Mittwoch, 17. September 2025

Lebenszeichen - September 2025

Lebenszeichen - September 2025

Mir ist gerade aufgefallen, dass mein letzter Beitrag mittlerweile fast 3 Jahre alt ist. Seither hat sich ja doch Einiges getan. Der Kollege vom Vermietertagebuch (siehe letzter Beitrag) macht immer noch gut Geld mit seinen Videos. Auch Kolja Barghoorn von 'Aktien mit Kopf' hat seinen ehemals einigermaßen guten Ruf gegen Geld getauscht und haut täglich bis zu 3-4 Videos raus, die nur noch wenig mit 'Aktien mit Kopf' zu tun haben. Aber muss ja jeder selbst wissen... Donald Trump ist wieder Präsident, Indien ist das bevölkerungsreichste Land der Erde geworden, der BVB tut BVB-Dinge (4:4 in der Nachspielzeit nach 4:2-Führung bis zur 93. Minute gegen Juve), Deutschland ist irgendwie zur Basketballgroßmacht aufgestiegen (Sieg bei EM als amtierender Weltmeister) und in Deutschland selbst wird dran gearbeitet, dass der Glauben an die Politik gänzlich verloren geht.

Bei mir ist es auf jeden Fall in den letzten Jahren ganz normal weiter gelaufen investmenttechnisch. D.h. ETF-Sparpläne für meine Frau, meine Kinder und mich werden regelmäßig ausgeführt und hier und da werden zur Abwechslung ein paar Einzeltitelinvestments eingestreut. Was fehlt, ist weiterhin v.a. die Zeit, um sich noch genauer mit der Thematik zu beschäftigen. Was das angeht, versuche ich diese nun wieder sinnvoller zu nutzen, als früher. D.h. die mittägliche Gassirunde wird für Podcasts kombiniert. Der Finanzrocker ist weiterhin hörenswert, veröffentlicht aber leider relativ selten, da er es nur noch nebenberuflich macht. Dafür gibt es jetzt wochentags 'Ohne Aktien wird schwer' und/oder 'Alles auf Aktien'. Auch wenn vieles davon für mich nicht relevant ist (kann mit Krypto immer noch nix anfangen), ist es doch interessant zu hören, was so allgemein am Markt passiert und die ein oder andere Investmentidee ergibt sich ja dann doch. Am Wochenende werden dann u.a. die 'Aktien Buddies' gehört, auch wenn es mir dort primär darum geht, auf Unternehmen aufmerksam zu werden, die ich bisher nicht so auf dem Schirm hatte. Und auch die Kollegen von Immocation haben ihren Platz in der Rotation, wobei ich anmerken muss, dass ich Aktieninvestments weiterhin bevorzuge.

Beim Blick auf meine Analysen und Investments der Vergangenheit konnte ich einerseits feststellen, dass regelmäßiges und langfristiges investieren weiterhin Sinn zu machen scheint. Die breit gestreuten ETFs sind absolut gesehen die größten Gewinner bei uns. Schauen wir mal, wie es dann in > 20 Jahren zum Eintritt in den Ruhestand aussieht. Andererseits konnte ich allerdings auch feststellen, dass mich v.a. Verkäufe und verfrühte Gewinnmitnahmen bei Einzelwerten bis heute am meisten Geld gekostet haben. Arista Networks hatte ich seit 2017 auf dem Schirm und leider zu kurz im Portfolio, genau wie Ubiquiti. Oracle hatte ich seit 2018 für einige Zeit, um mich rechtzeitig vor der Rallye davon zu trennen und auch bei Meta war ich zwischenzeitlich froh, doch noch mit nem kleinen Gewinn bei 150 ausgestiegen zu sein. Aber so ist das an der Börse. Gleichzeitig bestärkt es mich aber auch darin, hier in den kommenden Jahren weiter am Ball zu bleiben, um auf mögliche Unterbewertungen aufmerksam zu werden (Schritt 1) und diese dann auch für Käufe zu nutzen (Schritt 2). Dafür werden ich mich in nächster Zeit wohl mal wieder öfter aktiv mit dem Formulieren eigener Investmentideen zu beschäftigen und nicht nur passiv Investmentideen konsumieren. Was mir echt gut gefällt: zum passiven Konsum gibt es doch in der Zwischenzeit echt viele gute Blogs und/oder Youtube-Kanäle und auch was Services angeht, hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan, was das Leben für Investoren einfacher macht. Hervorzuheben ist hier v.a. die Webseite TIKR, die eine sehr gute Kennzahlenqualität für eine Großzahl an Unternehmen für einen überschaubaren Preis bietet. Da macht es auf jeden Fall Sinn, auf den nächsten Black Friday zu warten und ein Jahresabo abzuschließen. Das ist übrigens meine ehrliche Meinung. Bekomme kein Geld dafür :-)

Im Urlaub hab ich neben einem Mord und Totschlag-Thriller auch mal wieder einen Klassiker rausgekramt: 'You can be a stock market genius' von Joel Greenblatt. Weiterhin empfehlenswert, wenn man sich für 'Special Situation Investing' interessiert, wobei mir aufgefallen ist, dass ich dieses hier auch mal vorstellen sollte. Die TODO-Liste für möglichen Content füllt sich langsam :-)

Zum Abschluss passend dazu folgendes Interview mit dem genannten Autor Joel Greenblatt aus 2023:

Dienstag, 8. November 2022

20.000 € Umsatz mit Crash-Propheten-Youtube-Videos

20.000 € Umsatz mit Crash-Propheten-Youtube-Videos

Dieses Jahr ist ja unter anderem das Jahr der steigenden Zinsen und des damit einhergehenden Nachlassens der Immobiliennachfrage. Nachdem ich zu dem Thema kürzlich ein Video des österreichischen Investmentpunks Gerald Hörhan gesehen hatte, der sich mal wieder wenig positiv über Immobilien im Osten Deutschlands (Chemnitz und Co.) äußerte, musste ich unweigerlich wieder an Alexander Raue denken, welcher bei Youtube den Vermietertagebuch-Kanal betreibt. Der hat ja einen ganzen Haufen solcher Immobilien angesammelt, die er - in Costa Rica lebend - verwaltet. Dorthin war er ausgewandert, da seine Frau aus dem Land stammt und er mit den Coronamaßnahmen in Deutschland nur so semi einverstanden war. Auf jeden Fall wollte ich einfach mal wieder sehen, wie es ihm so ergeht und war etwas erstaunt darüber, dass ich Folgendes sah:

Statt über seine Erfahrungen als Immobilieninvestor in Deutschland zu berichten, schien er nun im Tagesrhythmus Videos rauszuhauen, die mit BILD-Stil-typischem Thumbnail möglichst dramatisch Themen behandeln, welche Leute aktuell interessieren oder einfach nur aufregen. Diese hatten zuletzt jeweils über 100.000 Aufrufe mit in der Spitze fast 700.000. Bemerkenswert dabei fand ich, dass das interessanteste Video der letzten Zeit mit die wenigsten Aufrufe hatte. Und zwar dieses hier:

Darin berichtet er über sein Youtube-Business, für welches er aktuell tatsächlich das Geheimrezept gefunden zu haben scheint. Im September hatte er einfach mal ein Experiment gestartet, indem er jeden Tag ein Crash-Prophet-Video online gestellt hat. Damit machte er sage und schreibe über 20.000 € Umsatz in dem Monat. Und der Oktober scheint - zumindest von den Videoaufrufzahlen her gesehen - noch besser gelaufen zu sein. Bin echt mal gespannt, was der Kollege Ende des Jahres so berichtet, was seine Einnahmen angeht.

Der Artikel hat übrigens nichts mit Neid zu tun. Ich gönne es Alexander absolut, der nun seine zweite Nische gefunden zu haben scheint. Seine Transparenz ist dabei absolut bemerkenswert und ich hätte nicht gedacht, dass man tatsächlich mit so einfachen Mitteln so viel Asche machen kann. Wenn ich nicht so kamerascheu wäre, wäre das ja durchaus auch ein Rezept für mich zum Geldverdienen. Genügend Themen, über die ich mich auf kontroverse Art und Weise auslassen könnte, gibt es ja eigentlich genug. So werde ich das aber wohl erstmal weiter anderen überlassen, die gerne 'was mit Medien' machen wollen.

Sonntag, 6. November 2022

EntrepreNERD - Zum Millionär mit Open Source Software (iText)

EntrepreNERD - Zum Millionär mit Open Source Software (iText)

In der Vergangenheit hatte ich doch immer einmal wieder mit dem Thema PDF-Dokument-Generierung zu tun und eine der wenigen Open Source-Bibliotheken in dem Bereich ist iText. Umso erstaunter war ich, als mir bei Amazon das Buch 'EntrepreNERD' des belgischen iText-Entwicklers Bruno Lowagie vorgeschlagen wurde. Es trägt den Untertitel 'Building a Multi-Million-Dollar Business with Open Source Software' und deckt damit einen Themenbereich ab, mit dem ich mich - obwohl ich Softwareentwickler bin - vorher noch nie wirklich auseinandergesetzt hatte, da es eigentlich eine gewisse Gegensätzlichkeit hat: Geld verdienen mit Open Source Software.

Lowagie beschreibt auf knapp 370 Seiten seinen persönlichen Werdegang (familiäres Umfeld, erster Kontakt mit Computern, Ausbildung, Schwierigkeiten im Arbeitsleben), sowie Aufbau und Verkauf seiner Unternehmungen rund um iText. Er war ein intelligentes Kind, das recht früh mit Computern in Berührung kam, aber dann irgendwie etwas falsches studierte (civil engineering) und anschließend trotz erfolgreichen Abschlusses Startprobleme im Berufsleben hatte. Das Beste an seinem Studium war wohl, dass er seine Frau Ingeborg kennenlernte. Nach einigen Jobwechseln innerhalb recht kurzer Zeit landete er dann an der Universität von Gent, wo er dann 1998 u.a. ein Programm zur Erstellung von PDF-Dokumenten programmierte. Die Firma Adobe hatte das Portable Document Format Anfang der 90er Jahre entwickelt und das Programm zur Darstellung der Dokumente (Adobe Acrobat Reader) kostenlos zur Verfügung gestellt. Programme zur Erstellung von PDFs waren allerdings kostenpflichtig. Da die PDF-Spezifikation frei zugänglich gemacht wurde, stand auch Entwicklern außerhalb von Adobe die Möglichkeit der Programmierung passender Werkzeuge frei. In der PDF-Spezifikation war beschrieben, wie ein Dokument intern aufgebaut sein muss und welche Möglichkeiten dem Ersteller zur Verfügung stehen (z.B. Formatierung, Querverweise etc.). Hier wäre einmal ein Link zu den verschiedenen PDF-Spezifikationen, die im Laufe der Zeit verfügbar gemacht wurden.

Auf jeden Fall erstellte Lowagie zunächst ein Programm namens rugPdf, welches dann in der Universität eingesetzt wurde. Im Laufe der Zeit stellte er allerdings fest, dass er ein paar Designentscheidungen getroffen hatte, welche es anderen Entwicklern schwer machte, die Bibliothek zu nutzen, ohne selbst tiefere Kenntnisse der PDF-Spezifikation zu haben. Daraufhin programmierte er das Ganze neu und stellte es als iText unter der LGPL (Lesser General Public License) zur Verfügung. Gleichzeitig schrieb er als Dokumentation noch das Buch 'iText in Action'. Obwohl die Bibliothek sehr gut ankam und auch viel benutzt wurde, musste er frustriert feststellen, dass die Nutzer nur in geringem Maße Interesse hatte, für das Programm auch etwas zu zahlen. Durch die verwendete Lizenz mussten sie das auch nicht wirklich, da die Verwendung von iText unter LGPL hieß, dass man es im Normalfall kostenfrei nutzen konnte, ohne den eigenen Quellcode offen legen zu müssen. Selbst bei Google wurde iText in verschiedenen ihrer Dienste genutzt, aber von einer Kontaktperson bekam er nur zu hören: 'Google doesn't buy software. Google buys companies. The only way to make money from Google is to sell them your company.'

Daraufhin stellte er die Lizenz mit iText-Version 5 von LGPL zu AGPL (Affero General Public License) um. Dies bedeutete für Nutzer, dass sie iText auf Servern weiterhin kostenfrei nutzen konnten, aber dass - sofern damit etwas für externe Nutzer zur Verfügung gestellt wird - AGPL greift und die Software, welche iText verwendet , auch unter AGPL zur Verfügung gestellt werden muss. D.h. da durch iText PDFs generiert und diese den Nutzern von Diensten zur Verfügung gestellt werden (z.B. wenn Formulare oder Rechnungen generiert werden) müsste der Quellcode der Anwendungen, welche dies tun (also z.B. Webanwendungen von Banken, Shops oder Telekommunikationsdienstleistern), offengelegt werden. Da die meisten Nutzer daran allerdings eher nicht interessiert waren, konnten sie - wenn sie iText weiterhin nutzen wollten, spezielle Lizenzen von iText kaufen, mit denen sie von der Offenlegung befreit wurden. Somit wurde aus Lowagies Unternehmen tatsächlich ein profitables Unternehmen, welches in 2011 die Millionengrenze beim Umsatz überschritt. In 2012 waren sie dann bei 3.1 Mio. $ Umsatz und einem EBITDA von 1.4 Mio $.

In den Folgejahren wurde das Geschäft weiter ausgebaut durch Unterstützung neuer PDF-Standards (bei denen sich Lowagie einbringen durfte), den Ausbau entsprechender Vertriebsstrukturen und auch der Expansion nach Asien. Gleichzeitig machte sich Lowagie auch Gedanken über einen Verkauf seines Unternehmens. Dieser erfolgte dann größtenteils in 2015 an das koreanische Unternehmen Hancom für etwa 29 Mio. $ (siehe hier), wobei Lowagie dem Unternehmen als technischer Leiter erhalten blieb. Gleichzeitig gehörten ihm am Ende noch etwas über 23 % des Folgeunternehmens. Wie das aber meist so ist, kollidierten die Ansichten von Lowagie und den neuen Eigentümern bzw. den folgenden CEOs in vielen Dingen, was dann im Endeffekt vor Gericht endete. Dort einigte man sich schließlich, was dann dazu führte, dass Lowagie seine restlichen Anteile zu einem guten Preis verkaufen konnte und das Unternehmen in endgültig 2020 verließ.

Fazit:

Nach der Lektüre muss ich sagen, dass es ein wirklich sehr empfehlenswertes Buch ist. Lowagie geht auf verschiedenste Aspekte der Softwareentwicklung ein (z.B. Lizenzen), nennt konkrete Zahlen und beschreibt auch sehr ausführlich die Dinge, mit denen sich ein Unternehmer abseits der Technik auseinandersetzen muss. Man kann EntrepreNERD tatsächlich als Kochbuch zum Geldverdienen mit Open Source Software ansehen, welches Pflichtlektüre im Informatik- oder auch Wirtschaftsinformatikstudium werden sollte. Ich könnte mir vorstellen, dass ich - wenn ich es vor 20 Jahren gelesen hätte - heute weiter wäre. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Freitag, 9. April 2021

Plus500 - Das etwas andere Glücksspielunternehmen

Plus500 - Das etwas andere Glücksspielunternehmen

Wann immer ich aktuell ein Free-2-Play-Spiel spiele oder aber Videos auf Youtube schaue, werden mir - da Google offensichtlich weiß, dass ich mich für das Thema Finanzen interessieren - Werbeanzeigen für diverse fesche Tradingsapps angezeigt. Die Robinhoods und Trading Republics dieser Welt vermitteln ja den Eindruck, dass es heutzutage einfacher denn je ist, schnell reich zu werden. Zumindest in der Theorie. Da dachte ich mir so: schauen wir doch einfach mal, ob es Unternehmen in dem Bereich gibt, in die man investieren kann, um auch ein Scheibchen abzubekommen von der neuen Goldgräberstimmung der Börse. Nachdem ich den Zug bei flatexdegiro irgendwie verpasst hatte, deren Kunde ich ja seit Jahren bin, bin ich erstmal wieder in Israel fündig geworden.

Zum Unternehmen:

Das Unternehmen Plus500 ist im Bereich CFD-Trading unterwegs. CFDs - auch Differenzkontrakte genannt - sind ja hochspekulative Finanzprodukte, von denen ich mich bisher ferngehalten habe und - was Kauf/Verkauf angeht - auch in Zukunft fernhalten werden (ich sage nur Totalverlust und (für Privatanleger wohl nur noch bedingt) Nachschusspflicht). Der Wikipedia-Eintrag zu CFDs zeigt die Funktionsweise auf und hat auch ein paar Aussagen drin, mit denen ich CFDs beschreiben würde. Von daher würde ich Plus500 im Bereich Glücksspiele ansiedeln, wobei das Unternehmen die Stellung der Bank einnimmt. Nicht umsonst sind auf ihrer Webseite überall Hinweistexte wie diese zu finden: "CFD sind komplexe Instrumente und gehen wegen der Hebelwirkung mit dem hohen Risiko einher, schnell Geld zu verlieren. 76,4% der Kleinanlegerkonten verlieren Geld beim CFD-Handel mit diesem Anbieter. Sie sollten überlegen, ob Sie verstehen, wie CFD funktionieren und ob Sie es sich leisten können, das hohe Risiko einzugehen, Ihr Geld zu verlieren."

Plus500 wurde 2008 von ein paar Isrealis gegründet, die gemeinsam am Technion – Israel Institute of Technology studiert hatten. Sie sind seit 2013 börsennotiert, wobei sie damals im UK an die Börse gingen. Der Handel ist auch an deutschen Börsen möglich, wobei es dort nur recht dünne Umsätze gibt. Die Geschäftsberichte enthalten die Zahlen größtenteils in US-Dollar, so dass man zur Bestimmung der Kennzahlen in den meisten Fällen ein wenig umherrechnen muss.

Sie sind als Sponsor diverser Sportmannschaften tätig. Unter anderem auch als Trikotsponsor von Atletico Madrid, die gerade (mit knappem Vorsprung vor Barcelona) Tabellenführer in der spanische Fußballliga sind.

Ihr Geschäft besteht hauptsächlich darin, ihren Kunden Investmententscheidungen - oder besser Wetten - auf diverse Vehikel (z.B. Einzelunternehmen, Währungen, Indizes) einfach per App zu ermöglichen und diese abzuwickeln. Wenn ich es richtig verstanden habe, suchen sie entweder passende Partner (also Kunden, die auf gegenteilige Entwicklungen wetten) oder aber nehmen selbst die Position der Gegenseite an. Dies tun sie aber wohl nur, wenn ihnen ihre Daten und Modelle vorhersagen, dass sie diese Wette mit hoher Wahrscheinlichkeit gewinnen werden.

In den vergangenen Jahren sind sie damit wohl recht gut gefahren. Allerdings besteht doch immer wieder die Gefahr, dass die Finanzbehörden der Länder, in denen sie aktiv sind, die Spielregeln ändern und ihnen somit - als mehr oder weniger Ein-Produkt-Unternehmen - Teile der Geschäftsgrundlage entziehen. Dies sollte man auf jeden Fall immer im Hinterkopf behalten, wenn man sich entschließen sollte, hier Anteilseigner zu werden.

Hier mal der Chartverlauf:

Investoren der ersten Stunde haben keinen Grund, sich zu beschweren und können sich kurstechnisch über einen 12-bagger freuen - exklusive der gezahlten Dividenden. Als im UK gelistetes Unternehmen gibt es mehrere Dividendentermine jedes Jahr, wobei - wenn ich es richtig verstanden habe - durch die Behandlung als israelisches IT-Unternehmen jeweils nicht die volle Dividende bei den Investoren ankommt. In 2015 gab es mal einen starken Kursrückgang, nachdem sie für einige Zeit aufgrund von Geldwäschevorwürfen ihre Operationen stoppen mussten. Und auch zwischen 2018 und 2019 verloren sie zwischenzeitlich mal knapp 70 % des Wertes, was v.a. an geänderten CFD-Spielregeln lag, sowie ein paar Gerichtsprozessen von Kunden, welche behaupteten, dass Plus500 ihre Orders wohl nicht so wie gewünscht/erwartet durchgeführt hatte.

Geschäftszahlen 2012 (Pre-IPO)-2020:

Eine solch durchgängig hohe Profitabilität und Cashgenerierung habe ich bisher selten gesehen. Bis 2018 gabe es eigentlich nur starkes Wachstum, zu dem sie 2020 auch wieder zurückgegekehrt sind. Von der Bewertung her fällt mir eigentlich nur 'zu schön, um wahr zu sein' ein. Es wurden durchgängig hohe Dividenden ausgezahlt und erst in den letzten Jahren sind sie auch zum Rückkauf eigener Aktien übergegangen, wobei sie dabei relativ transparent vorgehen (siehe Latest News auf deren IR-Seite). Ihr Business ist wenig kapitalintensiv. Den größten Teil ihrer Ausgaben haben sie für Marketing (Sponsoring) und Personal. Hochgerechnet kostet es sie immer knapp 750 $, um einen Kunden an ihre Plattform zu binden, welcher dann rund 2000 $ Umsatz bringt. Solange also Goldgräberstimung herrscht oder auch FOMO (Fear Of Missing Out) beim Reich-Werden, sollte es an Neukunden nicht mangeln.

In den kommenden Jahren wollen sie einiges an Geld in die Hand nehmen, um sich breiter aufzustellen und nicht nur vom CFD-Trading abhängig zu sein.

Versuch einer Bewertung:

Wenn man sich die Zahlen der letzten Jahre und v.a. auch aus 2020 selbst ansieht, kann man durchaus behaupten, dass eine vernünftige Vorhersage für Plus500 extrem schwer zu tätigen ist. Von daher nehme ich die Zahlen aus 2020 einfach mal als Status quo her ohne jeglichen Wachstumsannahmen. Normalerweise würde ich sagen: Ein Unternehmen mit dieser finanziellen Basis und dieser Profitabilität hat auf jeden Fall ein EV/FCF-Multiple von 10 verdient. Lässt man einmal gewisse Risiken mit einfließen für dieses aktuell noch mehr oder weniger 1-Produkt-Unternehmen, kann man sagen ein EV/FCF-Multiple von 6 ist fair. Damit würde sich ein Upside von mehr als 100 % ergeben. Klingt irgendwie nach dem Aktionär, wobei der meist mit mindestens 300 % Plus bei defizitären Unternehmen mit ähnlichem Risikoprofil ausgeht.

Was gefällt mir an Plus500:

  1. Durchgängig extrem hohe Profitabilität bei sehr niedriger Kostenbasis. Das Geschäftsmodell scheint recht gut skalierbar zu sein, so dass auch extreme Umsatzrückgänge wie in 2019 gut ausgeglichen werden können.
  2. Überschüssiges Geld wird an Aktionäre zurückgegeben (per Dividenden und mittlerweile auch über Aktienrückkäufe) und vor allem die aktuell sehr niedrigen Bewertungen machen die Rückkäufe meiner Meinung nach wertgenerierend (wenn man denn Aktien besitzt).
  3. Man hat das Problem der Abhängigkeit von einem Geschäftsmodell (CFD-Trading) erkannt und arbeitet an einer Lösung. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass - wenn sie denn zukünftig auch 'normalen' Aktienhandel unterstützen - Cross-Selling-Chancen entstehen. Zeitgleich wird aber auch die Profitabilität darunter leiden. Ist zumindest meine Eindruck, wenn ich mir das etwas breiter aufgestellte Unternehmen IG Group Holdings PLC anschaue.
  4. Was Marktkapitalisierung und Indexzugehörigkeit angeht, fliegen sie meiner Meinung nach noch gut unter dem Radar. Ich konnte auch nirgends mal eine ernstzunehmende Unternehmensanalyse finden. Weiß evtl. ein Leser mehr? Wenn ja, bitte Kommentar hinterlassen.
  5. Die Boni von Managern vom EPS-Wachstum abhängig zu machen, erscheint mir als gute Idee.

Was gefällt mir nicht an der Plus500:

  1. Ähnlich wie Tabakunternehmen, Cannabisaktien, Bestattungsunternehmen oder Waffenhersteller dürfte es relativ unwahrscheinlich sein, dass Fonds aus der 'Für ihr gutes Gewissen'-Ecke hier Geld investieren. Was das angeht, sollte man also - meiner Meinung nach - schmerzfrei sein.
  2. Es gibt einen neuen CEO, der sich auch erstmal beweisen muss. Ich konnte keine Begründung für die recht spontane Abdankung des Vorgängers finden.
  3. Der Handel ist durchaus risikobehaftet, wenn sie eben nicht nur als Vermittler, sondern auch als Wettengegenseite fungieren. Zusätzliche Risiken ergeben sich durch Abhängigkeit von regulatorischen Beschränkungen. Nicht umsonst sind sie nicht den USA tätig.
  4. Es gibt wohl durchaus Anleger, die gerichtlich gegen Plus500 vorgehen. Sollten diese mal Recht bekommen, könnte das sowohl finanziell als auch aus Marketingsicht negative Folgen haben. Bisher kann man ihre Verteidigungsstrategie wohl mit 'Denn sie wissen nicht was sie tun' (im Bezug auf die Sichtweise ihrer Kunden) umschreiben.
  5. Relativ dünne Handelsumsätze an deutschen Börsen. Man sollte daher entweder in London kaufen oder aber auf jeden Fall mit Limit arbeiten.
  6. Sie zahlen aktuell extrem wenig Steuern in Israel. So was kann sich immer mal schnell ändern...

Fazit:

Verrückte Zeiten erfordern verrückte Maßnahmen. Da ich schon immer mal bei einem Glücksspielunternehmen beteiligt sein wollte, habe mir daher einfach mal eine kleine Position gegönnt. Plus500 ist für mich dabei kein Unternehmen, bei dem ich All-In gehen würde. Dafür ist die Abhängigkeit vom zwilichtigen CFD-Handel aktuell einfach zu groß. Sollten hier irgendwelche Regulatoren auf die Idee von Verboten oder ähnlichem kommen, ist für Plus500 das Licht nicht zwangsläufig aus, aber durchaus erstmal etwas dunkler. Und solange die geplante Erweiterung ihrer Angebote noch nicht durchgeführt ist (siehe S. 7 im aktuellen Annual Report), sollte man regelmäßig mal wieder schauen, wie sich der neue CEO (seit Frühjahr letzten Jahres im Amt) so macht.

Andererseits kann ich mir durchaus vorstellen, dass durch Veröffentlichung von News mit bestimmten Schlagwörtern durch Plus500 selbst (z.B. bezüglich der Erschließung neuer Geschäftsfelder) positive Kursentwicklungen entstehen könnten. Zuletzt hat es ja unter anderem bei Support.com, einem der ersten von mir hier vorgestellten Unternehmen, Boom gemacht und der Kurs ist über Nacht durch die Decke gegangen (jetzt klinge ich schon wieder wie 'Der Aktionär' :-) ). Dort war es einfach so, dass ein Bitcoin-Mining-Unternehmen den Zusammenschluss mit Support.com öffentlich gemacht hat (siehe auch hier). Von daher: Schaun wir mal, mit was unsere israelischen Freunde dann so um die Ecke kommen in den kommenden Jahren...

Wichtiger Hinweis: Alle Aussagen stellen persönliche Meinungsäußerungen dar. Für die Richtigkeit dieser Aussagen und der hier dargestellten Zahlen wird keine Gewähr übernommen. Fehler und Fehlinterpretationen können enthalten sein. Von daher sind hier weder Kauf- noch Verkaufsempfehlungen enthalten. Bevor jemand in eines der hier besprochenen Unternehmen investiert, muss er sich selbst damit befassen und seinen eigenen Analysen anstellen.

Sonntag, 14. Februar 2021

JFrog (FROG) - Die 'flüssige Software-Firma' aus Israel

JFrog - Die 'flüssige Software-Firma' aus Israel

Ich mag Unternehmen, die praktische Lösungen für echte Probleme bieten. Wenn es sich dann dabei auch noch um Probleme in meinem berufliche Umfeld (der Softwareentwicklung) handelt und man Anteile an diesen Unternehmen über die Börse erwerben kann, hat man schon mal interessante Kandidaten für eine Analyse bei EasyWISA. Heute geht es dabei um JFrog, ein israelisches IT-Unternehmen, welches im September '20 die Gunst der Stunde genutzt hat, um ein IPO zu wagen. Aufmerksam geworden bin ich auf sie über einen israelischen Freund, der vor zwei Jahren in unseren Wohnort gezogen ist und der mir - das muss ich ganz offen zugeben - in Sachen moderner IT-Infrastruktur und Nutzung aktueller Technologien ein ganzes Stück voraus ist. Doch das nur am Rande...

Zum Unternehmen:

JFrog ('The Liquid Software Company') wurde 2008 durch die israelischen Softwareentwickler Shlomi Ben Haim (mittlerweile CEO), Yoav Landman und dem Franzosen Frederic Simon gegründet und sind im Bereich von DevOps beheimatet. Als DevOps bezeichnet man in der IT mehr oder weniger eine enge Verschmelzung von Entwicklung (Development) und Betrieb (Operations) von Softwaresystemen. War es in früheren Zeiten oft so, dass Firma A bei Firma B eine Software gekauft hat, welche Firma C dann eingeführt und an die Bedürfnisse von Firma A angepasst hat und Firma D für den Betrieb der Software zuständig war (Hosting, Updates etc.), ist es im DevOps-Umfeld so, dass Firma A nun Firma B beauftragt und Firma B alles macht von der Koordination der Entwicklung über die Einführung, den Betrieb und das Lebenszyklusmanagement (Backups, Weiterentwicklung, Fehlerbehebung). Alternativ übernimmt auch einfach die IT-Abteilung von Firma A alles...

Im Normalfall setzt man in der Softwareentwicklung verschiedenste Werkzeuge für die unterschiedlichsten Problemstellungen ein. Da wären z.B. Subversion oder aber Git für die Versionsverwaltung von (Quellcode-)Dateien, Maven für die Verwaltung von Abhängigkeiten und das Bauen von Software(paketen), Jenkins für Continuous Integration, Docker für Containerverwaltung oder AWS/GC/Azure als Cloud-Plattform. JFrog hat sich zum Ziel gesetzt, das Zusammenspiel all dieser Technologien und Plattformen zu vereinfachen und damit den gesamten Prozess schneller, komfortabler, sicherer und am Ende auch preiswerter zu machen.

Wer schon einmal mit Softwareentwicklung zu tun hatte, kennt bestimmt den Punkt, an dem man loslegen möchte und dann fängt man erstmal an, sich alles per Hand mühsam zusammenzusuchen. Welche Werkzeuge brauche ich in welcher Version? Mit welchen Optionen muss ich was bauen? Was funktioniert automatisch, was muss ich manuell machen? Welche Testumgebungen gibt es? Wie kommen meine Änderungen da hin? Wer ist für was zuständig? Wann ist das nächste Release geplant? Ich könnte endlos forfahren und es ist im Endeffekt alles andere als 'flüssig'...

Bedingt durch Themen wie Home Office, Cloud Computing und IOT (Internet of Things) besteht heute die absolute Notwendigkeit, Software schnell, sicher und idealerweise für den Anwender mehr oder weniger transparent zu aktualisieren. Tesla ist mit seinen kontinuierlichen Verbesserungen der Auto-Software ein gutes Beispiel dafür. Und jeder kennt aus seinem Umfeld sicherlich genügend Anwendungsfälle, bei denen man sich ein solches Vorgehen wünschen würde.

Dreh- und Angelpunkt der JFrog-Lösung ist das sogenannte JFrog Artifactory, bei der es primär einmal um die Verwaltung sogenannter binaries geht - sprich Binärdateien als Ergebnis des Softwareentwicklungsprozesses. Im Laufe der Jahre wurde dieses System um weitere Funktionalitäten erweitert (z.B. um Sicherheitsanalysen, Monitoring, Continuous Integration, Continious Distribution), so dass man heutzutage - wenn es richtig aufgesetzt ist, hochgradig automatisiert Software aktualisieren und dem Endanwender bereitstellen kann.

Ein JFrog-Werbevideo schaut so aus:

Wer es eher 'altmodisch' mag, sich dem Thema zu nähern, dem sei das Buch 'Liquid Software: How to Achieve Trusted Continuous Updates in the DevOps World' von Fred Simon, Yoav Landman und Baruch Sadogursky empfohlen.

JFrog bieten ihre Lösung in verschiedenen Modellen an. Man kann sie kostenlos ausprobieren, es gibt OpenSource-Varianten, es gibt Self-Hosted Varianten (d.h. man kümmert sich selbst um die meisten Sachen) oder auch Rundum-Soglos-Pakete. D.h. für jeden ist eigentlich was dabei.

Hier mal der bisherige Chartverlauf:

Da sie erst im September an die Börse gegangen sind, gibt es an der Stelle noch nicht so viel zu sehen. Nur soviel: Es gab spektakulärere Börsengänge zuletzt und bei WallstreetBets sind sie wohl noch nicht entdeckt worden. Die nächsten Monate gilt es nochmal abzuwarten, da in vielen Fällen erst dann Investoren der ersten Stunde (d.h. vor Börsengang) auscashen dürfen.

Geschäftszahlen 2018-2020:

Das Umsatzwachstum hat sich - auch Corona-bedingt - etwas abgeschwächt. Das ein oder andere Unternehmen hat wahrscheinlich aktuell andere Probleme, als die eigenen Softwareentwicklung zu modernisieren. Nichts desto trotz sind 44 % Umsatzwachstum als 'gar nicht schlecht' zu bezeichnen. Gleichzeit haben sie in den 3 Jahren, für die ich Zahlen finden konnte, bewiesen, dass sie unterm Strich (sprich FCF) Geld verdienen können. Die Bilanz schaut für mich sehr sauber aus. Einiges an CCE auf der hohen Kante, keine Schulden und ein funktionierendes bestehendes Software-Framework, welches nur darauf wartet, bei noch mehr Kunden eingesetzt zu werden. Der Wert dieses geistigen Eigentums sucht man meiner Meinung nach in der Bilanz vergeblich. Die eigentlichen Geschäftszahlen sollten mit Wachstum des Umsatzes immer besser werden. Geld für anorganisches Wachstum durch Übernahme kleinerer Softwareanbieter ist auf jeden Fall vorhanden.

Was gefällt mir an JFrog:

  1. Sie sind schuldenfrei und haben wenig Goodwill (ca. 17m aus Übernahme von Shippable in 02/2019).
  2. Sie sind noch mitten im Wachstum und haben gleichzeitig noch viel Platz für Wachstum. Ende 2020 waren erst 27% der Forbes Global 2000-Unternehmen JFrog-Kunden. Laut eigener Aussage haben sie millionen Nutzer weltweit (v.a. der kostenlosten Angebote). Ende 2020 hatten sie 6050 zahlende Kunden (gestiegen von 5600 Ende 2019). 352 dieser Kunden bringen Umsätze im 6-stelligen Bereich (oder höher). Ende 2019 lag diese Zahl erst bei 234 Kunden. 352 solcher Kunden sind meiner Meinung nach nicht viele und 6-stellige Ausgaben im IT-Bereich auch nicht.
  3. Sie sind branchenunabhängig. Alle haben gleiche Problemstellungen zu lösen.
  4. Mit Covid wird sich noch mehr in Richtung verteilte Arbeit entwickeln. D.h. die Notwendigkeit für funktionierende Lösungen steigt mehr, als dass sie fällt.
  5. Sie sind bereits im Jahr des Börsengangs effektiv profitabel (wenn man mal FCF hernimmt).
  6. Sie sind aus technologischer Sicht meiner Meinung nach top aufgestellt. Für Konkurrenzunternehmen würde es sicherlich schwierig werden, diesen Stack entsprechend aufzubauen. Sie unterstützen schon sehr viele Standardtechnologien (Git, Maven, Docker, Kubernetes, Jenkins - um nur einige zu nennen) und es werden wahrscheinlich in Zukunft noch mehr. Sie haben bereits sehr viel Erfahrung darin, Werkzeuge zu integrieren. Die Integration neuer (alter) Technologien sollte damit schnell gehen, so dass auch diverse Spezial-Konstellationen in Unternehmen abgedeckt werden können.
  7. Sie sind in den führenden IT-Standorten vertreten (Israel, Silicon Valley, Indien) und haben dort mit Sicherheit in den 12 Jahren ihres Bestehens entsprechende Beziehungen aufbauen können.
  8. Partnerschaft mit Docker könnte sich als großer Wachstumsfaktor erweisen, da deren Angebote bereits in vielen Unternehmen genutzt werden.
  9. Personen in Schlüsselpositionen haben signifikante Unternehmensanteile und dürften daher an einer positiven Weiterentwicklung des Unternehmens interessiert sein.
  10. Sie dürften aufgrund ihrer Größe und Positionierung am Markt etwas unter dem Radar fliegen, bieten aber eine super Story, die vom Markt sehr positiv aufgenommen werden könnte.

Was gefällt mir nicht an JFrog:

  1. Aktien bisher nicht direkt in Deutschland handelbar, sondern nur über Nasdaq.
  2. Schon recht luftig bewertet mit EV/FCF von 210. Da müssen sie schon ein wenig wachsen, um das zu rechtfertigen. Für Q1 gehen sie erstmal nur von Wachstum um die 30 % aus, was aber auch der immer noch bestehenden Covid-Unsicherheit geschuldet sein dürfte.
  3. Hauptnutznießer von deren Leistungen sind Softwareentwickler. Um Entscheider von der Sinnhaftigkeit der Einführung entsprechend kostender Leistungen zu überzeugen, bedarf es meinen Erfahrungen nach oft relativ großer Anstrengungen.
  4. Israel als Hauptstandort hat zwar Vorteile, aber auch ein paar Nachteile aus weltpolitischer Sicht, welche nicht von der Hand zu weisen sind. Aber die hat man eigentlich bei allen israelischen Unternehmen.
  5. Es wird noch ein wenig mit Verwässerung weitergehen. Aktuell haben sie rund 92 Mio. ausstehende Aktien. Dazu kommen 13.1 Mio. ausstehende Optionen zu Durchschnittspreis von 6,50 $. Da sie diese mit Sicherheit nicht vom Markt kaufen werden, werden einfach neue Aktien ausgegeben, was man so aus der Vorhersage von JFrog-2020-Earnings Call wiederfinden kann, bei der sie bereits für Q1 von einer Aktienzahl von 104 Mio. ausgehen.
  6. Lock-Up-Period dürfte noch nicht durch sein, so dass wahrscheinlich einige Anteilseigner der frühen Stunde ihre Aktien demnächst zu Geld machen. Das könnte die Kurse zumindest kurzfristig etwas zum Rutschen bringen.

Versuch einer Bewertung:

Klassische Bewertungsmethoden mit KGV-Multiples machen bei Wachstumsunternehmen aufgrund fehlender Gewinne und einer meist sehr kurzen Geschäftszahlen-Geschichte sehr oft wenig Sinn. Mit der 'Rule of 40' kommt man da schon etwas weiter, was die Einschätzung der Wachstumsqualität des Unternehmens angeht. Das Umsatzwachstum bei JFrog lag in 2020 bei 44 % (104m -> 150 m) und die FCF-Marge bei 17 % (26m / 150m) und ergibt somit einen guten Wert von 61. In den Jahren davor sah es ähnlich gut aus.

Nehmen wir einmal an, sie schaffen es ausgehend von den 150 Mio. Umsatz in den nächsten Jahren jeweils 40 % zu wachsen. Dann wären sie bei rund 800 Mio. Umsatz. Legt man eine FCF-Marge von 25 % zu Grunde, würden sie dann einen FCF von 200 Mio. erwirtschaften. Die Anzahl an Aktien wird dann sicherlich ein ganzes Stück höher liegt, als jetzt. Rechnen wir einmal mit 120 Mio. Aktien würden wir dann auf einen FCF von 1,66 $ pro Aktie kommen. Der aktuelle Kurs von rund 66 $ würde also in etwa dem 40fachen des erwarteten Free Cashflow in 5 Jahren entsprechen, was schon recht teuer ist. Andererseits sind das ja schon durchaus die Preise, die in der Region bezahlt werden. IBMs Übernahme von Red Hat für knapp 34 Mrd. lag z.B. auch in den Regionen auf EV/FCF-Basis und ich könnte mir vorstellen, dass das ein oder andere Unternehmen durchaus Interesse an so etwas zeigen könnte. Eine vergleichbare Übernahme hat ja z.B. bei Microsoft und GitHub für 7.5 Mrd. in 2018 stattgefunden.

Fazit:

JFrog ist kein klassisches EasyWISA-Blog-Unternehmen, sondern eigentlich eher ein Kandidat für den High-Growth-Investing-Blog von Stefan Waldhauser und/oder den Digital Leaders Fund, in den es mit Sicherheit irgendwann aufgenommen wird. Ich hab mir persönlich mal eine Mini-Position gegönnt. Nicht, weil ich denke, dass sie aktuell unterbewertet sind, sondern v.a., damit ich die Verbindung zum Unternehmen nicht verliere. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass die Aktien durch die luftige Bewertung durchaus nochmal etwas preiswerter werden könnten. Es kann aber auch passieren, dass sie doch wieder relativ schnell als Investmentmöglichkeit verschwinden (siehe Salesforce/Slack).

Wichtiger Hinweis:

Die Zahlen wurden von mir selbst zusammengetragen und können (Interpretations-)Fehler enthalten. Für die Richtigkeit wird keine Gewähr übernommen. Ich besitze aktuelle einige wenige Aktien des Unternehmens. Dieser Artikel stellt nur eine Meinungsäußerung dar, aber keine Aufforderung zum Handeln in irgendeiner Art und Weise. Sollte sich jemand entschließen, in das genannte Wertpapier zu investieren, so sollte derjenige bzw. diejenige selbst entsprechende Nachforschungen und Überlegungen anstellen.