Freitag, 2. März 2018

Dignity PLC - Darf man am Tod anderer Leute Geld verdienen?

Dignity PLC - Darf man am Tod anderer Leute Geld verdienen?

"In this world nothing can be said to be certain, except death and taxes." - Benjamin Franklin

Es gibt ja durchaus Branchen, bei denen jeder froh ist, dass es sie gibt. Man hofft zwar, dass man nur selten auf sie zurückgreifen muss und würde höchstwahrscheinlich nur ungern darin arbeiten müssen, aber wenn es mal notwendig ist, erwartet man auch eine professionelle Betreuung und bezahlt in den meisten Fällen auch einfach die aufgerufenen Preise. Die Bestattungsbranche ist eines dieser Geschäftsfelder, was ich mit solchen Charakteristika ausstatten würde.

Mit Bestattungsunternehmen hatte ich bisher eigentlich nur zwei Berührungspunkte. Der erste war die empfehlenswerte TV-Serie 'Six Feet Under - Gestorben wird immer' und der zweite war die Lektüre von Peter Lynchs 'One up on Wall Street'. Der nannte dort das Unternehmen SCI (Services Corporation International) als eines seiner Lieblingsunternehmen. Er schrieb u.a. dass, wenn man 1969 auf deren Dienstleistung zurückgegriffen hätte, welche zu der Zeit rund 980 $ kostete, und zeitgleich zum selben Preis Aktien des Unternehmens erstanden hätte, aus den 980 $ bis ins Jahr 1987 über 14.000 $ geworden wären. Keine schlechte Rendite für einen 18-Jahres-Zeitraum.

Im Kapitel 'There's something depressing about it' beschreibt er das Geschäftsmodell von SCI als 'Es werden lokale Vertreter der Branche aufgekauft und in die Firma intergriert + es werden Anzahlungen für zukünftige Bestattungen angenommen, welche dann - ähnlich dem Float bei Versicherungen - investiert werden können'. An diesem Geschäftsmodell scheint sich auch in den vergangenen Jahren nicht so viel geändert zu haben, wie ich jetzt bei der Analyse von Dignity PLC, einem britischen Unternehmen für Bestattungsdienstleistungen, erfahren konnte.

Zum Unternehmen:

Auf Dignity bin ich aufmerksam geworden, als bei GlobalStockPicking.com ein zugehöriger Artikel erschien. Der Blogging-Kollege, der eigentlich einen ganz guten TrackRecord in den vergangenen Jahren vorweisen kann, hatte sich - zumindest aus aktueller Sicht - einen nicht ganz optimalen Einstiegszeitpunkt ausgesucht. Kurz nach seinem Einstieg ging es mal locker flockig 50 % nach unten.

Dignity entstand 2002 durch ein Management Buyout beim bereits genannten großen amerikanischen Vertreter SCI. Sie sind selbst seit 2004 an der Börse und im FTSE 350 enthalten. Der aktuelle CEO Mike McCollum war auch Teil des Managementteams, welches damals den Buyout durchgeführt hat. Zuletzt waren sie Betreiber von knapp über 800 Bestattungsinstituten und etwa 45 Krematorien. Im UK gibt es ca. 5.500 Bestattungsinstitute und 280 Krematorien. Ihr Marktanteil ist also relativ hoch, auch wenn sie nach der nicht börsennotierten 'Co-operative Funeralcare' nur die Nr. 2 am britischen Markt sind. Beim Lesen ihres letzten Halbjahresberichtes musste ich bereits auf der ersten Seite ein wenig grinsen, denn es ist irgendwie durchaus makaber, Sätze wie "Following a very strong start to the year, with the number of deaths seven per cent higher than last year in the first quarter" lesen zu müssen.

In einem der Kommentare zum GlobalStockPicking-Artikel wurde auch ein Link zu einer interessanten Short-Thesis eingefügt. Interessant ist sie einerseits durch ihren Inhalt und andererseits durch den Fakt, dass sie auf der Seite 'Beyond.Life', veröffentlicht wurde, einem Preisvergleichsportal für Bestattungen. Hauptkritikpunkt an Dignity ist deren Preisgestaltung und deren profitmaximierendes Verkaufsprozedere, welches in vielen Fällen sowohl die ehemaligen Besitzer übernommener Bestattungsunternehmen als auch deren Mitarbeiter verschrecken. Es wurden in dem Report einige Fälle genannt, in denen die ehemaligen Besitzer und/oder deren Mitarbeiter im Anschluss daran in der gleichen Gegend neue Bestattungsunternehmen eröffneten und somit zu Konkurrenten wurden. Zusätzlich ist es wohl so, dass sie auf einzelne Institute bezogen an Effektivität/Auslastung verloren haben. Wurden 2005 noch knapp 129 Beerdigungen pro Jahr und Institut durchgeführt, ist diese Zahl zuletzt auf rund 87 gesunken. Dignity scheint die Zeichen der Zeit erkannt zu haben und wird im aktuellen Geschäftsjahr 2018 die Preise etwas anpassen. Was der Markt davon hält, kann man ganz gut am Chartbild sehen...

Chartbild 2004-2018:

Seit dem Börsengang kannte der Kurs grob gesagt eine Richtung: Nordost. Selbst durch die Krisenjahre 2008/2009 sind sie recht gut gekommen und in 2016 wurde der Höhepunkt erreicht, der knapp dem 12-fachen des Ausgabepreises entsprach. Aktuell befinden wir uns wieder auf dem Preisniveau von 2011. Allerdings muss man anmerken, dass es sind Situationen wie diese sind, für welche die Bezeichnung 'fallendes Messer' kreiert wurde. Ist somit nicht jedermanns Sache.

Geschäftszahlen 2007-2017:

Auf der Webseite von Dignity konnte ich leider nur die Geschäftszahlen von 2007 an finden, obwohl ich für meine Zusammenfassung/Analyse gerne die komplette Übersicht ab 2004 genutzt hätte. Nichtsdestotrotz kann man an den Zahlen der letzten 10 Jahre ganz gut erkennen, dass ein stetiges Wachstum vorliegt, welches allerdings mit dem Kursverlauf nicht ganz mithalten kann. In den letzten 10 Jahren hat sich der Umsatz nur etwa verdoppelt und auch unter dem Strich (beim Nettogewinn) gab es 'nur' eine Verdreifachung. Das ist insgesamt gesehen allerdings trotzdem relativ beeidruckend in einem doch eher alten Gewerbe.

Recht auffällig (wenn auch wenig erstaunlich, wenn man die Wachstumsstrategie anschaut) ist der hohe Goodwill-Bestand und die sehr hohe Verschuldung, bei der die 'Schulden' auf bereits angezahlte Bestattungen noch gar nicht mit eingerechnet sind. Die Schulden sind allerdings recht langläufig mit Fälligkeiten in 2034 und 2049. Von daher muss man hier v.a. die Zinszahlungen (aktuell mit Sätzen zwischen 3.5 % und 4.6 % p.a.) im Auge behalten. Das Eigenkapital war in einigen Jahren negativ und ist erst vor kurzem wieder ins Positive gerutscht. Das kenne ich so eigentlich nur aus Branchen, bei denen die Manager denken, dass sie es mit recht stabilen Geschäftsmodellen zu tun haben. Also z.B. wie bei Weight Watchers, bei denen ich mir übrigens gerade dachte 'WTF'. Hatte die eher so kurz vorm Abnippeln im Gedächtnis mit dem Verzweiflungseinstieg von Oprah Winfrey und jetzt stehen die bei ca. 65 USD. Verrückte Zeiten sind das aktuell an der Börse...

Werfen wir mal kurz einen Blick auf die Konkurrenz anhand eines aktuellen Screenshots einer meiner speziellen Gurufocus-Watchlisten:

Verglichen mit den US-Unternehmen der Branche ist Dignity aktuell relativ günstig, obwohl es mit den erwarteten Zahlen für 2017 die höchsten Renditen (ROA, Operative Marge) bietet. Die EK-Rendite kann man hier ignorieren, da dieser Wert durch ein relativ geringes Eigenkapital verzerrt ist. Einstellige Werte bei KGV und KFCF lesen sich erst einmal gut.

In Deutschland ist die Berliner AHORN AG das größte Bestattungsunternehmen. Es ist allerdings nicht börsennotiert, sondern zu 100 % im Besitz der IDEAL Beteiligungen GmbH. Laut Bundesanzeiger führten sie 2016 22.937 Bestattungsaufträge durch und hatten einen Marktanteil von 2,5 %. Der 2016er Nettogewinn lag bei 3.6 Mio. € bei 65 Mio. € Umsatz. Die Bilanzsumme betrug 33.3 Mio. und das Eigenkapital 10.4 Mio. €. D.h. renditemäßig muss sich die AHORN AG im internationalen Vergleich nicht verstecken.

Im UK gab es in 2016 rund 600' Todesfälle, von denen Dignity rund 98' Todesfälle betreute (direkt mit den Bestattungsunternehmen und indirekt, wenn sie nur die Verbrennung in den Krematorien durchführten). In Deutschland gibt es im Vergleich ca. 860' Tote im Jahr, Erdbestattungen machen rund 45.5 % und Feuerbestattungen 54.5 % aus. (Quelle: FAQs auf Bestatter.de). Hierzulande gibt es ca. 4000 Bestattungsunternehmen und man kann mit 2.800 bis 5000 € pro Bestattung rechnen. Auch hier gibt es mit der Webseite Bestatter-Preisvergleich ein entsprechendes Preisvergleichsportal, wobei man an deren Werbeaussage 'Seit 2008 wurden bereits 26.454 Anfragen eingestellt' bereits erkennen kann, dass der Service in dem Bereich bisher weniger Anklang findet, wie beispielsweise bei Handy-, Telefon-, Versicherungs- oder Stromverträgen. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass einerseits den Bestattungsunternehmen selbst an einer gewissen Preisintransparenz gelegen ist und zusätzlich Betroffene sowieso eher den lokalen Vertreter nutzen, unabhängig davon, ob es überregionale Anbieter mit günstigeren Konditionen gibt. Ähnliche Tendenzen sehe ich auch für andere Länder.

Am 29.01.2018 hat Dignity dann eine Art Gewinnwarnung herausgegeben. Für das abgelaufene Jahr dürfte sich das Ergebnis im Rahmen der Markterwartungen bewegt haben (näheres dazu gibt es in ein paar Tagen), aber gleichzeitig haben sie bekannt gegeben, dass sie ihre Preise für 'einfache Bestattungen' um 25 % senken werden (also wahrscheinlich für Urnenbestattungen) und dass sie die Preise für 'gehobene Bestattungen' vorerst auf dem aktuellen Niveau halten werden.

In 2017 wurden wohl 68.800 Beerdigungen innerhalb der Gruppe durchgeführt (in 2015 waren es noch 73.500). 60 % waren 'Full Service Funerals' mit einem durchschnittlichem Preis von £3.800, 7 % waren einfache Bestattungen zu durchschnittlich £2.700 und etwa 27 % vorangezahlte Bestattungen zu durchschnittlich £1.650. Den Rest machten Einfachstbestattungen aus (also z.B. von Sozialhilfempfängern ohne Angehörige) zu durchschnittlich £500. Bei allen diesen Varianten kommen immer noch rund £280 'ancillary revenues' hinzu. Ab 2018 werden die Preise für einfache Bestattungen auf £1.695 in Schottland und £1.995 (plus disbursements) in England und Wales gesenkt, wobei das Management annimmt, dass der Anteil dieser Variante dann von 7 % auf 20 % steigen wird.

Rechnet man das mal um, würde man bei einer gleichbleibenden Anzahl an Beerdigungen auf ca. 19.3 Mio. Ancilliary-Umsatz (68.800 mal £280), 26 Mio. Simple Funerals (20 % zu rund £1.900), 2 Mio Low Value (6 % zu £500), 30 Mio. Pre-Arranged (27 % zu £1.650) und 123 Mio. Full Service (47 % zu £3.800) kommen. Macht in Summe knapp 200 Mio. Umsatz bei gleichbleibenden Kosten. Oben drauf kommen noch ca. 70 Mio. von Krematorien und ca. 30 Mio. von Pre-Arranged-Funeral-Plans. Eigene Einschätzung der Lage durch das Management: 'This will lead to substantially lower profits in 2018.' Die Schätzung der Dignity-Analysten für den Gewinn/Aktie liegt aktuell bei rund 66 Pence, also nur rund der Hälfte des Wertes, mit dem die Kollegen im Short-Report gerechnet haben.

Was gefällt mir an Dignity:

  1. Obskure Branche. Dürfte also für viele Investoren unter dem Radar laufen bzw. etwas sein, bei dem sie sagen: 'Damit will ich lieber nix zu tun haben. Umweltverschmutzung durch Öl-, hungernde Bauern in Afrika und Kinderarbeit in Asien sind in Ordnung. Aber mit dem Tod Geld verdienen geht ja mal so was von gar nicht...'
  2. So schlimm es klingt, würden Bestattungsunternehmen von diversen Problemen der Menschheit profitieren. Ich nenne hier nur einmal Überbevölkerung, Seuchen und Terroranschläge. Gestorben wird immer... Sie selbst nennen in ihren Unterlagen eine Zahl von 700' Todesfällen in 2040.
  3. Durch die Krematorien profitieren sie auch von Bestattungen, die nicht durch eines ihrer Bestattungsunternehmen betreut werden. Diese hochmargigeren Umsätze sind nicht von der aktuellen Preissenkung betroffen.
  4. Die Dividendenrendite von knapp 3 % ist in Ordnung und im Bezug auf Quellensteuer sind UK-Unternehmen auch vorteilhafter, als z.B. Unternehmen aus Frankreich.
  5. Die Wachstumsstrategie hat in den letzten Jahrzehnten funktioniert (wenn man SCI mal mit in die Betrachtung einfließen lässt). Natürlich könnten Preisvergleichsportale oder Discount-Bestattungsunternehmen auch hier als Disruptoren angeführt werden, aber evtl. hat der Schuss vor den Bug, den sie jetzt bekommen haben, dazu geführt, ihre Strategie wieder in richtige Bahnen zu lenken.
  6. Die Rückzahlung der Schulden liegt noch in ferner Zukunft und die Cashflow-Generierung sah in den letzten Jahren ganz gut aus. Die Covenants scheinen sie einzuhalten (EBITDA muss mind. das 1.5-fache der Zinszahlungen sein).
  7. Von den börsennotierten Unternehmen der Branche, die ich finden konnte, sind sie auf die Kennzahlen bezogen mittlerweile am preiswertesten. Der Kursverfall von mehr als 70 % vom Peak hat Dignity von den Kennzahlen her gesehen relativ preiswert gemacht. Evtl. wäre es z.B. für SCI als größtem Unternehmen der Branche interessant, sie wieder 'einzugemeinden'. Das ist aber reine Spekulation. Bei der Bewertung in der Short-Thesis gehen sie von rückläufigen Umsätzen und Gewinnen und einem EPS von über 120 Pence aus. Die Analysten rechnen mit 66 cent. Die hatten aber vorher auch Kursziele von mehr als 2.500 Pence genannt mit Buy/Hold-Ratings. Von daher wird der Wert am Ende wohl eher so bei 80-90 liegen. Beim aktuellen Kurs von etwa 800 Pence würde sich ein KGV von 9-10 für 2018 ergeben. Vor allem im aktuellen Marktumfeld gibt es da durchaus teurere Unternehmen.
  8. Die in den Geschäftsberichten genannten Kundenzufriedenheitsstudien lesen sich sehr gut. Mit Quoten nahe der 100 % liegen sie dort, wo sie andere Unternehmen liebend gerne hätten. Allerdings muss man sich hier auch darüber bewusst sein, dass man keiner Statistik glauben sollte, die man nicht selbst gefälscht hat.
  9. Sehr informative Geschäftsberichte. Da habe ich schon schlimmeres gesehen. Wenn man sich teilweise die lächelnden Gesichter anschaut, könnte man glattweg denken, dass es ein Einrichtungskatalog ist...
  10. Der Brexit dürfte - selbst wenn er denn mal kommt - auf deren Geschäft nur begrenzt Auswirkungen haben.
  11. Die Bonuszahlungen des Managements sind abhängig vom TSR (Total Stock Return) im Vergleich zu anderen FTSE 350-Unternehmen und von EPS-Wachstumszielen. Hier dürfte es für 2018 eher mau aussehen. D.h. statt den knapp 2.3 Mio. für den CEO dürfte man eher so im Bereich von 1.2 Mio. an Gehaltszahlungen liegen. Im Bezug auf die Managementbezahlung habe ich durchaus schon schlimmeres gesehen. Bisher haben sie ja auch immer geliefert, muss man zugeben.

Was gefällt mir nicht an Dignity:

  1. Wenn man sich die Short-Thesis anschaut, gibt es durchaus einige Negativpunkte, die man nicht unter den Tisch kehren sollte. U.a. geringe Einstiegsbarrieren in das Geschäft, überhöhte Preise durch die einzelnen Tochterunternehmen von Dignity, ein fehlender Auftritt unter der Marke Dignity. Allerdings hat das Shorting funktioniert und mittlerweile haben sie bei Dignity auch ihre Strategie überdacht...
  2. Der Mix der Bestattungsvarianten wird sich wahrscheinlich in Zukunft auch so eher in Richtung der günstigeren Varianten (Feuerbestattungen) bewegen und weg von den Full-Service-Varianten mit aufgebahrtem Sarg etc. Die Abnehmende Wichtigkeit der Religion lässt sich daran evtl. auch ablesen.
  3. Es gab in den letzten Jahren nur eine geringe Insiderbeteiligung.
  4. Die Rückzahlung der Schulden liegt zwar noch in weiter Ferne, liegt aber in seiner Höhe mit dem knapp 10-fachen des FCF relativ hoch.
  5. Die Zwischenergebnisse (9-Monatsberichte) sind jetzt nicht wirklich aufschlussreich. Da wird zwar ein Umsatz genannt und ein 'Underlying operating profit', aber so mit einem 10-Q eines amerikanischen Unternehmens lässt sich das leider nicht vergleichen.
  6. In Deutschland nur sehr geringes Handelsvolumen an lediglich einem Börsenplatz (Frankfurt). D.h. wenn möglich sollte man bei Interesse in London shoppen gehen.
  7. Die Pensionsverpflichtungen muss man evtl. im Auge behalten. Für 2015 haben sie ein Defizit von 12.5 Mio genannt, für 2016 bereits 25.9 Mio.
  8. Die Höhe des Goodwill lässt noch einiges an Spielraum für Wertberichtigungen, was dann durchaus auch mal zu Verlusten führen kann.

Versuch einer Bewertung:

Wie immer: 3 Szenarien mit Umsatzwachstumsannahmen, FCF-Margen-Annahmen, zugestandenen FCF-Multiplikatoren, keiner großartigen Änderung bei der Anzahl der Aktien und passenden Wahrscheinlichkeitsverteilungen. Mit meinen Annahmen würde sich ein Wert von rund 1000 Pence ergeben, was ca. 20 % oberhalb des aktuellen Kurses liegt. Da die Annahmen meiner Meinung nach recht konservativ sind (zumindest im Branchenvergleich und auf die historischen Zahlen von Dignity bezogen) und ein gewisser Margin of Safety vorhanden ist, könnte man durchaus überlegen, sich jetzt einmal ein paar Anteilsscheine ins Depot zu legen.

Fazit:

Ich finde Dignity sehr interessant. Ich wollte schon immer einmal in dieser Branche investieren und denke, dass Dignity mein erstes diesbezügliches Investment werden könnte. Aktuell habe ich noch keine Aktien von ihnen, werde aber evtl. nach Veröffentlichung des Geschäftsberichts in ca. 2 Wochen zuschlagen. Auf jeden Fall beobachten sollte man die weiteren Entwicklungen in der Branche. D.h. steigt der Einfluss von Preisvergleichsportalen und werden die Preise in allen Segmenten sinken (d.h. auch bei gehobenen Beerdigungen und evtl. auch bei den Preisen der Krematorien).

Wichtiger Hinweis:

Die Zahlen wurden von mir selbst zusammengetragen und können Fehler enthalten. Für die Richtigkeit wird keine Gewähr übernommen. Dieser Artikel stellt nur eine Meinungsäußerung dar, aber keine Aufforderung zum Handeln in irgendeiner Art und Weise. Sollte sich jemand entschließen, in das genannte Wertpapier zu investieren, so sollte derjenige bzw. diejenige selbst entsprechende Nachforschungen und Überlegungen anstellen.

Kommentare:

  1. Danke für den Artikel, ich habe die auch auf dem Radar, aber irgendwie überzeugt mich das Unternehmen nicht so wirklich.

    Das Geschäft mit Krematorien ist sicher stabil, weil wahrscheinlich Monopol-artig. Mehrere Krematorien pro Gebiet sind sicher auch rein regulatorisch kaum zu machen, d.h. dort sind die Eintrittsbarrieren sicher höher und dieser Teil des Unternehmens ist sehr interessant. Er macht aber nur den kleineren Teil des Unternehmens aus.

    „Normale“ Beerdigungen:

    In den letzten Jahren haben sie zwar ständig mehr Beerdigungen durchgeführt (bis auf das letzte Jahr, aber die Probleme hast du ja beschrieben - vor allem relativ geringe Eintrittsbarrieren – auch wenn sich das im Geschäftsbericht ganz anders liest…). Das Wachstum lief aber vor allem über Akquisitionen. Wenn du dir allerdings die Beerdigungen je Standort ansiehst, siehst du, dass diese schon länger einen rückläufigen Trend aufweisen, d.h. sie verlieren wahrscheinlich lokal Marktanteile, obwohl der landesweite Marktanteil stieg.

    Meine Gedanken dazu:
    - Ich glaube, dass das ein sehr lokal geprägtes Geschäft ist – d.h. zumindest meiner Meinung nach, der Manager vor Ort sollte sich am besten auskennen, die Entscheidungen, inkl. Preissetzung, sollten lokal getroffen werden
    - Die Ankündigung, jetzt die Preise zentral zurückzunehmen, um wieder Marktanteile zu gewinnen, impliziert für mich, dass die Preissetzung relativ zentral erfolgt (und nicht dezentral vom Manager vor Ort)
    - Ich glaube auch, dass sie nach einer Akquisition relativ zügig die Preise erhöht haben
    - Genau das führte dazu, dass sie nach einer Akquisition lokal Marktanteile verlieren, weil sie einfach zu teuer werden – Stichwort geringe Eintrittsbarrieren (relativ kurzfristige Gewinnoptimierung auf Kosten der strategischen Langzeit-Positionierung – jeweils im lokalen Markt)
    - Mit neuen Akquisitionen konnten sie das überdecken.
    - Jetzt wurde es zu viel, und sie haben eingesehen, dass das Model Akquisition – Preise erhöhen – usw. nicht wirklich gut funktioniert.

    Rein vom Preis-Wert-Verhältnis sind sie jetzt tatsächlich interessant, vor allem, wenn sie die (lokalen) Marktanteile stabilisieren, bzw. vielleicht sogar wieder steigern können.

    Ich würde aber gerne eine Änderung hinsichtlich der Organisationsstruktur sehen – ein Bekenntnis dazu, dass die lokalen Manager vor Ort mehr Entscheidungsfreiheit haben, und vor allem selber Preise setzen können, um auf die lokalen Gegebenheiten reagieren zu können. Mit dazugehörigen Anreizen selbstverständlich. Meinetwegen mit Aktien- oder, noch besser, Gewinnbeteiligungen.

    In Äußerungen, die das Management so von sich gibt, reden sie allerdings eher davon, die Regulatoren dazu zu bringen, die Qualität der Beerdigungen zu „regulieren“. Auf deutsch: sie wollen Konkurrenten aussperren, Lobbyismus. Mir wäre eine ehrliche Bekennung zum freien Market und eine bessere, dezentrale Organisationsstruktur viel lieber.

    Was mich auch nicht überzeugt ist die Digital-Strategie. Ich sehe da nicht so viel Mehrwert darin, weil eine nationale Präsenz nicht so viel bedeutet in einem strukturell eher lokalen Geschäft. Obwohl ich mich da sicher täuschen kann.

    Wie auch immer vielleicht, sehe ich das alles zu pessimistisch, ich will keinesfalls von einem evtl. Kauf abraten. Aber das sind halt die Gedanken, die mich momentan selbst davon abhalten zu kaufen.

    Gruß
    Tom

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    1. Hi Tom,

      vielen Dank für den ausführlichen Kommentar. Du dürftest damit in den nicht ganz 2 Jahren, in denen es den Blog gibt, nen neuen Rekord aufgestellt haben :-)

      Mit den Krematorien als Quasi-Monopol hast du wahrscheinlich recht. Hier gibt es sicherlich schon ein paar Bestimmungen, die einzuhalten sind, bevor da irgendwo neue errichtet werden dürfen.

      Bezüglich der Beerdigungen je Standort hatte ich ja ein paar Worte geschrieben. Der Rückgang dürfte hier aber wahrscheinlich schon an deren Preiserhöhungen gelegen haben. Die haben also eher eine Preis- statt einer Volumenstrategie gefahren und denken hier jetzt wohl um.

      Bezüglich der Preise denke ich mal, dass es durchaus lokale Unterschiede gibt und die genannten Preise eher Richtwerte sind. Kann mir durchaus vorstellen, dass die Preise in den Strukturschwächeren Gebieten (z.B. Schottland) andere sind, als etwa in London.

      Absolut gesehen gibt es sicherlich preiswertere Unternehmen zur Zeit, allerdings nicht wirklich in der Branche. Ich werde doch erst einmal die Zahlen abwarten. Vielleicht äußern sie sich ja auch noch bezüglich der zukünftigen Strategie.

      Gruß
      Markus

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  2. John Kingham hat auch etwas zu Dignity geschrieben
    https://www.ukvalueinvestor.com/2018/03/dignity-plc-share-price-fall.html/

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