Samstag, 19. Dezember 2020

Lebenszeichen

Mir ist gerade aufgefallen, dass ich in diesem Jahr noch gar keinen Blogartikel geschrieben habe und das geht so nicht. Von daher wollte ich zumindest mal ein kleines Lebenszeichen in diesem Corona-Jahr von mir geben :-)

Da wir im letzten Jahr den Schritt zum Eigenheim gewagt haben und das hier in der Region (Münchner Speckgürtel) doch leider ein wenig mehr Geld in Anspruch nimmt, gab es zu der Zeit auch Tabula Rasa im Depot. D.h. eigentlich flog erst mal alles raus, da Banken bei zwei Selbständigen doch gerne ein wenig mehr Sicherheit haben. Das gab uns eine gewisse Planungssicherheit (für Renovierungen) und hat uns irgendwo im Frühjahr auch ein paar schlaflose Nächte erspart. Ich möchte an der Stelle auch gar nicht weiter über das Für und Wider eines Eigenheims diskutieren, sondern halte es hier einfach mir Dr. Gerd Kommers Aussage 'Die selbstgenutzte Immobilie ist eine Lifestyle-Entscheidung'. Da wir vorher in einem DHH zur Miete wohnten, mit Eigenbedarf gekündigt wurden, gerne in der Region bleiben wollten, aber keine Lust hatten, mittlerweile mehr als 2000 € Miete für ein vergleichbares Objekt zahlen zu müssen inklusive notwendiger Prostitution, um überhaupt als Mieter angenommen zu werden, wurde es nun also das eigene Haus.

Selbst bauen kam zwecks Mangel an bezahlbarem Baugrund nicht in Frage. Die letzten Baugrundstücke vor Ort gingen mittlerweile für etwa 900 € den m² weg. Schnäppchen würde der Münchner da sagen. Für uns wurde es dann eine gebrauchte Immobilie (Massivhaus, Bj. 1977, 660 m² Grundstück), die wir in etwa 9 Monaten neben dem Job auf Vordermann gebracht haben. Anfangs war zwar meinerseits recht viel 'das machen wir später' eingeplant, aber meine Frau hatte wohl von Beginn an mehr im Sinn. Im Nachhinein gut, aber in den jeweiligen Momenten war es dann doch sehr oft mit Zähneknirschen verbunden.

Das Gute ist, dass ich megaviel dabei gelernt habe, was mir ggf. bei zukünftigen Immobilieninvestments im eigentlichen Sinn (das Eigenheim ist eher kein Investment) zugute kommen dürfte. Dies betrifft die Abläufe und Kosten des Immobilienerwerbs selbst (Makler, Notar), das Thema Finanzierung (was benötigen Banken und wie lange dauert die Bearbeitung) und das Thema Durchführung und Planung von Renovierungsmaßnahmen. In unserem Fall zog sich z.B. der Immobilienerwerb selbst über knapp 2 Monate hin, da die finanzierende Bank sehr viele Unterlagen benötigte (Steuererklärungen der Vorjahre + möglichst aktuelle Gewinn- und Verlustrechnungen) und zusätzlich durch die Sommerferien auch noch eine etwas unterbesetzte Kreditsachbearbeitungsabteilung hatte. Am pünktlichsten war die Maklerrechnung, welche keine 24 Stunden nach Kaufvertragsunterzeichnung beim Notar ankam und am meisten wehgetan hat, was Kosten/Ertag angeht. Nach Zug-um-Zug-Abarbeitung der einzelnen Schritte hatten wir dann Mitte September 2019 die Schlüssel und konnten mit der Renovierung beginnen. Geplant waren meinerseits ein paar Malerarbeiten, ein paar neue Bodenbelege und die Umgestaltung des Dachgeschosses. Effektiv geworden ist es eine 80%-Renovierung der Innenräume.

U.a. wurden alle Wasserleitungen und die Dachdämmung erneuert, Netzwerk verlegt, die Elektrik auf Stand gebracht, alle Bodenbelege entfernt, Fußbodenheizung in bestehenden Estrich gefräst, im kompletten Haus Fliesen verlegt, alle Türen erneuert, alle Heizkörper entfernt, alle Bäder neu gemacht, der Keller aufbereitet, eine Wasser-Enthärtungsanlage installiert, das Dachgeschoss umgestaltet (inkl. Wände-Einreißen und Trockenbau), alle Wände gemalert...

Mein besonderer Dank geht dabei an unseren inoffiziellen Bauleiter Markus Stosick vom gleichnamigen Bad- & Fliesenstudio in München, ohne den wir wahrscheinlich weder so schnell und zuverlässig an die notwendigen Baumaterialien gekommen wären, noch an die Handwerker. Dass wir im Juni pünktlich umziehen konnten ist zu einem großen Teil auch sein Verdienst. Hier mal ein paar vorher-nachher-Bilder.

 
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Das Gute ist, dass mit dem Haus mittlerweile eine gewisse Planbarkeit eingetreten ist. D.h. die Zahlungsströme der kommenden Jahre sind einigermaßen festgelegt und so können wir uns gemeinsam wieder an den wertpapiergestützten Ausbau der Altersvorsorge machen. Dabei würde es wahrscheinlich Sinn machen, sich zunächst mal wieder mit den bereits im Blog besprochenen Unternehmen zu beschäftigen. Vielleicht komme ich ja in den nächsten Wochen mal wieder dazu. Bis dahin ein schönes Weihnachtsfest und einen einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Dienstag, 17. September 2019

Kommentar zu Beyond Meat und Vorstellung einer fränkischen Alternative

Kommentar zu Beyond Meat und Vorstellung einer fränkischen Alternative

Mit Beyond Meat hat es in diesem Jahr ein Unternehmen in die Schlagzeilen und Depots vieler Investoren gebracht. Dabei handelt es sich um einen amerikanischen Hersteller veganer Fleischersatzprodukte, welcher 2009 gegründet wurde. Sie gingen im Mai diesen Jahres an die Börse und trafen auf ein williges Investorenpublikum, welches dafür sorgte, dass die Aktie am ersten Handelstag prozentual dreistellige Zuwächse verbuchte. Mittlerweile haben sie eine Marktkapitalisierung von über 9 Mrd. Dollar erreicht bei einem TTM-Jahresumsatz von 165 Mio. Dollar und einem TTM-Nettoverlust von knapp 33 Mio. Klingt für mich erstmal nach einem Unternehmen, welches ich aktuell und wohl auch in naher Zukunft mit der Kneifzange nicht anfassen würde, auch wenn mich die Lebensmittelbranche irgendwo interessiert.

Vor kurzem hatte ich das Vergnügen, einen fränkischen Unternehmer aus der Fleischprodukt-Branche kennenzulernen: Marcus Fischer, Fleischermeister und Inhaber der Anton Fischer Fleischwaren AG aus Bamberg (leider nicht börsennotiert und damit auch nicht für Otto-Normalverbraucher investierbar). In einem sehr netten Gespräch bei fränkischen Spezialitäten (lecker Bier, Brezn und natürlich diversen Produkten seiner Firma) konnten wir uns auch ein wenig über die Branche unterhalten und er bestätigte mir, dass es einerseits ein hart umkämpftes und margenenges Gebiet ist und dass andererseits auch die hiesigen Branchenteilnehmer die Zeichen der Zeit erkannt haben und mit Innovationen um die Ecke kommen (müssen). Diese Innovationen betreffen dabei einmal das Produktangebot selbst, als auch alternative Vertriebswege neben der klassischen Wursttheke. Im Falle von Fischer's kann man das Ergebnis online bei 'Fischer's Dosenfestival' bestaunen.

In diesem Online-Shop gibt es Liebold´s Leberkäs in diversen Geschmacksvariationen zu bestellen, wobei eben mit Liebold´s Leberkäs "Der Veggie Franke" auch ein Angebot für Liebhaber vegetarischer Kost verfügbar ist. Alle Liebold's und Fischer's-Produkte kommen ohne Zusatzstoffe (außer Pökelsalz natürlich) und ohne künstliche Geschmacksverstärker daher und sind lactose- und glutenfrei. Sie werden in Dosen in einem hochwertigen, nachhaltig produzierten, gekühlten Versandpaket zugeschickt und sind - trotz Verzicht auf Zusatzstoffe - gekühlt 6 Monate haltbar. Wir haben uns mit Freunden einmal quer durch das gesamte Liebold´s-Sortiment geschlemmt und müssen - v.a. nach 10 Tagen All-Inclusive-Urlaub in der Türkei - zugeben: deutsche Wurstmacher habens halt drauf. Die Produkte sind von unserer Warte aus alle eineingeschränkt empfehlenswert.

Fazit:

Der Trend hin zu veganem Essen lässt sich in der heutigen Zeit nicht vemeiden und ich als bekennender Fleischkonsument muss zugeben, dass es - wie "Der Veggie Franke" beweist - vielen Unternehmen mittlerweile gelungen ist, Produkte zu erstellen, welche - sowohl vom Aussehen als auch vom Geschmacksemfpinden her - dem jeweiligen Original recht nahe kommen. Die Zeiten von grauer Tofuwurst als einziger Alternative sind eindeutig vorbei. Und genau dieser Punkt ist es, der mich wohl auch in Zukunft davon abhalten wird, in Beyond Meat zu investieren.

Ja: es gibt einen wachsenden Markt, aber gleichzeitig ist es ist ein hart umkämpftes Geschäft, in dem am Ende vieles über den Preis geregelt wird. Dazu gibt es zahlreiche etablierte Marktteilnehmer (Groß und Klein), welche den Newcomern das Schlachtfeld nicht kampflos überlassen werden und die Gewinne bzw. positiven Cashflows aus dem klassischen Geschäft (d.h. nicht vegetarisch) für die neuen Geschäftsbereiche nutzen (müssen). Das ist für mich durchaus vergleichbar mit 'Tesla vs. den Rest der Autobranche'.

Ich denke, dass in Zukunft noch mehr Unternehmen ein Stück vom Kuchen abhaben möchten, der am Ende vielleicht nicht ganz so stark wächst bzw. so groß ist, wie es sich Beyond Meat-Investoren wünschen. Den Investoren in Beyond Meat wünsche ich viel Glück. Sie werden es meiner Ansicht nach brauchen.

Disclaimer: Ich wurde von Herrn Fischer weder gebeten, diesen Artikel zu schreiben, noch bekomme ich Geld dafür. Mir wurden lediglich zur Verköstigung einige Produktproben zukommen lassen, die ich allerdings auch als 'Otto-Normalverbraucher' erstehen würde. Die Verlinkungen zum Online-Shop 'Fischer's Dosenfestival' sind KEINE Affiliate-Links.

Sonntag, 7. Juli 2019

Mohnish Pabrai - 'The Dhandho Investor' - "Heads, I win! Tails, I don't lose that much!"

Mohnish Pabrai - 'The Dhandho Investor' - "Heads, I win! Tails, I don't lose that much!"

Nach längerer Zeit habe ich mal wieder ein Buch zum Thema 'Value Investing' gelesen, welches ich absolut weiterempfehlen kann. Und zwar 'The Dhandho Investor - The Low-Risk Value Method to High Returns' vom indisch-amerikanischen Value Investor Mohnish Pabrai.

Zum Autor:

Mohnish Pabrai (Jahrgang 1964) war viele Jahre in der IT-Industrie tätig und verkaufte im Jahr 2000 eine von ihm gegründete IT-Beratungsfirma für 20 Mio. $ an Investoren. Seither fungiert er hauptsächlich als Manager des Pabrai Investment Funds. Seine großen Vorbilder sind Benjamin Graham, Warren Buffett und Charlie Munger. 2007 ersteigerte er zusammen mit seinem Kumpel Guy Spier (Autor des auch lesenswerten Buches 'The Education of a Value Investor') ein Mittagessen mit Buffett für knapp 650.000 $. In diesem Zusammenhang ist das tatsächliche Vorhandensein von Inflation gut erkennbar, denn in diesem Jahr ging dieses Wohltätigkeitsmittagessen für 4,57 Mio. $ weg. Aber das nur am Rande.

Pabrai ist bekennende 'Copycat' und investiert nach Buffetts Prinzipien. D.h. nur in Sachen, die er versteht (Invest in Simple Businesses), nur wenn etwas unter seinem 'inneren Wert' gekauft werden kann (Margin of Safety - Always) und sehr konzentriert (Few Bets, Big Bets, Infrequent Bets). Die Gebührenstruktur seines Fonds hat er an Buffetts Partnerships angelehnt. Beispiele seiner letzten bekannten Investments kann man bei Gurufocus einsehen (hier). Ich weiß, dass er in den letzten Jahren teilweise ein schlechtes Händchen hatte (Stichwort Horsehead), aber teilweise auch ein gutes (Stichwort Ferrari und Fiat Chrysler - wobei er wohl aus aktueller Sicht Fiat Chrysler genau so hätte verkaufen sollen, wie Ferrari). Er gibt seinen Ideen Zeit, sich zu entwickeln (Zeithorizont 3 Jahre). Kurzfristige Schwankungen nutzt er gerne aus, um preiswert nachzukaufen.

Zum Buch:

Das Buch selbst ist sehr gut und flüssig lesbar, allerdings mit 200 Seiten nicht sonderlich umfangreich. D.h. in 1-2 Urlaubstagen ist man damit durch. Es erschien 2007, also noch vor Ausbruch der Finanzkrise. Pabrai erklärt zunächst anhand einiger interessanter Fallbeispiele (z.B. von den Patel-Motels, Richard Bransons Virgin Atlantic oder aber Lakshmi Mittals Stahlimperium), wie man Investmententscheidungen treffen kann. Ein Satz, den man dabei relativ häufig liest, ist "Heads, I win! Tails, I don't lose that much!" D.h. es geht ihm darum, Investments zu finden, bei denen man viel gewinnen kann, wenn es gut läuft und nur wenig verliert, wenn es nicht gut läuft. Diese Idee findet man auch bei Seth Klarman wieder (Margin of Safety) oder Howard Marks. In den dann folgenden Kapiteln erläutert er, wie er selbst Investmentideen entwickelt ('Copycat') und wie er dann Investmententscheidungen trifft (u.a. Nutzung der sogenannten Kelly Formula). Der Rest geht dann leicht ins Philosophische über (u.a. Erläuterung von Abhimanyu's Dilemma oder aber auch, warum er 'The little book that beats the market' gut findet).

Fazit:

Alles in allem ist es ein nettes Buch, mit dessen Ideen ich mich sehr gut identifizieren kann. Wer sich für das Thema Value Investing interessiert, kann hier nicht viel falsch machen.

Sonntag, 12. Mai 2019

Vorstellung des 'Digital Leaders Fund' (ISIN DE000A2H7N24)

Vorstellung des 'Digital Leaders Fund' (ISIN DE000A2H7N24)

Es gibt so Dinge, für die man sich in den Arsch beißen könnte. Eines dieser Dinge in Bezug auf meine Investments ist (Stand heute), dass ich mir nicht Ende letzten Jahres Anteile am 'Digital Leaders Fund' gekauft habe. Diesen hatte ich zwar auf dem Einkaufszettel stehen für den Fall einer Korrektur, aber irgendwie habe ich es versäumt und erst heute mal wieder einen Blick drauf geworfen. Seit Weihnachten hat er nämlich knapp 25 % gemacht, was für einen aktiv gemanagten Fonds mit verhältnismäßig hoher Cashquote überaus bemerkenswert ist.

Der 'Digital Leaders Fund' ist seit knapp einem Jahr auf dem Markt. Er wurde von Baki Irmak und Stefan Waldhauser ins Leben gerufen, wobei mir Stefan vor allem daher bekannt ist, dass er auf meinem Blog doch ab und an umfang- und hilfreiche Kommentare hinterlassen hat. Wer mehr über ihn erfahren möchte, dem kann ich nur sein Interview mit dem Finanzrocker Daniel Korth vom März diesen Jahren wärmstens empfehlen. Auch sein eigener Blog 'High-Tech-Investing' und die Webseite vom DLF sind sehr lesenswert.

Der Fonds ist auf Investments in Unternehmen spezialisiert, bei denen die Digitalisierung eine zentrale Rolle spielt. Zugegeben: das mit der Digitalisierung machen fast alle Unternehmen irgendwie, aber dabei gibt es eben auch welche, die es erfolgreicher machen, als andere. Und da diese damit eine bessere Zukunftsfähigkeit haben, ist die Wahrscheinlichkeit einer damit oft einher gehenden positiven Aktienkursentwicklung natürlich auch höher. Bei den investierten Unternehmen handelt es sich nicht nur - wie man vielleicht denken könnte - nur um Technologieunternehmen, sondern es sind auch Unternehmen aus traditionellen Branchen wie Banken enthalten.

MMI von valueandopportunity hat Anno 2015 in einem Blogartikel mal aufgelistet, welche Kriterien ein aktiv gemanagter Fonds erfüllen muss, damit er darin investieren würde. Für mich (wichtig: jeder muss sich da selbst ein Urteil erlauben) wären beim Digital Leaders Fund alle 6 Kriterien mehr oder weniger erfüllt.

In Bezug auf Punkt 1 der MMI-Auflistung (The manager has to be trust worthy) ist dies schon daher gegeben, da ich viele Gemeinsamkeiten mit einem der Hauptakteure (sprich Stefan) habe. Diese wären:

  • langfristige Denkweise beim Investieren und Vermeidung von Trading
  • eines der Investment-Lieblingsbücher 'One up on Wall Street' von Peter Lynch
  • wirtschaftslastiges Studium (Wirtschaftsinformatik bei mir, Wirtschaftsmathematik bei Stefan)
  • Fan des FC Bayern
  • viele Jahre Arbeit in der Softwarebranche als Softwareentwickler
  • Familienmensch mit 2 Kindern; da er in Herzogenaurach lebt, stellt sich nur die Frage: Adidas (ich) oder Puma? :-)

Spaß beiseite: Der DLF bleibt aktuell auf meinem 'Einkaufszettel für gewisse Momente' und irgendwann wird es auch mal wieder eine gute Einstiegsgelegenheit geben. Er dürfte für alle was sein, die langfristig denken, auf eine gewisse Transparenz stehen (im Rahmen des regulatorisch zulässigen), die sich (wie ich) mit der Bewertung von High-Growth-Unternehmen schwer tun, bei denen das Fondvolumen Wurst ist und die ihre Investmententscheidungen nicht von TER-Prozentpunkten abhängig machen. Einige Leser werden sich jetzt evtl. fragen "Warum macht der hier eigentlich Werbung für einen aktiv gemanagten Fonds", obwohl ich doch eher ein Freund des Stockpickings bzw. alternativ von breit gestreuten ETFs bin? Einfache Antwort: weil ich finde, dass der angesprochene Fonds ein interessantes Konzept hat und in Zukunft so viel Erfolg, wie möglich haben sollte.

Disclaimer: Ich bekomme kein Geld für diesen Artikel, besitze aktuell keine Fondsanteile und kenne niemanden persönlich, der mit dem Fonds zu tun hat und von diesem profitiert. Dieser Artikel ist aus freien Stücken entstanden und stellt weder eine Kauf-, Halte- noch eine Verkaufsempfehlung dar.

Dienstag, 23. Oktober 2018

Bruce Greenwald - 'Value Investing - From Graham to Buffett and Beyond'

Bruce Greenwald - 'Value Investing - From Graham to Buffett and Beyond'

Mein letztes 'Auf dem Weg zur Arbeit'-Buch war 'Value Investing - From Graham to Buffett and Beyond'. Dabei handelt es sich um einen knapp 300-seitigen Mix aus einer akademischen + gleichzeitig doch praxisnahen Betrachtung des Themas Value Investing sowie der Vorstellung von 8 ausgewählten Value Investoren. Das Buch erschien 2001 und wurde hauptsächlich vom bekannten Columbia University-Wirtschaftsprofessor Bruce Greenwald verfasst.

Zum Buch:

Auf den ersten 150 Seiten stellt Bruce Greenwald seine Sichtweise auf das Thema Value Investing vor. Er geht dabei vor allem darauf ein, wie sich der Wert eines Unternehmens zusammensetzt (=Asset Value + Earnings Power Value + Value of Growth) und welche Möglichkeiten es gibt, einen Näherungswert für diesen Gesamtwert zu bestimmen. Für eine Kauf- und Verkaufentscheidung ist dieser Wert dann mit dem aktuell am Markt aufgerufenen Preis zu vergleichen, wobei man - da es ja nur ein Näherungswert ist - eine sogenannte Sicherheitsmarge mit einfließen lassen sollte.

Anhand verschiedener 'echter' Fallbeispiele wie Hudson General, WD-40 und Intel geht er auf die verschiedenen Bestandteile des Gesamtwertes eines Unternehmens ein. D.h. bei Hudson General nimmt er die Bilanz auseinander (inkl. versteckter Assets), bei WD-40 bestimmt er den Earnings Power Value und bei Intel zeigt er, wie man dem Wachstum eines Unternehmens einen Wert zuweisen kann. Die gewählten Beispiele machen seine Herangehensweise relativ transparent, zeigen aber auch, dass eine Unternehmensanalyse in Summe dann auch recht umfangreich werden kann. Etwas verwirrend fand ich teilweise seine -verzeiht den Ausdruck - 'Korinthenkackerei' wo er hier mal 0.6 Mio. wegrechnet und da mal wieder hin um dann am Ende eine 'Bereinigung' des Näherungswertes von vielleicht einem Prozent zu erreichen. Kann man machen - muss man aber nicht.

Auf den letzten knapp 150 Seiten stellt er die Arbeitsweisen folgender (mehr oder weniger) bekannten Value Investoren vor: Warren Buffett (v.a. über Auszüge aus seinen Aktionärsbriefen), Mario Gabelli, Glenn Greenberg, Robert Heilbrunn, Seth Klarman, Michael Price, Walter + Edwin Schloss und Paul Sonkin. Diesen Teil fand ich auch sehr interessant, da man noch einmal schwarz auf weiß gezeigt bekommt, dass innerhalb der Disziplin des Value Investing auch 'Mehrere Wege nach Rom führen'.

Fazit:

Mir hat das Buch recht gut gefallen. Vor allem die Beschreibung der Arbeit der mir (bis auf die Namen) eher unbekannten Investoren fand ich sehr interessant. Buffett, Gabelli, Klarman und die Schlosses waren mir schon bekannt, aber auch die Herangehensweisen der anderen Investoren (und vor allem ihre Track Records wie z.B. die 25 % p.a. von Greenberg von 1984-2000) waren sehr nett zu lesen. Teilweise verliert er sich ein wenig zu sehr in Details und die Vorstellung von Buffett war für meinen Geschmack etwas zu umfangreich (wenn man dessen Biographie bzw. andere Zusammenfassungen seiner Aktionärsbriefe schon gelesen hat), aber das sei ihm verziehen. Die knapp 12 Euro, für die man es bei Amazon gebraucht erstehen kann, sind aber auf jeden Fall gut investiert.

Von Bruce Greenwald gibt es auf Youtube übrigens zahlreiche interessante Videos. Hier z.B. einmal ein interessantes Interview mit ihm (damit man mal ein Bild zum Namen vor Augen hat):