Montag, 8. August 2016

Novo Nordisk - Ausnutzung der aktuellen Kursschwäche Ja/Nein?

Novo Nordisk - Ausnutzung der aktuellen Kursschwäche Ja/Nein?

Beim Durchschauen der Finanznachrichten ist mir aufgefallen, dass Novo Nordisk seit letzter Woche mehr als 10 % gesunken ist. Da muss ja richtig was Schlimmes passiert sein, dachte ich mir im ersten Moment, wenn so ein meines Empfindens nach super Unternehmen in einem eigentlich recht guten Marktumfeld so einen Einbruch erlebt. Nach einer kurzen Analyse der Nachrichten wurde als Grund dafür präsentiert, dass den Investoren wohl die leicht gesenkte Umsatzprognose nicht gefallen hat. Dieser steigt nun wohl nicht um 5-9 %, sondern um 5-7 %. Klingt für mich ein wenig nach 'Sack Reis in China'. Hier zeigt sich mal wieder, wie komisch meiner Meinung nach solche Informationen interpretiert werden. Denn was mich beim Blick auf die entsprechende Folie 18 des Berichts eher auffiel, war, dass der Free Cashflow statt 35-38 Mrd. DKK (Dänische Kronen) nun 38-41 Mrd. DKK betragen soll in 2016. In Kombination mit dem stark gesunkenen Kurs gibt es das Unternehmen nun in für mich evtl. akzeptablen Bereichen zu kaufen. Daher nun einmal eine Analyse.

Wer oder was ist Novo Nordisk?
Novo Nordisk ist ein dänisches Pharmaunternehmen, welches seit 1923 aktiv ist und es seither zum Weltmarktführer bei Diabetesmedizin geschafft hat. Mir war es erstmals so um 2013 in einem Artikel des Handelsblattes aufgefallen. Seitdem steht es bei mir auf der Watchlist, da ich es bisher immer als 'zu teuer' angesehen hatte. In dem Artikel wurden Unternehmen vorgestellt, welche mit relativ hoher Sicherheit von Zukunftstrends profitieren werden. Bei Novo war es so, dass davon ausgegangen wird, dass in Zukunft immer mehr Menschen an Wohlstandskrankheiten wie Übergewicht und Diabetes leiden werden. Und da im Moment schon knapp 400 Mio. Menschen Diabetes haben (nur bei knapp 50 % ist es diagnostiziert) und etwa 600 Mio. Menschen Übergewicht, gibt es extrem viele Kunden, die mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit wiederkehrende Einnahmen bringen werden. Wer selbst Diabetes-Patient ist oder Diabetes-Patienten kennt, wird wissen, was ich hiermit meine. Laut Folie 26 des bereits angesprochenen Berichts werden für 2040 ca. 640 Mio. Diabetespatienten erwartet. Es bleibt somit wohl auch weiterhin ein Wachstumsmarkt.

Zu den Geschäftszahlen:

Was gefällt mir?

  1. Gutes Wachstum, welches in diesen Höhen natürlich schwerer gesteigert werden kann, wie bei kleinen Unternehmen.
  2. Hoher Teil der Einnahmen wird an Aktionäre zurückgeführt (per Dividende und Aktienrückkäufe), ohne dabei Forschung und Entwicklung zu vernachlässigen. Die starke Bilanz erlaubt dies. Im August wird eine Zwischendividende von 3 DKK gezahlt. Zusätzlich stehen vom 14 Mrd. DKK-Aktienrückkaufprogramm noch 6,9 Mrd DKK zur Verfügung.
  3. Schuldenfreiheit. Cash und Wertpapieren in Höhe von 15 Mrd. DKK stehen Finanzschulden von lediglich 0,4 Mrd. DKK gegenüber. Der Großteil der Verbindlichkeiten steckt in Rückstellungen (17 Mrd.). Und zusätzlich generieren sie dabei immer weiter Cash (ca. 5.5 Mrd. € dieses Jahr).
  4. Sehr hohe Renditen. V.a. die Eigenkapitalrendite von über 70 % weiß zu gefallen.
  5. Hohe Eintrittsbarrieren durch langwierige und teure Forschungsarbeit, die für neue Unternehmen notwendig wäre, um Zulassungen zu erhalten. Einige der Produkte von Novo genießen noch relativ lange Patentschutz (> 10 Jahre).
  6. Meiner Meinung nach wenig zyklisches Geschäft. D.h. im Gesamtmarkt für Diabetes-Medizin sind wenig Schwankungen zu erwarten, wenn nicht regulatorisch eingegriffen wird.
  7. Gute Zukunftsaussichten (für den Diabetes-Markt insgesamt und für das Unternehmen selbst).
  8. Sehr starke Marktposition im Bereich Diabetes + Insulin (46 % Marktanteil bei Insulin laut ihrer Präsentation). Zusätzliche Geschäftsfelder, in denen man Marktanteile gewinnen/ausbauen möchte: Behandlung von Übergewicht, Wachstumsstörungen + Behandlung von Hämophilie (Bluterkrankheit).
  9. Niedrige Steuerbelastung (20-22 %).
  10. Kaum Verwässerung durch Aktienoptionen.
  11. Sehr hohe Handelsvolumen auch an deutschen Börsen und damit auch geringe Spreads.
  12. Vergleich der Zahlen wird im Moment durch die Ausgliederung von NNIT im letzten Jahr verzerrt.
  13. Kein Goodwill und nur geringe Intangible Assets. D.h. das Know How, die Patente und die Markennamen sind nur zu einem kleinen Teil in der Bilanz enthalten.
  14. Kurs seit Jahresanfang um etwa 20 % gesunken.

Was gefällt mir nicht?

  1. Relativ teuer (KGV und KFCF im Moment um die 20, d.h. der Marktkapitalisierung von etwa 110 Mrd. € steht ein FCF von ca. 5.5 Mrd. € gegenüber). Wobei hier gilt: Qualität hat ihren Preis und in der näheren Vergangenheit kann ich mich im Bezug auf Novo an wenige solche Kaufgelegenheiten erinnern.
  2. Da ich auch bei Gilead investiert bin, weiß ich, dass es Unternehmen gibt, welche mit neuartigen Medikamenten auch Krankheiten heilen können (im Falle von Gilead war/ist es Hepatitis C). In diesem Falle wird dann natürlich die neue Medizin genutzt und die Einnahmen durch wiederkehrende Verschreibung von Insulin würden wegfallen. Das Risiko würde ich hier zwar als nicht so hoch ansehen, aber definitiv als vorhanden.
  3. Hohe Renditen und Gewinne ziehen Konkurrenten an (analog Situation bei Gilead). Im Moment sind die Hauptkonkurrenten Sanofi (Frankreich), Eli Lilly und Merck (jeweils USA), von denen aber von den Bewertungen her (Renditen im Vergleich zu KGV/KFCF) keines so interessant ist, wie Novo Nordisk.
  4. 2 Aktiengattungen. A und B-Aktien. Alle A-Aktien werden mehr oder weniger von der Novo-Stiftung gehalten. Diese entsprechen zwar laut Wikipedia nur ca. 25 % des Stammkapitals, aber auch mehr als 60 % der Stimmrechte.
  5. Durch recht hohe Marktkapitlisierung wird Novo wohl nicht übernommen. Eine Kurssteigerung á la Steinhoff/Mattress Firm Holding ist wohl nicht zu erwarten :-)
  6. Eigentlich nicht wirklich mein 'Circle of Competence'.
  7. Als Pharmaunternehmen mit teuren Produkten ist man zwangsläufig Ziel negativer Presse oder wird für den Wahlkampf missbraucht. Das aber nur am Rande, da es in diesem Blog nicht um sozialpolitische Themen, sondern um Investments geht.
  8. Dänisches Unternehmen, welches Geschäftszahlen in DKK präsentiert. D.h. man muss ständig umrechnen und Novo hat zusätzlich mehrfaches Währungsrisiko, da nur ein gewisser Teil der Umsätze in DKK selbst gemacht werden. Großteil des Wachstums kam auch durch Dollar-Stärke gegenüber EUR und DKK.

Fazit:
Aktuell wird Novo unter den langjährigen Mittelwerten für KGV, KFCF und EV/EBIT gehandelt. Die Renditen wären, wenn man die Halbjahreszahlen hochrechnet, sogar auf Rekordniveau. So richtig preiswert ist es aber immer noch nicht. Ein KGV von 20 bedeutet immer noch 'nur' eine Rendite von 5% zum aktuellen Kurs. Das momentan preiswertere und ebenso profitable Gilead habe ich schon entsprechend gewichtet im Portfolio. Zur Diversifizierung im Pharmabereich werde ich evtl. versuchen, die Marktschwäche auszunutzen und mir demnächst ein paar Anteilsscheine besorgen. Das Unternehmen ist durch seine starke Marktposition kombiniert mit seinen sehr guten Kennzahlen zu einem akzeptablen Kurs für mich ein geeigneter Kandidat für den 'Buy and Hold'-Bereich meines Portfolios.

Freitag, 5. August 2016

Tesla (TSLA): Rosarote Brille ab - Was bleibt?

Tesla (TSLA): Rosarote Brille ab - Was bleibt?

Da Tesla vor kurzem mal wieder wie zu erwarten schlechte Zahlen gemeldet hat, wollte ich an dieser Stelle auch einfach mal meine 5 cents zum Thema loswerden. Dank eines Bekannten, der sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzt und E-Fahrzeuge gerne voran bringen würde, hatte ich die Chance 2 Tesla zu fahren: einen Tesla Roadster und ein Tesla Model S.

Von daher kann ich sagen, dass die Produkte der Firma super sind und viel Spaß machen. Sollte man aber deswegen in Tesla investieren? Das darf jeder selbst entscheiden, aber ich habe es bisher nicht getan und werde es in naher Zukunft auch nicht tun. Und das liegt einzig und allein daran, dass es bisher nicht geschafft wurde, wirtschaftlich gesehen auf einen grünen Zweig zu kommen und ich dieses auch in den nächsten Jahren nicht sehe (v.a. durch die SolarCity-Übernahme). Jede andere Firma wäre mit solchen Geschäftszahlen schon lange pleite gewesen. Doch es gibt eben noch viele, die in Tesla das Unternehmen der Zukunft im Bereich Automobilbau sehen. Meine Meinung dazu: Tesla ist nur deswegen so stark, weil sich die meisten anderen Automobilhersteller v.a. aus wirtschaftlichen Gründen bislang größtenteils zurück gehalten haben. Klar gibt es einige Prestigeprojekte, wie den BMW i3 oder i8, den E-Up! und eGolf von VW, den Renault Zoe oder den Nissan Leaf. Deutschlandweit ca. 25.000 gemeldete Elektrofahrzeuge (Zahlen von Anfang 2016 - jetzt wahrscheinlich ein paar tausend mehr) sprechen meiner Meinung nach aber eine deutliche Sprache.

Was spricht momentan für Elektroautos?

  1. Gute Beschleunigung. Damit zu fahren, macht Spaß.
  2. 'Grüne' Art der Fortbewegung durch weniger CO2-Ausstoß (je nachdem, woher der Strom kommt). Somit gutes Image.
  3. Niedrige Wartungskosten (kein Öl, weniger Verschleißteile, Bremsen werden weniger beansprucht).
  4. Sind leise.
  5. Es gibt im Moment Förderung in Deutschland. Da diese allerdings auch Hybridfahrzeuge fördern, ist das Ganze leicht fehlgeleitet. Am kaputten Strommarkt (und den eigenen Stromrechnungen) kann man allerdings auch erkennen, was passiert, wenn eine Regierung bestimmte Projekte subventioniert.
  6. Für Pendler ideal (Leute die täglich max. 150 km zurücklegen).

Was spricht momentan eher gegen Elektroautos?

  1. Die Reichweite ist nicht jedermanns Sache. Die wenigsten schaffen wie Tesla momentan mehr als 300-400 km. Daher sind sie für Langstreckenfahrer nur eingeschränkt nutzbar. Und für Urlaubsfahrten sowieso.
  2. Meist niedrige Höchstgeschwindigkeit. In der Stadt und auf dem Land i.O. Auf der Autobahn nicht so. Viele stört das wahrscheinlich nicht, aber damit sind sie für Langstreckenfahrer wieder nur eingeschränkt nutzbar.
  3. Es gibt noch zu viele, die an einem Erfolg der E-Fahrzeuge nicht wirklich interessiert sind: Seien es Werkstätten (denen zukünftige Gewinne aus regelmäßiger Wartung entgehen), Ölunternehmen, Automobilzulieferer + Autohersteller selbst (hohe Entwicklungskosten bei unsicheren Ertragsaussichten) oder aber auch der Staat, der am Kraftstoffverkauf auch ganz gut verdient.
  4. Momentan kein schnelles Tanken möglich. Ladeinfrastruktur noch in den Kinderschuhen und es gibt nur wenige Firmen, die den Ausbau voran treiben. Vielleicht sollte hier mehr gefördert werden.
  5. Batteriemiete.
  6. Man muss sich Ladestation installieren. Machbar für viele in der Bevölkerung. Wie macht man das aber als Mieter ohne eigene Garage/Stellplatz?
  7. Der Preis: Bis auf wenige Ausnahmen (Nissan Leaf, Renault Zoe) sind die Fahrzeuge vergleichsweise teuer. Beispiel gefällig: hier. Tesla sowieso.
  8. Es gibt quasi keinen Gebrauchtwagenmarkt. Und da die wenigsten Leute Neuwagen kaufen können bzw. diejenigen, welche Neuwagen kaufen (Geschäftsleute, Firmen) wahrscheinlich nicht so oft zu reinen E-Fahrzeuge greifen, bleibt das wohl auch in den nächsten Jahren so. Wenn man dann in 3-4 Jahren ein gebrauchtes E-Fahrzeug kauft und eine komplett neue Batterie benötigt/mieten muss, werden sich wieder viele aus Kostengründen dagegen entscheiden.
  9. Design: Bis auf Tesla sind die Fahrzeuge des Massenmarktes (i8 damit ausgenommen) alles andere als ein Augenschmauß. Aber das ist Ansichtssache.
  10. Nicht jeder kann solche Fahrzeuge reparieren. Dazu braucht man meines Wissens nach eine spezielle Ausbildung, welche die wenigsten haben. D.h. der Besuch der Wald- und Wiesenwerkstatt um die Ecke fällt dann aus.
  11. Es gibt noch zu wenig Vielfalt. Es können in Zukunft nicht alle auf einmal das Model 3 fahren, nur weil es das vergleichsweise beste Fahrzeug auf dem Markt wäre. Markentreue gibt es v.a. bei Autos.

Zurück zum Investmentcase Tesla.
Hier mal die Geschäftszahlen:

Wie man sieht, ist der Umsatz massiv gestiegen in den letzten Jahren. Die Verluste sind aber auch größer geworden. Positiver Free Cashflow konnte bisher noch gar nicht erwirtschaftet werden (klar: Wachstum kostet). Die Anzahl ausstehender Aktien hat sich seit dem Börsengang fast verdreifacht. Gleichzeitig ist der Aktienkurs in Dollar ca. 9 mal so hoch, wie Ende 2010. In Euro sogar noch mehr. D.h. die Leute, die damals investiert haben, können mir den dicken Finger zeigen. Irgendwie fühle ich mich hier an die New Economy erinnert...

Und hier noch die Zahlen von SolarCity, der "Perle", welche Tesla bis Ende des Jahres für 2,6 Mrd. Dollar in Tesla-Aktien übernehmen will:

Sieht meiner Meinung nach nicht viel besser aus. Vor allem, wenn ich auf die Schulden schaue (Abschnitt 5. Indebtedness im letzten 10Q), für die ja dann rein theoretisch Tesla verantwortlich ist, kann einem Angst und Bange werden. Vielleicht haben die Kollegen ja 2 Grundrechenarten verwechselt (Addition mit Multiplikation). Die Multiplikation von 2 negativen Zahlen (Tesla-Verluste und SolarCity-Verluste) würde eine positive Zahl ergeben, die Addition nicht! Vergleicht man Geschäftszahlen von SolarCity und First Solar (der Nr. 1 im Solarmarkt USA), so hätte eine Übernahme von FirstSolar mehr Sinn gemacht. Die erwirtschaften nämlich bei knapp 4 Mrd. Umsatz in den letzten 12 Monaten einen Gewinn von knapp 800 Mio. (OK, der Cashflow ist nicht so hoch) und sind schuldenfrei (1.8 Mrd. CCE, 1.8 Mrd. Total Liabilities). Zugegeben: Die haben eine höhere Marktkapitalisierung (4.8 Mrd.), aber der Enterprise Value liegt mit 2,9 Mrd. wesentlich unter dem von SolarCity (Note to myself: FirstSolar mal anschauen). Aber an denen hält Elon Musk, der Tesla-CEO, auch keine >20 %-Beteiligung und seine Verwandten sind dort auch nicht im operativen Geschäft tätig. Ein Schelm, der böses dabei denkt :-) Mit überbewerteten Aktien für Übernahmen zu bezahlen, ist allerdings auch nicht der schlechteste Schritt. Die Zukunft wird zeigen, wie es ausgeht. Kann ja durchaus auch gut gehen. Da pro SolarCity-Aktie 0,11 Tesla-Aktien bezahlt werden und Tesla keine eigenen Aktien (treasury shares) besitzt, würden das bei ca. 98 Mio. ausstehenden SolarCity-Aktien ca. 10,8 Mio. neue Aktien Tesla-Aktien bedeuten. Da zuletzt ca. 140m Aktien ausstanden, sind es demnächst ca. 150m.

Das Apple der Automobilindustrie?
Zum oftmals aufgeführten Vergleich mit Apple: Natürlich gibt es gewisse Parallelen (Innovationen; charismatischer, aber charakterlich schwieriger CEO; massig Fanboys), aber auch einige Sachen, die nicht wie bei Apple sind/waren (Apple hat auch vor dem iPhone schon Gewinne gemacht bzw. eine starke Bilanz; ein Auto ist nun mal wesentlich teurer, als ein Smartphone). Daher kann man Tesla zwar mit Apple vergleichen, was aber nicht heißt, dass das Ergebnis (=der Geschäftserfolg) dem von Apple gleicht oder zukünftig gleichen wird.

Bewertung:
Ich persönlich investiere nicht in Tesla, da ich mein erwartetes Return on Investment nicht bestimmen kann. Ich habe keine Ahnung, welche Gewinne und welcher Free Cashflow in Zukunft erwirtschaftet werden könnten. Da gibt es einfach zu viele Variablen. Normalerweise würde ich sagen, dass ich einem Unternehmen der Automobilbranche einen KGV von maximal 10 zugestehe. D.h. bei der aktuellen Bewertung müsste Tesla 3 Mrd. Gewinn machen, damit ich es kaufe. Evlt. auch weniger, wenn das Wachstum stimmt. Die Bestandswertmethode (nach Bilanzpositionen vorgehen) macht hier keinen Sinn. Und nur mit Kurs-Umsatz-Verhältnissen zu hantieren, ist nicht meine Sache. Dr. Damodaran hat sich hier zwar herangetraut, aber der macht den ganzen Tag nichts anderes und ist auch wesentlich erfahrener, was Bewertungen angeht. Zusätzlich gab es zuletzt einiges an schlechter Presse (Autopilot-Thematik, lange Wartezeiten nach Bestellung, Übernahme von SolarCity gefällt nicht jedem). Zur Finanzierung der aktuellen Aktivitäten (Model 3-Einführung irgendwann mal, Ausbau der Produktionskapazitäten + Giga Factory, Übernahme von SolarCity) erwarte ich in den nächsten Monaten/Jahren eine weitere Verwässerung der Aktienanzahl durch Kapitalerhöhungen bzw. Ausgabe von Aktien. Aus dem laufenden Geschäft kommen die Gelder im Moment nicht und auch eine Finanzierung mit Fremdkapital (Kredite, Anleihen...) ist meiner Meinung nach zu riskant (für Geldgeber) oder zu teuer (für Tesla). Siehe hierzu auch Abschnitt 'Convertible Senior Notes Carrying Value and Interest Expense' im jeweiligen 10k. Und die Schulden von SolarCity kommen ja dann irgendwann auch noch hinzu und müssen bedient werden. Ein Blick auf die Optionen (Abschnitt 'Equity Incentive Plans') zeigt, dass Ende 2015 auch noch 20 Mio. Optionen mit einem Durchschnittspreis von rund 46 $ ausstehend waren. Das könnte also auch noch teuer werden, wenn der Kurs so hoch bleibt, und zusätzlich die Verwässerung vorantreiben...

Fazit:
Ich bin persönlich für Elektrofahrzeuge und werde irgendwann in Zukunft mit großer Sicherheit auch eins fahren. Wäre das Model S (und v.a. das Model X) nicht so teuer (> 60.000 €), würde ich mir gerne eins kaufen. Die Bilder des Model 3 sehen vielversprechend aus und ich bin am Ende auf den Preis gespannt, wenn es denn mal auf den Markt kommt. Da das Geld bei mir den größten Einfluss auf den Autokauf hat und die Ist-Situation der E-Fahrzeuge (Ladeinfrastruktur, Reichweiten, Batterietechnik) mich im Moment noch abschreckt, bleibe ich bei meinem aktuellen Fahrzeug. Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht. Und so geht es meiner Ansicht nach vielen... Zum Thema Elektroautos gibt es übrigens 2 sehenswerte Dokumentationen, die das Dilemma der Branche ganz gut aufzeigen: 'Who Killed the Electric Car?' und dessen Nachfolger 'Revenge of the Electric Car'. Teil 2 machte zwar Hoffnung, 5 Jahre später zeigt sich aber, dass es doch nicht so schnell vorwärts ging, wie erhofft.

Zu Tesla als Investment: Viel Glück allen Investierten. Wer vor einigen Jahren eingestiegen ist und bis jetzt durchgehalten hat, hat wohl alles richtig gemacht. Die Frage ist, wer von diesen Investoren diesen Investmenterfolg auch wiederholen könnte? Elon Musk hat auf jeden Fall im Frühjahr mal locker flockig ca. 2,8 Mio. Aktien im Wert von knapp 600 Mio. $ veräußert. Von irgendwas muss man ja leben :-) Wenn ich Leerverkäufe machen würde, wäre das ein Kandidat für mich, denn im Moment schätze ich die Warscheinlichkeit auf niedrigere Kurse wesentlich größer ein, als auf höhere Kurse. Obwohl: Man weiß bei solchen Unternehmen nie, wer um die Ecke kommt und sagt 'Dadd will isch haben'. Vielleicht bin ich irgendwann auch dabei, wenn Gewinne erwirtschaftet werden oder aber die Bilanz besser ausschaut. So sage ich im Moment aber eher 'Isch möschte nicht'.

Kurzer Hinweis zum Schluss: Dies ist meine Meinung. Ich habe mich durch einige Geschäftsberichte gearbeitet und selbst Kennzahlen berechnet. Dabei können natürlich Fehler passiert sein (etwas übersehen/falsch interpretiert). Daher also unbedingt selbst nachschauen/rechnen, bevor ihr irgendwas macht!

Mittwoch, 3. August 2016

Accenture (ACN) - Unternehmensanalyse durch einen Alumni

Accenture (ACN) - Unternehmensanalyse durch einen Alumni

Nachdem ich mir vor kurzem einmal einen Überblick über IT-Beratungsunternehmen im Allgemeinen (hier) und Infosys im Speziellen (hier) verschafft habe, war es nun an der Zeit, mir meinen alten Arbeitgeber Accenture anzuschauen.

Zum Unternehmen:
Accenture selbst ist 2001 offiziell 'entstanden'. Der Name selbst steht für 'accent on the future'. Weltweiter Hauptsitz des Unternehmens ist Dublin in Irland, der Deutschlandsitz ist in Kronberg bei Frankfurt (Main). Genau wie Infosys ist man weltweit im IT-Beratungsgeschäft unterwegs. D.h. es geht um Neuentwicklung von Software, Einführung von Standardsoftware, Optimierung von IT-Umgebungen, Projektmanagement und Outsourcing. Accenture hat mehr als 375.000 Mitarbeiter, davon knapp 1/4 in Indien.

Persönlicher Bezug:
Ich war insgesamt 4 Jahre für ATS (Accenture Technology Solutions - quasi die Techies) tätig und habe diese Zeit durchaus noch in positiver Erinnerung. Im Bezug auf die Tätigkeit als IT-Berater gibt es meiner Meinung nach im Anschluss an Ausbildung oder Studium für ungebundene, fähige und flexible Absolventen nichts besseres, als über ein Beratungsunternehmen erste Erfahrungen in der Arbeitswelt zu sammeln. Ich persönlich möchte dieses auf keinen Fall missen, da ich zu der Zeit viele nette und fähige Leute kennengelernt habe, die teilweise jetzt immer noch für das Unternehmen tätig sind. Zusätzlich hatte ich durch Accenture auch die Möglichkeit, in Wien tätig zu sein, einer der meiner Meinung nach lebenswertesten Städte der Welt. Ein Bekannter von mir war in Australien, wieder ein anderer in Singapur, der nächste in Irland. Man kommt also gut rum, wenn man möchte und sich nicht zu dumm anstellt. Kleiner Hinweis zum Abschluss diese Abschnittes: ich wurde nicht genötigt, dies zu schreiben und bekomme kein Geld dafür. Es ist meine eigene ehrliche Meinung :-)

Hier einmal die Übersicht über ausgewählte Geschäftszahlen der letzten 10 Jahre inkl. den Zahlen des letzten 10Q zum 3. Quartal des aktuellen Geschäftsjahres:

Pep Guardiola würde dazu wahrscheinlich sagen: 'Dasse sinde super, super Zahlen'. Es gibt ein stetiges Wachstum bei Umsatz und mit Einschänkung beim Nettogewinn + Free Cashflow bei insgesamt konstant hohen Renditen. Von den Kennzahlen her gesehen, wäre Ende 2008/Anfang 2009 (kurz nach Lehmann) wie bei vielen anderen Unternehmen auch ein guter Zeitpunkt für einen Einstieg gewesen.

Hier mal das zugehörige Chart (in €):

Wie man erkennen kann, sind sie seit 2009 ganz gut ohne mich zurecht gekommen und somit offensichtlich nicht von einzelnen Mitarbeitern abhängig :-)

Was gefällt mir:

  1. Durchgehend sehr profitabel. Extrem hohe Eigenkapitalrendite (war nie kleiner 47 %).
  2. Keine Abhängigkeit von einzelnen Kunden gegeben. Zusätzlich gibt es einen gesunden Branchenmix im Bezug auf den Umsatz (Zahlen aus letztem 10Q für erste 9 Monate 2016): 4.9 Mrd. Communications, Media & Technology, 5.2 Mrd. Financial Services, 4.4 Mrd. Health & Public Service, 6.1 Mrd. Products, 3.6 Mrd. Resources
  3. Durchgehend schuldenfrei. Ohne Schulden lässt es sich einfach freier agieren.
  4. Tragfähiges und zukunftsträchtiges Geschäftsmodell. Viele Leute sind intern damit beschäftigt, neue Trends zu finden und frühzeitig zu bedienen. Zusätzlich gibt es viele langfristige Verträge und v.a. durch das Outsourcing eine hohe Abhängigkeit. Es dürfte relativ wenige Unternehmen geben, die nach dem Outsourcing wieder ein Insourcing durchführen.
  5. Manpower: Durch die große Anzahl an Mitarbeitern kann man auch große Projekte stemmen oder Angebote dafür abgeben. Im Falle von Problemen gibt es meiner Meinung nach immer genug Nachwuchs, der auch intern schnell geschult werden kann. Ich erinnere mich hier nur an meine eigene Schulung zum Thema Cobol für mein damaliges Wien-Projekt. Dort wurden wir innerhalb weniger Wochen in Vollzeit fit gemacht für diese Programmiersprache. Solche Fortbildungen kosten normalerweise mehrere tausend Euro (weiß ich als Freelancer aus eigener Erfahrung). Dort wurde man noch dafür bezahlt...
  6. Hohe Auslastung: Die Utilization liegt bei 91 %. D.h. wenn man Urlaub und Krankheit mit einrechnet, liegt mehr oder weniger Vollbeschäftigung der Mitarbeiter vor. Sehr viel mehr geht meiner Meinung nach nicht. Bei Infosys liegt sie mit 75-80 % ein ganzes Stück darunter. Je höher die Utilization, desto weniger Mitarbeiter sitzen auf der Bank, ohne Umsatz zu generieren.
  7. Performance Reviews wurden wohl abgeschafft. Da ich sie selbst nicht mochte - auch wenn ich immer gut abgeschnitten habe und in jedem der 4 Jahre dort aufgestiegen bin - dürfte sich dadurch die Mitarbeitermotivation durchaus erhöhen und zusätzlich kann die Zeit (v.a. für Vorgesetzte) ggf. besser genutzt werden. Diese müssen sich im Bezug auf die jeweils zugeordneten Mitarbeiter, die sie teilweise kaum sehen, weniger aus den Fingern saugen, nur um den Prozess zu befriedigen. Das finde ich als Freelancer im Moment ganz angenehm. Da ist man nur sich selbst Rechenschaft schuldig. Wenn man schlecht ist, bekommt man einfach keinen Folgeauftrag und die Sache ist gegessen.
  8. Free Cashflow meistens > Nettogewinn.
  9. Ich hätte gedacht, dass sie konjunkturabhängiger wären. 2008/2009 wurde relativ locker weggesteckt. Hier ist es wahrscheinlich vorteilhaft, in einem wenig kapitalintensiven Bereich tätig zu sein und viele junge Absolventen zu engagieren, die noch nicht so verwöhnt sind. Ein Berater braucht im Endeffekt nur einen Rechner und ein Smartphone und Reisekosten fallen nur an, wenn der Berater auch auf dem Projekt ist.
  10. Es wird gut Kontakt zu ehemaligen Mitarbeitern gehalten über 'Alumni'-Programme. Das ist dahingehend wichtig, dass ehemalige Mitarbeiter bei anderen Unternehmen immer auch potentielle Neukunden sein können. Ich kenne ein paar Fälle, in denen ehemalige Mitarbeiter ins mittlere Management anderer Unternehmen gewechselt sind und später Accenture-Mitarbeiter auf Projekten eingesetzt wurden. Einfach weil man diese und die Unternehmenskultur kannte. Das ist aber wahrscheinlich bei anderen Unternehmen das gleiche...
  11. Starkes Dividendenwachstum. Mit der aktuellen (und in Zukunft wahrscheinlich weiter steigenden) Dividende hätte man bezogen auf den Kurs vor 10 Jahren eine Rendite von knapp 7 %. Bezogen auf den aktuellen Kurs liegt die Rendite bei ca. 2 %. Wäre also ein gutes Anwendungsbeispiel für Investoren, die sich auf Dividendeneinkommen spezialisieren.

Was gefällt mir nicht:

  1. Meiner Meinung nach gibt es wenige Alleinstellungsmerkmale in der Branche. Ich könnte nicht direkt sagen, was Accenture besser macht, als TCS, Infosys, Cap Gemini oder HP...
  2. Das Upper Management nimmt Aktienoptionen gerne an und löst sie ein. Allerdings verkaufen sie nur Aktien. Selbst gekauft (auf offenem Markt) wird offenbar nichts. Quelle: hier.
  3. Es gibt zwar einen Cashberg von über 3,5 Mrd. Dollar, der allerdings nicht wirklich genutzt werden kann, da immer genug Kapital für schlechte Zeiten bereit stehen muss bzw. für die Personalrückstellungen (ausstehende Urlaube und Überstunden -> immerhin 3,4 Mrd. zuletzt)
  4. Nicht wirklich günstig mit EV/EBIT von knapp 16 oder KGV von rund 18 (Zahlen bei Infosys leider ähnlich hoch).
  5. In letzten Jahren eher schleppendes Umsatzwachstum. Auf ersten Blick exzellentes Gewinnwachstum in diesem Geschäftsjahr v.a. durch den Verkauf von Navitaire (554m Pretax-Gewinn) zustande gekommen und somit eher einmalig. Wenn man zusätzlich in diesem Zusammenhang liest, dass z.B. Infosys ihren Umsatz bis 2020 um ca. 70 % auf 20 Mrd. steigern möchte, kann man auch sehen, dass es starke Konkurrenz gibt.
  6. Stark anwachsender Goodwill durch v.a. anorganisches Wachstum.
  7. Recht überschaubares Handelsvolumen an deutschen Börsen
  8. 3 verschiedene Aktiengattungen verwirren
  9. Evtl. bald neuer CEO durch Krebserkrankung des aktuellen CEO Pierre Nanterme?
  10. Evtl. fallen irgendwann mal Steuervorteile in Irland weg (aktuell nur rund 25 %)?

Fazit:
Im Nachhinein ärgere ich mich ein wenig, dass ich das Potential des Unternehmens im Bezug auf die Geschätsentwicklung (und damit einhergehende Aktienkursentwicklung) nicht erkannt habe. Die Aktien, die ich bereits vor der Finanzkrise verkauft habe (KGV 20 fand ich damals zu hoch), wären mittlerweile das 4-fache wert. Ein Investment würde ich aufgrund der hohen Bewertung und meiner Meinung nach eingeschränkten Wachstumsaussichten im Moment nicht durchführen, sondern darauf warten, dass die Kennzahlen einmal signifikant unter die langjährigen Mittelwerte fallen - wie es z.B. in 2008/2009 der Fall war. Ich habe im Moment keine Aktien und plane auch nicht, demnächst welche zu kaufen.

Samstag, 30. Juli 2016

Wucher als Geschäftsmodell: Credit Acceptance Corp (CACC) und Nicholas Financial Inc (NICK)

Wucher als Geschäftsmodell: Credit Acceptance Corp (CACC) und Nicholas Financial Inc (NICK)

Heute wollte ich einmal die Zeit nutzen, 2 alternative Unternehmen aus der Finanzbranche zu analysieren. Das eine ist Credit Acceptance Corp (CACC) und das andere Nicholas Financial Inc (NICK). Das erstgenannte war mir schon länger bekannt, da ich es in der Vergangenheit schon einmal in EasyWISA gesehen hatte. Dort war es mir durch seinen kontinuierlichen Umsatz- und Gewinnwachstum in Verbindung mit durchgehend hohen Eigenkapitalrenditen aufgefallen. Ich beschäftigte mich allerdings nicht weiter damit, da ich bisher um Finanzunternehmen einen großen Bogen gemacht habe (Kompetenzlücke bei mir im Bezug auf die Analyse der Bilanzen solcher Unternehmen). Später las ich erneut über CACC, da es einer der Top-Performer im Portfolio des Value Investors Robert Vinall von RV Capital war und noch ist. Nicholas Financial war mir hingegen neu und auf den ersten Blick interessant (einstelliges Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kurs-Buchwert-Verhältnis < 1).

vs.

Zum Geschäftsmodell:
Aus eigener Erfahrung werden die meisten Leute wissen, dass es manchmal recht schwierig sein kann, auf gewöhnlichem Weg eine Finanzierung für einen Gebrauchtwagen zu bekommen. Dies ist auch in den USA so. Dort brauchen Menschen in den meisten Fällen durch der größeren Entfernungen und des schlechter ausgebauten Nahverkehrs noch mehr ein Auto, als hier. Doch nicht jeder kann sich einen Neuwagen leisten und auch Gebrauchtwagenfinanzierungen übernehmen nicht alle Kreditinstitute. Zusätzlich ist es so, dass viele Menschen durch Fehler der Vergangenheit (Rechnungen nicht bezahlt, Gefängnisaufenthalt), Arbeitslosigkeit oder sonstiges einfach in eine Situation kommen, in der sie für normale Kreditgeber zu risikobehaftet sind (Stichwort SubPrime). An dieser Stelle kommen alternative Finanzunternehmen wie CACC oder NICK ins Spiel. Automobilhändler verkaufen das Auto für Preis X und vermitteln quasi die Finanzierung. Der Finanzierungsvertrag wird dann mit entsprechendem Abschlag zum Kaufpreis vom Finanzdienstleister abgeschlossen oder übernommen, der Händler bekommt einen Großteil des Kaufpreises direkt und der Kunde sein Auto. Der Kunde muss nun über einen bestimmten Zeitraum den Kredit abbezahlen und der Finanzdienstleister steckt die Differenz zwischen seinen Kosten und den erhaltenen Zahlungen als Gewinn ein.

Eine altbekannte Weisheit bei der Kreditvergabe ist: Höheres Risiko = Höhere Zinsen. Bei CACC und NICK liegen die berechneten Zinsen bei durchschnittlich 25%. Ihr habt richtig gelesen: 25%. Als ich noch Patrizier gespielt habe, musste ich für kleinere Zinsen Strafen bezahlen, weil es Wucher war. Es ist allerdings so, dass die meisten amerikanischen Bundesstaaten dies zulassen. Einige haben keinerlei Beschränkungen bei Zinshöchstsätzen, andere legen diese bei 18 % fest (das 10K von NICK ist an dieser Stelle ganz interessant). Natürlich darf man hier auch moralische Bedenken haben. Aber was wäre die Alternative für die betroffenen Personen? Ohne Auto keine Arbeit oder Fortbildung? Wenn Unterhaltungselektronik, Urlaub oder ähnliches auf Pump mit solchen Zinssätzen gekauft wird, würde ich sagen, dass das nicht in Ordnung ist. Hier wäre ich aber nicht ganz so streng.

Vergleich ausgewählter Geschäftszahlen:

Wie man schön erkennen kann, ist CACC wesentlich größer (Marktkapitalisierung 3,8 Mrd $) als NICK (MK 83m $) und kann langfristig gesehen ein besseres Wachstum vorweisen. Auch die Renditen sind sehr viel höher und bei NICK in den letzten Jahren eher gesunken. Durch Aktienrückkäufe hat sich die Anzahl Aktien bei CACC seit 2005 fast halbiert.

Vergleich der Chartverläufe:

Beide Unternehmen haben im Zuge der Finanzkrise einiges an Wert eingebüßt. Allerdings waren zu meinem Erstaunen beide auch während der Finanzkrise profitabel und teilweise extrem günstig zu bekommen (mittlere einstellige KGVs). Für CACC war der von mir gefundene Tiefstkurs 2008 bei 10.59 $ bei einem Gewinn/Aktie von damals 2,22 $. Bei NICK war der Tiefstkurs bei 1,80 $ wobei 2009 ein Gewinn von 0,45 $ anfiel.

Was gefällt mir?
An NICK zunächst einmal die Bewertung. KGV von knapp 7 und KBV von 0,8 sind für ein Unternehmen in diesem Bereich ganz in Ordnung. Das Geschäftsmodell ist relativ einfach verständlich und die Geschäftsberichte sehr informativ. Bei der Kreditvergabe gehen sie immer noch recht vorsichtig an die Sache ran. Die Kunden werden z.B. verpflichtet, eine Versicherung abzuschließen, bei der NICK den im Falle eines Unfalls den Zeitwert ersetzt bekommt. Die EK-Rendite ist in Ordnung und rein theoretisch ist auch noch viel Platz zum Wachstum, da sie bisher nur in 18 der 50 Staaten aktiv sind.

An CACC gefällt mir, dass sie statt Dividenden zu zahlen kontinuierlich Aktien zurückkaufen. Dies ist sicherlich auch einer der Gründe, warum die Performance so gut aussieht. Das Wachstum bei Umsatz und Nettogewinn ist die Kontinuität schlechthin. Auch durch die Finanzkrise sind sie - wie auch NICK - recht unbeschadet gekommen. Insider halten einen großen Teil der Aktien (Aufsichtsrat Donald Foss hat z.B. 3,9m Aktien (also fast 20 %), der CEO hat knapp 255' Aktien). Die EK-Rendite liegt beständig über 30 % und die GK-Rendite über 10%. Und das offensichtlich fast nur organisches Wachstum, da kein Goodwill in der Bilanz steht.

Was gefällt mir nicht?
Alles, was mit SubPrime zu tun hat, hat meiner Meinung nach erst einmal ein schlechtes Image. Zusätzlich ist die Branche wohl hart umkämpft und es gibt viele auch kleinere Marktteilnehmer, welche mit den Automobilhändlern zusammenarbeiten. Dauerhaft hohe Renditen, wie sie CACC erwirtschaftet, ziehen natürlich auch Nachahmer an, wie das Licht die Motten. Ich sage nur EM-Finale und Stade de France. Je mehr Teilnehmer es gibt, desto geringer sind am Ende die Abschläge, die man mit den Autohändlern ausmachen kann. Da der Gewinn unterm Strich auch davon abhängt, wieviel man selbst für sein Fremndkapital zu zahlen hat (über Kredite, Anleihen etc.), ist das ganze Geschäft natürlich auch recht zinssensitiv. D.h. sollte die FED mal Zinsen stark erhöhen, dürften hier die Margen kleiner werden. Aber evtl. wäre das auch die Chance für eine Marktbereinigung... Aktuell zahlen beide Unternehmen durchschnittlich 4 - 4,5 % an Zinsen. Bei den genannten Zinssätzen, die von den Kunden verlangt werden dürfen, gibt es natürlich auch regulatorische Risiken. D.h. wenn bestimmte Bundesstaaten die Höchstzinssätze absenken, ist das natürlich für das Neugeschäft nicht mehr so gut. Wie 2008/2009 gezeigt hat, ist die Branche anscheinend weniger konjunkturabhängig, wie man meint. Das würde sich auch mit meinen Beobachtungen decken, bei der die Probleme des Automobilmarktes zu dieser Zeit eher aus dem weggebrochenen Neuwagengeschäft kam, als aus dem Gebrauchtwagengeschäft.

Bei NICK ist mir der Anfang letzten Jahres durchgeführte Aktienrückkauf negativ aufgefallen. Damals wurden per tender offer 4,7m Aktien zu 14,85$ gekauft. Auch einige Großanteilseigner haben sich dabei von vielen Aktien getrennt. Das ganze wurde auch noch per Kredit finanziert, so dass die aktuelle Kreditlinie von 225m $ fast mit 70m $ belastet wurde und somit nicht für das eigentliche Geschäft genutzt werden kann. Wenn man sich den aktuellen Kurs anschaut, der über 30 % niedriger liegt, kann man hier sicherlich nicht von oportunistischen Rückkäufen sprechen. Das einzig positive daran: man hat das Ganze nicht mitgemacht und könnte von der jetzigen Situation profitieren. Die Insiderbeteiligung hier ist recht überschaubar und die Gewinnverläufe der letzten Jahre eher schlecht. Der niedrige KGV muss aber auch irgendwoher kommen. NICK selbst wird wohl - genau wie CASS - nicht in Deutschland gehandelt, sondern nur an der NASDAQ. Die Tagesumsätze von 15-20' sind bei NICK auch nicht so der Burner.

Bei CACC ist mir eigentlich nur aufgefallen, dass sie für ein Finanzunternehmen einen sehr hohen KBV haben (3,8) und dass sie einiges mehr an Gerichtsprozessen im 10k aufführen, ohne konkrete Zahlen zu nennen, mit welchen Strafen man rechnen könnte. Das KGV ist aufgrund des starken Wachstums und der konstant hohen EK-Rendite meiner Meinung nach in Ordnung und auch gerechtfertigt. Vorteil: sie sind jetzt wesentlich günstiger, als vor knapp einem Jahr, als man über 270 $ für eine Aktie bezahlen musste.

Fazit:
Im Moment kaufe ich keins. Langfristig gesehen würde ich mich für CACC entscheiden, wenn ich müsste (sehr gutes Unternehmen für einen soliden Preis). Das Unternehmen kommt auf jeden Fall einmal auf die Watchlist. Bei NICK bin ich operativ nicht ganz so begeistert, wie bei CACC. Hier würde ich allerdings v.a. aufgrund des niedrigen KGV und des KBV von 0,8 ein 20-30%tiges Potential sehen (KGV 10 bzw. KBV 1). Durch seine Bewertung könnte es evtl. auch ein nettes Übernahmeziel sein (z.B. für CACC?). Somit kommt auch NICK auf die watchlist und wird dann evtl. irgendwann für den Schnäppchenjäger-Teil meines Portfolios gekauft.

Dienstag, 26. Juli 2016

Infosys (INFY) - IT-Beratung auf Indisch

Infosys (INFY) - IT-Beratung auf Indisch

Nachdem ich im letzten Artikel allgemein auf IT-Beratungsunternehmen eingegangen war, befasse ich mich diesmal mit einem konkreten Unternehmen aus der Liste: Infosys Limited.

Es handelt sich dabei um ein indisches Unternehmen, welches 1981 gegründet wurde. Mir persönlich war es seit ca. 2007 bekannt. Ich kann mich diesbezüglich ganz gut an eine Aussage vom ehemaligen ATS (Accenture Technology Solutions)-Chef Tönnies von Donop erinnern, der damals auf einem ATS-Meeting sinngemäß sagte, dass Infosys zukünftig einer der Hauptmitbewerber von Accenture sein würde. Im Nachhinein gesehen hat er damit durchaus Recht gehabt.

IT-Beratungsunternehmen bieten Dienstleistungen an, welche ich in folgende Teilbereiche einteilen würde:

  • Beratung (Projektplanung und Projektdurchführung, "Rettung" schlecht laufender Projekte, Buzzword-Bingo (SOA, Agile Development, Cloud))
  • Softwareentwicklung (Erstellung neuer Systeme; oft Ablösung alter Systeme) in Gänze inkl. Planung, Anforderungsanalyse, Konzepterstellung, Implementierung, Testing, Datenmigration und anschließend auch Betrieb und Wartung
  • Einführung von Standardsoftware (z.B. SAP, Microsoft Office) inkl. Integration in bestehende Infrastrukturen
  • Outsourcing (v.a. Administration der Infrastruktur wie Applikationsserver, Datenbanken, Virtualisierungslösungen)

Kunden von IT-Beratungsunternehmen greifen auf deren Dienstleistungen aus den unterschiedlichsten Gründen zurück. Allen voran geht es natürlich um Kostenersparnisse im Zuge von Fixkostenreduzierungen (Einsparung oder Reduktion eigener IT-Abteilungen). In vielen Fällen fehlt aber auch das Know How im Unternehmen oder einfach die Manpower. Wer schon einmal versucht hat, zeitnah mehr als 20 erfahrene und fähige Mitarbeiter im IT-Bereich zusammenzubekommen, wird wissen, wovon ich rede.

Zurück zu Infosys: Infosys wächst seit jeher kontinuierlich was Umsatz, Gewinn, Bilanzsposten und Anzahl Mitarbeiter angeht. Die Renditen sind sehr gut (EK-Rendite kontinuierlich > 20 %, genau wie die Nettorendite), sind im Laufe der Zeit mit dem Wachstum aber auch schlechter geworden. Es ist anzunehmen, dass sich dieser Trend fortsetzt, da man im Zuge des angestrebten Umsatzwachstums und Preiskampfes mit Mitbewerbern wohl auch Aufträge mit niedrigeren Margen annehmen wird.

Geografisch gesehen wurden über die Jahre gesehen 60-70 % der Umsätze in den USA gemacht, 20-25 % in Europa, nur ca. 2,5 % in Indien selbst und ca. 12 % im Rest der Welt. Es ist also eine geschickte Nutzung von lokal verfügbaren IT-Spezialisten für internationale Dienstleistungen. Ca. 27 % der Umsätze werden bei Finanzdienstleistern gemacht, 22 % bei Erzeugern, 16 % im Handel, 13 % im Gesundheitswesen, 11 % in der Industrie und 8 % im High Tech Bereich. D.h. auch von den Branchen her ist man einigermaßen diversifiziert. Bei der starken Abhängigkeit vom Finanzsektor war es für mich trotzdem erstaunlich, wie gut Infosys durch die Finanzkrise gekommen ist. Indien-typisch gibt es im Unternehmen eine relativ hohe Fluktuationsrate (auch attrition rate genannt). Diese liegt bei knapp 15 %, lag aber in der Vergangenheit schon wesentlich höher (um die 20 %). Teilweise ist diese Attrition gewollt und wird gezielt genutzt, um preiswerten Nachwuchs zu generieren. Schädlich wird das ganze nur, wenn nicht - wie gewollt - die Mitarbeiter mit niedriger Produktivität das Unternehmen verlassen, sondern die mit höherer. Dass die hohe Attrition Rate ein großes Problem darstellt, hat der aktuelle CEO Vishal Sikka, ein ehemaliger SAP-Topmanager, erkannt und wohl auch die Behebung dieses Problems direkt nach Amtsantritt angegangen.

Was gefällt mir?

  1. Gute Wachstumshistorie gepaart mit meiner Meinung nach sehr guten Margen.
  2. Schuldenfreiheit
  3. Ambitionierte Wachstumsziele. Für 2020 streben die Kollegen einen Umsatz von 20 Mrd. Dollar an, was quasi einer Verdopplung in den nächsten 4-5 Jahren entspricht. Siehe hier
  4. Der aktuelle CEO scheint mir fähig zu sein und geht Probleme offensiv an.
  5. Informative Webseite und Geschäftsberichte.
  6. Bisher überschaubare 'echte' Verwässerung bei der Anzahl der Aktien. Es wurden allerdings auch keine opportunistischen Aktienrückkäufe durchgeführt.
  7. Relativ geringe Abhängigkeit von einzelnen Kunden. Der TOP-Kunde bringt 3,6 % Umsatz und die TOP 5 13,8 %. Insgesamt über 1000 Kunden.

Was gefällt mir nicht?

  1. Seit vielen Jahren Cashberg, der unproduktiv rumliegt. Wird ggf. für anorganisches Wachstum genutzt, wobei im aktuellen Marktumfeld evtl. zu viel gezahlt wird für Übernahmeziele.
  2. Evtl. zu ambitionierte Wachstumsziele (Umsatzverdopplung bis 2020 + Steigerung von Umsatz/Mitarbeiter von momentan knapp 50' auf knapp 80')
  3. Risiken durch Änderungen bei Visavergabe in den USA (denke nur mal an Trump-Rhetorik im Bezug auf Ausländer)
  4. Wettbewerbsvorteil (niedrige Lohnkosten bei sehr gut ausgebildeten Mitarbeitern) könnte ggf. durch steigenden Wohlstand in Indien irgendwann verschwinden, da durch Wohlstand auch die Lohnkosten steigen
  5. Free Cashflow meist wesentlich kleiner als Nettogewinne
  6. Ist immer noch indisches Unternehmen mit indischen Gesetzen. Indische Aktienkultur für mich schlecht einschätzbar.
  7. Mittlerweile nur noch geringe Insiderbeteiligung < 1 %.

Bewertung:
Auf Basis der letzten Zahlen und des aktuellen Kurses ergibt sich ein KGV von knapp 17 (cashbereinigt knapp 15). Das KFCF liegt mit etwa 23 wesentlich darüber. Diese Zahlen wären gerechtfertig, wenn das Unternehmen mit mind. 15-20 % pro Jahr wachsen würde. Die Wachstumsrate liegt aber im Moment ein ganzes Stück darunter und um das angestrebte Wachstum um erreichen, müsste man den Cashberg von aktuell knapp 4,5 Mrd. wohl ganz schön reduzieren. Nimmt man also einmal einen Umsatz von 16 statt 20 Mrd. für 2020 an und eine Nettomarge von 20% würde das dann einen Gewinn von 3,2 Mrd. ergeben. Mit meinem als fair angesehen KGV von 15 würde sich ein Zielunternehmenswert von 48 Mrd. in 2020 ergeben. Mit dem aktuellen Kurs liegt die Marktkapitalisierung bei knapp 40 Mrd. Eine Steigerung von 20 % in 4 Jahren wäre also nicht so der Burner.

Fazit:
Ein No-Brainer ist dieses Unternehmen auf keinen Fall. Die Sicherheitsmarge ist mir im Moment zu gering. Es ist ein sehr gutes Unternehmen, was im Moment nicht wirklich preiswert ist. Somit wandert es auf jeden Fall auf meine Watchlist, um periodisch nachzuschauen, wie es mit der 'Agenda 2020' vorwärts geht. Im Zuge der Analyse bin ich übrigens auf 4 weitere Mitbewerber gestoßen, von denen mir nicht bewusst war, dass sie so dick im Geschäft sind - Tata Consultancy Services (sehr interessant, noch bessere Kennzahlen, als Infosys mit dem großen Nachteil dass sie wohl nur in Indien handelbar ist), Wipro Ltd. (weiteres ind. Unternehmen mit ähnlichen Kennzahlen), Cognizant Technology Solutions (interessant) und Computer Sciences Corp (nicht ganz so interessant). Es gibt also jetzt 3 Unternehmen mehr auf meiner TODO-Liste.