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Sonntag, 6. November 2022

EntrepreNERD - Zum Millionär mit Open Source Software (iText)

EntrepreNERD - Zum Millionär mit Open Source Software (iText)

In der Vergangenheit hatte ich doch immer einmal wieder mit dem Thema PDF-Dokument-Generierung zu tun und eine der wenigen Open Source-Bibliotheken in dem Bereich ist iText. Umso erstaunter war ich, als mir bei Amazon das Buch 'EntrepreNERD' des belgischen iText-Entwicklers Bruno Lowagie vorgeschlagen wurde. Es trägt den Untertitel 'Building a Multi-Million-Dollar Business with Open Source Software' und deckt damit einen Themenbereich ab, mit dem ich mich - obwohl ich Softwareentwickler bin - vorher noch nie wirklich auseinandergesetzt hatte, da es eigentlich eine gewisse Gegensätzlichkeit hat: Geld verdienen mit Open Source Software.

Lowagie beschreibt auf knapp 370 Seiten seinen persönlichen Werdegang (familiäres Umfeld, erster Kontakt mit Computern, Ausbildung, Schwierigkeiten im Arbeitsleben), sowie Aufbau und Verkauf seiner Unternehmungen rund um iText. Er war ein intelligentes Kind, das recht früh mit Computern in Berührung kam, aber dann irgendwie etwas falsches studierte (civil engineering) und anschließend trotz erfolgreichen Abschlusses Startprobleme im Berufsleben hatte. Das Beste an seinem Studium war wohl, dass er seine Frau Ingeborg kennenlernte. Nach einigen Jobwechseln innerhalb recht kurzer Zeit landete er dann an der Universität von Gent, wo er dann 1998 u.a. ein Programm zur Erstellung von PDF-Dokumenten programmierte. Die Firma Adobe hatte das Portable Document Format Anfang der 90er Jahre entwickelt und das Programm zur Darstellung der Dokumente (Adobe Acrobat Reader) kostenlos zur Verfügung gestellt. Programme zur Erstellung von PDFs waren allerdings kostenpflichtig. Da die PDF-Spezifikation frei zugänglich gemacht wurde, stand auch Entwicklern außerhalb von Adobe die Möglichkeit der Programmierung passender Werkzeuge frei. In der PDF-Spezifikation war beschrieben, wie ein Dokument intern aufgebaut sein muss und welche Möglichkeiten dem Ersteller zur Verfügung stehen (z.B. Formatierung, Querverweise etc.). Hier wäre einmal ein Link zu den verschiedenen PDF-Spezifikationen, die im Laufe der Zeit verfügbar gemacht wurden.

Auf jeden Fall erstellte Lowagie zunächst ein Programm namens rugPdf, welches dann in der Universität eingesetzt wurde. Im Laufe der Zeit stellte er allerdings fest, dass er ein paar Designentscheidungen getroffen hatte, welche es anderen Entwicklern schwer machte, die Bibliothek zu nutzen, ohne selbst tiefere Kenntnisse der PDF-Spezifikation zu haben. Daraufhin programmierte er das Ganze neu und stellte es als iText unter der LGPL (Lesser General Public License) zur Verfügung. Gleichzeitig schrieb er als Dokumentation noch das Buch 'iText in Action'. Obwohl die Bibliothek sehr gut ankam und auch viel benutzt wurde, musste er frustriert feststellen, dass die Nutzer nur in geringem Maße Interesse hatte, für das Programm auch etwas zu zahlen. Durch die verwendete Lizenz mussten sie das auch nicht wirklich, da die Verwendung von iText unter LGPL hieß, dass man es im Normalfall kostenfrei nutzen konnte, ohne den eigenen Quellcode offen legen zu müssen. Selbst bei Google wurde iText in verschiedenen ihrer Dienste genutzt, aber von einer Kontaktperson bekam er nur zu hören: 'Google doesn't buy software. Google buys companies. The only way to make money from Google is to sell them your company.'

Daraufhin stellte er die Lizenz mit iText-Version 5 von LGPL zu AGPL (Affero General Public License) um. Dies bedeutete für Nutzer, dass sie iText auf Servern weiterhin kostenfrei nutzen konnten, aber dass - sofern damit etwas für externe Nutzer zur Verfügung gestellt wird - AGPL greift und die Software, welche iText verwendet , auch unter AGPL zur Verfügung gestellt werden muss. D.h. da durch iText PDFs generiert und diese den Nutzern von Diensten zur Verfügung gestellt werden (z.B. wenn Formulare oder Rechnungen generiert werden) müsste der Quellcode der Anwendungen, welche dies tun (also z.B. Webanwendungen von Banken, Shops oder Telekommunikationsdienstleistern), offengelegt werden. Da die meisten Nutzer daran allerdings eher nicht interessiert waren, konnten sie - wenn sie iText weiterhin nutzen wollten, spezielle Lizenzen von iText kaufen, mit denen sie von der Offenlegung befreit wurden. Somit wurde aus Lowagies Unternehmen tatsächlich ein profitables Unternehmen, welches in 2011 die Millionengrenze beim Umsatz überschritt. In 2012 waren sie dann bei 3.1 Mio. $ Umsatz und einem EBITDA von 1.4 Mio $.

In den Folgejahren wurde das Geschäft weiter ausgebaut durch Unterstützung neuer PDF-Standards (bei denen sich Lowagie einbringen durfte), den Ausbau entsprechender Vertriebsstrukturen und auch der Expansion nach Asien. Gleichzeitig machte sich Lowagie auch Gedanken über einen Verkauf seines Unternehmens. Dieser erfolgte dann größtenteils in 2015 an das koreanische Unternehmen Hancom für etwa 29 Mio. $ (siehe hier), wobei Lowagie dem Unternehmen als technischer Leiter erhalten blieb. Gleichzeitig gehörten ihm am Ende noch etwas über 23 % des Folgeunternehmens. Wie das aber meist so ist, kollidierten die Ansichten von Lowagie und den neuen Eigentümern bzw. den folgenden CEOs in vielen Dingen, was dann im Endeffekt vor Gericht endete. Dort einigte man sich schließlich, was dann dazu führte, dass Lowagie seine restlichen Anteile zu einem guten Preis verkaufen konnte und das Unternehmen in endgültig 2020 verließ.

Fazit:

Nach der Lektüre muss ich sagen, dass es ein wirklich sehr empfehlenswertes Buch ist. Lowagie geht auf verschiedenste Aspekte der Softwareentwicklung ein (z.B. Lizenzen), nennt konkrete Zahlen und beschreibt auch sehr ausführlich die Dinge, mit denen sich ein Unternehmer abseits der Technik auseinandersetzen muss. Man kann EntrepreNERD tatsächlich als Kochbuch zum Geldverdienen mit Open Source Software ansehen, welches Pflichtlektüre im Informatik- oder auch Wirtschaftsinformatikstudium werden sollte. Ich könnte mir vorstellen, dass ich - wenn ich es vor 20 Jahren gelesen hätte - heute weiter wäre. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Sonntag, 7. Juli 2019

Mohnish Pabrai - 'The Dhandho Investor' - "Heads, I win! Tails, I don't lose that much!"

Mohnish Pabrai - 'The Dhandho Investor' - "Heads, I win! Tails, I don't lose that much!"

Nach längerer Zeit habe ich mal wieder ein Buch zum Thema 'Value Investing' gelesen, welches ich absolut weiterempfehlen kann. Und zwar 'The Dhandho Investor - The Low-Risk Value Method to High Returns' vom indisch-amerikanischen Value Investor Mohnish Pabrai.

Zum Autor:

Mohnish Pabrai (Jahrgang 1964) war viele Jahre in der IT-Industrie tätig und verkaufte im Jahr 2000 eine von ihm gegründete IT-Beratungsfirma für 20 Mio. $ an Investoren. Seither fungiert er hauptsächlich als Manager des Pabrai Investment Funds. Seine großen Vorbilder sind Benjamin Graham, Warren Buffett und Charlie Munger. 2007 ersteigerte er zusammen mit seinem Kumpel Guy Spier (Autor des auch lesenswerten Buches 'The Education of a Value Investor') ein Mittagessen mit Buffett für knapp 650.000 $. In diesem Zusammenhang ist das tatsächliche Vorhandensein von Inflation gut erkennbar, denn in diesem Jahr ging dieses Wohltätigkeitsmittagessen für 4,57 Mio. $ weg. Aber das nur am Rande.

Pabrai ist bekennende 'Copycat' und investiert nach Buffetts Prinzipien. D.h. nur in Sachen, die er versteht (Invest in Simple Businesses), nur wenn etwas unter seinem 'inneren Wert' gekauft werden kann (Margin of Safety - Always) und sehr konzentriert (Few Bets, Big Bets, Infrequent Bets). Die Gebührenstruktur seines Fonds hat er an Buffetts Partnerships angelehnt. Beispiele seiner letzten bekannten Investments kann man bei Gurufocus einsehen (hier). Ich weiß, dass er in den letzten Jahren teilweise ein schlechtes Händchen hatte (Stichwort Horsehead), aber teilweise auch ein gutes (Stichwort Ferrari und Fiat Chrysler - wobei er wohl aus aktueller Sicht Fiat Chrysler genau so hätte verkaufen sollen, wie Ferrari). Er gibt seinen Ideen Zeit, sich zu entwickeln (Zeithorizont 3 Jahre). Kurzfristige Schwankungen nutzt er gerne aus, um preiswert nachzukaufen.

Zum Buch:

Das Buch selbst ist sehr gut und flüssig lesbar, allerdings mit 200 Seiten nicht sonderlich umfangreich. D.h. in 1-2 Urlaubstagen ist man damit durch. Es erschien 2007, also noch vor Ausbruch der Finanzkrise. Pabrai erklärt zunächst anhand einiger interessanter Fallbeispiele (z.B. von den Patel-Motels, Richard Bransons Virgin Atlantic oder aber Lakshmi Mittals Stahlimperium), wie man Investmententscheidungen treffen kann. Ein Satz, den man dabei relativ häufig liest, ist "Heads, I win! Tails, I don't lose that much!" D.h. es geht ihm darum, Investments zu finden, bei denen man viel gewinnen kann, wenn es gut läuft und nur wenig verliert, wenn es nicht gut läuft. Diese Idee findet man auch bei Seth Klarman wieder (Margin of Safety) oder Howard Marks. In den dann folgenden Kapiteln erläutert er, wie er selbst Investmentideen entwickelt ('Copycat') und wie er dann Investmententscheidungen trifft (u.a. Nutzung der sogenannten Kelly Formula). Der Rest geht dann leicht ins Philosophische über (u.a. Erläuterung von Abhimanyu's Dilemma oder aber auch, warum er 'The little book that beats the market' gut findet).

Fazit:

Alles in allem ist es ein nettes Buch, mit dessen Ideen ich mich sehr gut identifizieren kann. Wer sich für das Thema Value Investing interessiert, kann hier nicht viel falsch machen.

Dienstag, 23. Oktober 2018

Bruce Greenwald - 'Value Investing - From Graham to Buffett and Beyond'

Bruce Greenwald - 'Value Investing - From Graham to Buffett and Beyond'

Mein letztes 'Auf dem Weg zur Arbeit'-Buch war 'Value Investing - From Graham to Buffett and Beyond'. Dabei handelt es sich um einen knapp 300-seitigen Mix aus einer akademischen + gleichzeitig doch praxisnahen Betrachtung des Themas Value Investing sowie der Vorstellung von 8 ausgewählten Value Investoren. Das Buch erschien 2001 und wurde hauptsächlich vom bekannten Columbia University-Wirtschaftsprofessor Bruce Greenwald verfasst.

Zum Buch:

Auf den ersten 150 Seiten stellt Bruce Greenwald seine Sichtweise auf das Thema Value Investing vor. Er geht dabei vor allem darauf ein, wie sich der Wert eines Unternehmens zusammensetzt (=Asset Value + Earnings Power Value + Value of Growth) und welche Möglichkeiten es gibt, einen Näherungswert für diesen Gesamtwert zu bestimmen. Für eine Kauf- und Verkaufentscheidung ist dieser Wert dann mit dem aktuell am Markt aufgerufenen Preis zu vergleichen, wobei man - da es ja nur ein Näherungswert ist - eine sogenannte Sicherheitsmarge mit einfließen lassen sollte.

Anhand verschiedener 'echter' Fallbeispiele wie Hudson General, WD-40 und Intel geht er auf die verschiedenen Bestandteile des Gesamtwertes eines Unternehmens ein. D.h. bei Hudson General nimmt er die Bilanz auseinander (inkl. versteckter Assets), bei WD-40 bestimmt er den Earnings Power Value und bei Intel zeigt er, wie man dem Wachstum eines Unternehmens einen Wert zuweisen kann. Die gewählten Beispiele machen seine Herangehensweise relativ transparent, zeigen aber auch, dass eine Unternehmensanalyse in Summe dann auch recht umfangreich werden kann. Etwas verwirrend fand ich teilweise seine -verzeiht den Ausdruck - 'Korinthenkackerei' wo er hier mal 0.6 Mio. wegrechnet und da mal wieder hin um dann am Ende eine 'Bereinigung' des Näherungswertes von vielleicht einem Prozent zu erreichen. Kann man machen - muss man aber nicht.

Auf den letzten knapp 150 Seiten stellt er die Arbeitsweisen folgender (mehr oder weniger) bekannten Value Investoren vor: Warren Buffett (v.a. über Auszüge aus seinen Aktionärsbriefen), Mario Gabelli, Glenn Greenberg, Robert Heilbrunn, Seth Klarman, Michael Price, Walter + Edwin Schloss und Paul Sonkin. Diesen Teil fand ich auch sehr interessant, da man noch einmal schwarz auf weiß gezeigt bekommt, dass innerhalb der Disziplin des Value Investing auch 'Mehrere Wege nach Rom führen'.

Fazit:

Mir hat das Buch recht gut gefallen. Vor allem die Beschreibung der Arbeit der mir (bis auf die Namen) eher unbekannten Investoren fand ich sehr interessant. Buffett, Gabelli, Klarman und die Schlosses waren mir schon bekannt, aber auch die Herangehensweisen der anderen Investoren (und vor allem ihre Track Records wie z.B. die 25 % p.a. von Greenberg von 1984-2000) waren sehr nett zu lesen. Teilweise verliert er sich ein wenig zu sehr in Details und die Vorstellung von Buffett war für meinen Geschmack etwas zu umfangreich (wenn man dessen Biographie bzw. andere Zusammenfassungen seiner Aktionärsbriefe schon gelesen hat), aber das sei ihm verziehen. Die knapp 12 Euro, für die man es bei Amazon gebraucht erstehen kann, sind aber auf jeden Fall gut investiert.

Von Bruce Greenwald gibt es auf Youtube übrigens zahlreiche interessante Videos. Hier z.B. einmal ein interessantes Interview mit ihm (damit man mal ein Bild zum Namen vor Augen hat):

Sonntag, 19. August 2018

Charlie Munger - 'Poor Charlie's Almanack - The Wit and Wisdom of Charles T. Munger'

Charlie Munger - 'Poor Charlie's Almanack - The Wit and Wisdom of Charles T. Munger'

Zu Charles Munger:

Für diejenigen, die Charles Munger nicht kennen: er ist ein 1924 geborener Amerikaner, Rechtsanwalt, Investor und der Vize bei Berkshire Hathaway - der Investmentholding von Warren Buffett. Bekannt ist er vor allem für die Aussage 'I have nothing to add', welche die Besucher der Berkshire-Hauptversammlungen nach Buffett-Monologen in der Vergangenheit des Öfteren zu hören bekamen. Allgemein anerkannt ist sein positiver Einfluss auf Buffett. Er lenkte dessen Investmentverhalten in andere Bahnen und im Endeffekt führte das dazu, dass Berkshire zu dem wurde, was es heute ist. D.h. kein Textilunternehmen und keine Sammlung von Zigarrenstummel mehr, sondern eine Holding von hervorragend geführten, profitablen Unternehmen, erfolgreichen Geschäftsmodellen und damit einhergehend mit auch zukünftig hohen Überlebens- und Wachstumschancen bei eingeschränktem Risiko.

Munger ist extrem belesen. Folgendes Zitat aus dem Buch 'Poor Charlie's Almanack' fasst dies sehr gut zusammen: "In my whole life, I have known no wise people (over a broad subject matter area) who didn't read all the time - none, zero. You'd be amazed at how much Warren reads - and at how much I read. My children laugh at me. They think I'm a book with a couple of legs sticking out." Es gibt zwar einige Bücher über Charles Munger, aber nur wenige Bücher von ihm. Und das bekannteste davon ist sicherlich 'Poor Charlie's Almanack', welches es in einer 'normalen' Auflage gibt (in blau) und auch in einer verkürzten Fassung (in grün). Ich hatte mir die verkürzten Fassung gekauft.

Zum Buch 'Poor Charlie's Almanack - The Wit and Wisdom of Charles T. Munger':

Munger war und ist ein großer Bewunderer des Gründervaters, Verlegers, Erfinders, Wissenschaftlers, Diplomaten und Geschäftsmannes Benjamin Franklin, welcher vielen durch seine Abbildung auf dem 100-Dollar-Schein bekannt sein dürfte. Dieser veröffentlichte ab 1732/33 ein Jahrbuch namens 'Poor Richard’s Almanack', in dem er allerlei Lebensweisheiten einfließen ließ. Was lag für Munger also näher, sein Wissen und seine Ansichten auch in einer an 'Poor Richard’s Almanack' angelehnten Art und Weise zu veröffentlichen. Dies erfolgte dann in 2005 als 'Poor Charlie's Almanack - The Wit and Wisdom of Charles T. Munger'.

Auf 240 Seiten wird extrem humoristisch aber gleichzeitig auch lehrreich auf seinen Einluss auf Buffett, seine Ansichten im Bezug auf Investments und die menschliche Psychologie eingegangen. Den Hauptteil des Buches machen 4 Vorträge aus, welche er an diversen akademischen Einrichtungen wie Harvard, der University of Southern California oder Stanford gehalten hatte. Der 4. und längste Vortrag namens 'The Psychology of Human Misjudgement' stellt dabei eine Zusammenfassung von 3 separaten Einzelvorträgen dar.

Neben Investmentthemen werden auch viele allgemeine Dinge besprochen, wie z.B. wie man Erfolg im Leben haben wird (u.a. durch das Fernhalten von bewusstseinsverändernden Substanzen und durch das gelegentliche (oder doch eher ständige) Betrachten von Problemstellungen aus anderen Blickwinkeln - ich sage nur 'Invert, always Invert') oder aber wie sich bestimmte Verhaltensweisen von Menschen erklären, beeinflussen und ausnutzen lassen (25 tendencies).

Die Art und Weise, wie die Aussage und Vorträge innerhalb des Buches verarbeitet werden, hat mir sehr gut gefallen. Es gibt extrem viele Abbildungen und Karrikaturen, welche einerseits unterhaltend und auflockernd, aber gleichzeitig auch erläuternd wirken. Das macht das Buch insgesamt extrem abwechslungsreich und regt dazu an, es doch immer mal wieder in die Hand zu nehmen und darin herumzublättern. Witzig fand ich, dass es bekannte Schreibfehler ins Buch geschafft haben: auf S. 52 hat doch tatsächlich jemand Buffett mit lediglich einem t geschrieben - ein Fehler, der sich bis in die heutige Zeit gerettet hat :-) Auf den letzten Seiten wird auch noch einmal Mungers Leben zusammengefasst dargestellt mit diversen wichtigen Ereignissen wie z.B. seinem ersten Treffen mit Buffett 1959 bei einem Dinner der Familie Davis.

Fazit:

Das Buch ist nicht ganz billig und nicht wirklich handlich, aber gleichzeitig Pflichtliteratur. Ich habe es bis jetzt mehrmals durchgeblättert, einmal gelesen und werde es wohl auch in Zukunft immer mal wieder in die Hand nehmen. Insgesamt gesehen also absolut empfehlenswert.

Dienstag, 24. Juli 2018

Matthew Symonds - 'Softwar: An Intimate Portrait of Larry Ellison and Oracle' (2003)

Matthew Symonds - 'Softwar: An Intimate Portrait of Larry Ellison and Oracle'

Kürzlich habe ich das Buch 'Softwar: An Intimate Portrait of Larry Ellison and Oracle' gelesen und es hat mir insgesamt gut gefallen. Ich hatte es schon längere Zeit im Regal stehen, da ich als Java-Entwickler mit Studienschwerpunkt Datenbanken schon viele Jahre Produkte der Firma Oracle nutze und in gewissem Sinne auch mehr über den - oberflächlich betrachtet arrogant wirkenden - Larry Ellison erfahren wollte. Das Buch kam 2003 heraus und wurde vom britischen Autor Matthew Symonds geschrieben, nachdem dieser Larry Ellison rund 3 Jahre sowohl privat als auch beruflich begleitete.

Zu Larry Ellison:

Er ist ein 1944 in New York geborener US-Amerikaner jüdischer Herkunft, der im Alter von 9 Monaten von seiner Mutter an Tante und Onkel gegeben wurde, die ihn anschließend adoptierten. Dass er adoptiert war, erfuhr er erst später. Seine leibliche Mutter traf er erst im Alter von 48 Jahren. Er brach sein Studium ab und arbeitete anschließend in der IT-Branche. Durch das Lesen von diversen eher theoretischen Veröffentlichungen während Leerlaufzeiten und Nachtschichten auf der Arbeit kam er auf die Idee, eine neue relationale Datenbank zu entwickeln.

Bei relationalen Datenbanken werden vereinfacht gesagt Daten 'normalisiert' und dann auf verschiedene Datenbanktabellen verteilt, welche miteinander in Verbindung stehen über sogenannte Primärschlüssel und Fremdschlüssel. Auf die Daten wird dann per SQL zugegriffen, um Informationen zu erfragen. Auf jeden Fall entstand dadurch die Oracle Datenbank und später auch das gleichnamige Unternehmen. IBM dominierte zu der Zeit den Datenbankmarkt mit der DB2 auf Mainframes (Großrechnern). Oracle ging letztendlich als Sieger im DB-Markt für Unix- und Windowsrechner hervor (+ läuft auch auf Mainframes) und kann auch heute noch als Marktführer bei Datenbanken betrachtet werden. Ich war bisher auf keinem Projekt tätig, bei dem keine Oracle-Datenbank im Einsatz war.

Das Buch beschreibt auf knapp 400 Seiten größtenteils den Aufstieg und die ständige Weiterentwicklung von Oracle im Bereich der Datenbanken und Unternehmensapplikationen. Dabei wird auf diverse technische und innerbetriebliche Probleme eingegangen, mit denen Ellison zu kämpfen hatte. Ich wusste z.B. nicht, dass sie Anfang der 90er Jahre aufgrund von Fehlmanagement kurz vor der Pleite standen oder dass es innerhalb des Unternehmens immer wieder Grabenkämpfe gab (z.B. Ray Lane vs. Safra Catz (jetzige Co-CEO)). Als Grundvoraussetzung der Weiterentwicklung des Unternehmens brauchte Ellison immer wieder neue Feindbilder. Stellvertretend seien hier Sybase, Informix, Microsoft, Peoplesoft, Siebel und SAP genannt (wichtig: das Buch ist aus 2003). Aus heutiger Sicht würden wahrscheinlich Google, Amazon, Mongo DB und Salesforce (Salesforce-Gründer Marc Benioff stieg 99 bei Oracle aus, um sein Unternehmen zu gründen) dazu kommen.

Sehr interessant fand ich, dass Ellison zwar durchaus ein Lautsprecher/Großmaul ist/war, aber gleichzeitig auch - ähnlich seinem sehr guten Freund Steve Jobs - ein Visionär, der seiner Zeit oft voraus eilte. Beispiele dafür:

  • Er erkannte das Potential von Relationalen Datenbanken und den Markt für solche abseits der Großrechner. Dies führte dann zum Aufstieg von Oracle.
  • Er war relativ früh im Video On Demand-Bereich unterwegs, der sich aber damals noch nicht durchsetzen konnte (im Gegensatz zu Netflix Jahre später).
  • Zur Präsentation von Windows 95 nannte er PCs 'lächerliche Maschinen' und dass die Zukunft Netzwerkrechnern gehört (also mehr oder weniger das, was Smartphones und Tablets heute im Verbund mit den zahlreichen Cloudapplikationen und Webseiten darstellt). Hierbei muss man verstehen: er kam von Unix und Mac. Von daher war Windows 95 für ihn eher ein Rückschritt. Ich, viele meiner Freunde und der überwältigende Teil der Computernutzer damals kamen aber von MS DOS und Windows 3.1. Für uns war Windows '95 ein Riesenfortschritt und die Informationsmöglichkeiten für Nerds wie uns waren damals auch eher eingeschränkt. Von daher ist/war der Erfolg von Microsoft für mich im Nachhinein absolut nachvollziehbar.
  • Er sagte, dass sich Clustering aus Kosten-Nutzen-Aspekten durchsetzen wird; d.h. viele preiswerte Maschinen mit guter, aber nicht überragender Einzelperformance, die im Verbund zusammen arbeiten (idealerweise mit Linux + Oracle-Datenbank), anstelle von teuren Großrechnern

Immer wiederkehrend sind im Buch Kommentare zu Microsoft und Bill Gates zu finden, die man (neben SAP) durchaus als seine Lieblingsfeinde ansehen kann. An einer Stelle macht er sich z.B. darüber lustig, wie jemand Microsoft als innovationsfreudig bezeichnet, da er der Meinung ist/war dass Microsoft lediglich exzellent im Kopieren von Ideen/Technologien (so wie Rocket Internet :-)) und Zerstören von Konkurrenzunternehmen ist. Interessant ist in diesem Zusammenhang übrigens, dass Oracle genau einen Tag vor Microsoft an die Börse kam (damals am 12.03.1986 mit 2.1 Mio. Aktien zu einem Preis von 15 $) und dass Gates und Ellison sich über einige Jahre einen Zweikampf um die Spitze der Forbes-Liste lieferten, den Ellison dann am Ende doch irgendwie verlor. Am Hungertuch nagen muss er allerdings trotzdem nicht, da er immer noch einer der weltweit reichsten Leute ist - seit mittlerweile mehr als 20 Jahren.

Seinen anderen Leidenschaften (Frauen und Segeln) sind im Buch auch einige Kapitel gewidmet, wobei ich die Abschnitte zum Segeln (sein Team gewann 2013 und 2017 den America's Cup) weniger lesenswerter fand, als die zu den Frauen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich zwar langjähriger Playboy-Leser bin, aber mit Segeln so was von gar nichts anfangen kann.

Fazit:

: Es stellt keine klassische Biographie dar, auch wenn viele Informationen Larry Ellison‘s Vergangenheit betreffen. Man könnte Ellison als Co-Autor von Softwar nennen, da auf eigentlich jeder zweiten Seite ein Kommentar von Ellison enthalten ist, welcher seine Sicht der Dinge erklärt. Auch wenn durch diese Art des Schreibens wesentlich mehr Informationen im Buch untergebracht werden konnten, ist es dem Lesefluss alles andere als zuträglich. Aber am Ende kam es mir ja auf die Informationen an und wie man diese aus Sicht 2018 im Kontext 'veröffentlicht in 2003' lesen kann. Alles in allem fand ich das Buch recht lesenswert und das Unternehmen Oracle, welches in meinem Depot liegt, ist zukünftig durchaus auch mal einen Artikel wert.

Mittwoch, 9. Mai 2018

John Kenneth Galbraith - 'The Great Crash 1929'

John Kenneth Galbraith - 'The Great Crash 1929'

Im Januar hatte ich John Kenneth Galbraith's 'A Short History of Financial Euphoria' besprochen und empfohlen. Im Zuge dessen hatte ich auch sein bekannteres Werk 'The Great Crash 1929' bestellt, dessen Vorstellung mit meinem heutigen Artikel erfolgt.

Zum Buch 'The Great Crash 1929':

Zum Autor hatte ich bereits im Artikel zu 'A Short History of Financial Euphoria' etwas geschrieben, so dass ich mir gerne sparen würde, mich zu wiederholen. D.h. wer mehr über diesen interessanten Zeitgenossen wissen möchte, sollte meinen Artikel oder aber direkt den Galbraith Wikipedia-Eintrag lesen. Das Buch 'The Great Crash 1929' wurde Mitte der 50er Jahr erstmals veröffentlicht und beschreibt - wie man dem Namen schon entnehmen kann - die Situation vor, während und nach der Mutter aller Börsencrashes Ende Oktober 1929. Ich selbst las eine Auflage aus dem Jahr 1988, welche im Vorwort noch ein paar Vergleiche zwischen 1929 und dem kurz vorher stattgefundenen 1987er-Crash beinhaltete. Aktuellere Auflagen nehmen wohl sogar Bezug auf die dem Großteil der Anleger noch vertrauteren Crashes 2000 und 2009. Meine Ausgabe hat 194 Seiten und unterteilt sich in 9 Kapitel zzgl. der erweiterten Einführung.

Über die Beschreibung des Immobilienbooms Anfang der 20er Jahre in Florida, die Flutung der Märkte mit Liquidität (nach Zinssenkungen der FED), der ständig steigenden Handelsvolumen (gehandelte Aktien/Tag), die Entstehung von neuen Finanzvehikeln (in dem Falle Investment Trusts/Holding Companies) und einer gewissen Euphorie (Jeder Amerikaner hat das Recht, reich zu werden) gelangt er zum eigentlichen Crash ab dem Schwarzen Freitag (24.10.1929 - eigentlich ein Donnerstag). Danach zeigt Galbraith die kurzfristigen Auswirkungen (d.h. Tage, Wochen danach) und die längerfristigen Auswirkungen auf (d.h. Monate und Jahre danach). Wenn man es sich nämlich einmal genauer anschaut, war der Crash an sich aus meiner Sicht gar nicht so schlimm. Schlimmer war die darauf folgende Weltwirtschaftskrise, die dann in Deutschland im Endeffekt den Aufstieg des Nationalisozialismus begünstigte. Darauf geht er allerdings eher weniger ein. Stattdessen schreibt er mehr über die Massenarbeitslosigkeit in den USA und die suboptimale Behandlung der Gesamtsituation durch den damals amtierenden Präsidenten Hoover, welcher folgerichtig 1933 in seinem Amt abgelöst wurde.

Als Anleger in der heutigen Zeit können wir uns dahingehend an dem damaligen Crash erfreuen, dass in Folge dessen der Wertpapierhandel reguliert wurde (Stichworte Börsenaufsicht SEC). Darüber hinaus war der Crash sicherlich auch ein Grund für Benjamin Graham zusammen mit David Dodd 1934 das Buch 'Security Analysis' zu veröffentlichten als eine Art 'Lessons learned'. Und das kann man wiederum als Geburtsstunde des Value Investing ansehen.

Fazit:

Die wohl Galbraith-typische blumige und teils humoristische Darstellung von Gegebenheiten, welche ich in der bereits genannten Galbraith-Buch-Besprechung angemerkt hatte, setzt sich auch in 'The Great Crash 1929' fort und ist hier meiner Meinung nach noch extremer. Von daher ertappte ich mich sehr oft dabei, dass ich Textabschnitte erneut lesen musste, da ich nicht verstand, was er eigentlich ausdrücken wollte. Darüber hinaus sind in dem Werk so viele Namen von Personen, Organisationen und Unternehmen enthalten, dass man relativ schnell den Überblick verlieren kann, über wen man da eigentlich gerade liest (Wer war XYZ nochmal?).

Mein Fazit zu 'The Great Crash 1929' ist daher eher, dass es ein durchaus interessantes Buch ist, aber dass ich es nicht wirklich als Buch empfehlen kann, welches man gelesen haben muss. Wer mehr über das Thema des Börsencrashs erfahren möchte, den bringen die Wikipedia-Artikel zum Schwarzen Freitag und der Weltwirtschaftskrise sehr wahrscheinlich eher ans Ziel. Die sich aus dem Buch ergebenden Muster zum Entstehen von Überbewertungen/Blasen (z.B. lockere Geldpolitik, neue Finanzprodukte, Spekulieren auf Kredit, Kauf von Wertpapieren durch uninformierte Anleger...) sind in 'A Short History of Financial Euphoria' meiner Ansicht nach besser beschrieben.

Zum Abschluss hier noch der interessante deutsche Fernsehfilm 'Der Schwarze Freitag' aus dem Jahr 1966 mit Curd Jürgens als Richard Whitney (damals Vizepräsident der New Yorker Börse):

Samstag, 21. April 2018

Till Schwalm - 'Einfach Investieren - Grundlagen des Value Investing'

Till Schwalm - 'Einfach Investieren - Grundlagen des Value Investing'

Immer wieder liest man im Internet Meldungen a la 'Ich würde gerne mit dem Investieren anfangen. Was sollte ich beachten?' Meine Pauschalantwort darauf lautet eigentlich immer: 'Nicht direkt loslegen, sondern erstmal lesen, lesen, lesen.' Bisher hatte ich dann auch ein paar Buchtipps parat, wie Kostolany's 'Die Kunst über Geld nachzudenken', Grahams 'The Intelligent Investor' oder aber Lynch's 'One up on Wall Street'. Seit neuestem kann ich dieser Empfehlungsliste ein weiteres sehr gutes Buch hinzufügen, nämlich das kürzlich erschienene 'Einfach investieren - Grundlagen des Value Investing' von Till Schwalm. Till war so nett und hat mir ein Exemplar zur Durchsicht zukommen lassen.

Zum Autor Till Schwalm:

Till Schwalm (Jahrgang 1986) ist ein Investor, Buchautor, Blogger und Familienvater aus Oldenburg. Er studierte an der schweizerischen Universität St. Gallen erfolgreich BWL und Buchwissenschaften und kann in Folge dessen einen M.A. HSG in Banking & Finance vorweisen. Beruflich war er in den vergangenen Jahren bei einigen Finanzunternehmen tätig (u.a. Warburg Invest Kapitalanlagegesellschaft mbH, EFG Financial Products AG und LOYS AG). Darüber hinaus veröffentlicht er des öfteren Artikel im Finanzblog 'Gewinnbringend investieren', wodurch wir im Endeffekt auch in Kontakt gekommen sind.

Zum Buch 'Einfach Investieren - Grundlagen des Value Investing':

'Einfach investieren - Grundlagen des Value Investing' ist - wie man dem Namen schon entnehmen kann - vor allem für Anfänger im Bereich des Investierens in Wertpapiere gedacht. Allerdings ist es durchaus auch für Leute wie mich, die schon ein wenig Zeit mit Aktienauswahl verbracht und den ein oder anderen Börsenzyklus durchlebt haben, zum Auffrischen des bisher Gelernten geeignet. Grob ist das Buch in die Abschnitte 'Grundlagen des Investierens', 'Vorgehen beim Investieren' und 'Analyse zum Investieren' unterteilt.

Auf etwas mehr als 200 Seiten erfährt der Leser dabei viele interessante Dinge zu Themen wie 'Was ist die Börse (=ein Handelsplatz für Wertpapiere)', 'Was ist eine Aktie (=ein Anteil an einem konkreten Unternehmen)', 'Was versteht man unter wertorientiertem Investieren (=Value Investing)', 'Welche Eigenschaften sollte ich mitbringen bzw. im Laufe der Zeit entwickeln (=v.a. Geduld)' oder aber 'Worauf sollte ich bei Unternehmensbewertungen achten'. Den meisten Fragestellungen ist dabei jeweils ein 3-4-Seiten-Abschnitt gewidmet inkl. kurzer Zusammenfassung der getätigten Aussagen. Dadurch lässt sich das Buch sehr flüssig lesen, was allerdings auch an der schnörkellosen und für jedermann verständlichen Schreibweise liegt. Dies hebe ich deswegen hervor, da ich mich vorher mehr oder weniger durch ein anderes Buch kämpfen musste, bei dem eben genau das nicht der Fall war.

Das Hauptaugenmerk des Autors liegt darin, dem Leser das Vokabular eines Investors nahe zu bringen und ihm dabei auch die Vorzüge des 'richtigen Weges' schmackhaft zu machen. Mit 'dem richtigen Weg' meine ich hierbei das langfristig angelegte wertorientierte Investieren, was auch unter dem Namen 'Value Investing' bekannt ist. Till lässt relativ viele Zitate bekannter Investoren wie Andre Kostolany oder Warren Buffett einfließen und bringt an geeigneten Stellen auch Beispiele aus seiner eigenen Investorenlaufbahn ein. Dabei beschränkt er sich nicht nur auf Heldengeschichten, sondern zeigt auch auf, dass man trotz größter Sorgfalt (d.h. Hausaufgaben erledigt + Sicherheitsmarge eingehalten) auch mal danebenliegen kann.

Fazit:

Mit 'Einfach investieren - Grundlagen des Value Investing' ist Till ein sehr gutes Buch gelungen, welches man uneingeschränkt als Einstiegs- und Auffrischungslektüre empfehlen kann. Durch meine eigenen Erfahrungen mit und Sichtweisen zum Value Investing finde ich mich an vielen Stellen wieder. Besonders gut fand ich den Abschnitt über die Easy-Buffett-Bewertungsmethode (aus dem Buch Buffettology), welche ich auch ab und an einsetze. Durch das Buch bekommt man das notwendige Rüstzeug an die Hand, um mit dem Investieren seine ersten Erfahrungen zu sammeln. Darüber hinaus werden zahlreiche Bücher empfohlen, welche zur Erweiterung der gewonnenen Erkenntnisse genutzt werden können (und auch genutzt werden sollten). Einziger Kritikpunkt aus meiner Warte ist, dass Till es teilweise mit dem Eindeutschen englischer Fachbegriffe übertrieben hat (Stichwort Schnäppchenfalle für Value Trap). Aber das ist dann am Ende doch Geschmackssache. Kurzer Hinweis noch am Ende: Ich bekomme keinerlei Geld oder sonstiges für diesen Artikel. Ich finde es wirklich sehr gut und wäre froh gewesen, wenn mir vor 20 Jahren jemand so ein Buch in die Hand gedrückt hätte.

Freitag, 26. Januar 2018

John Kenneth Galbraith - 'A Short History of Financial Euphoria'

John Kenneth Galbraith - 'A Short History of Financial Euphoria'

In letzter Zeit wird das Wort Spekulationsblase im Bezug auf die Finanzwelt ja doch öfter einmal wieder in die Hand genommen. Da gibt es eine Blase bei den Immobilienpreisen, eine Blase am Aktienmarkt und am lautstärksten aktuell eine Blase bei den Kryptowährungen. Ich persönlich bin immer relativ schlecht in der Einschätzung der aktuellen Lage und auch als Ratgeber diesbezüglich eher weniger zu gebrauchen. Von daher empfehle ich Leuten, die zu den Themen Input benötigen, gerne Bücher von Autoren, die eine wesentlich höhere Erfahrung haben/hatten und diese auch in ansprechender Art und Weise zu Papier bringen konnten. Meine heutige Empfehlung wäre John Kenneth Galbraith's 'A Short History of Financial Euphoria'.

Zum Autor John Kenneth Galbraith:

Der in Kanada geborene John Kenneth Galbraith (1908-2006) war ein Ökonom, der viele Jahre als Professor an der Harvard Universität gelehrt hat. Bekanntheit erlange er aber v.a. durch seine mehr als 40 Bücher und seine Tätigkeit als Amerikanischer Botschafter in Indien während John F. Kennedy's kürzer als initial geplanter Amtszeit. Der Demokrat verfasste u.a. das Buch 'The Great Crash 1929', in dem er sich mit der Zeit vor, während und nach dem großen Börsencrash im Oktober 1929 und der damit verbundenen Weltwirtschaftskrise befasste. Im Internet kann man auch zahlreiche interessante und auch witzige Zitate von ihm finden wie z.B. 'Under capitalism, man exploits man. Under communism, it's just the opposite.' oder aber 'Economics is extremely useful as a form of employment for economists.'

Zum Buch 'A Short History of Financial Euphoria':

Auf sehr überschaubaren 110 Seiten beschäftigt sich Galbraith mit Blasen an Finanzmärkten und sucht bestimmte Charakteristika, welche allen gemein war. Im Detail geht er auf folgende Ereignisse der Finanzgeschichte ein:

  1. Die Tulpenmanie in Holland
  2. John Law und die Mississippi-Spekulation
  3. South Sea Bubble/Südseeblase
  4. First Bank of the United States/Second Bank of America
  5. Den Eisenbahnboom in den USA und dem damit verbundenen Boom mit Aktien der Eisenbahngesellschaften
  6. Die Blase vor dem großen Crash 1929
  7. Die Blase in den 80ern inkl. den Junk Bonds bis zum Crash im Oktober 1987

Da meine Ausgabe des Buches aus 1993 stammt, sind die DotCom-Blase und die Immobilienblase in Amerika natürlich nicht enthalten.

Als gemeinsame Eigenschaften der Blasen stellt er Folgende heraus:

  1. Es muss irgendwas faszinierendes Neues geben, mit dem den Leuten die Erfahrung fehlt. Dies ist der Katalysator für das Entstehen der Blase.
  2. Die 'Lautsprecher' dieser neuen Art des Geldmachens werden am Anfang als Genies gefeiert (z.B. John Law, Michael Milken oder Bodo Schäfer).
  3. Warnende Stimmen werden ignoriert (Dieses Mal wird alles anders - siehe auch Einleitung zu Warren Buffetts Biographie 'Das Leben ist wie ein Schneeball').
  4. Es werden Schulden zum Hebeln der Gewinne aufgenommen.
  5. Die Bewertungen der gehandelten Sachen gehen in wirtschaftlich nicht mehr begründbare Höhen. Viele denken, dass jeder ohne Anstrengung reich werden kann.
  6. Plötzlich bricht das Kartenhaus zusammen. Durch die mit der Verschuldung verbundenen Margin Calls wird der Zusammenbruch beschleunigt.
  7. Es werden Schuldige gesucht und oft die unter 2. noch als Genies bewunderten als solche identifiziert.
  8. Bei den meisten Beteiligten setzt finanzielle Demenz ein, so dass die gerade geplatzte Blase auch in Zukunft nicht die letzte bleiben wird.

Fazit:

Mir hat das Buch gut gefallen, auch wenn mir die zahlreichen Beispiele schon bekannt waren (u.a. aus Andre Kostolany's 'Die Kunst über Geld nachzudenken' oder aber Peter Lynch's 'Learn to Earn'). Galbraith hat aber einen besonderen Wortwitz, auch wenn ich zugeben muss, dass mir doch des öfteren Worte völlig unbekannt waren. Das mit dem 'Easily read' auf dem Titel konnte ich als Nicht-Englisch-Muttersprachler so nicht ganz bestätigen. D.h. frühs vor der Arbeit war das Verständnis da und Abends nach der Arbeit musste ich die ein oder andere Passage dann doch nochmal lesen.

Wie bereits erwähnt, ist das Buch lediglich 110 kleine Seiten lang. Da ist manches Krypto-Whitepaper länger :-) Die von mir investierten 6,79 € zzgl. 3 € Versand waren eigentlich zu viel, wenn man ehrlich ist. Hat man aber einmal die Chance, es irgendwo auf dem Flohmarkt zu erhaschen, sollte man auf jeden Fall zugreifen. Zur Vervollständigung meiner Privatbibliothek ist es gut geeignet und Galbraith's bekannteres Werk 'The Great Crash 1929' ist auch schon auf dem Weg zu mir.

Abschließend zum Thema Blase noch ein Video, was ich ganz witzig fand. Da interviewt ein Fitness-Experte zwei 'Kryptomillionäre', die es während des Interviews kaum schaffen, mal ne halbe Minute nicht mit ihren Smartphones rumzuspielen. Aber seht selbst:

Freitag, 12. Januar 2018

Dr. Charlie Tian: 'Invest like a Guru - How to generate higher returns at a reduced risk with Value Investing'

Dr. Charlie Tian: 'Invest like a Guru - How to generate higher returns at a reduced risk with Value Investing'

Heute würde ich euch gerne das Investing-Buch vorstellen, welches ich zuletzt gelesen habe: Dr. Charlie Tian's 'Invest like a Guru - How to generate higher returns at a reduced risk with Value Investing'. Als Nutzer der Webseite Gurufocus sowie deren Benachrichtigungssystem war es unmöglich, zu übersehen, dass der Gründer/CEO ein Buch geschrieben hat. Ich hatte zwar Bedenken, dass es sich bei dem Buch mehr um eine Werbung für die Webseite handelt. Glücklicherweise hat sich das aber nicht bewahrheitet. Dr. Tian hat ein recht informatives und lesenswertes Buch erstellt, bei dem die Querverweise auf Gurufocus so klein wie möglich gehalten wurden.

Zum Autor:

Dr. Charlie Tian ist chinesischer Herkunft, aber seit mindestens 1998 in den USA tätig. Er ist promovierter Physiker und sein Spezialgebiet waren Lichtwellenleiter (fiber optics bzw. umgangssprachlich auch Glasfaserkabel). Laut eigener Aussage war er an 32 Patenten beteiligt, wobei ich bei einer Suche in DEPATIS-Net, welches auch Informationen zu Patenten außerhalb Deutschlands enthält, leider keine finden konnte. Und auch bei Google Patents wurde ich nicht fündig. Das ist jetzt aber nicht weiter ungewöhnlich, da diese sicherlich nicht unter seinem 'westlichen' Namen eingereicht wurden. Beim Lesen des Wikipedia-Lichtwellenleiter-Artikels habe ich zu großen Teilen nur Bahnhof verstanden. Wer darin Experte ist, für den müsste das Lernen von Investieren ja Pillepalle sein.

Zum Buch:

Der relevante Teil des Buches erstreckt sich über knapp 180 Seiten und 10 Kapitel. Es beginnt mit seinem Einstieg in die Investmentwelt 1998, welche eher technisch getrieben war. D.h. er kannte sich im Glasfaserbereich aus und kaufte daher unabhängig von Gewinn- und Verlustrechnungen bzw. Bilanzen Aktien von Unternehmen dieser Branche. Wie wir alle wissen, ging das bis Anfang 2000 gut und danach eher nicht mehr so. Im Endeffekt stand er zum Schluss bei knapp 90 % Verlust, war aber froh, dass ihm zu der Zeit absolut gesehen nicht so viel Geld zur Verfügung gestanden hat, so dass es nicht existenzbedrohend für ihn war.

Wie das als Wissenschaftler nun mal so ist, hat er sich von diesem Rückschlag nicht beirren lassen und sich gesagt 'Es muss doch einen Weg geben, dass irgendwie systematisch anzugehen'. Unter Anwendung des Zulu-Prinzips las er erstmal unzählige Bücher zum Thema, sowie Buffett's Aktionärsbriefe und baute dann ab 2004 nebenberuflich (Frühs vor der Arbeit, Abends nach der Arbeit und an den Wochenenden) die bereits genannte Webseite Gurufocus auf. Zentrale Idee dabei war, dass man wahrscheinlich viel aus den Investmententscheidungen erfolgreicher Investoren lernen kann und so wurde die zeitnahe Auswertung der 13F-Filings, mit denen institutionelle Investoren einen Teil ihrer Investments öffentlich machen müssen, Hauptbestandteil der Webseite. Als mehr und mehr Nutzer seine Seite besuchten und auch dafür zahlten, gab er seinen ursprünglichen Job auf und widmete sich voll und ganz seinem neuen 'Baby'.

Ich selbst bin ja auch ein großer Fan von Gurufocus und hatte sie ja schon mal vorgestellt (siehe hier), da es für mich die Webseite ist, die in den meisten Fällen den Ausgangspunkt für meine Unternehmensanalysen darstellt. Nennt jemand ein Unternehmen, so schaue ich mir dessen Kennzahlen dort schnell an und entscheide dann, ob ich tiefer in eine Analyse einsteige oder nicht.

Dr. Tian nennt im Buch Peter Lynch, Warren Buffett und Donald Yacktman als diejenigen, die ihn und seinen Investmentprozess am meisten beeinflusst haben. Von daher ist es auch wenig verwunderlich, dass er in Folge auf die aus Peter Lynch's 'One Up on Wall Street' bekannten 6 Aktienkategorien (Turnarounds, Cyclicals, Asset Plays, Fast Grower, Slow Grower, Stalwarts) eingeht.

Für Asset Plays bzw. Deep-Value-Aktien hat er sogar ein eigenes Kapitel geschrieben, in dem er allerdings auch aufzeigt, dass diese Strategie heutzutage nicht mehr so gut funktioniert - unabhängig davon, was z.B. der Net-Net-Hunter immer so schreibt. Der investiert nämlich v.a. in japanische oder sonstige asiatische Net-Nets, mit denen ich persönlich nicht so viel anfangen kann. Meine Erfahrungen decken sich größtenteils mit denen von Dr. Tian. Bei Balda oder Heliad hat es für mich in der Vergangenheit mal geklappt, bei Support.com nicht (sind immer noch am Geldverbrennen).

Auch von Zyklikern und Turnarounds lässt er größtenteils die Finger und versucht, sich auf Top-Unternehmen zu vernünftigen Preisen zu beschränken. Wie er diese identifiziert und prüft, beschreibt er in den Kapiteln 5 und 6. Zum Ende hin gibt es dann noch ein paar interessante Kapitel zu Value Traps, Passiven Investments (ETF) und Marktzyklen. Besonders geeignet zur Auffrischung meiner Kenntnisse fand ich allerdings den Abschnitt zu den verschiedenen Bewertungsmethoden. Natürlich waren hier auch die Klassiker wie KUV, KGV oder KBV enthalten, aber dass er auch die Graham Number (bekannt aus The intelligent Investor) oder die Peter Lynch Earnings Line bezüglich ihrer Verwendbarkeit aus heutiger Zeit betrachtet hat, fand ich toll.

Fazit:

Alles in allem ist 'Invest like a Guru' meiner Meinung nach ein sehr gutes Buch geworden. Ich finde mich an vielen Stellen wieder und hätte - wie eingangs schon geschrieben - wesentlich mehr Werbung für Gurufocus erwartet. Glücklicherweise schreibt er aber immer nur beiläufig 'übrigens haben wir dafür Tool X oder Screener Y'. Dem Autor selbst merkt man allerdings auch seinen akademischen Hintergrund an. D.h. das Buch ist nicht so ganz unterhaltsam, wie von Kostolany oder aber Lynch. In Summe würde ich daher 4 von 5 Sternen vergeben auf der Amazon-Skala.

Was man beim Lesen übrigens nebenbei noch lernen kann, ist, dass eine strukturierte Herangehensweise in Verbindung mit harter Arbeit beim Aufbauen eines Systems die Chancen auf Erfolg und damit verbundene finanzielle Freiheit deutlich erhöht. Sein System heißt Gurufocus und Dr. Tian hat daran vor der Arbeit, nach der Arbeit und an Wochenenden getüftelt. Das System dürfte jetzt auch funktionieren, ohne dass er im Büro ist und seine Mitarbeiter überwacht:

  1. Die Datenerfassung ist wahrscheinlich größtenteils automatisiert.
  2. Die Artikel werden sowohl von Redakteuren als auch von Mitgliedern geschrieben (wie z.B. Geoff Gannon - teilweise im Eigennutz, um Leute auf eigene Webseite zu locken)
  3. Einnahmen kommen über Werbung und Abos (er schreibt von knapp 300.000 regelmäßigen Nutzern und 17.000 Abonenten, wobei ein Abo mittlerweile mind. 399 $ pro Jahr kostet)

Sein Erfolg sein ihm gegönnt.

Auf Youtube konnte ich noch folgendes Video finden, in dem Dr. Tian als semi-gut verständliche 'Spaßkanone' Value Investing im Allgemeinen und sein Buch im Speziellen vorstellt:

Freitag, 15. Dezember 2017

Jim Slater - 'The Zulu-Principle - Making Extraordinary Profits From Ordinary Shares'

Arista Networks (ANET): Auf den Spuren eines deutschen IT-Genies

Was ist das Zulu-Principle? Laut Jim Slater, der 1992 das Buch 'The Zulu-Principle - Making Extraordinary Profits From Ordinary Shares' (bzw. 1996 die aktualisierte Ausgabe 'Beyond the Zulu Principle') veröffentlichte, handelt es sich dabei um eine Herangehensweise der Wissensgewinnung zu einem bestimmten Thema. Er nannte es so, da seine Frau nichts über die Zulus, einen afrikanischen Volksstamm, wusste, aber durch intensive Auseinandersetzung mit dem Thema zu einer kleinen Expertin auf diesen Wissensgebiet wurde. Im Jahre 1959 war er im gehobenen Management bei dem Unternehmen AEC Limited tätig und häufig in 'Übersee' unterwegs. Als Brite war damit v.a. der Rest von Europa gemeint :-) Auf einem seiner Reisen nach Spanien steckte er sich mit einer Krankheit an, die ihn erkennen lies, dass es vielleicht nicht die schlechteste Idee wäre, sich ein zweites Standbein aufzubauen. Dieses sollte bei ihm der Aktienmarkt werden.

Da er sich relativ wenig mit Aktien auskannte, wendete er das Zulu-Prinzip bei sich selbst an, in dem er 2 komplette Jahrgänge der beiden Finanzmagazine 'The Stock Exchange Gazette' und 'Investor Chronicle' kaufte. Er war davon überzeugt, dass es möglich sein musste, bestimmte Charakteristiken von Unternehmen ausfindig zu machen, anhand derer man frühzeitig erkennen konnte, dass ihre Aktien mit hoher Wahrscheinlichkeit eine erfolgreiche Entwicklung nehmen würden. Nachdem er einige solcher Merkmale identifiziert hatte, führte er eine Zeit lang Tests durch, mit denen sich seine Vermutungen bestätigten. Durch seine Erkenntnisse ermutigt wurde er Investor und nebenher Kolumnist beim Sunday Telegraph unter dem Pseudonym Capitalist. In seinen monatlich erschienenen Artikeln stellte er seine Strategie vor und die damit ausgewählten Unternehmen. Von 1963 bis 1965 legte sein Portfolio um 68,9 % zu, während der Markt nur um 3,6 % stieg.

Slater konzentrierte sich kurz gesagt v.a. auf kleinere Unternehmen (max. 100 Mio. Pfund) und das PEG war für ihn die wichtigste Kennzahl (Price/Earnings to Growth bzw. KGV/Gewinnsteigerungsrate - damals optimalerweise bei max. 0.6 - über Verkauf sollte man nachdenken ab Wert von 1.0). Die Bilanz und Cashflows mussten sauber aussehen, das Unternehmen musste Merkmale haben, welche ihnen Vorteile gegenüber Mitbewerbern verschafft (Stichwort Moat - Burggraben) und es sollte etwas Neues bieten (z.B. neue Produkte, neues Management). Nebenbei achtete er auf 'weichere' Faktoren wie z.B. positive Einschätzung des Managements zur näheren Zukunft oder aber Charttechnik. Jedem dieser Themen hat er im Buch ein eigenes Kapitel gewidmet, in dem er Beispiele aus seiner Investmentlaufbahn anführt. Daneben geht er u.a. auf kreative Buchführung (Kapitel 4), zyklische Unternehmen und Turnarounds (Kapitel 11), Shells (Kapitel 12 - Unternehmen mit Börsennotierung, die evtl. von anderen aufstrebenden Unternehmen übernommen werden als Abkürzung, um an die Börse zu kommen), Asset Plays (Kapitel 13), Brokerauswahl (Kapitel 16), Portfolio Management (Kapitel 17) oder Bullen-/Bärenmärkte (Kapitel 18) ein.

Fazit:

Das Buch hat zwar nur 220 Seiten, aber in den 20 Kapiteln sind so vielfältige Themen untergebracht, dass man das Gefühl hat, ein umfangreicheres Buch gelesen zu haben. Ich habe z.B. vorher noch in keinem Value Investing Buch ein Interview mit einem Charttechniker lesen können (auch wenn ich das Thema zugegebenermaßen größtenteils immer noch esoterisch finde). Inhaltlich erinnert es mich an vielen Stellen an die Peter Lynch-Bücher (One Up on Wall Street, Beating the Street), von denen er das Erstgenannte auch in seinen Literaturempfehlungen aufführt. Es ist halt nur - typisch britisch - wesentlich humorloser zu Papier gebracht worden. Darüber hinaus ist es so, dass man mit den genannten Unternehmen oft weniger anfangen kann, wenn man nicht von der Insel kommt. Glaxo Smith Kline oder The Body Shop waren mir z.B. bekannt, aber von The Sage Group, Domestic & General, MTL Instruments oder Pentland Industries hatte ich noch nie was gehört. Das wären für mich aber die einzigen Kritikpunkte. Ansonsten ist es absolut zur Erweiterung der persönlichen Investmentbuchsammlung geeignet.

Beim Lesen merkt man übrigens öfter, wie gut man es heutzutage als Privatinvestor hat, was das Thema Aktienhandel und Informationsbeschaffung angeht. Wenn er da von Datastream-Abos schreibt oder einem wärmstens empfiehlt, eine intensive Beziehung zu einem vertrauenswürdigen Broker aufzubauen, muss man teilweise doch innerlich schmunzeln. Zusätzlich hatte er mich als Fan des Spiels Monopoly natürlich auch gleich eingefangen, indem er im Einführungskapitel Gewinnstrategien für das Spiel darlegte.

Slater Growth Fund:

Das Buch schrieb er, weil sein Sohn Mark ihn fragte, ob es denn auch gute Investmentbüchern von britischen Autoren gibt und er dies verneinen musste. Mark Slater hat 1994 mit einem Partner eine eigene Investmentfirma gegründet, welche mehr oder weniger nach den Prinzipien seines Vaters investiert. Der bekannteste Fonds von ihnen ist der 2005 aufgelegte Slater Growth Fund, der seit seiner Einführung eine durchaus respektable Performance hingelegt hat (Ausgabepreis 100p, aktueller Preis rund 520p). Dessen aktuellen Top Holdings sind Hutchison China, First Derivatives, Restore, Prudential, CVS Group, Paysafe Group, Alliance Pharma, DotDigital Group, Walt Disney Co und Entertainment One. Also auch wieder 90 % Unternehmen, die mir nix sagen. Hier würde es evtl. Sinn machen, sich diese alle nochmal näher anzuschauen. Also alle bis auf Disney, denn die hab ich ja schon :-)

Montag, 27. November 2017

Thomas MacPherson - "Seeking Wisdom - Thoughts on Value Investing"

Thomas MacPherson - "Seeking Wisdom - Thoughts on Value Investing"

Es gibt so Bücher, auf die freut man sich einfach. Z.B. freue ich mich auf das Buch, das MMI von ValueAndOpportunity irgendwann mal schreiben wird :-) Und zuletzt habe ich mich auf das Buch 'Seeking Wisdom - Thoughts on Value Investing' von Thomas MacPherson gefreut. Ich lese schon seit einiger Zeit auf Gurufocus seine Artikel und in dem Buch hat er mehr oder weniger ein 'Best Of' seiner Artikel zusammengefasst und teilweise mit aktuellen Daten ausgestattet.

Die Artikel in ihrer ursprünglichen Form sind auch jetzt noch auf Gurufocus zu finden (siehe auch Toms Profil) und somit bestens geeignet, sich vor einem eventuellen Kauf des Buches schon einmal zu informieren, ob das Buch etwas für einen ist oder nicht. Leider schreibt Tom in letzter Zeit wenig, was vor allem mit einer Krankheit zu tun hat, unter der er nun schon einige Zeit leidet und für die es wohl keine Heilung gibt. Das aber nur am Rande, denn eigentlich soll es ja um sein Buch und den Inhalt gehen.

Tom war viele Jahre für die Investmentgesellschaft Nintai Partners tätig und schaffte dort von 1999 bis 2015 eine durchschnittliche Performance von 14,3 % p.a.. Er verschrieb sich schon relativ früh dem Value Investing, wobei er dabei eher in Richtung Munger/Fisher als klassisch Graham-Style unterwegs war. Aufgrund seiner Auswahlkriterien hatte er einen relativ überschaubaren Pool an Investmentmöglichkeiten, für die er oft einen Wert bestimmte (und immer wieder aktualisierte) und dann zugriff, wenn der Markt ihm die Möglichkeit dazu bot. Er analysierte v.a. schuldenfreie Wachstumsunternehmen mit einer hohen EK-Rendite, GK-Rendite, einem hohen Return On Capital deren Geschäftsmodell er verstand und die eine starke Marktposition inne hatten.

Ein Investment musste für ihn sowohl im Circle of Competence als auch im Circle of Comfort sein. Er war dabei relativ defensiv unterwegs, da er sich als Vermögensverwalter eben auch in der Rolle des Treuhänders gegenüber den Kapitalgebern sah. Neben einer Analyse, was so alles gut laufen kann, versuchte er auch immer, den Investmentcase zu killen. Schaffte er es nicht und die aktuelle Bewertung des Unternehmens stimmte, stieg er ein und hielt das Unternehmen dann relativ lange. Meist so lange, bis der von ihm bestimmte innere Wert massiv überstiegen war. Der Portfolio Turnover lag laut seiner Aussage über 15 Jahre durchschnittlich unter 5 %. D.h. von 20 Unternehmen, die am Anfang eines Jahres in seinem Portfolio waren, fand man am Ende des Jahres oft 19 wieder. So was ist in der heutigen Zeit meiner Meinung nach relativ selten, würde aber ein wenig zum Punch-Card-Investing passen, das Warren Buffett in der Vergangenheit mal als Idee angestoßen hat.

Einige seiner Investments waren Intuitive Surgical, FactSet Research Systems, Paychex oder F5 Networks. Eines seiner weniger erfolgreichen war CPSI in 2015. Seine Artikel begannen meist mit einem zum jeweiligen Thema passenden Zitat einer historischen Persönlichkeit oder aber eines Investmentkollegen. Danach stellte er seine Gedanken zum Thema dar und berichtete oft, wie ihn diese in der Vergangenheit bei seinen Investmententscheidungen beeinflusst haben. Unter anderem hat er über EBITDA geschrieben, über das Thema Management Fees, über Margin of Safety...

Auf den knapp 300 Seiten findet man zahlreichen Lektionen, die meist über rund 3-4 Seiten gehen (typische Blogartikel eben). Da er das Buch selbst verlegt hat, ist die Qualität der Abbildungen irgendwie leider ein wenig auf der Strecke geblieben. Das wäre für mich der einzige Kritikpunkt an dem Werk. Wer sich nur am Rande für Value Investing interessiert, wird mit dem Buch evtl. ein paar Schwierigkeiten haben. Für alle anderen ist es meiner Meinung nach wärmstens zu empfehlen. Auf jeden Fall kann man knapp 20 € auch schlechter investieren.

Donnerstag, 23. November 2017

Gerald Hörhan - "Investment Punk"

Gerald Hörhan - "Investment Punk"

Auf meiner Reise durch die Welt der Investment-, Wirtschafts- und Selbstverbesserungsbücher bin ich diesmal beim 'Investment Punk' hängen geblieben, über den ich hier einmal ein paar Worte verlieren möchte. Das Buch erschien 2011 und wurde vom 1975 geborenen österreichischen Unternehmer Gerald Hörhan - dem selbsternannten 'Investment Punk' - geschrieben. Hörhan war mir aus diversen Youtube-Videos bereits bekannt und so war ich auch gespannt, was er denn vor 6 Jahren so zu Papier gebracht hatte.

Zum Buch:

Das Buch ist mit 189 Seiten nicht sonderlich umfangreich und somit auch relativ schnell gelesen. In insgesamt 12 Kapiteln führt den Leser die Reise von Hörhan's Anschreiben an 'die Mittelschicht' über das Aufzeigen der Probleme dieser Mittelschicht (Hamsterrad, Konsumschulden, Auto/Haus als Vermögen statt Verbindlichkeit sehen...) hin zu ein paar Tipps und Tricks des Unternehmentums. Sein Credo ist dabei mehr oder weniger: 'Werde ein Investment Punk'.

Hörhan kommt aus 'einfachen Verhältnissen' (Vater Buchhalter, Mutter Hausfrau) und er begriff schon relativ früh, dass man in der Schule auf jeden Fall einmal nicht lernt, wie man reich wird. Da das aber eines seiner Hauptziele war, eckte er mit seinen ständigen Grundsatzdiskussionen wohl öfter mal mit Lehrern an. Allein sein Intellekt (war wohl Einser-Schüler) bewahrte ihn davor, von der Schule zu fliegen. Nach der Matura studierte er dann (u.a. in Harvard Abschluss in angewandter Mathematik und Wirtschaft mit Auszeichnung) und landete nach Arbeitsstationen bei McKinsey und JP Morgan in der Selbständigkeit (eigenes Finanzunternehmen).

Insgesamt erinnert mich das Buch sehr stark an 'Rich Dad, Poor Dad'. Sowohl das Aufzeigen der Probleme der 'normalen Leute' (Verschuldung durch Streben nach dem Eigenheim, Konsum auf Kredit), als auch seine Investmenttipps (Immobilien nur zur Vermietung kaufen, bei Fonds auf Gebühren achten, in Aktien nur investieren, wenn man auch Bilanzen lesen kann) und Ansichten zum Unternehmertum (B-Quadrant anstreben - siehe 'Cashflow-Quadrant') hatte ich in der Form bereits bei Robert Kyosaki gelesen.

Herr Hörhan ist aber trotzdem ein sehr cleverer Geschäftsmann und mir persönlich - da ich ja 2 Jahre in Wien verbringen durfte - auch v.a. durch seinen österreichischen Akzent sympatisch. Er hat sich mit dem 'Investment Punk' eine Marke aufgebaut, die es ihm ermöglicht, unangepasst zu leben und Aufmerksamkeit zu bekommen. Auf öffentlicher Ebene provoziert er gerne (z.B. mit seinem Aston Martin DB9 in voller Punk-Kluft vorfahren), wobei er offensichtlich vorhandenes wirtschaftliches Geschick (siehe auch seine Beschreibung zu einem Busunternehmen im Buch) einfach mit dosierter 'Gesellschaftskritik' (oberflächliches Denken) verbindet.

In dem Buch spricht er bewusst 'euch, die Mittelschicht' an, da ihm das ein möglichst großes Zielpublikum bietet. Leute der Unter- und Mittelschicht denken, dass sie zu dieser Mittelschicht gehören. Das ist wie beim Autofahren, wo sagen wir 80 % der Leute denken, dass sie überdurchschnittlich gute Fahrer sind. Und die Oberschicht ist als Zielpublikum auch relevant, da sie es ja vermeintlich geschafft haben, gerne auch mal auf die darunter liegenden Schichten blicken und ggf. nur noch auf der Suche nach den wenigen Punkten sind, in denen sie sich evtl. noch verbessern können.

Investmentseitig schreibt er ein paar interessante Sachen, wobei die meisten eher oberflächlicher Natur sind. Das ist aber auch verständlich, wenn man auf nicht mal 200 Seiten sowohl Gesellschaftskritik inkl. leichter Provokation, ein wenig Biographie als auch nützliche Tipps zu diversen Themenbereichen unterbringen möchte. Hier hätte ich mir ein wenig mehr erwartet, aber wie schon geschrieben gibt es ja auf Youtube genug ergänzendes Material von und zu ihm. Hier einmal eines meiner liebsten zum Thema 'Wohnungsvermietung', in dem u.a. auch deutlich wird, dass Hörhan - wenn notwendig - eben auch ein 'harter Hund' sein kann (hier im Bezug auf Mietnomaden):

Fazit:

In Summe muss ich sagen, dass ich für wesentlich mehr Geld schon wesentlich weniger unterhalten wurde. Aber wer bereits 'Rich Dad, Poor Dad', 'Der reichste Mann von Babylon' und/oder gar 'Reicher als die Geissens' gelesen hat, wird hier nicht so viel Neues finden.

Für alle Lesefaulen ist das Gute in der heutigen Zeit ja, dass man auf Youtube zu fast allen Themen was Passendes findet. So gibt es diesmal noch eine gut aufbereitete Zusammenfassung einiger Inhalte des Buches, welche durchaus auch dem Schreibstil des Buches nachempfunden ist:

Freitag, 10. November 2017

Warren Buffett-Biographie "Das Leben ist wie ein Schneeball" von Alice Schröder

Warren Buffett-Biographie "Das Leben ist wie ein Schneeball" von Alice Schröder

Ich habs geschafft, mich zum zweiten Mal durch die 1000+-Seiten-Biographie von Warren Buffett zu arbeiten und muss sagen, dass es eine der besten Biographien ist, die ich bisher gelesen habe. Eins vorweg: wer lernen möchte, besser zu investieren, dem seien eher Warren Buffetts kostenlos verfügbare 'Briefe an die Aktionäre' ans Herz gelegt bzw. Lawrence A. Cunningham's Kurzzusammenfassung derer namens 'Die Essays von Warren Buffett: Die wichtigsten Lektionen für Investoren und Unternehmer'. Wer aber herausfinden möchte, warum Warren so ist, wie er ist (er ist schon irgendwie ein wenig freaky - siehe hier), der kann dies ansatzweise durch 'Das Leben ist wie ein Schneeball' tun.

Zur Autorin:

Die Autorin Alice Schröder veröffentlichte das Buch erstmals Ende September/Anfang Oktober 2008. Ich las die 3. Auflage aus dem Jahr 2010, welche noch ein weiteres Kapitel zur Finanzkrise enthält, die ja Ende 2008 noch in vollem Gange war. Schröder selbst war nach ihrem MBA-Abschluss einige Zeit in der Finanzindustrie tätig und ab 1993 als Finanzanalystin für Versicherungsunternehmen. So kam sie dann in Kontakt mit Buffett. Mit diesem arbeitete sie dann ab 2003 an der genannten Biographie. Dabei verbrachte sie knapp 2000 Stunden mit ihm und führte zusätzlich Interviews mit über 250 beteiligten Personen. Dieser Aufwand lässt sich im Buch selbst wiederfinden, welches über 1000 Seite stark ist und dessen Fußnoten allein mehr als 100 (!) Seiten ausmachen.

Zum Inhalt:

Das Buch beginnt mit einem Kapitel über die Sun Valley-Konferenz in 1999. Zu dieser Zeit kritisierten viele Leute Buffetts Investmentstil als altmodisch und führten seine leicht hinter dem Markt zurückgebliebenen Resultate der vorangegangenen Jahre/Monate darauf zurück, nicht bei der großen Party namens 'Das Internet ist die Zukunft' mitzumachen. Diesen sagte er sinngemäß, dass die Realität auch sie einholen wird und dass es unmöglich ist, dass die Aktienkurse dauerhaft losgelöst von den harten Fakten (sprich Umsätzen, Gewinnen und Cashflows) agieren können. Der Höhepunkt dieser 'Losgelöstheit' folgte zwar erst noch im März 2000, aber im Nachhinein hatte er mit seinen Aussagen, die er damals getroffen hatte, Recht, wie wir jetzt wissen.

Es gab vorher und nachher immer wieder Leute, die sich über Buffett lustig gemacht haben (hier z.B. einmal ein Buffett-Bashing-Video von Jim Cramer aus 2009), aber bisher hatte er doch meist das bessere Ende auf seiner Seite. Von daher bin ich z.B. auch voll bei ihm, wenn er zur aktuellen Bewertung an den Märkten sagt, dass sie mit den aktuellen Gegebenheiten nicht zu hoch sind. Aber das nur am Rande.

Ab Kapitel 6 beginnt die eigentliche Biographie. D.h. hier wird beschrieben, wie Buffett seine Kindheit verbrachte (in Omaha, Nebraska - wo er auch jetzt noch/wieder lebt) und aus welchen Verhältnissen er stammt. Sein Vater war Aktienbroker und wurde hart von der Weltwirtschaftskrise ab 1929 getroffen. Später war er republikanischer Kongressabgeordneter und damit verantwortlich dafür, dass Buffett sein geliebtes Omaha zeitweise verlassen musste. Buffett selbst hat noch 2 Schwestern, die mit ihm gemeinsam die nicht wirklich leichte Kindheit mit einer - sagen wir mal eher gefühlskalten - Mutter verbrachten. Es werden diverse Anekdoten aus seiner Kindheit erzählt, die erkennen lassen, dass er wohl schon immer Zahlenmensch und Geschäftsmann war. So kaufte er beispielsweise Sixpacks Cola und verkaufte sie dann einzeln, um einen Gewinn zu erzielen. Oder aber er trug Zeitungen aus, was auch seine Leidenschaft für das Verlagswesen erklärt. Oder aber er machte bereits mit 14 seine erste Steuererklärung, bei der er Uhr-Reparaturkosten und Aufwände für ein Fahrrad geltend machte.

Auch enthalten sind Abschnitte über sein Wirtschaftsstudium an der Columbia University in New York. Dieses absolvierte er z.B. teilweise bei dem von ihm hoch angesehenen Benjamin Graham, dem 'Paten des Value Investing' und (Mit-)Autor der klassischen Investmentbücher 'Security Analysis' und 'The Intelligent Investor'. Für diesen arbeitete er später auch, obwohl dieser ihn initial abgelehnt hatte. Die von Graham favorisierte Art des Investierens (nennen wir es Net-Net-Strategie oder auch CigarButt-Investing) prägte seinen Weg auch lange Jahre und sie war ein Grund dafür, dass er sich irgendwann das Textilunternehmen Berkshire Hathaway aus Neuengland ans Bein band. Nun ja - der Rest ist wie immer Geschichte. Die Class A-Aktie von Berkshire ist mit aktuell über 270.000 $ pro Aktie (!) die mit Abstand teuerste der Welt.

Der Mittelteil des Buches beschreibt Buffetts weiteren Werdegang mit seiner nach ihm benannten Investmentgesellschaft und später nach deren Auflösung mit Berkshire als Haupt-Investmentvehikel. Unter anderem enthalten sind Abschnitte zu Blue Chip, Geico (KFZ-Versicherer), Washington Post, Mrs. B's Nebraska Furniture Mart, American Express, Coca Cola oder den Salomon Brothers. Aus diesen wird ersichtlich, dass auch bei Buffett nicht immer alles glatt lief. U.a. fungierte er bei dem Finanzinstitut Salomon Brothers als Interim-CEO, um sie vor dem Untergang zu bewahren. Das war im Endeffekt schon mal so was wie ein Vorgeschmack auf den 'Lehman Brothers-Untergang', der einige Jahre später folgen sollte. Der 1991 am Salomon Brothers-Skandal beteiligte John Meriwether sollte u.a. in 1997 beim Zusammenbruch des Hedge-Funds Long Term Capital Management auch wieder Buffetts Weg kreuzen.

Zum Ende des Buches hin zeigt sich, dass Buffett auch im hohen Alter noch daran gelegen ist, sein Lebenswerk Berkshire zu vervollständigen und anderen Investoren Wissen zu vermitteln. Den Abschluss des Buches bildet eine Darstellung der Finanzkrise - soweit das zu der Zeit schon möglich war.

Fun Facts zum Abschluss:

  1. Er verdiente als junger Mann u.a. Geld damit, dass er Pinball-Automaten kaufte und in Frisörläden der Stadt aufstellte.
  2. Er gab Abendkurse zum Thema Investing. Einige der Teilnehmer wurden auch Anleger bei ihm und später auch Berkshire-Aktionäre. Die Teilnahme war eindeutig der Lottogewinn der anderen Art.
  3. Seine Liebe zum Verlagswesen war u.a. durch seine enge Freundschaft zur langjährigen Washington Post-Matriarchin Katharine Graham ersichtlich. Unter seinem Management gewann die Zeitung 'The Omaha Sun' in den 70er Jahren einen angesehenen Pulitzer-Preis.
  4. Seit vielen Jahren pflegt er eine enge Freundschaft mit Bill Gates, dem Microsoft-Gründer auch langjährigen reichsten Mann der Welt. Mit diesem spielt er viel Bridge und Gates hat von Buffett viel über Investments lernen können. Den Großteil seines Vermögens hat er an die Bill und Melinda Gates-Stiftung vermacht.
  5. Nach dem Tod seiner ersten Frau Susie heiratete er 2006 seine langjährige Haushälterin Astrid Menks (geboren in Lettland). Diese wurde ihm von seiner Frau Susie vermittelt (Kümmer dich bitte um ihn). Siehe auch hier.
  6. Er hatte früher Probleme vor Anderen zu reden und machte daraufhin Dale Carnegie-Kurse. Ein Zertifikat eines solchen Kurses hängt auch in seinem Büro. Das Carnegie-Buch "Wie man Freunde gewinnt: Die Kunst, beliebt und einflussreich zu werden" - von einem Bekannten von mir auch das Marienkäferbuch genannt - gehört eigentlich auch zur Pflichtliteratur eines jeden. Aus dem von ihm belegten Kurs resultiert wohl auch Buffetts Einstellung zum Thema Gerechtigkeit. Ich hatte beispielsweise in der Vergangenheit einmal einen Brief mit einem Autogrammwunsch an die Berkshire-Zentrale in Omaha geschickt. Die Autogramme wollte ich für meine Mädels haben, um diese später einmal entsprechend motivieren zu können (schaut mal - Autogramme vom größten Investor aller Zeiten). Dem Brief legte ich sogar 2 Dollar bei für das Rückporto. Irgendwann nach knapp 2 Monaten kam ein Schreiben von Berkshire zurück. An diesem waren die 2 Dollar angeheftet und im Text stand mehr oder weniger, dass Herr Buffett meinem Anliegen leider nicht nachkommen kann, da er sonst alle Anderen auf dieser Welt benachteiligen würde, denen er auch schon einen Autogrammwunsch verwehrt hatte. Warren Buffett wie er leibt und lebt sage ich mal... Leider habe ich das Schreiben nicht mehr.
  7. Für viele ist Warren Buffett der lebende Beweis dafür, dass man auch mit relativ ungesunder Lebensweise alt werden kann. Er macht kaum Sport, trinkt viel (ausschließlich?) Cola und liebt Fast Food + Steaks.
  8. Warren Buffett ist für den Namen dieses Blogs verantwortlich. Nachdem ich Buffettology gelesen hatte, programmierte ich mir ein kleines Werkzeug, welches anhand der darin beschriebenen Bewertungsmethode das Potential von Aktien bemisst. Als Namen wählte ich damals EasyWISA, was für 'Easy Warren Inspired Stock Analyser' steht.
  9. Er ist eine Lernmaschine. Er liest extrem viel (siehe auch hier). Was das angeht, habe ich mich z.B. auch zum Kauf des Buches 'Break Through Rapid Reading' und dem Bau folgender Vorrichtung inspirieren lassen:
    Damit stimmt der Winkel, die Beleuchtung und man kann ein Buch in aufrechter Haltung lesen. Alles wichtige Faktoren, um schnell vorwärts zu kommen. Aber ich schweife ab :-)

Fazit:

Wie schon eingangs geschrieben ist das Buch nicht wirklich dazu geeignet, aus dem Leser einen besseren Investor zu machen, sondern lediglich, ihn Buffett besser verstehen zu lassen. Für Leute, die daran Interesse haben, kenne ich kein besseres, als 'Das Leben ist wie ein Schneeball'. Im Buch sind neben den wirtschaftlichen Vorgängen durchgängig auch viele Informationen privater Natur enthalten. Diese zeigen mir allerdings auch an Buffetts Beispiel, dass man zwar in einem Gebiet richtig gut sein kann (in seinem Falle dem Investieren), aber dass dabei viele andere Sachen auf der Strecke bleiben. Diese zahlreichen Informationen haben bei mir auf jeden Fall zu dem Schluss geführt, dass ich nie wirklich so werden möchte, wie Buffett. Das was er im Geschäft an Genie mitbringt, fehlte ihm viele Jahre auf privater Ebene in hohem Maße. So verließ ihn seine geliebte Frau Susie mehr oder weniger aufgrund seiner emotionalen Beschränktheit und seiner oft sehr kindischen Art. Und auch zu seinen drei Kindern baute er - so zumindest der Eindruck beim Lesen des Buches - erst ein echtes Verhältnis auf, als diese erwachsen waren und eigentlich bereits ihren eigenen Weg gegangen waren. Auch sein ständiges Streben nach Anerkennung von Außen ist nicht so meins. Was diesen Bereich angeht, bin ich eher bei seinem Berkshire-Zwilling Charlie Munger, zu dem ich in Zukunft sicher auch noch mal was schreiben werde.

Für Leute, die lieber kompakte Zusammenfassungen mögen, oder Leute, die gerne mehr über Buffett erfahren möchten, kann ich folgende knapp 1,5 h lange extrem sehenswerte HBO-Dokumentation zu Buffett auf Youtube empfehlen:

Samstag, 28. Oktober 2017

Robert Kiyosaki - Cashflow Quadrant

Robert Kiyosaki - Cashflow Quadrant

Meine Urlaubslektüre des vergangenen Jahres war u.a. 'Rich Dad, Poor Dad' des amerikanischen Unternehmers Robert Kiyosaki. Dieses laut seiner Aussage meistverkaufte Buch des Themenbereiches 'Selbsthilfe Finanzen' handelte von Kiyosakis Denkweisen im Bezug auf finanzielle Angelegenheiten, welche maßgeblich von seinen 2 Vätern beeinflusst wurden. Sein einer Vater (Poor Dad) war ein Beamter, der stets auf Sicherheit und Bildung aus war. Sein anderer Vater (Rich Dad - eigentlich der Vater seines Kumpels Mike) dagegen war Schulabbrecher, Unternehmer und sein Ratgeber in Sachen finanzielle Bildung. Im Verlaufe des Buches kam er bereits mehrfach auf den sogenannten Cashflow Quadranten zu sprechen, der seiner groben Einteilung der (amerikanischen) Arbeiterschaft entsprach. Diese 4 Quadranten sind Hauptbestandteil von Robert Kiyosakis zweitem Bestseller 'Cashflow Quadrant', den ich hiermit vorstellen möchte.

Zum Buch:
Das Buch erschien erstmals 1998 und ich las die Auflage aus dem Jahr 2011. Es hat etwa 370 Seiten und einen einfachen Schreibstil. Die Schriftgröße ist genau richtig, was ein nicht zu unterschätzender Faktor ist. Das schreibe ich aus dem Grund, da ich mir aktuell Daniel Kahnemans 'Thinking, Fast And Slow' nebenher zu Gemüte führe und dessen Minischrift als extrem anstrengend empfinde. Der Preis des Buches ist mit ab rund 7 € bei Amazon als günstig zu bezeichnen. Auf jeden Fall finde ich, dass diese 7 € besser angelegt waren, als die 6 € Versandkosten bei 'Reicher als die Geissens'.

Zum Autor:
Der Autor Robert Kiyosaki ist ein 1947 auf Hawaii geborener amerikanischer Geschäftsmann. Er hat es - nachdem er zeitweise obdachlos was - zusammen mit seiner Frau Kim geschafft, Geschäfte aufzubauen, die sowohl im 'Financial Education'-Bereich, als auch im Immobilienbereich erfolgreich sind. Über die 'Rich Dad Company' vertreiben sie Bücher, Kurse und unter anderem auch das Cashflow 101-Spiel, mit dem man es schaffen soll, sein Denken im Bezug auf finanzielle Angelegenheiten in die richtigen Bahnen zu lenken. Im Endeffekt haben sie es im Laufe der Jahre geschafft, in den beiden Quadranten B und I Erfolg zu haben und dort Reichtum anzuhäufen.

Zum Inhalt:
Doch was hat es mit den Cashflow Quadranten nun auf sich? Laut der Darstellung Kiyosakis (bzw. eigentlich seines Rich Dads) gibt es 4 Quadranten, die auch auf dem Buchtitel zu sehen sind. Links gibt es die E- (Employee - Angestellter) und S-Quadranten (Self-Employed - Selbständig) und rechts gibt es die B- (Business Owner - Geschäftsmann) und I-Quadranten (Investor). Der Großteil der Leute ist auf der linken Seite beheimatet und wiederum ein Großteil dieser Leute kann man im Endeffekt als Arm im Bezug auf Geld bezeichnen. Das betrifft hierbei nicht die Höhe der Einküfte, sondern das Verhältnis von monatlichen Einnahmen im Verhältnis zu den monatlichen Ausgaben.

Die linke Seite (E + S):
Eines der Hauptaugenmerke der Leute auf der linken Seite ist das Streben nach Sicherheit. V.a. im E-Quadranten ist das 'Schule -> Uni -> Job, um über die Runden zu kommen und ggf. irgendwann Rente zu bekommen' weit verbreitet. Der S-Quadrant (zu dem ich mich zählen würde) ist da schon einen Schritt weiter. Die meisten Leute in diesem Quadrant arbeiten auf Stundensatzbasis (Rechtsanwälte, freiberufliche Ingenieure, Ärzte, Physiotherapeuten) und verdienen sehr gut. Sie haben sich teilweise aus dem Sicherheitsnetz des Staates verabschiedet. Allerdings ist es auch bei Ihnen so, dass sie in den meisten Fällen gezwungen sind, selbst zu arbeiten, damit Geld reinkommt (und um die (Konsum-)Schulden zu begleichen). Laut der Aussage von Kiyosaki ist man als Selbständiger so lange im S-Quadrant, wie man es sich nicht leisten kann, ein Jahr nicht zu arbeiten und danach immer noch ein florierendes Geschäft vorzufinden.

Größtenteils ist es so, dass die Konsumausgaben auf der linken Seite (E + S) parallel zum Gehalt steigen und man bei den Einnahmen und Ausgaben oft nur ein ausgeglichenes Verhältnis vorfindet. Mit dem ersten Gehalt wird sich ein neues Auto geleistet (mit Finanzierung). Mit der ersten Gehaltserhöhung kann man sich eine größere Wohnung leisten und einen großen Flachbildfernseher (mit Finanzierung). Zwischendurch leistet man sich mal einen Urlaub (mit Finanzierung), damit man sich vom stressigen Arbeitsalltag erholen kann. Mit der nächsten Gehaltserhöhung kann man sich plötzlich ein eigenes Haus leisten (zumindest scheinbar bei der aktuellen Zinslage)... Und plötzlich hat man ein Sammelsurium an Konsumentenkrediten und einer Hypothek an der Backe, mit der man gezwungen ist, brav jeden Morgen aufzustehen, an die Arbeit zu fahren und drauf zu hoffen, dass man die Schulden bis zum Renteneintrittsalter zurückbezahlt hat. Aber man hat ja ein eigenes Haus... Oder doch nicht? Weil rein technisch gehört es bis zum Begleichen der letzten Rate eigentlich der Bank. Was im Falle von Krankheit, Arbeitslosigkeit, Scheidung oder ungepantem Nachwuchs passiert, kann sich bei diesem Konstrukt jeder selbst ausmalen.

Die rechte Seite (B + I):
Im B- und I-Quadrant profitiert man v.a. von '... anderer Leute'. Der Geschäftsmann baut ein Geschäft auf und lässt Leute, die bestimmte Sachen besser können als er (Termine machen, Sachen herstellen, Webseiten erstellen, Verkaufen, Putzen, Buchhaltung, Verträge aufsetzen), für sich arbeiten und bezahlt diese dafür. Anfangs wird vielleicht noch einiges selbst getan, aber am Ende ist der Geschäftsmann eher eine Art Dirigent. Im Gegensatz zu dem E- und S-Bereich verdient in diesem Falle das von ihm erstellte System Geld (sollte es zumindest). Hier verdient er quasi mit 'Der Zeit anderer Leute' (OPT - other people's time).

Der I-Bereich (Investor) ist dagegen etwas kniffeliger, da sich viele Leute dort wähnen (mich eingeschlossen), aber nur die wenigsten Leute auch wirklich dort sind. Kiyosaki hat dafür die '5 Stufen der Investoren' als Modell entwickelt.

  • Stufe 1 ist der Investor ohne finanzielle Bildung und eigentlich auch ohne Geld. Dieser investiert nicht wirklich.
  • Stufe 2 ist der Sparer. Diesem geht Sicherheit über alles, aber eigentlich verliert er nur den Kampf gegen die Inflation.
  • Stufe 3 ist derjenige, der denkt, dass er es drauf hat. Allerdings ist er eher ein Zocker. Er kauft, weil beim Aktionär geschrieben wurde, dass bei Unternehmen XYZ bald die Rakete abhebt. Alternativ ist er von chinesischen Unternehmen BlaBlubb-SolarInternetTechnologies begeistert, da er dort für 1500 € fast 170000 Aktien bekommt. Dass es Geschäftsberichte gibt, weiß er zwar. Das Lesen dieser empfindet er aber als überflüssig, da es zu wenig Adrenalin durch seine Adern fließen lässt.
  • Stufe 4 ist der Investor, der seine Investmententscheidungen auf Grundlage von greifbaren Informationen trifft. Bevor er ein Investment durchführt, schaut er sich Geschäftsberichte und Branchen an und versucht, eine Vorhersage über die zukünftige Entwicklung zu treffen. In vielen Fällen läuft das aber nebenher (d.h. neben dem Hauptberuf). Hier würde ich mich selbst einordnen, aber gleichzeitig auch Leute sehen, die passiv in ETFs investieren, um ihr ROIT (Return On Invested Time) zu optimieren.
  • Stufe 5 ist der Investor, der viele Jahre Erfahrung in einem oder mehreren Teilbereichen (Immobilien + Aktien) gesammelt hat. Die Erträge dieses Bereichs (=passives Einkommen) machen einen großen Teil seiner Einkünfte aus. Dort erwirtschaftet Geld Geld. Und v.a. im Immobilienbereich ist es das 'Geld anderer Leute' (OPM - other people's money), welches dann zu entsprechenden Einkünften führt.

Fazit:
Kiyosaki beschreibt auf oftmals amüsante Weise die zahlreichen Aspekte der verschiedenen Quadranten und versucht am Ende des Buches zu helfen, dass sich der Leser einerseits seine eigene Situation bewusst macht und dann auch den Weg in Richtung B + I einschlägt.

Er selbst hat den Großteil seines Vermögens durch geschickte Nutzung steuerlicher Gegebenheiten und des Finanzsystems im Bezug auf Kauf und Vermietung von Immobilien gemacht. Sein Geschäft (die 'Rich Dad Company') ist im Endeffekt sein System des B-Bereiches, welches er aufgebaut hat. An dieser Stelle kann ich auch Herrn Alex Düsseldorf Fischer wiederfinden, der mit hoher Wahrscheinlichkeit zumindest 'Rich Dad, Poor Dad' auch gelesen hat. Oder alternativ den von mir durchaus geschätzten Internetunternehmer Kolja Barghoorn, der aktuell vereinfacht gesagt versucht, das '... mit Kopf'-System aufzubauen (Aktien mit Kopf, Versicherungen mit Kopf).

Man muss anmerken, dass das Buch v.a. über und für Amerikaner geschrieben ist, die in vielen Dingen doch eine etwas andere Denke haben (Kreditkartenschulden, hohe Kreditschulden nach dem Studium, Kauf eines größeren Hauses aus Steuergründen). In Deutschland ist es meiner Meinung nach noch nicht ganz so stark ausgeprägt, wie im Buch dargestellt, aber wir befinden uns auf einem 'guten' Weg dahin.

Einige seiner Vergleiche habe ich so noch nirgends gelesen bzw. hatte ich so noch nicht wirklich bewusst als solches wahrgenommen. Z.B. schreibt er von legalen Ponzi-Schema (eine Art Schneeballsystemen). Bei einem Ponzi-Schema nutzt man ja das Geld, welches durch neue und bestehende 'Investoren' reinkommt, um an anderer Stelle die vorherigen 'Investoren' auszubezahlen. Das lockt neue 'Investoren' an und das System wächst und wächst, bis es irgendwann zusammenbricht. Herr Madoff hat das in den 2000er Jahren recht erfolgreich durchgezogen (Madoff made off with the money). Jeder vernünftige Mensch würde von sich behaupten, dass er nie bei so etwas mitmachen würde. Aber mal in die Runde gefragt: Wie läuft das eigentlich mit der Umlageverfahren im Rentensystem? Wie gesagt - legales Ponzi-Schema :-)

Das Buch hat mir in Summe sehr gut gefallen, da es mir einmal mehr gezeigt hat, dass man selbst etwas tun muss und dass von nix nix kommt. Das einzige Problem: ich weiß noch nicht, welches System ich aufbauen werde. Dafür bin ich leider noch zu sehr im S-Quadrant gefangen. Aber ich bin dran :-)

Allen, die bis hierher durchgehalten haben, sei nochfolgendes kurzweiliges Video von Robert Kiyosaki empfohlen: