen: BBBY.

Credit Acceptance Corp (CACC)

initiale Analyse vom 30.07.2016 - Kurs damals ca. 186 $ - Kurs aktuell ca. 267 $ (+ 43 %)
Die Geschäfte beim Subprime-Finanzierer (Kreditgeber für Kauf von oft recht alten Fahrzeugen durch Leute mit schlechter Bonität) laufen weiterhin gut. Die Netto-Kreditsumme (Loans receivable, net im 10-Q) betrug zuletzt 4,3 Mrd. Dollar. Der Umsatz konnte gesteigert werden (auf TTM-Basis jetzt über 1 Mrd. $). Der Nettogewinn konnte gesteigert werden (366 Mio. auf TTM-Basis) bei insgesamt weiterhin sehr hohen Renditen (operative Marge 55 %, Nettomarge 35 %, Eigenkapitalrendite 32 %). Die Anzahl an ausstehenden Aktien beträgt aktuell nur noch 19,3 Mio. D.h. es werden weiterhin immer weniger. Dafür hat der Kurs im Vergleich zum letzten Jahr auch um mehr als 40 % angezogen und das KGV beträgt aktuell rund 15. Es ist immer noch ein gutes Unternehmen, was ich auch weiterhin beobachten werden. Bei Seeking Alpha habe ich übrigens diesen recht lesenswerten Artikel zu CACC gefunden, in dem auch noch mal ganz gut erläutert wird, was die so machen. Wenn ich mir die Kommentare des Nutzers 'Credit4You.biz' anschaue, bin ich mir allerdings nicht so sicher, ob ein Einstieg bei CACC aktuell eine gute Idee ist. Die Geschäftszahlen sagen ja, seine Bewertung des angepassten Geschäftsmodells (immer mehr langfristige Finanzierung) sagen eher nein. Kernaussage des Kommentators: Long term financing on a depreciating asset is not good.

Cimpress N.V. (CMPR)

initiale Analyse vom 17.11.2016 - Kurs damals ca. 85 $ - Kurs aktuell ca. 90 $ (+ 6 %)
Zuletzt gab es weiterhin Verluste beim bekannten Werbemittel-Unternehmen (u.a. Vistaprint) auch wenn die zugehörigen Cashflows positiv sind. Wir persönlich haben immer wieder neue Flyer und Visitenkarten bei ihnen erstellen lassen, da sie in unseren Fällen einfach der günstigste Anbieter waren. Da die Geschäftszahlen seit der Analyse schlechter geworden sind und ich schon damals abgewunken habe, bleibe ich auch jetzt erstmal dabei, die Aktie von Cimpress zu meiden.

Diamond Hill Investment Group (DHIL)

initiale Analyse vom 28.06.2016 - Kurs damals ca. 180 $ - Kurs aktuell ca. 189 $ (+ 5 %)
Anzahl ausstehende Aktien: 3.45 Mio., Umsatz im ersten Halbjahr 2017: 70.5 Mio., Gewinn/Aktie im ersten Halbjahr 2017: 7.38 $, Assets under Management: 20.9 Mrd. $ Ende Juni 2017. Ich würde sagen, die Entwicklung schaut für eine Fondsgesellschaft mit aktiver Vermögensverwaltung nicht übel aus. Sie sind von der Bewertung her gesehen günstiger geworden, aber das Rückschlagrisiko für diese Art von Unternehmen bleibt. DHIL bleibt auf meiner Watchlist, da die von mir genannte Einkaufsbewertung (ab KGV 12) noch nicht da ist.

Dürkopp Adler AG

initiale Analyse vom 14.01.2017 - Kurs damals ca. 34,50 € - Kurs aktuell ca. 39,60 $ (+14 %)
Der Nähmaschinenhersteller hat seinen Umsatz in 2016 leicht steigern können auf 148 Mio. € (siehe Geschäftsbericht 2016). Unterm Strich ist mit 21,7 Mio. aufgrund höherer Steuern allerdings weniger als 2015 übrig geblieben. Da sie knapp 50 % der Umsätze außerhalb von Europa machen und der Euro-Dollarkurs in diesem Jahr für sie eher in die falsche Richtung geht (Dollarumsätze sind dieses Jahr knapp 10 % weniger Euro wert), gehe ich für dieses Jahr auch von einem eher soliden Ergebnis aus. Die Halbjahreszahlen 2017 wurden am 18.08. veröffentlicht. Die Umsätze sind im H1 knapp 6 % gestiegen (von 74,9 Mio auf 79,5 Mio). Unterm Strich ist etwas weniger übrig geblieben (von 12,3 Mio. auf 12,06 Mio). Der FCF war durch einen starken Anstieg an Forderungen wie im H1 des Vorjahres negativ (von -1,6 Mio. auf -12,6 Mio.).

EASY Software AG

initiale Analyse vom 28.10.2016 - Kurs damals ca. 4,80 € - Kurs aktuell ca. 7,25 € (+ 51 %)
Operativ gibt es bei dem Dokumentenmanagementspezialisten nicht viel neues. Nur, dass sich der Rechtsstreit mit dem ehemaligen Vorstand hinzieht und dass für das aktuelle Jahr ein EBITDA von 3.1-3.8 Mio. angedacht ist. Der Kursanstieg in den letzten Wochen kommt eher aus Richtung von Übernahmespekulationen (Allgeier?) und neu eingestiegenem > 5%-Aktionär. Ich war bisher nicht dabei und werde es zu den aktuellen Kursen auch nicht sein.

Female Health Company (FHCO) / jetzt Veru Healthcare (VERU)

initiale Analyse vom 05.10.2016 - Kurs damals ca. 1,16 $ - Kurs aktuell ca. 1,42 $ (+ 22 %)
Das Kondom für die Frau ist immer noch kein weltweiter Verkaufsschlager geworden. Dafür ist aber der Zusammenschluss mit dem anderen Unternehmen durchgegangen und es hat eine Umfirmierung in 'Veruf Healthcare' stattgefunden. Wer beim zwischenzeitlichen Absturz auf 0,82 $ eingestiegen ist, konnte bis heute einiges gut machen. Ich lasse von denen die Finger, da ich nicht so auf Risiko stehe. Kann aber evtl. auch gutgehen. Wer sich dafür interessiert, dem empfehle ich folgenden Seeking-Alpha-Artikel zu Veru Healthcare.

Gentherm Inc (THRM)

initiale Analyse vom 25.11.2016 - Kurs damals ca. 31,45 $ - Kurs aktuell ca. 30,20 $ (-4 % %)
Der Umsatz konnte in den letzten 12 Monaten gesteigert werden. Unterm Strich ist aber weniger übrig geblieben. Der freie Cashflow ist gerade so positiv. Von daher kommt der aktuelle Kursabsturz von knapp 40 $ auf knapp 30 $ für mich nicht so überraschend. Da ich nicht investiert war, ist es mir wurscht. Es bleibt ein überdurchschnittlich interessantes Unternehmen in einer schwierigen Branche (Automobilzulieferer).

Gilead Sciences (GILD)

initiale Analyse vom 08.11.2016 - Kurs damals ca. 74 $ - Kurs aktuell ca. 74 $ (+/-0 %)
Der HIV- und HCV-Medikamentenhersteller war bis auf knapp 64 $ abgestürzt. Aber manchmal hilft es anscheinend doch, wenn die Ergebnisse nicht ganz so scheiße ausfallen, wie erwartet. Auf Basis der Kennzahlen immer noch spottbillig (einstelliges KGV + KFCF). Die Risiken bleiben aber (Was ist, wenn HCV-Medikamentenpreise immer billiger werden? Was ist, wenn HIV-Heilung möglich wird?). Als Depotbeimischung meiner Meinung nach immer noch ganz gut geeignet. Findet übrigens auch WertArt vom lesenswerten WertArt-Investmentblog.

Halloren Schokoladenfabrik AG

initiale Analyse vom 19.02.2017 - Kurs damals ca. 6,50 $ - Kurs aktuell ca. 6,90 $ (+ 6 %)
Also mit den Williams-Christ-Halloren haben die ja echt meinen Geschmack getroffen. Die Eierlikör-Halloren sind auch nicht schlecht. Durchaus empfehlenswert. Bei unserer monatlichen Pokerrunde stelle ich eigentlich auch immer 1-2 Schachteln Hallorenkugeln hin. Mein Beitrag zu 'Aufbau Ost' sozusagen. Was die AG angeht gibt es nur 2 News: zunächst einmal wurden immer noch keine Geschäftszahlen 2016 veröffentlicht, was bei nicht mehr gelisteten Aktiengesellschaften (nur noch in Hamburg handelbar) keine Überraschung ist. Und zweitens haben die Charlies jetzt die Kontrolle über knapp 75 % der Anteile. Zumindest hier bleibt es spannend.

Hibbett Sports (HIBB)

initiale Analyse vom 11.08.2016 - Kurs damals ca. 35 $ - Kurs aktuell ca. 12 $ (-65 %)
Bisher mein Rohrkrepierer schlechthin. Hat zuletzt nach einer Gewinnwarnung knapp 30 % verloren, nachdem sie einen 10-prozentigen Einbruch bei den Comparable Store Sales im letzten Quartal inkl. eines Verlustes verkündet haben. Das entsprechende 10-Q ist noch nicht verfügbar, so dass ich schwer einschätzen kann, wie es Cashflowseitig aussieht. Sind aber mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 0,3-0,4 immer noch relativ preiswert und waren auch zuletzt noch mehr oder weniger schuldenfrei. Werden jetzt unter Buchwert gehandelt. Für 2018 haben sie ihre Guidance angepasst. Statt 2,35$-2,55$ Gewinn pro Aktie wird nun eher von 1,25$-1,35$ ausgegangen. Sie wollen ihre Onlineaktivitäten ausbauen, was Geld kostet (siehe auch BBBY). Ist allerdings lebensnotwendig, wenn man gegen Amazon bestehen möchte. Ein weiterer Stich in den Rücken ist die Direct-To-Consumer-Offensive der Sportartikelgrößen Adidas und Nike. Diese haben auch schon bei FootLocker zu einem starken Kursverfall geführt und das war wahrscheinlich erst der Anfang. Insgesamt muss ich mir eingestehen, dass ich die Risiken wohl falsch eingeschätzt habe. Ist auf jeden Fall ein Kandidat für die Mit-Verlust-Verkaufen-Aber-Was-Dabei-Gelernt-Strategie. Schauen wir mal...

Infosys (INFY)

initiale Analyse vom 26.07.2016 - Kurs damals ca. 16,50 $ - Kurs aktuell ca. 15,30 $ (-8 %)
Das Unternehmen selbst ist weiterhin gut, aber immer noch nicht in Kaufregionen. Allerdings wurden sie durch die Wahl von Trump getroffen, da dieser durch sein protektoristisches Verhalten die Geschäfte von IT-Outsourcingunternehmen mit vielen Mitarbeitern außerhalb der USA negativ beeinflusst (siehe Link bei den warmen Worten zu Accenture). An den Geschäftszahlen selbst lässt es sich aktuell noch nicht wirklich ablesen. Sind aber wohl gerade dabei, massiv Stellen abzubauen. Es bleibt spannend.

K+S (Kali & Salz AG)

initiale Analyse vom 11.11.2016 - Kurs damals ca. 20 € - Kurs aktuell ca. 20,35 $ (+ 7 %)
Der neue CEO ist im Amt. Das Werk in Kanada läuft und hat auch schon die erste Tonne produziert. Laut IR-Präsentation soll die Produktion bis 2034 auf 4 Mio. t/Jahr erhöht werden. In 2018 wird die Rückzahlung der ersten großen Anleihe fällig (500 Mio €). In 2019 folgt die zweite Anleihe (325 Mio. €). Bin gespannt, wie sie das im Endeffekt machen (1 Mrd. Dollar-Kreditlinie bis 2020 anzapfen?) und wie sich die Cashflows in den nächsten Monaten entwickeln. Die €/USD-Entwicklung ist ja aktuell nicht wirklich vorteilhaft für K+S. Die Halbjahreszahlen wurden vor ein paar Tagen veröffentlicht und vor allem die Einräumung, das '1.6 Mrd EBITDA in 2020'-Mittelfristziel wohl nicht erreichen zu können, kam am Markt recht schlecht an. Für das aktuelle Jahr wird ein Umsatzanstieg erwartet und eine Verbesserung des Gesamtergebnisses. Damit einher geht dann wohl eine Erhöhung der Dividende, da K+S ein Unternehmen ist, welches sich immer recht strikt an die Ausschüttungsquote von rund 40 % des Nettogewinns hält.

ManpowerGroup (MAN)

initiale Analyse vom 06.09.2016 - Kurs damals ca. 71 $ - Kurs aktuell ca. 109 $ (+ 53 %)
Der Umsatz des Zeitarbeitsspezialisten konnte im GJ 2017 leicht gesteigert werden. Auch im H1 haben sich der Umsatz und Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht erhöht. Der FCF ist allerdings zurückgegangen (von 230 Mio. $ auf ca. 120 Mio. $). Die Aktienanzahl liegt mittlerweile bei 66,7 Mio. An den restlichen Parametern hat sich nicht so viel geändert. Der Kursanstieg ist v.a. mit einer KGV-Expansion zu erklären. Dieser lag nämlich zum Zeitpunkt meiner Analyse bei ca. 13 und aktuell bei rund 18. Beides nicht sonderlich günstig. Ich bleibe hier weiterhin nur an der Seitenlinie.

Myriad Genetics (MYGN)

initiale Analyse vom 24.01.2017 - Kurs damals ca. 15,50 $ - Kurs aktuell ca. 29,30 $ (+ 89 %)
Der Kurs des Krebsfrüherkennungsspezialisten kennen seit dem Frühjahr nur eine Richtung: nach oben. Das Kursplus nützt mir allerdings nichts, da ich nicht eingestiegen bin. Die vergangenen 3 Quartale haben im Vergleich zum schwachen Q1 noch mal einiges rausgerissen. Der Umsatz hat sich im GJ 2017 leicht erhöht (von 753 Mio. auf 773 Mio.), das Nettoeinkommen ist allerdings stark gesunken (von 125 Mio. auf 22 Mio.). Der FCF war stark, wenn man die Kosten für den Erwerb von Assurex einmal herausnimmt (einmalige Kosten), aber insgesamt auch rückläufig. Da ich allerdings mein Prognose nicht zwangsläufig anpassen würde, sehe ich bei Myriad aktuell eher eine Über- statt einer Unterbewertung und steige daher auch jetzt nicht ein.

Netflix (NFLX)

initiale Analyse vom 25.09.2016 - Kurs damals ca. 95 $ - Kurs aktuell ca. 166 $ (+ 74 %)
Der Umsatz der vergangenen 12 Monate liegt laut den zuletzt gemeldeten Zahlen erstmals bei über 10 Mrd. $. Sowohl operativ, als auch unterm Strich ist mehr hängen geblieben. Die Cashflows sind weiterhin stark negativ und die Verschuldung ist weiter nach oben gegangen (long term debt mittlerweile 4,8 Mrd). Die Anzahl der Nutzer lag zuletzt bei knapp 104 Mio. weltweit und jeder Nutzer hat monatlich rund 9,21 $ Umsatz gebracht. Insgesamt gesehen würde ich bei meiner Bewertungsrechnung vom letzten Jahr lediglich den Umsatz/ Nutzer leicht erhöhen, da ich dort lediglich 120 $/Jahr im Idealfall angesetzt hatte. Trotzdem wäre ich dann noch weit vom aktuellen Kurs entfernt, so dass ich auch weiterhin nicht bei Netflix einsteige (dreistelliges KGV bei hohem negativen FCF). Das Netflix-Angebot selbst ist weiterhin super (ein paar Freunde haben einen Netflix-Zugang), aber mit meinem zahlenbesierten Investmentstil ist ein Kauf dieser Aktie aktuell nicht vereinbar. Ich würde als Netflix-Manager evtl. darüber nachdenken, über eine Kapitalerhöhung Geld einzusammeln, statt relativ teure Anleihen (3,75 % bis 5,75 % Zinsen) auszugeben. Da sie laut eigenen Aussagen auch in den kommenden Jahren negative Cashflows produzieren werden, wäre das auf jeden Fall ein alternatives Mittel der Wahl.

Nicholas Financial Inc (NICK)

initiale Analyse vom 30.07.2016 - Kurs damals ca. 10,62 $ - Kurs aktuell ca. 8,83 $ (- 17 %)
Beim Autokauffinanzierer, den ich mir zusammen mit CACC angeschaut hatte, laufen die Geschäfte aktuell gar nicht. Der Umsatz ist zurückgegangen und die Gewinne und die sich daraus ergebenden Margen sind eingebrochen. Sie sind zwar in einem riesigen Markt unterwegs, der aber auch extrem umkämpft ist. Sie werden aktuell zu 60 % des Buchwertes gehandelt, was ich für ein Unternehmen in dem Bereich als günstig ansehen würde. Es gibt hier allerdings einen weiterhin ungesunden Mix aus Für und Wider (siehe auch Short-Artikel zu NICK bei Seeking Alpha), so dass ich hier weiterhin aufgrund von 'Too hard for me' die Finger von lasse.

Novo Nordisk

initiale Analyse vom 08.08.2016 - Kurs damals ca. 318 DKK - Kurs aktuell ca. 290 $ (- 9 %)
Leichte Zuwächse bei Umsatz und EBIT meldete der dänischen Insulinhersteller. Die Aktienrückkäufe werden weiter stoisch durchgeführt (2,48 Mrd. Aktien ausstehend). Das Unternehmen produziert weiterhin recht viel Cash (29-33 Mrd. DKK wird erwartet). Vom starken Wachstum der vergangenen Jahre haben sie sich aber weiter entfernt. Und wenn ich die Einschätzungen zu den aktuellen Preisverhandlungen mit den US-Abnehmern richtig interpretiere, gehen sie eher von leichten Preissenkungen im kommenden Jahr aus. Bilanzseitig stehen sie immer noch recht sauber da. Sie haben Cash von 21 Mrd. DKK und Finanzschulden von nur rund 1,7 Mrd. DKK. Novo bleibt ein interessantes Unternehmen, welches aktuell meiner Einschätzung nach weder über- noch unterbewertet ist.

Pandora A/S

initiale Analyse vom 11.10.2016 - Kurs damals ca. 790 DKK - Kurs aktuell ca. 650 DKK (- 18 %)
Der Schmuckhersteller hat sich operativ gut entwickelt. Für das aktuelle Geschäftsjahr wird ein Umsatz von 23-24 Mrd. DKK erwartet. Vor allem in Asien wachsen die Umsätze aktuell relativ stark, wobei sie in den USA leicht rückläufig sind. In China, dem weltweit größtem Markt für Schmuck, konnten sie ihre Umsätze fast verdoppeln. Negativ zu sehen ist aktuell die Entwicklung der Margen (EBITDA-Marge soll z.B. leicht von 39 % auf 38 % sinken) und der Wechselkurseinflüsse. Positiv ist, dass sie die Dividende quasi vervierfacht haben, da die 9 DKK jetzt nicht mehr jährlich, sondern quartalsweise gezahlt wird. Bei 36 DKK/Jahr und einem aktuellen Kurs von 615 DKK ergibt sich damit eine recht nette Dividendenrendite von rund 6 %. Ich habe mir kürzlich mal ein paar ins Depot gelegt.

Randstad

initiale Analyse vom 14.09.2016 - Kurs damals ca. 40 € - Kurs aktuell ca. 49 € (+ 22 %)
Auch beim europäischen Zeitarbeitsvertreter Randstad haben sich die Geschäfte im vergangenen Jahr gut entwickelt. Es gab Zuwächse an allen Fronten. Nur der Cashflow war leicht rückläufig. Mit einem KGV von rund 16 sind sie nicht wirklich preiswerter geworden. Ich bleibe hier ähnlich wie bei Manpower an der Seitenlinie. Aber sollte die Konjunktur mal einbrechen, wäre Randstad ein Unternehmen, bei dem man sicher nicht so viel falsch machen kann, wenn man dann ein paar Anteilsscheine erwirbt.

Rayonier Advanced Materials (RYAM)

initiale Analyse vom 16.09.2016 - Kurs damals ca. 11,80 $ - Kurs aktuell ca. 13,60 $ (+ 15 %)
Der amerikanische Zellulose-Spezialist hat im vergangenen Jahr eine kleine Achterbahnfahrt hingelegt. Sowohl vom Kursverlauf her (Tiefskurs 10,72 $, Höchstkurs 17,39 $), als auch vom Geschäftsverlauf. In 2016 gab es einen FCF/Aktie von 3,04 $. In den ersten 2 Monaten hat sich das allerdings schon wieder relativiert. Die Umsätze sind weiter rückläufig. Das Eigenkapital ist mittlerweile auf 221 Mio. $ angewachsen. Sie haben inzwischen etwa 368 Mio. an Cash angesammelt und nur noch 781 Mio. Schulden. Bevor hier allerdings Freude ausbricht, wird es schon wieder komplizierter, denn RYAM wird wohl zum Jahresende das kanadische Unternehmen Tembec übernehmen. Tembec-Aktionäre erhalten wohl 4.75 kanadische Dollar pro Aktie oder aber 0.2542 RYAM-Aktien. Der aktuelle Tembec-Kurs in Toronto liegt bei 4,58 CAD, so dass rein theoretisch ein Arbitrage-Geschäft mit 17 cent Gewinn möglich wäre (3,7 % in knapp 4 Monaten). Alle Leute, die letztes Jahr Tembec-Aktien für 0,90 CAD gekauft haben, dürften sich freuen. Finanziert wird das Ganze (870 Mio. wurden als Preis genannt) über vorhandenes Cash, neue Kredite und Ausgabe neuer Aktien (8.4 Mio). Tembec selbst hatte in 2016 1,5 Mrd. CAD an Umsatz und einen Nettogewinn von 20 Mio. Auf Basis dieser Zahlen ist der Übernahmepreis schon deftig. Diese ganze Transaktion inkl. Schätzzahlen des Gesamtunternehmens + Betrachtung der neuen Aktiengattung (WKN: A2AP94) wäre auf jeden Fall mal einen eigenen Artikel wert. Bis dahin bleibe ich der Aktie erstmal fern.

RPX-Corp (RPXC)

initiale Analyse vom 21.09.2016 - Kurs damals ca. 10,27 $ - Kurs aktuell ca. 12,55 $ (+ 22 %)
Das im Patent-Bereich tätige Unternehmen hat sich im vergangenen Jahr solide entwickelt. Für das GJ 2016 konnten sie ihren Umsatz auf 333 Mio. $ steigern. Der Nettogewinn ging im Vergleich zu 2015 allerdings von 39 Mio. auf 18 Mio. zurück. Der bei RPXC wichtigere FCF wurde allerdings von 38 Mio. auf 66 Mio. gesteigert. Mittlerweile sind auch schon wieder 244 Mio. $ an Cash und Cash Equivalents vorhanden, so dass sich ein Enterprise Value von lediglich rund 470 Mio. ergibt. Das Inventus-Geschäft entwickelt sich gut. In den ersten 6 Monaten 2017 konnten durch den neuen Geschäftsbereich 36 Mio. Umsatz und ein EBIT von 3,6 Mio. erwirtschaftet werden. Hier wird sich langfristig zeigen, ob sie mit dem 228-Mio.-Investment richtig lagen oder nicht. Das zwischenzeitliche Hoch hatte ich zum Ausstieg genutzt. Mal schauen, ob sich mal wieder die Gelegenheit bietet, ein paar Anteilsscheine zu erwerben.

Support.com (SPRT)

initiale Analyse vom 02.07.2016 - Kurs damals ca. 2,60 $ (splitbereinigt) - Kurs aktuell ca. 2,46 $ (- 5 %)
Bei support.com ist ein wenig was passiert. Es gibt einen neuen CEO (hatte ich erwartet), es wurde ein Reverse Split von 1:3 durchgeführt, damit man wieder auf einen Kurs über 1 $ kommt (hatte ich auch erwartet) und in 2017 gab es schon einmal ein paar Fortschritte auf operativer Ebene. Der Umsatz hat sich zwar negativ entwickelt. Allerdings konnte der Nettoverlust in H1 von 10,3 auf 1,4 Mio. verringert werden. Auf der Abfluss von Cash wurde von -7,5 auf -1,8 verringert. Effektiv haben sie jetzt knapp 51,6 Mio. an verfügbaren Mitteln, Total Liabilities von 8,3 Mio., was bei 18.7 Mio. ausstehenden Aktien einen Nettocashbestand von 2,31 $ ausmacht, was in etwa dem aktuellen Kurs entspricht. Das operative Geschäft bekommt man also quasi geschenkt inkl. knapp 204 Mio. an Verlustvorträgen. Das Unternehmen bleibt interessant, aber auch riskant. Sie sind weiterhin extrem abhängig von Comcast, welche für 64 % der Umsätze verantwortlich sind. Wären die clever, würden die SPRT kaufen (quasi für umsonst), könnten deren Dienstleistung integrieren und hätten zusätzlich jede Menge Verlustvorträge, welche sie evtl. zur Reduktion ihrer Steuerzahlungen nutzen könnten. Bei diesem Microcap gilt: Wenn, dann sollte man nur mit kleinen Beträgen hantieren. Ich bin aktuell nicht mehr mit von der Partie.

Syntel (SYNT)

initiale Analyse vom 21.12.2016 - Kurs damals ca. 19,80 $ - Kurs aktuell ca. 18 $ (- 9 %)
IT-Beratung - da war doch schon was: richtig. Syntel ist nach Accenture und Infosys das 3. Unternehmen der Branche, welches ich mir angeschaut hatte. Die Zahlen werden weiterhin durch ihre 'lass uns Cash aus Indien zurückholen und viele Steuern drauf zahlen'-Aktion verzerrt. Die letzten 3 Quartale sahen allerdings schon wieder ganz in Ordnung aus. Dort waren sie sowohl gewinnseitig als auch cashflowseitig wieder im positiven Bereich. Die Umsätze gingen insgesamt gesehen etwas zurück. Ich habe Syntel weiterhin im Depot liegen, da sich an meiner Investmentthese nicht so viel geändert hat.

Tesla (TSLA)

initiale Analyse vom 05.08.2016 - Kurs damals ca. 230 $ - Kurs aktuell ca. 348 $ (+ 51 %)
Starkes Umsatzwachstum (wie Netflix 10 Mrd. $-Grenze auf TTM-Basis überschritten), starkes Wachstum bei der Anzahl ausstehender Aktien und noch stärkeres Wachstum bei der Ausweitung des negativen Free Cashflow (mittlerweile -3 Mrd.). Haben die Solar City-Übernahme tatsächlich durchgezogen und damit ihre fanatischen Aktionäre glücklich gemacht. Bleiben weiterhin den Beweis schuldig, das Geld wert zu sein, was man investieren muss, um Teilhaber des Unternehmens zu werden. Für mich positiv: ich mache keine Leerverkäufe, sonst hätte ich mir hier wohl eine blutige Nase geholt.

The Walt Disney Company (DIS)

initiale Analyse vom 13.10.2016 - Kurs damals ca. 91,40 $ - Kurs aktuell ca. 102 $ (+ 11 %)
Weiterhin mein Lieblingsunternehmen - produktseitig gesehen. Ich konnte meine Sammlung erweitern. Die im Artikel angesprochene Schneewittchen-Limited-Edition steht aktuell genau so im Schrank, wie fast die komplette Marvel-Reihe, die Abenteuer des Jungen Indiana Jones und diverse Animationsfilme:

Filmseitig haben sie wie erwartet geliefert:

2016er-Charts weltweit (rote Markierung = Disney):

2017er-Charts (Stand August) weltweit:

Für dieses Jahr stehen auch noch der neue Marvel-Film 'Thor: Ragnarok' und der neue Star Wars-Film 'Die letzten Jedi' an, welche sicherlich auch wieder die Milliardengrenze bei den Einnahmen überschreiten werden. ESPN schwächelt weiterhin. Hier trifft Nutzerschwund (v.a wahrscheinlich durch andere Streamingangebote) auf steigende Ausgaben (NBA wurde teurer, Fussball wurde teurer). Interessant finde ich, dass sie ab 2019 ihre Angebote bei Netflix abziehen um ihr eigenes Streaming-Angebot zu stärken. Schauen wir mal, was das bringt. Ingesamt bleibe ich optimistisch.

Wichtiger Hinweis: Alle Aussagen stellen persönliche Meinungsäußerungen dar. Für die Richtigkeit dieser Aussagen und der hier dargestellten Zahlen wird keine Gewähr übernommen. Fehler und Fehlinterpretationen können enthalten sein. Von daher sind hier weder Kauf- noch Verkaufsempfehlungen enthalten. Bevor jemand in eines der hier besprochenen Unternehmen investiert, muss er sich selbst damit befassen und seinen eigenen Analysen anstellen.

Samstag, 14. Januar 2017

Dürkopp Adler AG - Ein Hidden Champion im Bereich von Nähmaschinen?

Dürkopp Adler AG - Ein Hidden Champion im Bereich von Nähmaschinen?

Auf das erste Unternehmen dieses Jahres bin ich durch einen einfachen Screenerlauf aufmerksam geworden. Dabei hatte ich nach deutschen Unternehmen gesucht, die in den vergangenen 5 Jahren Umsatz, Nettogewinn und auch Eigenkapital steigern konnten und die dabei eine EK-Rendite von > 15 % aufwiesen. Eines dieser Unternehmen war Dürkopp Adler aus Bielefeld, der Stadt, die es nicht gibt.

Zum Unternehmen:
Dürkopp Adler ist im Bereich von Industrienähmaschinen tätig. Der Name leitet sich vom Firmengründer Nikolaus Dürkopp und der Nähmaschinenmarke Adler ab. In der langjährigen Firmengeschichte, die bis ins Jahr 1860 zurück reicht, wurden unter anderem auch Fahrräder, Autos, Motorräder und Rüstungsgegenstände (im 2. Weltkrieg) hergestellt. In seiner jetzigen Form (d.h. nach dem Zusammenschluss mit der Kochs Adler AG zur Dürkopp Adler AG) gibt es das Unternehmen seit 1990. In 2005 übernahm die ShangGong Holding (jetzt SGSB-Gruppe) rund 94 % der Anteile, die sie auch bis jetzt noch besitzt. Die Chinesen stellen fast den kompletten Aufsichtsrat und auch einen Teil des Vorstandes (den wirtschaftlichen Teil davon). ShangGong/SGSB war/ist selbst in der Nähmaschinenbranche beheimatet (siehe Beschreibung von SGSB), so dass die Übernahme vom Geschäftsbereich her gesehen durchaus Sinn gemacht hat.

Der Großteil der Kunden kommt - wie man sich sicherlich denken kann - aus der Textilbranche und der Automobilbranche. Im Textilbereich werden Nähmaschinen für Kleidungsstücke und Schuhe hergestellt und im Automobilbereich gibt es z.B. bei der Herstellung von Autositzen, Kopfstützen und Armstützen passende Anwendungsfälle. Zusätzlich bieten sie auch Lösungen im Bereich von Polstermöbeln an. Alles in allem ein relativ einfach zu verstehendes Geschäftsmodell. Laut eigener Aussagen ist Dürkopp Adler Technologieführer bei mittelschweren Industrienähmaschinen und durch kontinuierliche Forschung und Entwicklung versuchen sie, diese Stellung zu behalten.

Zum Chartverlauf:

Wenn ich mir diesen Chartverlauf mal so anschaue, würde ich sagen, dass die Chinesen mit ihrem Einstieg Mitte 2005 bei etwa 3,50 € wohl ein glückliches Händchen bewiesen haben. Ende 2008 hatten sie ihren Tiefpunkt bei etwas über 2 €, was allerdings bei Betrachtung ihrer Hauptkunden keine wirkliche Überraschung ist. Wie wir gleich an der Geschäftszahlen sehen können, haben sie in 2011/2012 den Turnaround geschafft und seit dem geht es sowohl zahlenmäßig als auch kursmäßig steil bergauf, was man von einem Maschinenbauer in einer zyklischen Branche so nicht direkt hätte erwarten können.

Zu den Geschäftszahlen:

Vor 10 Jahren lag der Umsatz in etwas genau so hoch, wie jetzt. Allerdings waren ihre Margen damals auch niedriger. In 2010 wurde der Geschäftsbereich der Fördertechnik als Dürkopp Fördertechnik GmbH an die österreichische Knapp AG verkauft. Daher ist das Unternehmen heute nicht wirklich identisch mit dem vor 10 Jahren. Die Zahlen von 2006-2010 schwankten sehr stark. Seit 2010 geht es auf Seiten des Umsatzes wieder stetig bergauf und auch Gewinn und Cashflow sind nachgezogen. Zuletzt lag die Eigenkapitalrendite kontinuierlich über 20 %, was eigentlich für eine starke Marktstellung spricht. Auch Cashflow-seitig sieht es auf dem Papier wirklich sehr gut aus. Da ist man von deutschen Maschinenbauern auch anderes gewohnt. Die Verschuldung wurde zurückgefahren und mittlerweile sitzen sie auf einem beruhigenden Finanzpolster von über 30 Mio. €, so dass sie vor 2 Jahren angefangen haben, eine Dividende zu zahlen.

Was gefällt mir an Dürkopp Adler:

  1. In den letzten Jahren wurden wirklich gute Geschäftszahlen vorgelegt. Seit 2009 gab es keine Verluste mehr.
  2. Es wird recht viel Cash produziert. Von daher sieht die Verschuldungssituation des Unternehmens im Moment sehr gut aus. Für F&E wird pro Jahr ein überschaubarer Betrag ausgegeben.
  3. Sie scheinen eine gute Qualität herzustellen. Da ich allerdings nicht aus der Branche bin, kann ich da nicht viel zu sagen. In einem Zeit-Artikel über Dürkopp Adler aus 2013 konnte ich lesen, dass die Chinesen wohl anfangs v.a. am Know How interessiert waren und dieses über ein Joint Venture teilweise abziehen wollten. Die Ergebnisse dieses Joint Ventures waren dann wohl aber nicht wirklich perfekte Produkte, so dass die Kunden lieber zum Original griffen - Made in Germany.
  4. Ich konnte keinerlei Analystenberichte oder -kommentare finden.
  5. Seit 2 Jahren dürfen sie auch wieder Dividenden auszahlen. Dies war ihnen vorher durch ausgewiesene Bilanzverluste nicht möglich.
  6. Die Webseite und der IR-Bereich von Dürkopp Adler sind recht informativ. Finanzberichte sind ab 2002 verfügbar. Da habe ich schon durchaus schlimmeres im deutschen Small-Cap-Bereich gesehen.
  7. Sie sagen selbst, dass sie in einer zyklischen Branche unterwegs sind. Gleichzeitig sehen sie sich aber auch gewappnet für die nächste Krise in der Branche.
  8. Es gibt ein paar stille Reserven in der Bilanz. U.a. sind einige Immobilien schon abgeschrieben, haben aber einen wesentlich höheren Marktwert.
  9. Die Dividende dürfte für manche verlockend sein. V.a. wenn man sieht, dass bisher nur ein Bruchteil der Gewinne bzw. des FCF ausgeschüttet wurde und ein ganzer Teil jetzt auf Halde liegt.
  10. Die variable Vergütung beim Vorstand ist vom ROCE abhängig. Die des Aufsichtsrates von der Höhe der Dividende.
  11. Überdurchschnittliche Renditen. Vor allem, wenn man sich mal die Zahlen der Konkurrenzunternehmen anschaut. Also z.B. Brother Sewing Machines Europe GmbH (77 Mio. € Umsatz und 4,5 Mio. Gewinn bei Eigenkapital von 25 Mio. und Bilanzsumme von 38 Mio. - laut Bundesanzeiger), Janome (Japan - siehe 2016er Janome-Geschäftszahlen) oder Juki (Japan - siehe Juki-Geschäftszahlen). Von den anderen Konkurrenten (Bernina International (Schweiz), Feiyue (China), Singer/SVP Worldwide (Bermuda) und Tacony (USA) konnte ich leider keine Zahlen finden.
  12. Nach der Finanzkrise gab es einen massiven Stellenabbau, um das Ruder rumzureißen. Dies wurde offensichtlich erfolgreich geschafft. Der Umsatz pro Mitarbeiter lag in 2009 bei 58,7' und in 2015 bei 111,4'. Die Personalkosten pro Mitarbeiter pro Jahr lagen in 2009 bei 36', in 2010 bei 24,7' und in 2015 bei 30,7'. Da haben wohl Entlassungen in Deutschland und Verlagerung nach Tschechien und Rumänien geholfen, das Geschäft ertragreicher zu machen. Schlecht für die Mitarbeiter, gut für die (größtenteils chinesischen) Investoren.
  13. Nähmaschinen klingen jetzt nicht so aufregend, wie Biotec, E-Fahrzeuge oder Nanotechnologie. Man könnte es also Zukunftstechnologie irgendwie übersehen oder falsch einschätzen. Die Weltbevölkerung wächst. Somit muss auch mehr Kleidung hergestellt werden. Die Löhne in den Billiglohnländern steigen, so dass dort evtl. auch Menschen gegen Maschinen getauscht werden, um die Produktion zu steigern. Und hier nimmt man dann evtl. eher eine hochwertige Maschine aus Deutschland, für die man mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in ein paar Jahren noch Ersatzteile bekommt, als eine Billigmaschine Made in China...
  14. Sie haben einen eigenen Youtube-Kanal mit ein paar interessanten Videos, in denen man ihre Maschinen in Aktion sehen kann. Durchaus beeindruckend.

Was gefällt mir nicht an Dürkopp Adler:

  1. Die chinesischen Investoren lassen sich nicht wirklich in die Karten schauen. Sie haben seit Jahren eine gleich-hohe Beteiligung. Eine vollständige Übernahme wurde wohl nie angestrebt, warum auch immer. Wer einsteigen sollte, muss sich bewusst sein, dass er es hier eben mit Min Zhang zu tun hat und nicht mit Warren Buffett als Ankerinvestor. Die SGSB-Gruppe ist selbst börsennotiert und hat noch weitere Beteiligungen vorzuweisen (u.a. Pfaff GmbH und KSL GmbH in Deutschland). Die Tochterunternehmen arbeit wohl auch zusammen, was Synergieeffekte bringt. Evtl. ist das auch ein Grund dafür, dass die Zahlen bei Dürkopp Adler so gut aussehen, denn die Zahlen von SGSB selbst sind nicht sonderlich beeindruckend.
  2. Es gibt nur knapp 6 % an Streubesitz (d.h. in Summe etwa 490' Aktien). Ist also mehr als übersichtlich, auch wenn man als Privatinvestor nicht so ins Gewicht fällt. So viele Möglichkeiten bleiben da nicht in Zukunft. Entweder Delisting, was man auch früher haben könnte oder aber alles bleibt bei der aktuellen Situation (d.h. wie die letzten 11 Jahre auch) oder aber irgendwann gibt es ein Squeeze Out.
  3. Es gibt 31m Pensionsverbindlichkeiten. Die wurden allerdings zuletzt kleiner. Da sind wohl ein paar Rentner und Hinterbliebene weggestorben.
  4. Sie sind mittlerweile um einiges teurer geworden. Von den Kennzahlen her sind sie zwar immer noch nicht so teuer, wie der gefühlte Durchschnitt an börsennotierten Unternehmen in Deutschland, aber ein KGV von 12 ist eben um einiges höher, als ein KGV von 7,6 bei den 2015er Kennzahlen und ein KBV von 3,3 ist für einen Maschinenbauer schon recht hoch.
  5. Ein großer Teil der Gewinne der letzten Jahre kommt auch durch den starken Dollar, da relativ viel Geschäft im außereuropäischen Ausland gemacht wird.
  6. Die Handelsvolumen sind nicht die höchsten (so um die 10' € pro Tag). Möchte man also einsteigen, sollte man auf jeden Fall auf ein Limit achten.

Bewertung und Fazit:
Eine Bewertung (z.B. per DCF) wollte ich für dieses Unternehmen nicht machen, da ich mir nicht zutraue, hier mit meinem aktuellen Kenntnisstand irgendwelche Prognosen vorzunehmen. Ich würde ggf. erst einmal den Geschäftsbericht von 2016 abwarten, um zu schauen, ob die Cashflows auch weiterhin so gut sind, wie sie es bis 2015 waren. Ein KGV von 12 sieht nicht so teuer aus (v.a. im Vergleich zu anderen deutschen Mittelständlern und Unternehmen, die ähnlich rentabel sind). Allerdings ist es so, dass es eindeutig ein zyklisches Unternehmen ist und man sich wohl eher am oberen Ende, als am unteren Ende des Zyklus befindet. Nach aktuellem Stand (d.h. da keine AdHocs oder so gekommen sind), würde ich erwarten, dass die Zahlen von 2016 etwas höher ausfallen, als die von 2015. Da der Kurs aber schon um über 50 % angezogen hat seit Mitte des letzten Jahres, ist es eindeutig kein Schnäppchen mehr. Ich lass also erst einmal die Finger davon. Falls jemand mehr weiß, kann er gerne einen Kommentar hinterlassen.